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Der Israelit · 1931-07-16 · Heft 29 (16.7.1931) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 29 (16.7.1931)
Date
1931-07-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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16. Juli 1931 Nr. 29 Seite 7 Jahre zu den internationalen Wettspielen nicht nach Palästina begeben werde falls dort weiter am Sabbat Fußball gef p i e l t w i r d. Rumänien. Die Aiinimalforderungen des Jüdischen Parlamentsklubs in Rumänien. Bukarest, 9. Juli. Im Verlauf der Debatte über die Botschaft des Königs im Parlament stellte Deputierter Dr. Theodor Fischer im Namen des Jüdischen Parlamentsklubs die folgenden Minimalsorderungen der Jüdischen Partei auf: 1. Abänderung des Staatsbürgergesetzes von 1924 in der Weise, daß es in vollem Einklang mit den Bestimmungen des Pariser Vertrages von 1919, der von Rumänien ratifiziert wurde, gebracht werde. 2. Aufhebung des die jüdische Gemeindeautonomie schädigenden Artikels des Kultusgesetzes von 1929, 3. Erhöhung der Subvention für den jüdischen Kultus in dem Maße, daß das Verhältnis pro Kopf das gleiche sei wie bei den anderen Konfessionen. 4. Sicherung der Sabbat- und Feiertagsruhe der jüdischen Schüler an Staatsschulen. 5. Errichtung einer staatlichen jüdischen Lehrerbildungsanstalt. 6. Aufhebung jener Bestimmungen aus dem Unterrichtsgefetze, durch welche Eltern gehindert werden, ihre Kinder in Privatschulen erziehen zu lassen. 7. Modifizierung des Kooperative-Gesetzes von 1929 in der Weise, daß die jüdischen Kooperativen unter der Verwaltung einer eigenen Zentrale funktionieren können. 8. Errichtung einer Sektion für jüdische Angelegenheiten beim Unterstaatssekretariat für die Minoritäten. (Der zweiten Forderung muß schon jetzt energisch widersprochen werden, denn es handelt sich dabei zweifellos darum, durch Einführung eines Gewissenszwanges die Bildung selbständiger orthodoxer Gemeinden zu verhindern. Red.) Jugoslawien. Die Sephardim Jugoslaviens und die neue Ordnung in Spanien. Belgrad, 21. Juni. Auf die von republikanischen Kreisen Spaniens ausgehende Propaganda für Rückkehr und Naturalisation sephardrscher (fpanioli scher) Juden nach Spanien haben die Sephardim Jugoslaviens negativ reagiert. In der Belgrader Zeitung „Breme" präzisiert Leo A. Amar den Standpunkt der Sephardim Jugoslaviens wie folgt: Die jugoslavischen Juden fühlen sich als nationale Minorität in Jugoslavien sehr wohl; das Volk dieses Landes hat — wie kein zweites in der Welt — den Ausspruch: „Lieb ist uns jeder Bruder, wes Glaubens er auch sei" wahr gemacht. Die jugoslavischen Juden wurden nie verfolgt und sie denken nicht daran, das Land zu verlassen, für das sie ihr Blut vergossen haben. An Spanien bindet sie nichts mehr." Spanien. Dank der spanisch-portugiesischen Judengemeinde Großbritanniens an das neue Spanien. Madrid, 28. Juni. Am 24. Juni hat der Präsident der provisorischen Regierung Spaniens, Alcala Zamora, den Sekretär der spanisch-portugiesischen Judengemeinde Großbritanniens, Paul Goodman, der während seines Aufenthaltes in Spanien auch die Vertretung der ITA. übernommen hat, empfangen. Paul Goodman brachte gegenüber dem Präsidenten den Dank der sephardischen Juden Englands