Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1931)
- Date
- 1931-07-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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23. Juli 1931 Der Israelit Nr. 30 Seite 7 der des Administrativ-Komitees endgültig niedergelegt habe, doch als Mitglied des Councils weiter Mitarbeiten werde. Er verbreite sich über die Finanzlage der Jewish Agency und forderte Einheitlichkeit der politischen Arfahrt zu den jüdischen Kulturstätten des Ostens programlngemäß statt. Einige der Teilnehmer sind bereits in Wien eingetroffen. Das Reiseprogramm hat noch folgende Aenderungen, beit. Weder die zionistische Organisation als solche, noch ■ bezrv. Ergänzungen gefunden. Samstag, den 27. Juli,! der Waad leumi in Jerusalem sollte politische Sonder- ^reinigt eine gemeinsame S'udo schlifchis in der Wiener j aktionen vornehmen. Adler versicherte bei dieser Gelegen- Agudas Jisroel-Jugendgruppe die Teilnehmer an der heit, daß die Verhandliungen Dr. Weizmanns mit dem j Studienfahrt, nachdem Führungen durch die Stadt und englischen Kabinett in voller Uebereinstimmung mit den j jüdische Museum stattgesunden haben werden. Sonnoinerikanischen Agency-Führern durchgeführt worden j tag Fahrt per Schiff nach Bratislava. 40 Mitglieder der feien. Sehr wenig wünschenswert sei es, neue Definition; Wiener Jugendgruppe geben das Geleite. Nächste Stades Begriffes „Nationalheim" vorzunehmen, nachdem ^ion Tyrnau zur Besichtigung der Jeschiwo, dann dieser Begriff sowohl wie alle damit im Zusammenhang stehenden Konzeptionen in der Balfour-Deklaration, der Agency-Versassung und im Mandat völkerrechtlich sestgelegt sei. Redner schloß mit einem Appell an die arabische und mohammedanische Welt. Es sprachen Regierungsrat Dr. A. I m h o f für die Stadt Basel, Herr C a s a - st i n i für die Mandatabteilung des Völkerbundes und Stadtrat Mayer für den schweizerischen Israelitischen Gemeindebund. Das politische Referat erstattete Pros. Brodetzky, das Finanzreferat Dr. Werner Senator als Schatzmeister der Agency. Die Agency wäre in schwerste Verlegenheit geraten, wenn die Herren Marburg und Wassermann durch ransaktionen geholfen hätten. den die Einnahmen etwa Lst. 300.000 betragen gegenüber einem Voranschlag von Lst. 550.000. Demgegenüber sei aber festzustellen, welchen Aufschwung Palästina in den letzten Jahren genommen habe. Die minimale Arbeitslosigkeit von 3000 Menschen könnte bis zum Frühjahr mit etwa Lst. 30.000 liquidiert werden. Ueber K o - l o n i sa tio n s fr a g e n referierte Dr Arthur Rupp i n. Die Aussprache brachte wenig bemerkenswerte Momente. Von religiöser Seite ergriff Rabbiner Dr. Unna aus Mannheim das Wort, indem er auf die Notwendigkeit hinwies, die nationale Idee durch die religiöse zu ergänzen. Die ganze Grundlage des Zonismus fei schwankend, weil er die Verweltlichung des jüdischen Volkes erstrebe und ihm damit die Basis seiner Existenz entziehe. Die Autonomie der Misrachi-Schulen dürfe nicht angetastet werden. Der Revisionismus stehe angesichts seines chauvinistischen Charakters im schärfsten Widerspruch zu den Ueberlieserungen des Judentums. Rabbi Dr. Leo Jung, Newyork, erklärte, er habe sich gegen den Rat der Agudas Jisroel der Agency angeschlossen, um für die Möglichkeit eines Zusammenwirkens eintreten zu können. Er schlage vor, eine Kommission zu bilden, die eine Formel für diese Zusammenarbeit mit der Agudas Jisroel finden solle. Der Vorschlag wird einer Kommission überwiesen. Der Reformrabbiner Dr. Schulmann erklärte, er habe Verständnis für die Bedenken der „Agudas Jisroel". R. Meir Berlin meint, der nichtreligiäse Jude in Erez Jisroel fei ihm lieber als der religiöse in Newyork. (Wir können uns bis aus weiteres nicht denken, daß Rabbi Meir Berlin eine derartige, die Grundlagen der Emuno negierende Aeußerung getan haben sollte. Red.) Erez Jisroel solle positiv national und positiv religiös aufgebaut werden. S p r i n z a ck entwickelte seinen Plan, eine Million Mitglieder für die Agency zu werben. Zum Vorsitzenden des Councils der Jewish Agency wurde D'Avigdor Goldsmid aus London, der Präsident des Board of Deputies, gewählt, zum Mitvor- Menden Dr. L. K. Frankel aus Newyork. Auch das Administrativkomitee der Agency konstituierte sich, indem an Stelle