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Der Israelit · 1931-07-09 · Heft 28 (9.7.1931) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 28 (9.7.1931)
Date
1931-07-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 Nr. 28 Der Zs r a e l i t 9. Juli 1931 -alüftina. Abbruch der Beziehungen zwischen der palästinensischen Agudas Iisroel und dem Waad leumi. Jerusalem, 3. Juli. Agudas Jisroel veröffentlicht eine Kundgebung, in der sie dem Waad leumi, der sich jetzt bekanntlich mit dem Fußballspiel des Makkabi am Sabbat unter angeblicher „Vermeidung von Chillul fchabbos" einverstanden erklärt hat, in kräftigen Worten Vertragsbruch vorwirft, und in der sie gleichzeitig erklärt, daß sie alle Beziehungen zum Waad leumi und seinen Organen abbreche. Dementsprechend ist auch dem Chef der Volkszählung mitgeteilt worden, daß der Vertreter der Agudas Jisreel an den gemeinsamen Sitzungen der jüdischen Kommission nicht mehr teilnehmen kann, aber bereit sei, die entsprechenden Weisungen gesondert entgegenzunehmen, sowie auch feine gutachtlichen Aeußerungen dem Regierungskommissar zu übermitteln. Die Kundgebung fordert die Juden der ganzen Welt auf, mit Agudas Jisroel in einem unausgesetzten P rote st gegen die Schmach der öffentlichen Sabbatentweihung in Erez Jisroel sich zu vereinigen, bis der Waad leumi gezwungen sein werde, auf das Gefühl des jüdischen Volkes Rücksicht zu nehmen. Agudas Jisroel betrachte die öffentliche Sabbatentweihung als die eigentliche Ursache aller Katastrophen, die in den letzten Jahren über den jüdischen Jischuw im heiligen Lande hereingebrochen sind und macht den Waad leumi verantwortlich für die unheilvollen Konsequenzen, die noch weiter aus dieser Verhöhnung des Thoragesetzes, G'tt behüte, hervorgehen könnten. Hebron. Jerusalem, 3. Juli. Die Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel hat Herrn M-Zcheh GUkmann- P o r u s ch er sucht, in ihrem Aufträge die vor kurzem naey Hebron übergesiedelten Juden zu besuchen und ganz besonders wegen der Gründung einer Talmud Thora ^...ufprache zu nehmen und der Palästina-Zentrale der A. I. das Ergebnis zu berichten. Wir erhielten einen Bericht vom 3. Tamus, dessen Uebersetzung in deutscher Sprache nachstehend folgt: In Ihrem Aufträge reiste ich heute nach Hebron, um unsere Brüder zu besuchen und vor allem den Stand des Chinnuchs dort kennen zu lernen. Ich bin mit dem Vorstand zusammengekommen und wurde mir mitgeteilt, daß sie noch keine Talmud Thora haben. Sie sind bereit, einen Teil der Lehrergehälter zu zahlen. Es sind 23 Schüler und Schülerinnen im schulpflichtigen Alter, davon 11 Knaben und das übrige Mädchen. Es entstand jetzt die Frage der Wahl eines Lehrers und einer Lehrerin. Ich erklärte ihnen, daß wir bereit sind, für einen Lehrer 2.— Pfund und für eine Lehrer Lst. 1.— zu den Kosten beizutragen. Sie werden am Sonntag eine Versammlung einberufen und iibe'e^ den Vorschlag beraten. Sie werden jedenfalls diesen Vorschlag annehmen müssen; denn die Lage ist so, daß sie von keiner anderen Stelle irgend eine Unterstützung zu erhalten haben. Die Kinder treiben sich die ganze Zeit auf den Straßen herum unter Arabern und sie haben keinen, der sich ihrer annimmt. Es ist interessant, daß das Hilfskomitee, welches die Riefensummen zu Gunsten der Pogrom-Geschädigten verwaltet, es definitiv abgelehnt hat, für einen Lehrer in Hebron eine Subvention zu geben, mit der Begründung, daß sie gegen das Chalukka-System wären ... Es wäre eigentlich am Platze, die Diaspora auf dieses Unrecht aufmerksam zu machen. Vis jetzt sind lediglich sephardische Juden dort, und sie wollen die Talmud Thora mit einem unterrichtsprogramm aufbauen, in dem die verschiedensten Disziplinen eingeordnet sind. Ich schlug ihnen einen Lehrer vor, der aus unserer Sephardimschule Bne Zion hervorgegangen ist und in der Jeschiwa Tauras Jossef sein: Studium fortgesetzt hat. Er ist sehr geeignet sür uns. Der Jischuw wird dadurch gehalten, daß die Sephar-1 dim im Lande die Eingewanderten unterstützen. Eine männliche oder weibliche Einzelperson erhält 800 Mill.,; eine Familie von 2 Personen 700 Mill., von 3 Personen! 