an die neue spanische Regierung für den historischen Akt der Wiedergutmachung der Judenvertreibung au Spanien im Jahre 1492 zum Ausdruck. Präsident Zamora äußerte seine Befriedigung über die freundschaftlichen Gefühle der sephardischen Judenheit gegenüber Spanien. Er hoffe, sagte er, daß die Kenntnis der spanischen Sprache und Kultur unter den sephardischen Juden erhalten und noch weitere Verbreitung finden werde. Als Beispiel dafür, wie verbreitet die spanische Sprache schon heute unter diesem Teil der Judenheit sei, führte er an, daß er und seine Gattin anläßlich eines Besuches auf der Insel Rhodos vor einigen Jahren von einem jüdischen Bootssührer in spanischer Sprache an- Der Israelit geredet wurden. Präsident Zamora erwähnte auch, daß er, als ihm seinerzeit von der Madrider medizinischen Fakultät der Doktorgrad verliehen wurde, eine Rede des Präsidenten der Fakultät, Dr. Jgnacio Bauer, der heute Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Madrid ist, mit einem Hinweis auf den semitischen Einfluß auf die spanische Kultur beantwortet hat. Griechenland. Die judenseindlichen Ausschreitungen in Saloniki. Saloniki, 8. Juli. Während in Saloniki allmählich wieder Ruhe eintritt, scheint sich die judenfeindliche Agitation in die griechischen Provinzstädte zu verbreiten. Der Gesamtschaden in Saloniki beträgt 2 Millionen Drachmen. Von der großen Synagoge in Saloniki ist außer rauchgeschwärzten Mauern nur der große hölzerne Araun Hakaudesch übrig geblieben, der merkwürdigerweise keinen Schaden erlitten hat. Die Vandalen haben allerdings die Thorarollen geraubt und geschändet. Die zerrissenen und zerstreuten Ueberreste wurden gesammelt und beim Oberrabbinat deponiert. Es ist geradezu ein Wunder, daß bei der Feuersbrunst kein Menschenleben zu beklagen ist. Palästina. Allgemeine Sterblichkeit und Kindersterblichkeit unter den Juden Palästinas. Jerusalem, 24. Juni. Wie aus einem vom Sekretariat für Gesundheitswesen des Waad Leumi soeben veröffentlichten Mitteilungsblatt hervorgeht, ist die Sterblichkeit der Juden in Palästina mit 9,6 pro Mille die niedrig st e der ganzen Welt. Die Kindersterblichkeit unter den palästinensischen Juden ist in den letzten süns Jahren um 50 Proz. gesunken und ist jetzt mit 69 pro Mille niedriger als die Kindersterblichkeit in Deutschland oder England. Die Kindersterblichkeit unter der jüdischen Bevölkerung im Emek beträgt bloß 30 pro Mille und stellt damit die niedrigste Kindersterblichkeit in der Welt dar. Der Kampf gegen das Fußballspiel am Sabbat. Jerusalem, 8. Juli. Die Oberrabbiner K u k und Jacob M e i r haben an die Jewish Agency, den jüdischen Nationalsond, den Keren Hajessod und den Waad leumi die schriftliche Aufforderung gerichtet, Angestellte, die an Fußballspielen am Sabbat teilnehmen, zu entlassen. Inzwischen veröffentlicht Kol Jisroel in seiner heutigen Nummer eine scharfe Kampfansage gegen den Waad leumi, der durch die Duldung und Billigung der Sabbatentweihung nunmehr jede Möglichkeit eines politischen Zusammenwirkens mit der Orthodoxie verscherzt habe. Das Blatt dementiert die von der Presse gebrachte Notiz, wonach Agudas Jisroel beim Großmufti die Absage einer ägyptisch - mohammedanischen Spielergruppe an den Makkabi herbeigesührt habe. Diese