Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1931)
- Date
- 1931-07-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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16. Juli 1931 Der Israelit Nr. 29 Seite 3 * 3. Czechoflovakei: Das czechoslovakische Ko^ rnitee telegraphiert, es sei an sich für einen Kalender von iS Monaten und werde dem Sekretariat seinen Bericht später erstatten. 4. Frankreich: Der französische Bericht enthält einen besonderen Abschnitt über die Stellungnahme der religiösen' Kreise. Der Erzbischof von Paris verweist auf den Papst. Die Meinung der protestantischen Föderation bezieht sich nur aus die Festlegung von Ostern. Die Union der israelitischen Vereinigungen in Frankreich und Algier stimmt der Kalenderreform zu, vorausgesetzt, daß die uralte Institution der Woche und ihrer ununterbrochenen Kontinuität gewährleistet ist. Sie widerspricht also jeder Kalenderreform, die einen beweglichen Sabbat zur Folge haben würde und schlägt deshalb die Einschaltung einer ganzen Woche nach 5 oder 6 Jahren vob. Bemerkenswert ist, daß nach dem französischen Bericht auch die wissenschaftlichen Kreise in Frankreich bisher keine definitive Meinung geäußert haben. Insbesondere sind in diesen Kreisen die Meinungen geteilt in Bezug auf die Kontinuität der Woche. Ebenso sind die ökonomischen Kreise geteilter Meinung und sie stehen mit einem gewissen Mißtrauen dem Wechsel in den traditionellen Gewohnheiten des Volkes entgegen. Allgemein günstig sei die Stimmung nur der Fixierung des Osterfestes. 6. Deutschland: Der Bericht des deutschen Studienkomitees ist fast der einzige, der die von den religiösen Kreisen geäußerten Bedenken vollkommen totschweigt. Er weiß nur zu berichten, daß B/io der Organisationen, die sich äußerten, für die Kalenderreform seien, ohne jedoch darüber Auskunft zu geben, wie viel Organisationen befragt wurden und wieviele geantwortet haben. 6. Großbritannien: Der Bericht weist darauf hin, daß in der heutigen Wirtschaftskrise das Interesse für eine so theoretische Frage, wie die der Kalenderreform, im allgemeinen recht gering ist. Relativ am meisten Interesse besteht noch für die Festlegung des Osterfestes. Im vierten Abschnitt gibt der Bericht in anerkennenswerter Ausführlichkeit die Stellungnahme der religiösen Körperschaften Ausdruck. Der Kardinal- Erzbischof von Westminster lehnte es ab, einen Vertreter in das Komitee zu entsenden, weil die Frage ganz allein in den Zuständigkeitsbereich des Vatikans gehöre. Der Erzbischof fügt hinzu, der heilige. Stuhl habe bereits erklärt, daß kein genügendes Argument für die beabsichtigte Reform des Kalenders bisher geltend gemacht worden sei. Die anglikanische Kirche hätte kein prinzipielles Bedenken gegen die Reform, jedoch nur dann, wenn es nicht zu einer Spaltung in der Praxis der verschiedenen christlichen Gemeinschaften führt. Der Bericht gibt dann die bekannte ablehnende Stellungnahme der britischen Judenheit gegenüber jeder Blanko-Tagresorm Ausdruck. Im allgemeinen bemerkt der Bericht, daß die öffentliche Meinung in England ihrem konservativen Charakter gemäß nur sehr langsam für eine K a l e n d e r r e f o r m gewonnen werden könne. 7. Italien: Das italienische Komitee erklärt sich entschieden gegen die angeregte Kalenderreform. Der Zeitpunkt hierfür sei noch nicht gekommen und die Reform würde um problematischer Vorteile willen ungerechterweise nur alte Traditionen durchbrechen. Insbesondere lehnt das Komitee jede Reform ab, die eine Unterbrechung des Wochenlaufes und die Einführung von Blankotagen ins Auge faßt. Das Komitee würde natürlich, wenn die Kirche prinzipiell für den Blankozitternden Sehnen seines Herzens vibrierende' Lied des Judentums hören. Und rm? wivirr dh dann werden auch sie mit dem aus dem großen und schweren und langen Galuth erlösten Iisrael mitsingen; mitsingen das Lied der Erlösung, das Lied der geistigen Erlösung, das Lied der Ewigkeit! . . . Herman Fischer. Der Schluß von Megilas ro’X. Voriges Jahr wurde an dieser Stelle eine geistvolle Erklärung dafür geboten, warum im Gegensätze zu den sonstigen Gepflogenheiten der Propheten aus einen „guten Schluß" verzichtet