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Der Israelit · 1931-07-09 · Heft 28 (9.7.1931) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 28 (9.7.1931)
Date
1931-07-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 28 Der Israelit 9. Juli 1931 Alejzmanns Mahnung an den Kongreß. Basel, 3. Juli. Der Präsident der Jewish Agency und der Zionistischen Organisation, Dr. Chaim Weizmann, hat in einem Interview, das er einem Vertreter der ITA. gewährte, seine feste Entschlossenheit zum Ausdruck gebracht, eine Wiederkandidatur abzulehnen. Er bezeichnete im Verlauf seiner Ausführungen Jabotinsky als einen Mann „von großer Geschicklichkeit und hervorragenden Qualitäten", der ebenso wie seine Anhänger den Mut habe, zu seiner Ueberzeugung zu stehen. „Es gibt noch viele andere auf dem Kongreß" fuhr Dr. Weizmann fort, „die revisionistischen Anschauungen zuneigen, aber nicht den Mut haben, sich offen zum Revisionismus zu bekennen. Wenn irgendetwas meinen Entschluß, den Vorsitz der Organisation nicht wieder zu übernehmen, stärken konnte, so hat es die bisherige Entwicklung der Kongreßverhandlungen getan. Ich habe das Empfinden, daß ich nicht den Standpunkt eines großen Teiles des Kongresses vertrete und deshalb erschiene es mir töricht, die Verantwortung für die Führung angesichts einer so großen entschlossenen Opposition zu übernehmen. Außerdem fühle ich mich wirklich ermüdet und erschöpft. Meiner aufrichtigen Ueberzeugung nach wird der Kongreß am vernünftigsten handeln, wenn er den Macdonald- Brief als Basis für eine Kooperation mit der Mandatarmacht akzeptiert. Was soll die neue Exekutive zunächst nach Abschluß des. Kongresses tun, wenn dieser den Brief ablehnt? Ich bin der festen Ueberzeugung, daß auf Grundlage der Parität eine Verständigung mit den Arabern zu erzielen ist. Wenn ein Legislative Council mit einer gleich starken jüdischen und arabischen Vertretung eingesetzt werden sollte, würde dadurch die Möglichkeit zu einer befriedigenden Kooperation gegeben sein. Wir fordern auch eine gleichmäßige Aufteilung der im Rahmen des Palästina-Landentwicklungsplans zur Verfügung gestellten Mittel für Zwecke der arabischen und der jüdischen Landwirtschaft. Ich sehe keine Möglichkeit, wie wir mehr verlangen können. Parität bedeutet nicht den binationalen Staat, der einen vagen, den Grundsatz der Par;tkjt nicht notwendigerweise in sich schließenden Begriff bärstet. Ich habe weder Sympathie noch Verständnis für die Forderung nach einer jüdischen Majorität. Die Majorität garantiert nicht notwendigerweise auch die Sicherheit. Wir mögen die Majorität besitzen und könnten trotzdem noch immer in Unsicherheit leben. Jüdische Mehrheit ist für die Entwicklung einer jüdischen Zivilisation und Kultur im Lande nicht Erforderlich. Die Welt wird diese Forderung nur in dem Sinne auffassen, daß wir die Majorität zu erlangen wünschen, um die Araber zu verdrängen. Warum sollten wir eine Forderung erheben, die bloß einen provokatorischen Eindruck erwecken kann. Unsere Bewegung steht gegenwärtig vor zwei wichtigen Aufgaben: 1. die Jewish Agency in den Vereinigten Staaten auszubauen und 2. eine arabisch-jüdische Verständigung herbeizuführen. Außerdem müssen wir uns bemühen, unsere Stellung in London aufrecht zu erhalten". sich als zu schwach, um bei der sich entwickelnden Straßenschlacht die Kämpfenden zu trennen. Am Tage vorher waren Nationalisten in die Synagoge eingedrungen und hatten die Thora-Lade gesprengt und Thorarollen zerrissen. In Athen ist man über den neuesten Unruhe-Ausbruch sehr bestürzt. Man befürchtet, daß die Truppen, die die strenge Weisung erhielten, sofort ihre Waffen zu gebrauchen, sobald sich verdächtige Elemente dem jüdischen Viertel nähern sollten, ihre Pflicht nicht tun. Schon früher hatten Militärs mit den Nationalisten sympathisiert. Es verlautet, daß die griechischen und jüdischen Notabilitäten demnächst eine gemeinsame Konferenz abhalten werden, um die Mißverständnisse zu beseitigen. Bis jetzt zählt man zehn getötete und weit mehr als 50 erheblich verletzte Juden als Opfer der Unruhen. * * * Die jüdische Gemeinde Saloniki veröffentlicht folgende Erklärung: Mit Bedauern haben wir zur Kenntnis genommen, daß gewisse Zeitungen die jüdischen Einwohner des Distrikts 6 für die in diesem Distrikt vorgefallenen