und die anderen nichtjüdischen Gruppen hätten vielmehr aus eigener Initiative gehandelt in dem tiefen Respekt vor den Gefühlen der orthodoxen Judenheit. Umso furchtbarer hebe sich von dieser taktvollen Rücksichtnahme der Nichtjuden die Roheit der Makkabifporthelden ab, die von der ganzen jüdischen Oeffentlichkeit als Verräter am Judentum und an Erez Jisroel gebrandmarkt werden müßten. Besonders scharf wendet sich das Blatt auch gegen das Verhalten der zionistischen Chaluzim in Pvlizeiunisorm, denen es eine Wonne gewesen sei, ihren Haß gegen das orthodoxe Judentum durch Mißhandlung der Jeschiwobachurim Lust zu machen. Die gleiche Nummer enthält einen warmen Appell an den M i s r a ch i, in Konsequenz der Waffenbrüderschaft beim Kampf gegen die Sabbatentweihung sich von der diese Sabbatentweihung begünstigenden zionistischen Organisation zu trennen. An den Anschlagsäulen veröffentlichte Agudas Jisroel ein Plakat, worin ausgefordert wird, am nächsten Sabbat eine Pause in den Protesten eintreten zu lassen und weder selber in der Nähe des Fuhballpielfeldes am Sabbat zu erscheinen, noch die Jugend dorthin gehen zu lassen. Es sollen auf diese Weise gefährliche Zusammenstöße verhindert werden. Personalien. Iranksurl a. Al., 15. Juli. Wie uns aus Nauheim mitgeteilt wird, beabsichtigt der Strikower Rebbe, am Sonntag, den 20. Juli, nach Frankfurt zu kommen und dort einen Tag zu verweilen. Er wird bei Herrn Rosenzweig, Baumweg 37, absteigen. Neustadt o. Aische, 1. Juli. Am Donnerstag, den 10. Tamus, verschied nach mehrtägigem Krankenlager, ganz unerwartet im 64. Lebensjahre David W o l l e n r e i ch. Die außerordentlich große Beteiligung bei der Beerdigung legte Zeugnis ab von der Verehrung, die er im Kreise seiner großen Verwandtschaft besaß und von dem Ansehen, dessen er sich bei den Mitgliedern der hiesigen Kultusgemeinde und bei der Gesamtbevölkerung der Stadt und Umgebung ohne Unterschied der verschiedenen Konfessionen sich erfreute. — Treu dem Religionsgesetze, aufrichtig G'tt und dem Glauben ergeben, führte der Verblichene mit seiner Gattin ein echt jüdisches Haus, das stets gastlich Verwandten, Freunden und auch den Armen geöffnet war. Rechtschaffen im Geschäfte, bescheiden in seiner Lebensführung, Frieden liebend und Frieden erstrebend, erwarb er sich die ungeteilte Achtung seiner Nebenmenschen. An der Bahre zeichnete Herr B l u m e n t h a l ein Bild des Entschlafenen. Die Herren Lehrer S. Sulzbacher, Biebrich und Ludwig Schwarz, Nürnberg widmeten im Namen der Familie dem Heimgegangenen tiefergreifende Worte. n-ax:in Bensheim a. d. B., 14. Juli. Vor einigen Wochen verschied nach längerem Leiden Frau Mina Oppenheimer im .71. Lebensjahre. Mit ihr ist eine i"n nv« im wahren Sinne des Wortes dahingegangen, wie sie in der heutigen Zeit leider immer seltener werden. An der Seite ihres allzufrüh verstorbenen Gemahls, der als Lehrer und Kantor in vorbildlicher Weife 28 Jahre lang in Schule und Haus auf seine Gemeindemitglieder eingewirkt, daß Kinder in streng religiösem Sinne erzogen wurden, hat auch die Dahingeschiedene rühmlichen Anteil genommen. Sie hat es verstanden, nicht nur ihre Kinder tu echt jüdischem Geiste zu erziehen, sondern es auch erlebt, daß dieselben mwn herangewachsen sind. Herr