und mit osn ejk ’d ausklingt. Es läßt sich vielleicht auch 'folgendes dazu sagen: Stände irr» u’V» naxp so wäre es eine Strafe bis zur Unerträglichkeit. Da es aber heißt ts» t » fo ist das eine mildere Strafe ns >rbi nsi Der Sinn wäre dann: Zürnen wirst Du uns, aber nicht im Ausmaß Deines Zornes, sondern in einem geringern Grad (-w ™») also nicht ganz (*mn) Abschwächung. Der Abschluß gestaltet sich dadurch etwas tröstlicher. I. G. Äleines Feuilleton. Am Jahrzeikskage. Sofort vom ^'tteshaufe aus^ Zum „Guten Ort", zu Vater, Mutter Still pilgerten wir Zwei hinaus. tag wäre, sich dieser anpassen, wobei jedoch aus liturgischen Gründen aus das gregorianische Jahr Rücksicht genommen werden müßte. 8. Ungarn: Das ungarische Komitee ist entschieden gegen die radikalen Vorschläge, die Blankotage einführen wollen und so den alten Zyklus der Siebentage- Woche zerstören. Es spricht sich für eine gemäßigte Reform aus, die ohne Tangierung der 7 Tage-Woche durchführbar ist. Das Komitee sagt ausdrücklich, daß Vorschläge, die Blankotage enthalten, gegen die Tradition sind und das religiöse Gefühl verletzen. Ein Minderheitsbericht besagt, daß wenn die radikalen Vorschläge nicht angenommen werden können, die Reform vorerst besser ganz unterbliebe. '9. Niederlande: Der Bericht spricht sich endgültig gegen den Blankotag und das 13 Monate-Jahr aus und es wäre gegen die Teilung in 13 Monate selbst dann, wenn der Blankotag international angenommen werden würde. Das Komitee ist für Beibehaltung des gregorianischen Kalenders bei Einführung gleichmäßiger Quartale mit Ausnahme des letzten, das einen Tag mehr fyaben würbe. 10. Portugal: Das Komitee stellt eine gewisse Apathie der öffentlichen Meinung fest, ist aber doch im großen ganzen für die Kalenderreform. 11. S ch w e d e n : Das Komitee hält die größte Umsicht für notwendig bei Behandlung des Problems der Kalenderreform. Eine Aenderung des gegenwärtigen Kalenders dürfte nur vorgenommen werden, wenn es sich um wirklich nicht zu bezweifelnde bedeutende Vorteile handele. Die bisherigen Studien nach dieser Richtung müßten zuerst fortgesetzt .werden. Der Fixierung des Osterdatums ist das Komitee geneigt. 12. Schweiz: Das Komitee spricht sich für den Viankotag aus. 13. Vereinigte Staaten von Nordamerika: 80 Proz. der in Amerika gesammelten Antworten sprechen sich für die Reform aus und zwar für ein Jahr von 13 Monaten. Ueber die Stellungnahme der religiösen Kreise sagt der Bericht: Mit Rücksicht auf die Einwendungen, die von religiösen Führern der Juden und von zwei christlichen Sekten, welche den Sabbat halten, gegen die Unterbrechung der Kontinuität der Woche vorgebracht sind, veranstaltete das Komitee eine Rundfrage in religiösen Kreisen. Es sandte einen Fragebogen an eine ausgesuchteLi st evonprote st antischen Geistlichen und fand, daß mit Ausschluß der sabbathaltenden Sekten 82 Proz. ein religiöses Bedenken gegen die Durchbrechung der Kontinuität der Woche nicht hatten. 14. Polen: Der polnische Bericht sagt, daß die ökonomischen Organisationen die Reform für wünschenswert halten, ohne sie jedoch als dringend oder unumgänglich anzusehen. Die Vertreter der katholischen Kirche haben sich weder für noch gegen die Reform ausgesprochen, weil sie die Stellungnahme des Vatikans abwarten. Die jüdischen Organisationen seien g e g e n die geplante Reform. Die w i s s e n s ch a f tlichen Kreise, besonders die Astronomen des Warschauer Observatoriums sind gegen den Blankotag, weil aus astronomischen und chronologischen Gründen wichtig ist, daß hinsichtlich der Berechnung der Tage die Kontinuität gewahrt bleibt. Endlich enthält der polnische Bericht noch die zweifellos unrichtige Mitteilung, daß die jüdischen Organisationen der Festlegung des Osterfestes widerstrebten. Hier liegt gewiß ein Mißverständnis vor, denn wir wüßten nicht, welche Interessen jüdische Kreise an dieser innerkirchlichen Maßregel haben könnten. Halb schlummerten vom nächt'gen Schlafe Roch die Gedanken abgehärmt, Bis daß das Tor ins Schloß gefallen. Und nichts mehr von der Straße lärmt. Erst zu der Mutter Grab! Betrachtend Sich fand manch' feines Zittergras, Vergleichenswert dem