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Der Israelit · 1931-07-09 · Heft 28 (9.7.1931) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 28 (9.7.1931)
Date
1931-07-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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9. Juli 1931 Der Israelit Nr. 28 Seite 3 G'tiesdienst zu besuchen. Den Amerikanern im „Weltverbande des liberalen Judentums" war es Vorbehalten, ein „un religiöses Gewissen" zu entdecken, das sich gegen religiöse Einrichtungen und gegen die Gelegenheit ritueller Verpflegung mächtig regt. Im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten wird das Trephaessen als Angelegenheit der Ueberzeugung und Weltanschauung von dem Forum einer liberalen Rabbinerkonserenz geschützt und sichergestellt. Diesen Eindruck gewinnt man, wenn man den Bericht der Jahresversammlung der amerikanischen R e f o r m r a b b i n e r liest. Sie fand in den letzten Junitagen in Wawase (Indiania) statt. Sie hat sich — es herrschte große Hitzewelle — so mancherlei geleistet, was nicht gerade überrascht. „Kol Nidre" soll in das neue „Gesangbuch" der jüdischen Reformgemeinde in Amerika nicht ausgenommen werden. Mit Recht. Was hat auch „Kol Nidre" in einem Gesangbuch von 200 Hymnen, von jüdischen und nichtjüdischen Dichtern und Komponisten versaßt, zu suchend „Kol Nidre" ist eine Dichtung der jüdischen Volksseele, und diese ist ein veraltetes Instrument. „Kol Nidre" wäre eine Disharmonie in einem amerikanischen Reformgesangbuch. Das kann man verstehen. Weniger verstehen kann man die Resolution, die alle von jüdischer Seite ausgehenden Bemühungen, einen gesetzlich e n S ch u tz d e s K a s ch r u s d u r ch st atliche Verordnungen zu erreichen, e n t schiede n m iß bill i g t. Eine Demonstration gegen das Kaschruth, von Männern, die sich „Rabbiner" nennen. Echt amerikanisch! Aber die Sache hat auch für Europa ihre Bedeutung. Die mit Macht neuerwachte Reformbewegung in England ist sehr stark nach Amerika orientiert, und geradie diese englisch-amerikanische Observanz ist es, die heute bei den Konferenzen des liberalen Weltverbandes das Wort spricht, die den religiösen Liberalismus in Deutschland ideologisch stark zu beeinflussen sucht, die auch in Holland einzudbingen sich alle Mühe gibt. Der Amerikanismus ist längst nicht mehr durch einen Ozean getrennt. Wo er sich in Europa im Wirtschaftsleben breit macht, ist er zumeist amerikanischer als in Amerika. Es kann in Dingen von Geist und Glauben genau fo kommen. Es mutet schon beinahe symbolisch für die jüdische Reforminternationale an, daß soeben erst das Hebrew Union College in Cincinnati den „Wegbahner des Reformjudentums" und Vizepräsidenten des „Weltverbandes für religiös - liberales Judentum", Dr. Caesar S e l r g ma n n , zum Doctor honoris causa ernannte. Die Herren von der liberalen Fakultät in Deutschland-, die vom Liberalismus als einem Maximum an Religion sprechen, sollten diese Entwicklung nicht übersehen. In Anbetracht des grotesken Beschlusses, der darauf hinausgeht, die rituellen Lebensmög!- lichkeiten der Juden in Amerika zu erschweren, muten doch die auf der gleichen Konferenz gehaltenen Referate über die Lage des In de ntums in Rußland und die gefaßten Beschlüsse gegen d i e d o r t i g e n Religionsverfolgungen reichlich widersinnig, wenn nicht gar objektiv unehrlich an. Was dort die Kommunisten vernichten möchten: rituelles Leben in alter Väterweise, ist ja auch diesen Herren im Ornate ein Dorn im Auge. Auch sie wollen die Sicherstellung des „Kaschruth" für den religiösen Juden hinterrei-ben und dem schwindelhaften Mißbrauch dieses Wortes Tür und Tor offen lasten. In Rußland freilich werden andere Mittel, Gewaltmittel, zur Bekämpfung der Religion angewandt. Die Wahl der Mittel ist aber eine Frage des Geschmackes und der Macht, und schließlich nennen sich in Rußland die Bekämpser der Religion nicht „Rabbiner". Auch in Saloniki... Haarsträubende Dinge gehen in Saloniki vor. In der türkischen Zeit ein Dorado des Rechtes und dler Religionsfreiheit, durchlebt Saloniki mit seinen 70 000 Juden seitdem die griechische Fahne über