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Der Israelit · 1931-07-23 · Heft 30 (23.7.1931) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 30 (23.7.1931)
Date
1931-07-23
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
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23. Juli 1931 Der Israelit Nr. 30 Seite 15 Rinder ecke. Zirmijah. An einem schwülen Sommertag ging Jirmijahu aus den Töven Jerusalems. Schwere Sorge bedrückte ihn und nur widerstrebend verließ er die Stadt. Immer wieder sah er sich um. solange noch ein Schimmer der ragenden Tempelmauern zu erblicken war, so schwer konnte er sich von der heiligen Stätte trennen. Aber G'tt hatte ihm befohlen, nach seinem Heimatsort, nach Anatot, zu gehen, um dort ein Feld aus dem Besitz seiner Familie zu erwerben. Kaum aber hatte Jirmijahu sich ein Stück Wegs von der Stadt entfernt, da brach das Verderben herein über Jerusalem. Nur um des Propheten und seines Verdienstes willen hatte G'tt das Unheil noch fern gehalten,' solange die Gebete dieses g'tterfüllten Mannes noch aufstiegen, solange Jirmijahu in den heiligen Mauern weilte, dursten sie nicht zerstört werden. Nun aber hemmte nichts mehr den Ausbruch des Unglücks. Feuer und Schwert wüteten in der Stadt. Es ergriffen die Feinde den König Zidkiaju, sie töteten seine Söhne vor seinen Augen und dann blendeten sie ihn, wie es Jirmijah ihm prophezeit hatte. Und er gedachte des Propheten, dem er nicht geglaubt und schrie und ries nach ihm. Jirmijahu aber war nicht in der Stadt. Und es zogen aus als Gefangene die Besten des Volkes und sie gingen in die Verbannung nach Babel. Jirmijahu hatte den Kauf beendet, hatte die Kaufbriefe ausgestellt, wie G'tt es befohlen und sie bewahrt für spätere Jahre, wenn wieder Felder gekauft werden sollten in diesem Lande. Und nun zog er, ein wenig ausgerichtet durch die Hoffnung auf bessere Zeiten, nach Süden, bergauf, Jerusalem zu. Da sah er von ferne einen dunklen Rauch aufsteigen über dem Tempelplatz. „O," dachte Jirmijahu, „das Volk hat sich in Reue und Rückkehr zu G'tt gewandt und bringt im Tempel Opfer dar!" Eilends ging er der Stelle zu, von welcher er beim Fortgehen zum letzten Male den Tempel erblickt hatte und freute sich schon, die stolzen Mauern wieder zu sehen — Trümmer sah er — zerschlagene Säulen — rauchendes Gebälk und Steine, Sterne! Da schrie Jirmijahu auf und klagte: „Ach, wie liegt sie einsam, die Stadt, warum zwangst Du mich, G'tt, sie zu verlassen!" Und nun sucht der Prophet sein Volk, sucht den Weg, den die Verbannten gezogen. Blut findet er auf den Pfaden, vom Blut der Erschlagenen — aber wo sind die Ueberlebenden? Tief neigt er sein Haupt auf die Straße, um Spuren zu entdecken Es der Erde — da steht er Tritte kleiner Kinderfüße ab gedrückt im Staub e . Von Kindern, die in die Gefangenschaft gezogen waren! Schluchzend kniet er nieder und küßt die kleinen Tritte. Diesen Weg nun wanderte Jirmijahu weiter und er erreichte endlich die Kinder, deren Spuren er gesehen und weinend umarmte und küßte er sie. Und weiter zog er. Traf auf eine Schar von Jünglingen, die eiserne Ringe um den Hals trugen. Da ging er hin und beugte auch sein Haupt dem Eisen. Aber der Feldherr Rebusaradan kam und führte den Propheten von ihnen fort. Da gelangte er zu einer Schar von Männern, die mit Fesseln gebunden waren. Da streckte er auch seine Hände aus, um mit ihnen gefesselt zu werden. Doch wieder trat Nebusaradan daöwischen und sprach: „Sieh, ich löse deine Fesseln, wie es Nebukadnezar befohlen hat. Nicht wie das Los des Volkes sei das deine, kein Leid soll dir geschehen! Frei steht dir, wo du wohnen willst. Willst du mit nach