Filigrane, Dem schönsten Venetianerglas. Doch vorn zwei Nesseln drohlich brennend! Wie offen schildert dieser Blick, Erzählend und ermunternd. Beides, Von Musters Weh und Mütters Glück! Dann zu» dem Vater, wen'ge Schritte, Ein Grab, ein Beet? Voll Luft durchglüh'n Der Erde Beer'n in reichster Fülle Das lachende, das frische Grün. Kann schöner die Erinn'rung malen, Wie unvergessen gut er war? Kann's hoffnungsvoller zu uns reden: „So reif' — will's G'tt — der Enkel Schar"? Getröstet zogen wir von dannen Und dachten: „Dräut's auch' da und dort, „Uns stärk' in diesen schweren Zeiten „Der Eltern Bild, der Eltern Wort!" I. N. (Die Trauerwochen des Barkochba.) Dem Helden Varkochba hatte das Weh um die Zerstörung Jerusalems die Waffe gegen Rom in die Hand gedrückt. Der sich nach ihm nennende jüdische Sportverein feiert die Ueberbtickt man die Berichte in ihrer Gesamtheit, so erwecken sie einen, wie wir sagen müssen, doch keineswegs unbefriedigenden Eindruck. Vorbehaltlos für die Reform haben sich eigentlich nur Deutschland, Nordamerika und die Schweiz ausgesprochen. Alle anderen Berichte machen mehr oder minder bedeutsame Vorbehalte und sie zeigen vor allen Dingen mit Evidenz, daß ein irgendwie dringendes objektives oder gar subjektiv empfundenes Bedürfnis nach einer Kalenderreform nirgends vorhanden i st. Umso frevelhafter wäre es, durch eine solche unnütze Reform ganzen Glaubensgemeinschaften die schwersten Gewissensbedrückungen aufzuerlegen. Besonders bemerkenswert erscheint uns die Gegnerschaft der wissenschaftlich astronomischen Kreise gegen den Blankotag, wie sie in dem polnischen Berichte gemeldet wird. Jüdisches Bürgertum. Von B. C. Vor kurzem definierte in der „Vofsifchen" in einem glänzenden Leitartikel Moritz Goldstein, was Bürgertum fei, das man jetzt soviel als untergegangen bezeichnet oder verlacht, je nach der politischen Einstellung. Es hieß da etwa: Die Kleinbürger von Schöppenstedt? die am Stammtisch ihr regelmäßiges Trünklein und Spielchen pflegen, haben es nicht; aber der Lehrer und der Arzt am Nebentisch, die eben darüber streiten, ob mit der Nietzsche'scheu Uebermenschenlehre sich eine christliche oder sonstige Staatsethik in Einklang setzen läßt, — die haben Bürgertum. Dieser Artikel gibt Anlaß zu geschichtlicher Umschau und zum Vergleich. Wahrscheinlich sind die Stammtischler, denen G. das Bürgertum abspricht, mit diesem Urteil unzufrieden, und auch die deutsche öffentliche Meinung, die ja immer noch zum Teil, wenn auch zum kleinsten Teil, aus Stammtischlern besteht, wird wahrscheinlich, obgleich das Thema der Stammtische aus dem Zoologischen und Zoomorphen meist ins Nationalökonomische hinübergewechselt und dem Echa- Nigun sich genähert hat, gleichfalls protestieren. Woran erkannte man nun in Zeiten gesunv den lebenden Judentums den jüdischen Bürger in der Gemeinde, den Balbooß? Erkannte man ihn an dem gutbezahlten Synagogenplatz bei der Misrachwand? An der Mitgift seiner Töchter? An der Zahl seiner Stuben? An der Eleganz seiner Einladungsabende? Das alles hat man ihm, wenn ehrlich erworben und ohne Jffur verwertet, wohl immer mit gutem Auge und gutem Herzen gegönnt. Aber den Bürger hat man daran drei Wochen der Trauer mit Tanz und Kabarett. Er kündigt in den Kölner Tageszeitungen folgendes an: „Der Teeabend des Sportklubs Bar Kochba im Rudolfsaal, Hahnenstraße, ist am 12. Juli der Treffpunkt der jüdischen Gesellschaft Kölns. Die Kapelle Fred Wolff liefert die Tanzmusik. Nicht nur das Tanzen, sondern auch ein Kabarettprogramm mit einem erstklassigen Ansager soll für die Stimmung der Gäste Sorge tragen. Karten sind im Jugendheim und bei den Mitgliedern im Vorverkauf zu haben." Sollte sich der Verein nicht lieber „Barkusiwa" nennen?! Familiennachrichten. Geburten: Ein Sohn, Prof. Dr. Samson Breuer und Frau Agathe, geb. Jeidel, Karlsruhe in Baden, Vorholzstr. 17. — Ein Sohn, Max Mayerfeld und Frau Klara, geb. Tannenwald, Nürnberg, 7. Juli 1931. Wochenkalender. v. 18. - 25. Juli 1981 I - 4 Ab bis 11. Ab 5691 Samstag , |i?n rav n»*m 18 4 Sonntag 19 5 Montag 20 6 Dienstag ,21 7 Mittwoch 22 3K 8 Donnerstag luli 23 9 Freitag 24 10 Samstag 1 25 ll1 nam tue? ■printo