600 Mill., 4 Personen 500 Mill. und noch größere Faj mitten 400 Mill. pro Monat und Person, außerdem > kostenfreie Wohnung. Ein großer Teil beschäftigt sich: mit Handel und Handwerk. Die Beziehungen zu den Arabern sind außerordentlich gute. Die Araber bereuen die Vergangenheit und fühlen sich jetzt den Juden gegenüber durch das Schuldbewußtsein stark bedrückt. Ich besuchte die Gräber der Pogromopfer von 5689. Es ist wohl überflüssig, die Gefühle zu schildern, die man am Grabe von 59 Märtyrern empfindet. Ich war auch an der Meoras Machpela. Obwohl in der ganzen Umgebung kein Jude ist und die ganze Zeit auch kein Jude zu sehen war, haben sich die Araber in keiner Weise unliebsam gemacht. Ich habe im Gebete unsere Freunde in Erez Jisroel und in der Diaspora erwähnt. Personalien. Lomza, 3. Juli. Nach zweijähriger Vakanz ist das Rabbinat in Lomza, das früher der inzwischen nach Schawill übersiedelte bekannte Gaon, Rabbi Aron Baktsch inne hatte, durch den bisherigen Rabbiner von Jwie, Rabbi Mosche S ch a tz k e s, wieder besetzt worden. Der neugewählte Rabbiner wurde diese Woche feierlich in sein Amt eingeführt. Amsterdam. 3. Juli. In einer feierliche!' Festsitzung beging die „Zentrale Kommission" der holländischen Judenheit das 25jährige Jubiläum zweier ihrer führenden Männer, des Vorsitzenden, Herrn B. E. A f ch e r, der seit einem Vierteljahrhundert die Seele der Gesamtverwaltung ist und des Sekretärs, Dr. D. M. S l u y s, der neben sener Wirksamkeit in der Zentralen Kommission eine segensreiche Lehrtätigkeit am Rabbinerseminar ausübt. Bad Homburg v. d. H.. 6. Juli. Kurz vor Beginn des rwna ivs JVJ3V veirftfjieb, hochbetagt, das älteste Mitglied unserer Gemeinde, Frau Neugaß Ww. Mit ihr ist ein ‘-p-’n dts in des Wortes tiefster Bedeutung von uns gegangen, bei dem starker Geist und ein warmes Herz in selten harmonischer Weise sich vereinigten. Für sich anspruchslos, fand sie ihre größte Befriedigung in unermüdlicher Tätigkeit und in der Ausübung von nonrv£»»i. Mit Recht kann von ihr gesagt werden /vT’i wb nens nsa nnto, stand doch Ratsuchenden und Bedürsliqen ihr Haus jederzeit offen. rraxan- David Goldfchmidk Schlüchtern, 7. Juli. Der Heimgang David Goldschmidts bedeutet einen Schlag für unsere nbnpf dessen Tragweite wir noch nicht erfassen können. War er doch ein i'arr Vaa övmi vrr, ein vollkommener Mensch auf allen seinen Wegen. Das, was seiner ganzen Persönlichkeit das Gepräge gab, war sein vorbildliches sein Feuereifer sür jüdische Dinge. Er hat es erkannt, daß nur durch das Primat der mm die Entwicklung unserer Gemeinde zum Guten gefördert werden kann. Und so hat er es als langjähriger Vorsteher derGemeindeund„Cl)ewraKadischa"oerstanden, den Kampf aufzunehmen gegen alles der nun Widerstrebende und für unsere m p seine ganze Kraft einzusetzen. Viel Sorgen und Mühsal machten ihm die Arbeit schwer, er aber hat trotzdem der nun den Sieg errungen, unn ging ihm über alles; durch freudiges, klares, mit gewürztes „Lernen" hat er sich zum n -n ia emporgearbeitet. Seine mn bv nnvv hat sich auch auf alle anderen NM übertragen, die er durch besonderen uun auszeichnete. Keine Ausgaben hat er gescheut, wenn er hierdurch