Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1931)
- Date
- 1931-07-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 29 Der Israelit Freundschaft, als wären all die Wunschträume schon feste Realitäten des Mischen Gemeinschaftslebens und wären wir schon inder Lage, Beziehungen zu den Mächtigen der Erde auf eigene Faust zu knüpfen undzu lösen. Indes steht der Mandelstab im Lande der Väter entblätert da. Wie am ersten Tage ist die Mahnung Jirmejahus an eine über die Gleichgültig-keit der Alten weit hinausgetretene Jugend berechtigt: imm onöw ’n^rm ns „Ihr habt mein Land verunreinigt, mein heiliges Erbe zur Greuelstätte verwandelt." Und die passive Schuld der Alten besteht darin, daß •■‘idx XV ü^N2N, die Führer nicht sprachen und die entarteten Söhne im Wahne ließen, als fei der Spiel- und Sportplatz der vornehmste oder eigentliche Inhalt des nationalen Lebens in Israel. „Ich aber," ruft Jirmejahu die göttliche Mahnung in die Säle der ernsten Beratungen Hinein, auf die Plätze, wo der Ball den Sabbat verdrängt, hinaus, „habe dich, Israel, als Edelpflanze in den Bodengefenkt, ganz Saat der Wahrheit und Treue" nm sni ibi2 pniw 'pnvvi 'ojixv wie konntest du durch Ausnahme fremder g'ttfeirner Kulturen, durch Hingabe an die Götzen der Zeit dich so in eine wilde Giftpflanze verwandelnr '"-,22 jsan mo 'b nssn: 7x1 Aber Jirmejahu ist nicht allein der Prophet der Klage und Anklage. Er t r ö st e t, er verbindet, er streut Balsam in die Wunden. Er weiß: Es sind unvermeidliche Rückschläge, die verrauschen, ohne die Blüte des Mandelstabes im Kern zu gefährden. Wie war es während der wundersamen Wüstenfahrt? Es fehlte nicht an Hemmungen, an Leidensstationen, an schweren Rückschlägen, aber im Ganzen war doch die Liebe, die Liebe G'ttes zu Israel, Israels zu G'tt leuchtender und leitender Strahl durch frie Nacht. Dieser Liebe gedenkt uns G'tt auch auf dem Wege zum letzten Ziele knurr “piisn *7on p ’msr* Und die Mahnung an die Völker: 'X->^' urij? nb „Heilig ist Israel seinem G'tte!" n'^x-i nxi2N' Erstlingsfrucht! Keiner wirdstraflos heilige Erstlingsfrucht verzehren ivVX' i'°?2ix bs Wer sich unbefugt an d-er heiligen „Truma" vergreift, lädt die Ko res strafe auf sich. Wieviele Völker — von Rom im Altertum bis Spanien im Mittelalter — waren der n22-Strafe in der Geschichte verfallen, einzig und Mein, weil sie sich an der heiligen ersten Frucht — rr^m uxnn — vergriffen hatten. Es gibt eine Tfchuwo — wir erleben es in Spanien — im Völkerleben. Höret Völker! 'n im Der Widerstreit zwischen nisi -i'v gun bpn zu Anfang unserer Trauer, das erschütternde 7,2'X Tamusklävge . . . Eine schwermütige Musik uralter Zeiten zittert durch die Sehnen der jüdischen Hergen. Sie ist die in einem harmonischen Gesang verfeinerte Musik der glorreichen Vergangenheit, der hoffnungslosen Gegenwart und der unsicheren Zukunft. Sie ist die Musik, die zwar seitdem das Mikdasch zerstört und zertrümmert ist zu musizieren nie aufgehört hat. jedoch vielfach kummervoll in diesen düsteren Tamustagen klingt. Denn was anderes können die nach der Reihe abwechselnden Erinnerungen an die allzuoielen Leiden, unermeßlichen Schmerzen, abschreckenden Peinigungen, Verfolgungen und Martern, die Erinnerungen an die Goldzeit in der Geschichte Israels — die Erinnerungen die in diesen Tagen in uns wach werden — was anderes können sie sein, als ein großes, erhabenes Lied, die heiligste Musik - nicht in der Geschichte eines, sondern - in der Geschichte sämtlicher Völker, da doch o^iy.n nx rrapn x-d 16 mö’n rrpff xVx der allgütige G'tt das ganze Weltuniversum ob dieses Liedes und der Harmonie erschaffen hat. Ein Lied ist das All, ein Lied sein Lauf; ein Lied die Geschichte der Völker. Wie der Erguß der menschlichen Begeisterung ein 101, ein Gesang ist, so ist auch alles Seiende das schöne Lied der Schöpfung, des Schöpfers I Doch in dieser großen Gesangsharmonie ist zweifesohne die Skala unseres Liedes die längste, tiefste und mannig- 7. 