Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1931-07-16 · Heft 29 (16.7.1931) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 29 (16.7.1931)
Date
1931-07-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2450652-2450681--78075-2535741
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 6 Nr. 29 Der Israelit 16. Juli 1931 Die Endziel-Resolution und der Exodus der Revisionisten. Basel, 13. Juli. Endlich in der Nacht von Sonntag auf Montag ist die politische Kommission, die seit Mitte voriger Woche an der in den Mittelpunkt des Interesses gerückten Formulierung des zionistischen Endzieles arbeitet, zu einem Ergebnis gelangt, über das in der soeben abgehaltenen Nachtsitzung des Kongresses abgestimmt wurde. D i e Resolution ist mit 162 Stimmen angenommen worden, indem die Gegner sich der Stimme enthielten. Sie hat folgenden Wortlaut: „Der Zionismus ist die nationale Befreiungsbewegung des jüdischen Volkes; er hält an seinem im Baseler Programm niedergelegten Ziel unerschütter lich fest, in Erez Israel die Lösung der Judenfrage herbeizuführen. Das heimatlose, landlose, zur Aus Wanderung drängende Volk will durch seine Wieder Verwurzelung in seinem historischen Heimatland auf dem Wege einer ununterbrochenen Einwanderung und Entwicklung seine wirtschaftliche, geistige und politische Not überwinden und in Erez Israel ein mit allen Merkmalen eines normalen Volkslebens ausgestattetes nationales Dasein erneuern. Der Kongreß weist jeden Versuch, dieses Ziel zu verkleinern, mit Entschiedenheit zurück." Während diese Resolution sich in offenkundigem Gegensatz zu der revisionistischen Auffassung befindet und die Forderung einer jüdischen „Mehrheit", noch dazu „auf beiden Ufern des Jordans", mit klarer Bewußtheit unrerdrückt, wurde merkwürdigerweise gleichzeitig mit 126 gegen 106 Stimmen ein Antrag der politischen Kommission angenommen, worin das Bedauern über die Aeußerungen Weizmanns in seinem bekannten Interview ausgesprochen und seine Antwort auf die diesbezügliche Interpellation im Kongresse als unzureichend erklärt wird. Alsdann gelangte die Endzielresolution der Revisionisten zur Vorlage und es wurde über den Antrag abgestimmt, über diese Resolution logischerweise zur Tagesordnung Überzüge h e n. Als dieser Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung mit 125 gegen 62 Stimmen angenommen war, erhoben sich die revisionistischen Delegierten und schickten sich an, den Kongreßsaal zu verlassen. Großmann wollte eine Erklärung abgeben, wurde jedoch durch ungeheuren Lärm daran verhindert. Die Linke stimmte die Hatikwah an, während Großmann und seine Freunde in Beschimpfungen an die Kongrehmehrheit und in die Worte „Verräter" usw. ausbrachen. Während die Arbeiterpartei unausgesetzt hebräische Lieder sang, bestieg Jabotinsky einen Tisch und zerriß mit dem Rufe „Dies ist kein Zionistenkongreß mehr" feine hoch emporgehaltene Kongreßlegitimation. Die Sitzung wurde um 4 Uhr morgens geschloffen. Zur Vorgeschichte der von der Mehrheit angenommenen Endzielresolution ist zu bemerken, daß nur dem energischen Auftreten Weizmanns in der Kommission und einer eindringlichen telegraphischen Warnung, die im Laufe des Sonntags vom Waad leumi aus Jerufalem eintraf, die vorsichtige Formulierung der Resolution zu danken ist. Der ursprüngliche Entwurf der Kommission enthielt die revisionistische Mehrheitsforderung. So erklärt sich der merkwürdige Widerspruch, daß man eine Endzielresolution im Sinne Weizmanns annahm und diesem gleichzeitig ein Mißtrauensvotum erteilte. Die Leitungsfrage auf dem Zionistenkongreh. Basel, 14. Juli. Dje Leitungsfrage ist bis heute früh noch ungelöst. Die Anti-Weizmami-Gruppe der allgemeinen Zionisten möchte eine Koalition mit der Arbeiterpartei unter Ausschluß der Revisionisten und unter der Präsidentschaft von S o k o l o w zustande bringen. Die Revisionisten