den NM einen besonderen Glanz verleihen konnte. Mit einer vorbildlichen nniahat er sür uns an den mi^nn 'v' gebetet. Wieviel — auch auswärtige Institutionen — durch ihn reiche Förderung gefunden haben, wieviel ouurr mit einer seltenen Freundlichkeit in seinem Hause ausgenommen wurden, ist allen, die es von ihm genossen, weit über die Grenzen Schlüchterns hinaus bekannt. Durch seine Geistesgaben und seine unbeugsame Willenskraft verstand er es, jedem Einzelnen unserer mm helfend mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Am o-ivs's fyaben wir ihn — den vm-s unserer Gemeinde — zur mia? gebracht. Wie wir für ihn Ersatz finden, weiß n-apiiEr stehe uns hierzu bei. Möge mapn die Familie und Gemeinde trösten. Gelnhausen, 3. Juli. Am r»n -rm -a ist eine der besten jüdischen Frauen Gelnhausens in ein besseres Jenseits abberufen worden. Frau Johanna Moritz ist nach längerer schwerer Krankheit im 70. Jahre ihres der min und den Mizwaus gewidmeten Lebens ihrem vor 11 Jahren dahingegangenen Manne Jakob Moritz m? gefolgt. Einem echt jüdischen Hause Langenselbolds entstammend, gründete sie vor 50 Jahren mit ihrem Manne in Gelnhausen ihre Familie und betrachtete sie es als ihre vornehmste Pflicht, ihre Kinder zu echten Jehudim zu erziehen. Mit ihr ist uns eine jener nvopis d’ipj genommen worden, wie sie beonders in den Kleingemeinden immer seltener werden. Tiefe Frömmigkeit, fest gegründet auf Vertrauen zu ihrem Schöpfer, zeichnete diee Frau aus. Noch in den letzten Wochen ihrer schweren Krankheit begab sie sich mit großer Mühe ins G'tteshaus, um dort noch einmal mit der ganzen Gemeinde zu ihrem Schöpfer beten zu können. Beispielgebend war ihr Verhalten Armen gegenüber, denn kein Armer durfte ohne eine Liebesgabe ihr offenstehendes Haus verlassen. Groß war das Gefolge, das ihr die letzte Ehre erwies. Herr Provinzialrabbiner Dr. Gradenwitz, Hanau, schilderte in ergreifender Weise das vorbildliche Leben der Verstorbenen; im Namen der Familie gab der älteste Sohn, Herr Ludwig Moritz, Berlin, dem heißen Dastk und der tiefen Trauer in bewegten Worten Ausdrück. Möge ihr r-r.at ihren Kindern beistehen und ihnen Kraft geben, in ihrem Sinne weiter zu leben. rrasan. Kihingen, 2. Juli. Unter überaus großer Beteiligung, , wie man sie selten in Kitzingen sieht, wurde eine sehr bejliebte und angesehene Frau, Jettchen Schönfärber, am na» rn» zu Grabe getragen. Die Verblichene war eine große Wohltäterin. Zahllos sind die Armen und i Dürflioen, die sie unerftützte. Herr Rabb. Dr. Wohlgemut , schilderte bei der Ueberführung, wie groß die Bescheidenheit der lieben Verblichenen war, sie hatte sich sogar verbeten, daß nach ihrem Ableben eine Rede gehalten wird, denn sie wollte kein Lob. Er schlderte ferner ihre große Frömmigkeit, wie sie im nv« war, und wie sie ihre Tochter und Söhne zu sittlich und glaubensstarken Menschen erzogen hatte. Sie kannte nur zwei Stätten, das G'tteshaus und ihr Familienhaus. Wie sie ihr schweres Leiden mit Geduld und G'tvertrauen ertrug. Wußte sie einen Kranken oder war eine Tote in der Stadt, so eilte sie immer hinzu, um keine Mizwa zu versäumen. Ein Jahr vor ihrem Ableben konnte sie noch die Freude erleben, ihre Tochter und Sohn unter die Chuppoh zu führen. Herr Rabb. Dr. Wohlgemut sprach ihr noch den Dank der Gemeinde Kitzingen aus für alle ihre edlen Leistungen. Die Verblichene war beim Ausschuß des Israelitischen Frauenvereins. Wir werden ihr alle ein ewiges Andenken bewahren. Schwemfurk, 1. Juli. Eine erhebende Feier fand am 29. Juni 31 in Schweinfurt a. M., Hotel Burgfrieden statt. Es galt, dem verdienstvollen, von der ganzen Bevölkerung überaus verehrten und geliebten Lehrers W e i n st o ck aus Theilheim i. Ufr., anläßlich seiner Vermählung mit Frl. Hedwig Kaufmann aus Ellingen i. V. In tief durchdachter Rede dankte Herr Vez.