16. Juli 1931 auf der Höhe der Trauer, und die heilige Trauer wird zum Aufruf, zum mächtigen Aufschrei der Rückkehr: Wochenrundschau. Ein knapper Sieg der Vernunft. Während die ganze Kulturwelt in atemloser Spannung den Lauf der Krise verfolgt, die die wirtschaftliche und letzten Endes vielleicht auch die politische Existenz Deutschlands, ja Mitteleuropas, bedroht, tagt an dem gleichen Orte, von dem aus man ein bedeutungsvolles Wort zur Verschärfung oder Milderung dieser Krise erwartet, gleichzeitig auch eine Versammlung, die, soweit Menschenverstand zu urteilen vermag, für das Schicksal der jüdischen S i e d - l u n g inErez I r s r 0 e l möglicherweise ebenfalls von entscheidender Bedeutung sein kann. Der Z i 0 n ist e n k 0 n g r e ß ist in dem Augenblick, in dem diese Zeilen zur Presse gehen, noch nicht beendet. Das entscheidende Wort über die Zusammensetzung der künftigen Leitung steht noch aus. Aber in einem Punkte, der auch für die nichtzionistische große Mehrheit des jüdischen Volkes von lebenswichtiger Bedeutung ist, liegt doch jetzt nach vieltägigem Ringen eine Entscheidung vor, die man nur mit Befriedigung begrüßen kann. Wir sind die letzten, die die Bedeutung der zionistischen Organisation für das endliche Schicksal Erez Jisroels und für die Beziehungen des jüdischen Volkes zum Lande feiner Vergangenheit und seiner Zukunft überschätzen. Aber daß es für das ganze jüdische Volk, für alle diejenigen namentlich, denen die jüdische Siedlung und der Aufbau Erez Jisroels im jüdischen Geiste eine heilige religiöse Pflicht ist, eine Katastrophe bedeutet hätte, wenn sich die Mehrheit des Zionistenkongreffes von der revisionistischen Tollhauspolitik endgültig hätte betören lasten, das kann keinem Zweifel unterliegen. Die Antwort j auf ein offenes Bekenntnis des Kongresses zu! dem unwirklichen, aus Phrase und- Selbstüberj schätzung zusammengebrauten Programm Jabotinskys hätte mit Zwingender Notwendigkeit eine geradezu judenfeindliche Politik der englischen Regierung hinsichtlich Palästinas he raufbeschworen und, wenn man auch an -einer solchen Eventualität etwa zweifeln wollte, ben arabischen Widerstand jedenfalls zu einer solchen Siedehitze' gesteigert, daß d-er Jischuw für heute undfür vielleicht unabsehbare Zeit zugrunde gerichtet worden wäre. Zwar wird die arabische Politik nicht verfehlen, aus dem ganzen Hin und- Her d-er Debatten und des politischen Verhandelns hinter den Kulissen, das der Zionistenkongreß gebracht hat, eine mächtige Förderung ihrer judenfeindlichen Tendenzen zu schöpfen. Aber es ist doch wenigstens der kleinen arabischen Minderheit, die einer Verständigung nicht abgeneigt ist, und es ist vor allem d-en englischen Politikern, die guten Willens sind, die Möglichkeit verblieben!, sich auf eine der politischen Vernunft zugängliche Mehrheit selbst innerhalb des Zionismus zu berufen. Damit kann man schon zufrieden sein. Es steht leider nicht danach aus, als ob der Kongreß, der offenbar nur unter dem -allerschärfsten Drucke von Seiten Weizmanns undvon Seiten des palästinensischen Jischuw an.dem revisionistischen Abgrund vorbeigestolpert ist, nun auch die Kraft hätte, eine gänzlich im Sinne Weizmanns arbeitende Leitung eruznfetzen. Doch wird man den Lauf der Ereignisse abwarten müssen, um sich hierüber ein endgultig-es Urteil zu bilden und aus Grund all dessen, was dieser Kongreß an deprimierenden Eindrücken gebracht hat, der Bewegung eine Prognose für die nächste Zukunft zu stellen. Zur Frage der Kalenderreform^ Nachdem nunmehr der Wortlaut der vondem vorbereitenden Komiteefü rV e r k eh ru nd T r a n s i t b e i m V ö l k e r b u n d zusammengestellten Berichte und Meinungsäußerungender Nationalkomitees für die Kalenderreform vorliegt, kann man sich bester als bisher ein Bild von den Aussichten d-er K-crlenderreform in den einzelnen Ländern machen. Im folgenden soll daher ein Ueberblick über die Stellungnahme dieser Länder oder bester d-er Nationalkomitees in den einzelnen Ländern, (die Stellungnahme d-er- Regierungen steht noch -aus) gegeben werden. 1. Belgien: Der Bericht betont ausdrücklich die Tatsache, daß gewisse Mitglieder des Komitees der Meinung sind, daß die Unterbrechung des Zyklus der Woche durch einen Blankotag bedauerlich sei und daß es schwer halten würde, die öffentliche Meinung in Belgien zur Annahme eines solchen Vorschlages zu bewegen. 