von Felix Marburg Bankdirektor Oskar Wassermann aus Berlin zum Vorsitzenden wählte. Stellvertretender Vorsitzender wurde Leo M o tz k i n. In der dritten Sitzung dse Councils erschien Dr. Chaiitti Weizmann, um sich durch eine kurze Rede als ehemaliger Präsident der Jewish Agency zu verabschieden. Eine Spezialkommission wurde eingesetzt, die Vorschläge zur Verbreiterung der organisatorischen Grundlage der Agency, darunter auch solche wegen Ermöglichung des Eintritts der Agudas Jisroel, unterbreiten soll. Ein festes Bugdet wurde nicht angenommen, sondern das Administrativ-Komitee ermächtigt, seine Höhe fest- Zusetzen. Die Tagung wurde am Freitag, den 17. Juli, geschlossen. Oesterreich. Ostfahrt des Keren Hathora. Wien, 22. Juli. Trotz der deutschen Wirtschaftskrise findet die von der Keren Hathora-Zentrale angekündigte Studien-; weiter nach Nitra, per Auto nach Sobor, dem Sommer-! Heime von Beth Jakob. Der Weg führt dann über P o - prad per Auto durch die hohe Tatra nach dem Höhenlustkurort Zakopane an Rabka vorbei, wo die Sommerkolonien der Poale Agudas Jisroel stationiert sind. Am 29. Juli feierliche Einweihung des Beth Jakob-Seminars in Krakau. Nächste Etappe Lublin, wo die Gesellschaft zwei Tage lang Gast des! Lubliner Raw fein wird. Am 2. August soll man in Warschau sein, wo zu Ehren der Reisegesellschaft eine f imposante Versammlung vorgesehen ist. Von dort aus f ihr nicht i nach Gora-Kalvaria, alsdann nach M i r zum Be- Anleihesuche, der berühmten Jeschiwo, nach R a d u n zum Cho- England. Der neue High Commissioncr für Palästina. London, 16. Juli. Während des Zionistenkongresses ist in Bafel zur größten Ueberraschung der leitenden Kreise der Jewish Agency und r,er zionistischen Organisation seitens der englischen Regierung bekannt gegeben worden, daß der General Arthur Greensell Wauchopes als Nachfolger Chancellors zum High C o m m i s s i o n e r von Palästina ernannt wurde. Die Regierung hat auch diesesmal offenbar besonderen Wert darauf gelegt, die Ernennung ohne jede vorherige Konsultation irgend einer jüdischen oder arabischen Instanz in voller Unabhängigkeit vorzunehmen. Der neue High Commissioner ist politisch ein unbeschriebenes Blatt. Cr hat während des Krieges in Frankreich eine englische Heeresgruppe kommandiert. Trotzdem oder vielleicht deshalb gibt, der judenfreundliche „Manchester Guardian" der Hoffnung Ausdruck, daß der neue militärische High Com- Missioner den antizionistischen Tendenzen vieler Beamten der Palästina-Regierung ein Ende machen werde. Im lausenden Jahre werj Chapm und zur letzten Etappe Wilna, dem Jeruscholajim Litauens. Bis Warschau legt dann die Reisegesellschaft den Weg gemeinsam zurück. Reiseleiter ist Herr David T ü r k l in Wien. Es wird gehofft, daß die deutschen Teilnehmer sich durch die Ausreisegebühr von der Beteiligung an der Reise nicyi, abscyrecken lassen. Vor der Rehabilitierung Philipp Halsmanns? — Strafanzeige gegen den vermutlich tatsächlichen Mörder. Wien, 19. Juli. Der Fall Halsmann trat mit dem heutigen Tage in ein neues sensationelles Stadium. Der Verteidiger Halsmanns, Dr. Franz Peßler und der Wiener Rechtsanwalt Dr. Ernst Ruziska haben beim Strafgericht in Innsbruck gegen einen gewissen Johann Schneider die Strafanzeige wegen Mordes an Max Halsmann erstattet. Johann Schneider hat sich seinerzeit im Lause des Halsmann-Prozesses selbst des Mordes beschuldigt. Aus amtlichem Wege wurde jedoch damals fein Alibi nachgewiesen. Er wurde deshalb wegen Vorschubleistung für Philipp Halsmann und wegen Irreführung der Behörden zu vier Monaten Kerkers verurteilt. Dies geschah, trotzdem er in seiner Darstellung Tatsachen vom Verbrechen erwähnte, die im damaligen Stadium des Prozesses außenstehenden Personen nicht bekannt sein konnten. Augenblicklich ist Johann Schneiders Aufenthalt unbekannt. Durch die privaten Recherchen des Dr. Ruziska hat sich das amtlich beglaubigte Alibi Schneiders als unwahr herausgestellt. Dr. Ruziska wurde in seinen Recherchen vom Begründer der Paneuropa-Jdee, Graf Coudenhove-Calergi und dem berühmten Pariser Anwalt Maitre Henry Torres, dem Verteidiger Schwarzbarts, aufs tatkräftigste unterstützt. Die in der Strafanzeige gegen Schneider angeführten Verdachtsmomente sind derart schwerwiegender Art, daß sie leicht