Babel ziehen, so komm, willst du im Lande Israels bleiben, so kehre um. Was in deinen Augen recht ist, das tu!" Da dachte Jirmijahu bei sich: „Wer soll die Zurückgebliebenen trösten in Jerusalem und wer sie ermutigen, wenn ich nach Babel ziehe!" und er wandte sich zur Rückkehr. Als aber die Verbannten sahen, daß er sich von ihnen trennen wollte, da umringten sie ihn weinend und riefen: „Jirmijahu, unser Vater, wenn auch du uns verläßt, wer soll uns trösten?" Und Jirmijahu sprach traurig: „Hättet Ihr früher auf mich gehört, meine Kinder, all das Unheil wäre nicht gekommen. Aber nun laßt mich umkehren. Auf den Trümmern Jerusalems ist mein Platz." Dann wandte er sich zum Gehen und kehrte nach Evez Jisroel zurück. Als er hinaufstieg nach Jerusalem, da sah er aus dem Berge Zion eine weinende Frau sitzen, in schwarzem Gewände, mit aufgelöstem Haar. Laut klagte sie, daß man es weithin hörte: „Ich weine, wer wird mich trösten?" Wer wird mich trösten?" Da trat Jirmijahu näher und fragte sie, wer sie fei.: „Ich bin eine verlassene Frau — mein Mann fuhr hinaus auf die See und kehrte nicht wieder und nun brachte man mir die Nachricht, daß mein Haus eingestürzt sei und meine Kinder erschlagen habe. Um wen soll ich nun mehr weinen und wer wird mich trösten?" Jirmijahu sprach: „Tröste dich mit meiner Mutter Zion, die auch ihre Kinder verlor und einsam sitzt." Da antwortete sie: „Ich bin ja deine Mutter Zion, ich selbst bin es ja!" Da tröstete sie Jirmijahu und sprach: „Dein Unglück gleicht dem des Hiob. Seine Kinder und seine Habe wurden ihm genommen und auch du hast alles verloren, was dir teuer war. Aber so wie G'tt den frommen Hiob wieder tröstete und aufrichtete und mit neuem Glück beschenkte, so wird auch dir das Antlitz G'ttes wieder leuchten und Heilung und Frieden kehren wieder bei dir ein. Die Stimme der Freude und' des Jubels, die Stimme des Bräutigams und der Braut wirst du wieder hören, die Stimme derer, die da sprechen: „Danket dem Ewigen, denn er ist gütig -so spricht der Herr!" „Am Tischo b'Aw wird der Moschiach geboren". Es pflügte einst ein Mann auf seinem Felde. Plötzlich brüllte seine Kuh laut auf — und war wieder still. Da staunte der Bauer und wußte nicht, was das bedeuten könne. Kam ein Araber des Wegs und sprach: Spann' aus die Kuh und laß den Pflug!" „Warum?" fragte der Jude verwundert. „Weil soeben der Tempel in Jerusalem zerstört wurde." „Woher weißt du denn das?" „Das erschreckte Brüllen deiner Kuh sagt es mir." Da. brüllte die Kuh zum Zweiten Male. „Jude, Jude," rief der Araber, „spann' ein deine Kuh, laß arbeiten deinen Pflug, denn eben ist der Moschtach geboren worden, der Erlöser Israels.'" Erstaunt fragte der Jude: „Wie ist sein Name?" „Menachem ist sein Name. Menachem den Chiskijahu." „Und wo wurde er geboren?" „In Virath Arba,' in den Bergen Judas wurde er geboren." Da machte sich der Jude auf, verkaufte Land und Kuh und Pflug und kaufte sich Wäsche für kleine Kinder, Tücher und Windeln. Er zog von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf und bot seine Ware feil. Aus allen Dörfern kamen die Frauen, aus allen Häusern kamen die Mütter, aber die Mutter des Menachem war nicht unter ihnen. Da rief er laut aus: „Mutter des Menachem, Mutter des Menachem, komme auch du und kaufe Windeln für deinen Sohn!" Da trat die Frau zögernd näher und sprach: „Was willst du von meinem Kinde? Es ist mir verhaßt, denn in der Stunde seiner Geburt ward der Tempel zerstört. Sprach der fremde Mann: „Tröste dich, Mutter, und liebe ihn: er wird den Tempel wieder erstehen lassen. Da kaufte sie Windeln für das Kind, aber sie war arm und hatte kein Geld. „Was tut es," sagte