-Rabb. Dr. Stein, Schweinfurt, Herrn Lehrer F. Weinstock für seine herrlichen Leistungen auf allen Gebieten und für sein löjähriges Wirken und Streben in der Gemeinde Theilheim. Sein einziger Wunsch bestünde darin, daß die Kinder im Geist ihres Lehrers ihr Judentum lieben und bekunden mögen. Aus diesem Anlaß verlieh Sr. Ehrw. Herr Vez.-Rabb. Dr. Stein, Herrn Lehrer Weinstock die Würde eines Chower. Oehringen. 2. Juli. Am 10. Juli feiert unser Gemeindemitglied, Herr Jakob Einstein, seinen 70. Geburtstag. Aus der altjüdischen Gemeinde Buttenwiesen stammend, verpflanzte er die fromme Tradition des' Elternhauses auch in fernen neuen Wohnsitz, wo er die Belange des gefetzestreuen Judentums zu fördern bestrebt ist. Seit Jahrzehnten läßt er an den Jaumim Nauroim mit lieblicher Stimme die chönen Melodien seiner Altvordern erschallen und mt echter Simchoh schel Mizwoh errichtet und schmückt er alljährlich seine Sukkoh — die einzige im Städtchen. Als Förderer des württ. Landesverbandes für die Interessen des gesetzestreuen Judentums und als treues Mitglied der Agudas Jisroel sucht er auch für die weiteren Ziele der Orthodoxie zu wirken. Möge Herrn Einstein ein gesunder und heiterer Lebensabend befchieden fein. -w-jn»? Svreckilaol. „Streng koscher!" (?) ..Streng rituell!" (?) (Eine Mahnung zur Vorsicht!) Der Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser in Hamburg führt seit einiger Zeit in seinem Register eine Bekanntmachung des Inhalts, daß Ankündigungen wie „Fleischwaren von der Firma . . „Schechitoh unter Aufsicht von . . ." und dergl. abslout keine Gewähr für die rituelle Führung des betr. Speisehauses ufw. bieten und mancher Rabbiner wird gleich dem Unterzeichneten bestätigen können, daß diese Mahnung nicht unnötig ist. Immerhin wird es dem betr. Rabbiner im allgemeinen gelingen, die Wiederholung solcher Anzeigen zu verhindern. Viel schwieriger ist die Sachlage, wenn ein Hotel oder dergl., ohne dazu berechtigt zu fein, seiner Anzeige die Bezeichnung „streng koscher" oder „streng rituell" beifügt. Denn ein unter Aufsicht stehender Konkurrenzbetrieb wird sich nicht leicht entschließen, etwa ein Verfahren wegen unlauteren Wettbewerbs einzuletten und i>» übrigen sind diese Bezeichnungen m. W. bisher in Deutschland noch nicht gesetzlich geschützt. Wie sehr erwünscht aber lebteres wäre, mag folgender Vorfall beweisen: Mir wurde jüngst versichert, daß in einem größeren Hotel, das eine der in der Ueberschrift angeführten Bezeichnungen regelmäßig seinen Inseraten beifügt Geflügel verabreicht wird, das der Besitzer (der nicht etwa approbierter Schauchet ist) s e l b st schlachtet!! Als er davon Kenntnis erhielt, daß einer seiner Gäste, von dem vorausgesetzt wurde, daß er nie und nimmer solches Geflügel esse» würde, durch einen anonymen Brief aus diese Tatsache aufmerksam gemacht wurde, ließ er zwar durch die Kriminalpolizei den Schreiber des Brieses feststellen, unterließ es aber, den Briefschreiber, welcher der Polizei gegenüber ausdrücklich seine Behauptungen aufrecht erhielt etwa wegen Verbreitung unwahrer Behauptunaen gerichtlich zu belangen. Der Unterzeichnete, demgegenüber diese Verfehlungen des Herrn X gegen das Religionsgesetz ebenfalls mit auer Bestimmtheit behauptet wurden, glaubte umso weniger schweigen zu dürfen, als ihm auch früher von anderer Seite ähnliche Verfehlungen mitgeteilt worden waren und er gab in einem Schreiben dem Besitzer des Hotels, Herrn

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