2. Columbia: In einem Schreiben des Ministersdes Auswärtigen wird der Meinung Ausdruck gegeben,, daß jede Vereinfachung des Kalenders, wenn sie nicht sehr gut überlegt wird, Ergebnisse zeitigen könnte, die den Wünschen, die man von irgend einem Standpunkt hegt, ganz entgegengesetzt sein könnten. faltigste, auf welcher das Leid und der Kummer, die Freude und Glückseligkeit unserer Vergangenheit und Gegenwart klagt und jubelt; die Hoffnung auf unsere Zukunft, unser Glaube an G'tt, an die Freude, an das Kommende vibriert . . . Doch gang eigenartig klingt dieses Lied. Eigenartig klingt es, nicht deswegen, weil es aus dem innersten Inneren der jüdijchen Seele h-rausstromt, sondern, weil es eigenartig werden mußte. Und es mußte eigenartig werden, weil alle äußeren Umstände die inneren gefühlsmäßigen Vorgänge der Menschen und der Volksseele beeinflussen. Zuletzt mußte es eigenartig werden, weil das Judentum schon unzählige Heimsuchungen und Änderungen miterlebte, weil das Judentum schon unter so vielen Zwangslagen und fremden Einwirkungen gelitten hatte. Ja, jüdisches Gefühl und Lied haben ihre Jungfräulichkeit — verloren. Verloren — aber nicht weiter . . . Sklavenketten, Knechtschaft, Freiheit, Liebe, Leid und noch unzählige Formen, in die das jüdische Volk mit seinem Leben, Gefühl und Lied abwechselnd hineingeengt, hineingestoßen, hineingeworfen wurde, haben es mit seinem Gefühl und Lied aus dem Geleise gehoben und ihm besondere Eigentümlichkeiten verliehen. Der jüdische Mensch und erst sein Lied hat in sich etwas schüchternes, duldendes, leidendes, vor allem aber liebendes, wartendes, hoffendes, glaubendes . . . Ganz anders klingt das Lied des Judentums als jedes andere immer, denn nicht dieStimme der Verstocktheit, des sogenannten nationalen Selbstgefühls und der Sonderstellung, sondern die Musik des Glaubens, nicht bloß des religiösen Glaubens, vielmehr auch des Glaubens an die Einheit, einheitliche Zusammengehörigkeit der Menschheit ist es, die daraus heroorströmt. Nie wollte das Judentum — weder als Volk, noch als Religion — die Scheidewand zwischen sich und den anderen Völkern. Nie hatte das Judentum die nationale Separierung der Völker für gut gehalten. Nein! Das Judentum ist eben jenes Volk, das schon von jeher die einheitliche Weltverbrüderung will, und für sie, im jesaiatischen Sinne, kämpft! Das jüdische Volk ist eben jenes, dessen großer Prophet schon vor Jahrtausenden in die Welt hinausoerkündete: t,?K^iannm mrrv'rrs'- „Es muß die Zeit herankommen, wenn Volk gegen Volk kein Schwert erhebt und die Kriegskunst nicht erlernen werden" sondern „es werden alle Nationen der Erde im Lichte G'ttes m nrr2 wandeln." Aus der Leier des jüdischen Volkes entströmt das Lied jener Zukunft, in der die Völker, alle, von einem gemeinsamen Brunnen, von der lebenspendenden Quelle, der Quelle der Liebe schöpfen werden . -. Ganz anders klingt das Lied des Judentums, als irgend ein anderer Gesang, sei dieser trüb bewölkt oder aber wild schwelgend, sei er der verzweifelnde oder der heitere Gefühlsausdruck eines sich Freuenden oder Betrübten, sei er der Gefühlsausdruck eines einzelnen oder einer Gesamtheit — er wird Widerhall finden- Nicht so ergeht es mit dem Liede des Judentums. Sein Lied verhallt, wie einst die Stimme seines größten Propheten Iesajahu's — Widerhall! Niemand hört es, niemand will es hären. Niemand versteht es, niemand will es verstehen. Wir wissen es, wir wissen es sehr gut. Wir sind aber auch dessen bewußt, daß wenn uns auch noch so vieles weggeraubt wurde, dis heilige Thorah und ihren Optimismus kann man uns nie rauben. Sie bleiben uns, uns bis in die unendliche Ewigkeit! Und daher belebt uns auch in unseren schwersten Stunden jene Hoffnung, daß man!?! Vmai man ’3o trän!» n"aj?n rry prraa by daß sich die Zeit von welcher es so schön heißt: daß „G'tt in seiner unendlichen Güte das Heiligtum auf den dreifachen Hügel von Sinai, Tabor und Karmel ausbauen wird", immer und immer, Tag für Tag nähert. Und dann werden alle Bewohner der Erde das, auf den