Unruhen verantwortlich machen, indem sie den Juden beleidigende Aeußerungen gegen die Armee, das Griechentum und den Klerus in den Mund legen. Der Rat der jüdischen Gemeinde protestiert empört gegen die böswilligen Insinuationen, die darauf angelegt sind, die Erregung zu schüren. Er erklärt feierlich, daß die Juden Salonikis loyale Bürger sind, die Gesetze respektieren, mit ihrem griechischen Vaterlande innig verbunden sind, die griechische Armee, in der ihre Kinder gedient haben, lieben und für den Klerus denselben tiefen Respekt hegen, wie für ihre eigenen religiö-. sen Behörden. Eine Delegation der Jüdischen Gemeinde hat beim Metropoliten vorgesprochen, um ihr Bedauern darüber zum Ausdruck zu bringen, daß in griechischen Zeitungen gemeldet wurde, die Juden hätten einen Priester attakkiert. Die Delegation erklärte diese Nachricht für vollkommen aus der Luft gegriffen. Der Metropolit erwiderte, er habe diesen Zeitungsberichten keinerlei Bedeutung beigemessen, es sei ihm auch von keinem Priester eine diesbezügliche Klage unterbreitet worden. Der Metropolit Genadios, das geistliche Oberhaupt der orthodoxen Kirche in Saloniki, hat an die ihm unterstehende Geistlichkeit folgendes Rundschreiben gerichtet: „Eine Delegation der Jüdischen Gemeinde, unter Führung Sr. Eminenz des Großrabbiners, hat bei uns im Hinblick auf die bedauerlichen Zwischenfälle zwischen Griechen und Israeliten, die seit Jahrhunderten in Eintracht und Frieden miteinander gelebt haben, vorgesprochen. . Aus Grund der von beiden Seiten gegebenen Erklärungen ordnen wir hiermit an, daß von den Kanzeln aus empfohlen werde, mit den Juden in Friede und Eintracht zu leben, wie es dem griechischen Volk, das sich stets durch edle Empfindungen und europäiche Zivilisation ausgezeichnet hat, geziemt." Bevölkerung sympathisch gegenüber, -die lokalen Behörden aber verharren in Untätigkeit. Eine streng gehand-: habte Zensur mache es den Korrespondenten unmöglich, Einzelheiten zu telegraphieren oder' ausführliche briefliche Berichte über die Lage zu erstatten. Im Hinblick auf die Unmöglichkeit, direkte Nachrichten aus Griechenland zu erhalten, hat die JTÄ. von Bafel aus einen Sonderberichterstatter mittels Flugzeugs nach Saloniki entsendet. Die Nachrichten aus der Stadt werden mittels Flugzeugs weiter befördert werden. England. Schächtfrage im Unterhaus. London, 3. Juli.. Nachdem die neue Schlacht-Bill bereits zwei Lesungen passiert hat und die die jüdische Schechito schützende Klausel anstandslos durchging, scheint es, daß es in der dritten Lesung nochmals zu Auseinandersetzungen über' die Schächtsrage kommen wird. Einer der Labour-Abgeordneten, Mr. Marshall, der schon bei der zweiten. Lesung einen Angriff gegen die Schechito losließ, will die Frage erneut anschneiden,. und eine Klausel beantragen, die der Schechita ungünstig ist. Man wird selbstverständlich auf jüdischer Seite nichts unversucht lassen^ um die Abgeordneten aufzuklären und die Aufrechterhaltung der die Schechita schützenden Klausel durchzusetzen. Der Palästinabericht der englischen Regierung an die Mandatskommission. London, 2. Juli. Das Kolonialamt hat den Bericht der britischen Regierung an den Völkerbund über die Verwaltung in Pa-, lästina im Jahre 1930 veröffentlicht. In diesem Bericht wird zunächst festgestellt, daß im abgelaufenen Jahre keine Störung des allgemeinen Friedens in Palästina erfolgt ist. Zur Wiederherstellung und Aufrechterhaltung: friedlicher Verhältnisse habe das allmähliche Abflauen des arabischen Boykotts beigetragen. Es wird sodann die politische Entwicklung, insbesondere im Zusammenhang mit dem. Simpson-Bericht, dem Weißbuch und dem Macdonald-Brief, behandelt. Von den Arabern seien Simpson-Bericht und Weißbuch, die ihnen die Lösung der ökonomischen Schwierigkeiten, die Beseitigung der Gefahr einer zionistischen Borherrschaft und den Anfang einer Selbstverwaltung, zu bringen 'schienen, mit Befriedigung ausgenommen worden. Die Juden hätten gegen das politische- Statement (das Weißbuch) heftig protestiert, der Bericht Sir John Hope Simpsons aber sei, obwohl auch er von Kritik nicht verschont blieb, als wertvoller Beitrag zur Lösung der wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Palästina für Araber und Juden anerkannt worden. Es folgt eine Darstellung der gegenwärtigen