sind heute in den Kongreßsaal zurückgekehrt und beteiligen sich wiederum an den Verhandlungen. Sie haben mit Unterstützung des Misrachi und ihrer Anhängerunter den allgemeinen Zionisten einen Antrag durchgesetzt, der sich gegen den Mangel an nationalem Geist bei der Leitung der hebräischen Universität, also letzten Endes gegen Magnes und seinen Brith Schalom, wendet. Die Annahme des Antrages erfolgte gegen die Stimmen der Arbeiterpartei. Das Plenum des Kongresses wird erst heute nachmittag wieder zusammentreten und ein Ende ist nicht abzusehen. Iie Woche. Berlin. Das Gemeindeblatt der jüdischen Gemeinde fordert die Berliner Kurgäste in den Kurorten mit jüdischen Kleingemeinden aus, an den Freitag Abenden und Sabbaten die Synagogen zu besuchen, um dadurch ermutigend und stärkend auf die Glaubensgenossen an den kleinen Plätzen zu wirken. — Der Wohlfahrtsausschuß des Preußischen Landesverbandes hielt eine Sitzung ab, in der über die Verteilung von Stipendiengeldern, Arbeitsnachweiswesen und Erwerbslosenfürsorge, letztere insbesondere moralischer Art, beraten wurde. — Der Vorstand des Weltverbandes für religiös-liberales Judentum tagte unter dem Vorsitze des Londoner Predigers Dr. Mattuck und in Anwesenheit der Schriftführerin, Miß Montagu. Im nächsten Jahre soll mit Rücksicht auf die Wirtschaftslage keine Weltkonferenz abgehalten werden. — In der Stadtverordnetenversammlung beantragten die Nationalsozialisten, in den Markthallen nur noch arische Gelfügelhändler zuzulassen. Die Abstimmung wurde vertagt. Breslau. Bei Kattowitz fanden in der Nacht zum 9. Juli schwere deutschfeindliche und antisemitische Ausschreitungen statt. Reichelsheim i. O.. Der hiesige Friedhof ist in der Nacht von Donnerstag auf Freitag von Unbekannten geschändet worden. Die Gemeinde hat für das Ergreifen der Täter eine Belohnung ausgesetzt. 6 Steine wurden umgeworfen und teilweise schwer geschändet. Basel. Vorigen Sonntag fand in Basel eine Zusammenkunft der Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Jugendverbände statt. Es wurden vorbereitende Schritte zur Einberufung eines Weltkongresses der jüdischen Jugend beraten und eine Einladung an die Verbände zur Teilnahme an der Makkabiade in Tel- Awiw Pessach 1932 überbracht. Bukarest. Am 9. Juli fand die offizielle Gründung eines Landesverbandes Ort für Großrumänien statt, die sich zugleich zu einer feierlichen Ehrung des Vertreters des Ortverbandes, Dr. Singalowsky aus Berlin gestaltete. Warschau. Bei einer Herzl-Gedenkfeier in einem kleinen Städtchen bei Tomaschow kam es zu einer Straßenschlacht zwischen Kommunisten und Jungzionisten, wobei ein junger Zionist, Jzchok Kischow, durch Messerstiche getötet wurde. — Die von den Regierungskommissionen veranstalteten amtlichen Gesellenprüfungen für die Absolventen der Ort-Schulen verliefen mit vorzüglichem Erfolge. 90 Proz. aller Prüflinge bestanden. — Das Städtchen Konsk bei Kielce steht seit einigen Tagen unter dem Terror jugendlicher Pogromhelden. Lharbin. Die große Synagoge in Chardin wurde durch Brand zerstört. Die niedergebrannte Synagoge war vor 25 Jahren nach Beendigung des russisch-japanischen Krieges, als Juden sich in großer Zahl in der Mandschurei niederzulassen begannen, errichtet worden. Es gibt in Chardin noch zwei große und drei kleinere Synagogen. Riga. Eine der ältesten Synagogen Lettlands, das Prsiler Minjan in Dwinsk, brannte nieder. Zahlreiche benachbarte Gebäude wurden zerstört, so daß eine Reihe von Familien obdachlos sind. Tel-Awiw. Der 72jährige Jehuda Abraham Cohen beging Selbstmord, weil ihm die Genehmigung eines Gesuches um dauernden Aufenthalt in Palästina von der Regierung verweigert wurde. Jerusalem. Der Nachtwächter der Kolonie Beth Alpha wurde bei der Abwehr von 8 eingedrungenen Dieben von einem der Eindringlinge schwer verletzt. Belgien. Eine orthodoxe Mittelschule