Rabbiner Dr. Merzbach, Darmstadt, entwarf im Trauerhause ein getreues Charakterbild der Verstorbenen, indem er besonders ihr frommes, bescheidenes Wesen, das sich im stillen Wirken bekundete, hervorhob. Eisenstadt, 16. Juli. Aus Eisenstadt (Burgenland, Oesterreich) wird uns berichtet: Am 12. ds. wurde Herr Markus Schlesinger, Sohn des Herrn Oberrabbiners zu Zlate Moravce (Slovensko) als hiesiger aut. orthodox-israelitischer Gemeinderabbiner gewählt. Der junge Raw ist Absolvent der öffentlichen Rabbinatsschule zu Bratislava und steht im Rufe eines ausgezeichneten Talmudgelehrten und glänzenden Kanzelredners. Ellingen, 15. Juli. Am Sonntag, den 15. tvo fand in Ellingen eine ww-Feier auf rro-o statt. Bei dieser Gelegenheit wurde dem sehr verdienten Herru Hermann, der ein eifriger Förderer von va-mn ami» ist, und auch selbst recht fleißig lernt, von den anwesenden Herren Rabb. Dr. Mannes und Rabb. Dr. Munk der aan-Titel verliehen und die Ehrenurkunde, die auch die Unterschrift des Herrn Rabb. Dr. Pinchas Kohn aufweist, überreicht. Tief ergriffen dankte der Geehrte für die ihm in so überraschender Weise erteilte Auszeichnung. Mit ungeteilter Freude nahmen die anwesenden mw-Teilnehmer diese an so richtiger und verdienter Stelle erwiesene Ehrung auf und die vielen v"» gipfelten in dem warmen Wunsche, es möge dem jungen nn vergönnt sein, mina D’pow D’n »aai D’ja Mit erhebenden und belehrenden mvi naa schloß die Feier. Papenburg, 14. Juli. Eine seltene Ehrung ist unserem früheren Lehrer, dem Senator L. Strauß aus Anlaß seines 70. Geburtstages zuteil geworden. Der Magistrat der Stadt Papenburg hat ihm eine herrliche Blumenspende, geschmückt mit den Farben der Stadt und ein Gratulationsschreiben überreichen lassen, in welchem die Verdienste des Jubilars um die Stadt und die Allgemeinheit in schmeichelhafter Form gewürdigt werden. Des ferneren teilt der Magistrat mit, daß er beschlossen habe, das Bild des Herrn Senator Strauß im Sitzungssaale des Rathauses anbringen zu lassen. Diese Auszeichnung stellt einen wahren Dia-' dar und verdient in einer Zeit, in der der Jude und das gesamte Judentum unter dem blinden Fanatismus so schwer zu leiden haben, eine ganz besondere Note. Schotten, 14. Juli. Am 25. Juli (Schabbos Nachamu sind es 40 Jahre, daß Herr Lehrer Kaufmann in unserer Gemeinde als Lehrer und Kultusbeamter wirkt. Mit dem 40jährigen Ortsjubiläum kann auch das 50jährige Dienstjubiläum verbunden werden. Herr Kaufmann hatte im Herbst des Jahres 1811 das Kölner Lehrerseminar absolviert und begann seine Lehrtätigkeit als Religionslehrer in Langen b. Darmstadt von 1881 bis 1882, in Bad Homburg von 1882 bis 1885 und war von 1885 bis 1891 an der jüdischen Volksschule in Ahaus in Westfalen. Am 25. Juli 1891 kam dann Herr Kaufmann nach Schotten. Die 1. und 2. Lehrerprüfung hat er an den preußischen Lehrerseminaren in Montabaur und Soest abgelegt. Im Jahre 1906 wurden Herrn Kaufmann die Rechte eines Volksschullehrers verliehen. Herr Kaufmann erfreut sich in Schotten in allen Beoälkerungsschichten großer Beliebtheit. Wir wünschen ihm zu seinem Jubiläum nur das Veste und wollen hoffen, daß er zum Wähle unserer Gemeinde noch recht lange wirken möge.

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