der Mann, „nimm alles für deinen Sohn, er soll stark werden und groß, der Retter Israels." Noch sprachen sie, daß ward dunkel der Himmel, ein furchtbarer Sturm brauste daher. Fegte durch das Dorf, riß die Hütte der Frau mit sich und trug den Knaben mit sich fort. Wohin? Wer weiß es? Wann wird er wiederkehren? Noch harren wir alle seiner, der da kommen möge, uns zu trösten und zu erlösen. Eine Unterhaltung zwischen Taiis und Tephilin. Die Synagoge war aus. Das Talis und die Tephilin lagen verlassen im Pult, da sagten die Tephilin: „Du, Talis bist viel mehr wert als wir, dich braucht man jeder Tag. Aber uns braucht man nicht jeden Tag, nämlich am Schabbos und am Jom-Tow braucht man uns nicht." „Seid doch nicht so neidisch," sagte das Talis. „Ihr seid doch dafür viel heiliger als ich." „So, wer sagt denn das?" antworteten die Tephilin. „Das will ich Euch beweisen. Wenn ich aus den Boden falle, küßt man mich, aber wenn von Euch einer auf den Boden fällt, muß man fasten." „Also damit geben wir uns zufrieden," sagten die Tephilin. — Jetzt war es wieder ruhig geworden. E. Hofmann (1034 Jahre). Liebe Kinder, ich habe diese kleine Erzählung abgedruckt, weil sie mir gut gefallen hat. Ich freue mich immer sehr, wenn Ihr mir eine kleine Geschichte einsendet. Aber ich meine, Ihr mühtet nicht so oft von einem Wettstreit oder einem Vergleich zwischen zwei Dingen erzählen. Sicher fällt Euch noch etwas anderes ein. Vielleicht versucht Ihr einmal in den Ferien, eine kleine Geschichte zu schreiben, in der die folgenden Wörter Vorkommen: Freitag — Streit — Synagoge — dunkel — nicht mehr. Ich bin schon sehr neugierig auf Eure verschiedenen Geschichten; die zwei schönsten werden in der „Kinderecke" abgedruckt. Und nun auch eine hebräische Ferien-Preisaufgabe für die Größeren. 4 3 2 1 11 10 9 ■ 8 n 7 6 5 ■ 17 ■ 13 ■ — 16“ 12 ■ B 15 14“ 19 W ■ B 18 H 24 M 23 p 21 B 20 m 25 B 29 28 m r B 26 B W 31 ■ ■ 30 B S enkrecht: 1. Schriftgelehrter, 2. Gerichtshof,3. seltsamer Fluß, 4. jüdischer König, 6. Körperteil, 7. Geleite, 8. persischer König, 10. syrischer Feldherr, 11- Gewässer, 15 Fragewort, 17. Adverb d. Zahl, 20. Verwandter Jsaks, 22. Fürst, 23. Wesen, Sein, 24. Nachkomme, 25. Teil des Gesichtes, 26. Kranz, 28. Brennendes. 29. Partikel. Wagerecht: (von rechts nach links) 5. Eintauchung, y. Feldherr Davids, 12. Freund, 13. Sinn, Zweck, 14. Reittier, 16. berühmte Stadt, 17. leer, 18. Wehruf, 19. Fürwort, 21. Raubvögel (aram.), 25. Vogel, 2T Gift, 28. Ausdehnung, 30. Schlußvorlesung, 31. Prophet. Es kommen wieder drei schöne Preise zur Verteilung. Unter mehreren richtigen Lösungen entscheidet das Los. Antworten ans die 3 schweren Fragen. 1. nvnn fällt auf i"rr enn iwn- 2. Die beiden Jungen sind in einem Schaltjahre geboren, der eine am 20. Adar I, der zweite am 7. Adar II. Sie werden in einem gewöhnlichen Jahre »'a- 3. Ich habe wbvt ziehe davon "V" also dreißig ab, dann bleibt d’pp übrig. Ricytige Lösungen sandten ein: Hermann Emanuel, Hamburg: Bertha Samuel, Freudenburg; Oskar Lewin, Frankfurt a. M>; Gerda Oppenheimer, Kitzingen; Perez Posen, Frankfurt a. M.; Leo und Marianne Sichel, Nürnberg; Zerline Carlebach, Berlin; Elli Löbenstein, Hamburg; Hermann Tayer, Frankfurt a. M.; David Grün, Berlin: Baruch Leidner, Karlsruhe; M. Läufer, Carlibaba (Bukowina); I. H. Tempelhof, Saarbrücken: Eva Gutmann, Kosice (Tschechoslowakei); Frau Rosa Freudmann, Antwerpen. 2 Fragen richtig beantwortet haben: Oskar Artmann, Remscheid; Oskar Landau, Kristianstad; David Botschko, Montreux: Josef Tayer, Frankfurt a. M.; Cantor A. Davidsohn, Rastenburg (Ostpreußen).

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