wirtschaftlichen und finanziellen Lage kn Palästina. Die lebhafte Bautätigkeit in den Städten und die dauernde Ausdehnung der Citruskulturen werden als Beweis für die Wiederherstellung des wirtschaftlichen Gleichgewichts in Palästina angeführt. Der Ueberschuß der jüdischen Einwanderung im Jahre 1930 über die Auswanderung wirdmit 2236 Personen angegeben. Als wichtigste Maßnahme der Mandatarregierung zur. Schaffung günstiger Bedingungen für die Errichtung eines Nationalheims wird die Einsetzung einer Verwaltung unter einem britischen High Commissioner ange; führt, die Palästina den Bestimmungen des Mandates gemäß zu regieren hat. Der erste Schritt sei die Aufhebung des türkischen Einwanderungsverbotes für Nichtmohammedäner nach Palästina gewesen, ferner sei ein System jüdischer Einwanderung legalisiert worden, das von dem Grundsatz der Anpassung an die jeweilige wirtschaftliche Absorptionskraft des Landes geleitet wird und innerhalb der letzten zehn Jahre die Einwanderung von annähernd 100 000 Juden ermöglicht hat. Das türkische Embargo auf Bodenkauf sei beseitigt, die Eintragung eines großen Teils der inoffiziellen Transaktionen, zu denen die Juden in früherer Zeit genötigt waren, in die Grundbücher ermöglicht worden. Seit 1920 sind annähernd 800 000 Dunam in jüdische Hände übergegan- . gen. Staatsgebiet wurde langfristig an die Kolonie 1 Petach Tikwah, die Stadtgemeinde Tel-Awiw und die > Palestine Jewish. Colonisgtion Association verpachtet. — Status und Jurisdiktion, der jüdischen religiösen Gerichte wurden anerkannt, ein Rabbinischer Rat errichtet. Der High Commissioner hat im Verordnungswege die Organisation der jüdischen Gemeinschaft zur Selbstverwal- Griechenland. Der Pogrom in Saloniki. S a l o n i k i, 5. Juli. Ueber den Pogrom in Saloniki, in dessen Verlauf eine Anzahl Juden getötet, zahlreiche Juden verwundet wurden und etwa 200 von Juden bewohnte Häuser darunter die Synagoge das Schulhaus und Gemeindhaus, in Flammen aufgingen, gibt die Regierung eine offizielle Darstellung, aus der die Mitschuld des Militärs zu ersehen ist. Nachdem die Polizei einen Angriff von Nationalisten auf ein von Juden besuchtes Cafehaus abgewehrt hatte, entstand ein neuer Tumult, als ein Soldat im Judenoiertel jüdische Passanten angriff. Ein Teil des Luftschiff-Bataillons rückte zum Schutze der Juden aus, aber dessen Mannschaft nahm, statt, die Juden zu schützen, ebenfalls teil an der Attacke gegen die Juden. Während die Judenschaft des Viertels zur Abwehr sich sammelte, rückten mehrere Gruppen Nationalisten an und legten an mehreren Stellen Feuer. Da die Angriffe angekündigt waren, hatten die Juden ihre Frauen und Kinder rechtzeitig entfernt, die wehrfähigen Männer leisteten in den Baracken bewaffneten Widerstand. Es kam zu einem heftigen Zusammenstoß, der aber bald sein Ende fand, als das Feuer die Wohnbaracken ergriff und die Juden keinen Rückhalt mehr hatten. Die Polizei erwies Die Jüdische Gemeinde Saloniki veröffentlicht folgende offizielle Liste der im Verlauf der Unruhen verwundeten Juden: Emanuel Cohen, Daisy Saperta, Avram Kourtsi, Solomon Mazliah, Moishe Benecia, Ricola Aelion, Nissim Termin, Samuel Uahiel, Delissia Grotas, Hezkia Abastado, Jsaac Cohen, Nissim Cambi, Haim Benoeniste, David Allaouf, Jacques Cohen, Sam Trano, Moishe Eohen, Sabetay Pitchon, Joseph Barouh, Elie Houli, Albert Benadon. Der Zustand der meisten dieser Verwundeten, die im Baron Hirsch-Spital Aufnahme gefunden haben, ist ernst. Personen, die während des Pogroms bloß leichte Verletzungen erlitten haben, werden von der jüdischen Gemeinde nicht registriert. * * * Jüdische Führer aus Saloniki haben an den in Basel tagenden Zionistenkongreß ein Telegramm gerichtet, in dem der Kongreß und die zentralen jüdischen Organisationen aufgefordert werden, sofort eine Intervention wegen der Judenverfolgungen in Saloniki einzüleiten. In dem Telegramm wird erklärt, die jüdische Bevölkerung stehe vor der Gefahr völliger Ausrottung, wenn nicht ein sofortiger Schritt von außen erfolge. Es wird dringend gebeten, einen Spezialvertreter nach Saloniki zu entsenden. Die Gefahr neuer Angriffe gegen die Juden bestehe fortgesetzt, die jüdischen Mertel sind evakuiert. Die Zentralregierung stehe zwar der jüdischen

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