zur Verurteilung Schneiders und Rehabilitierung Halsmanns führen können. Die neue Wendung in der Affäre Halsmann hat in Wien ungeheure Sensation hervorgerufen. Belgien. Das Ende des Konfliktes in der Machafike Hadatz-Gemeinde. Antwerpen, 14. Juli. Die Kämpfe in der Machasike Hadah-Gemeinde, die zur Demission des Gesamtvorstandes führten, haben einen, wie zu hoffen ist, endgültigen Anschluß gefunden. In der letzten Generalversammlung kam der unzweideutige Mehrheitswille der jedem Kompromiß mit der Antmerpener Einheitsgemeinde widerstrebenden Elemente zum Ausdruck und es wurde ein neuer Vorstand gewählt, von dem unbedingte Wahrung der Selbständigkeit der Gemeinde und auch eine harmonische Zusammenarbeit mit dem Oberrabbiner der Gemeinde zu erhoffen ist. Dem Vorstande gehören u. a. folgende Herren an: W. Blasbalg, S. Finkelstein, H. Fischer, S. Kleinhaus, H. Krengel, M. Krengel, F. Lunzer, S. Richter, D. Schmidt, I. Wachsstock, M. Weiß. Vorsitzender des Vorstandes ist Herr S. Richter geworden. Innerjüdische Gegensätze im Zusammenhang mit der Schechita-Bill. London, 12 Juli. Die zwischen der 2. und 3. Le,üng zutage getretenen Schwierigkeiten bei der Verabschiedung der die jüdischen Interessen wahrenden Klausel 6 der Schlachtungsbill werden kompliziert durch das neue Hervortreten eines innerjüdischen Gegensatzes, den man bereits überbrückt glaubte. Der Entwurf des Gesetzes läßt die rituelle Schechita von Seiten solcher Schächter zu, die „durch den Chief Rabbi approbiert" sind. Gegen diese Fassung nahmen sofort, als sie bekannt wurde, noch zu Lebzeiten des Heimgegangenen Rabbi Dr. Schönfeld, nicht nur dessen Gemeinde und die um sie gruppierte „Union orthodoxer Kongregationen" Stellung, sondern auch sämtliche orthodoxe Rabbiner der Provinz, sowie in London die „Federation of Synagogues", sowie die spanisch-portugiesische Gemeinde. Die daraufhin vom Board of Deputies eingeleiteten Kompromißverhandlungen führten, wie an dieser Stelle seinerzeit gemeldet, bereits im Oktober 1930 dazu, daß man die Bildung einer st ä n d i g e n Schechitakommission beschloß, der unter dem Vorsitz des Chiefrabbi 9 weitere Mitglieder und zwar 3 Vertreter des Besdin der United Synagogue, 2 Vertreter der Federation, 2 der Provinzgemeinden und je einer der spanisch-portugiesischen Gemeinde und der Union orthodoxer Gemeinden angehören sollten. Um die Rechte der orthodoxen Gemeinden Londons und der Provinz zu wahren, soweit diese Gemeinden vom Chiefrabbi unabhängig sind, und die Anerkennung seiner Gerichtsbarkeit ablehnen, wurde eine besondere Resolution vereinbart, wonach die Kommission nicht das Recht haben sollte, die Anerkennung irgend eines Schochet, der von einer der angefchtosfenen Körperschaften vorgeschlagen wird, zu verweigern, es sei denn aus religiösen oder moralischen Gründen. Trotz dieses Uebereinkommens blieb aber im Wortlaut des Gesetzentwurfes die Formel bestehen, daß zuständig für die Approbierung der Schochtim lediglich der Chiefrabbi bleiben sollte. Da sich die betroffenen Organisationen diese Vereitelung ihres Uebereinkommens natürlich nicht gefallen lassen wollten, so veranlaßten sie den Deputierten Moore, den Einbringer der Bill, zu einem Abänderungsantrag, der den Chiefrabbi ganz ausschaltet und an seine Stelle „jeden Rabbiner einer bestehenden Gemeinde" setzt. Gegen diese Fassung wendet sich nun eine Eingabe des Board of Deputies, die jedoch am Schluffe sich bereit erklärt, an die Stelle des Chiefrabbi die von vornherein ins Auge gefaßte gemeinsame lOgliedrige Kommission zur Approbierung von Schochtim treten zu lassen. Der Board of Deputies schlägt also zwar die Bildung der rabbinischen Kommission vor, aber ohne die die Rechte der unabhängigen orthodoxen Gemeinden schützende Klausel. Dies würde nach deren Ansicht zur Folge haben, daß die rabbinische Kommission nur ein anderer Name für das Oberrabinat wäre und man erblickt in einer solchen Regelung die Gefahr, daß der Chiesrabbi das Gesetz benutzen würde, um die politische und religiöse Kontrolle über die zahlreichen orthodoxen Gemeinden zu erlangen, die bisher ihre Unabhängigkeit bewahrten. In einer ausführlichen Gegeneingabe an den Gesundheitsminister stellt die „Union orthodoxer Gemeinden" noch einmal die ungeheure Gefahr dar, die dem