in Brüssel. Brüssel, 13. Juli. Auf Initiative des Herrn Rabbiners Ch. H. K r iig e r fand heute die konstituierende Sitzung eines Komitees zur Errichtung einer staatlich anerkannten, orthodoxen Mittelschule statt. Das langgehegte Projekts dessen Ausführung bisher, allen Bemühungen zum Trotz, nicht gelang, wird nunmehr durch die hochherzige Unterstützung der hiesigen Familie Varmat, Gestalt anmehmen. Die bekannten Philantropen Barmat, die erst kürzlich auf ihre Kosten eine streng rituelle Mikwah mit modernstem Komfort, unter der Aufsicht des Herrn Rabb. Krüger, erbauen ließen, wollen hiermit ihrem sel. Vater, A. Varmat n*y, das schönste Denkmal setzen. Die Schule wird zum ehrenden Andenken an diesen edlen Wohltäter den Namen „Veith Abraham" erhalten. Ein passendes Gebäude, für 6 Klassen ausreichend, ist bereits gefunden und wird der Schule seitens ihrer Gründer kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Negierungs-Bewilligung ist inoffiziell erteilt. Der Schule soll eine Kinderspeisung angegliedert sein. Es ist das große Berdienst der Familie Barmat, einen ersten entscheidenden Schritt für die stark gefährdete jüdische Zukunft der Brüsseler Jugend getan zu haben. Die reichen Früchte werden nicht ausbleiben. Bafel, 15. Juli. polen. Die Lage in der Warschauer Gemeinde. Warschau, 10. Juli. In einem Interview des Führers der orthodoxen Fraktion in der Gemeindeverwaltung erklärte dieser, daß der von der Agudas Jisroel gebildete Mehrheitsblock keinen Grund habe, sich vor den Drohungen der zionistischen Opposition zu fürchten. Mit den Grodsisker Chafsidim werde ein durchaus harmonisches und durch keinerlei Meinungsverschiedenheiten gefährdetes Zusammenwirken stattfinden. Was den dem Block ungehörigen Vertreter des Vereins Chefsed chel Emmes betreffe, so habe man lediglich die Bindung übernommen, diesen lebensnotwendigen und in ganz Warschau segensreich wirkenden Verein, wie es ohnedies die Pflicht der Gemeinde fei, zu unterstützen. Aber auch die volkistische Gruppe habe sich verpflichtet, in allen religiösen Angelegenheiten den Standpunkt der Orhodoxie zu respektieren. In der schwierigen Subventionsfrage erklärt der Vertreter der Mehrheit, man werde getreu dem alten Grundsatz r-nnT»*-? rpTO pr>r für alle Schulen, gleichviel welcher Richtung, die Mittel zur Gewährung von warmem Frühstück und sonstigen Nahrungsmitteln ohne weiteres bewilligen. Dagegen können natürlich religionsgesetzlich verbotene Kulturzwecke nicht subventioniert werden. Die neue Mehrheit sei sich ihrer Verantwortung voll bewußt und werde sich bemühen, in der schweren ökonomischen Krise, die die Juden Polens zu durchleben haben, die Gemeinde zu einem wirksam hilfreichen Faktor auszugestalten. Tschecho-Slowatei. Die Protestbewegung gegen die Jerusalemer Labbatentrveihung in der Stovakei. Bratislava, 10. Juli. Im Anschluß an die eindrucksvolle Protestversammlung, die hier stattfand, kommen aus dem ganze» Lande Meldungen über ähnliche Veranstaltungen, die zumeist von der agudistischen Judgend veranlaßt worden sind, so in Spißke Podhradie, Nove Zamky, Topolcany, Hust. Jneresiant ist übrigens, daß hier in Bratislava selbst, wo wir ebenfalls das Glück haben, einen „Makkabi" (Telegramm.) 31t besitzen, dieser sozusagen „jüdische" Sportverein für _ , , .. den 4. bis 6. Juli, also für Schabbos 's ein in S° k°l°w ,st °l- N°ch,° ger W-nzm-mns zum Pr->. ,,,„atonales Tennisturnier -.»kündigt, sidenten der zwmstlschen Weltorganisation gewählt worden; die Revisionisten und Misrachi stimmten für ihn,; Dagegen hat hier sehr angenehm die Nachricht bedie gemäßigten Zionisten und die Arbeiterpartei ge-jrührt, daß der schweizerische Makkabi soeben gegen ihn.! gen die Abhaltung von Fußballspielen in Palästina pro- - j testiert und angekündigt hat; daß er sich im nächsten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.