seinen Mauern weht schwere Zeiten. Die Gewitterwolken am Horizonte ermuDen sich jetzt mit einer elementaren Gewalt, die nicht eines Einschlages levantinifcher Zügellosigkeit entbehrt. Makkabi-Klub und das jüdische Gemeindehaus wurden gestürmt, viele Juden schwer mißhandelt. Die führenden Männer, vom Gouverneur Gott o st a s bis zum Ministerpräsidenten Venizelos, rügen die Ausschreitungen, die Regierung veröffentlicht Erklärungen und Warnungen. Die Polizei trifft Vorkehrungen und die Juden selbst bilden eine Wach- und Schutztruppe. Das alles kann nicht verhindern, daß zwei Tage später das Judenviertel in Brand gesteckt w i r d und während die Flammen lodern, eine Waffenschlacht gegen die Juden im Gange ist. Die Toten sind noch nicht gezählt, es sind Dutzende'. Natürlich wieder Studenten, die Hetzzetösl verteilen und die. Aktion leiten. Es muß den Juden gezeigt werden, daß es mit der „verrotteten Türkenwirtschaft" zu Ende fei; was griechische Kultur vermag. Ein Märchen von einem geheimen Bündnis der Juden mit Bulgarien und Mazedonien wurde eigens zu diesem Zwecke gedichtet. Für Körper und Füsse nur DIAIÖN-Puder In der griechischen Kammer, in der die unerhörten Vorkommnisse zur Sprache kamen und die jüdischen Abgeordneten Anklage erhoben, sagte Venizelos, er wie alle patriotischen Griechen verurteilen auf das schärfste die Exzesse, die Griechenland entehren. Man müsse der Lage der Juden Salonikis Verständnis entgegenbringen. Unter der türkischen Herrschaft sei es ihnen bester gegangen als jetzt; man habe von ihnen nicht erwarten können, daß sie die Griechen mit offenen Armen empfangen würden. Heute aber seien die Juden Salonikis durchaus patriotisch und den Griechen loyal gesinnt; sie sind jetzt auf dem Wege allmählicher Anpassung an Griechenland Und das griechische Volk. Die gegen die Juden erhobenen Beschuldigungen hätten keinerlei Grundlage. — Aus dem Wege zur Anpassung mögen die Juden Griechenlands die Vorgänge als eine bittere Enttäuschung empfinden. Ueber die politische Anpassung ist kein Wort zu verlieren. Den Patriotismus der griechischen Zuden beweisen wollen, hieße sie diskreditieren. Aber über Anpassung auf religiös-kulturellem Gebiete mögen die Juden Salonikis, mögen wir alle, die wir im starken Arewuth-Gefühl ihren Schmerz brüderlich Mitempfinden, so die Vorgänge sie und UNS zur miwn gemahnen, ernstlich Nachdenken. Es kann kein Zufall sein, daß auch dort — rotte die Ausschreitungen in Radom in Polen — auf dem Spielplatz ihren Anfang nahm — der Sportverein Makkabi erster Anlaß, (nicht Ursache), und erste Zielscheibe der Angriffe war. Auch im Lande der Hellenen ist Hellenismus kein Schutzmittel gegen Judenhaß. Das mindert die Schuld der Huligans und ihrer Patrone, die sie aktiv oder moralisch unterstützen, nicht um ein Haar. Aber uns, im Lande Israels wie in der Gola, mag dieser leise Fingerzeig den miwn yn weisen. onBBaBBBBBBaaaaBaaaaBBBBBBBi Die wahre« Schuldigen der Uuiversiläkspogrome, Von B. E. In der Wahrung der staatsbürgerlichen Rechte jüdischer Akademiker wird gewiß von den hierin bewährten Organisationen alles Nötige längst unternommen sein, um die Judenheis und die den aus zehn Worten bestehenden und Segen über Israel herabflehenden Vers: •oViyn iS? dsip:» Dsm ns -pai *jöj? ns ny’znn Noch bester allerdings, wenn sich die Anwesenden so geordnet und ruhig im Beiraum an ihre Plätze begeben und dort bis zum Gebetanfang verharren, daß ihre Zahl ohne Zählung übersichtlich ist. 2. Mafsik sein. Von Boruch scheomar bis nach Keduscho, ebenso von Borachu bis nach Schemaune Esra bei Maarrw darf «narr das Gebet nicht unterbrechen. Solche Unterbrechung bildet das Sprechen in gleichviel welcher Sprache, auch das Ein- und Ausgehen im G'tteshause und an einzelnen Stellen, die besonders wichtig sind, innerhalb ynr uub mp? nmnw auch das Zeichengebsn init Augen oder Händen. Das Ausstößen unartikulierter Laute ist immer ebenso verboten wie das Sprechen. Da ist es wieder sinnlos, seine Anordnungen, etwa zum Minjanholen, auf Hebräisch zu erteilen. Unterbrechung bleibt Unterbrechung. Wie wäre es denn, wenn eine Gemeinde in hebräisch redender Umgebung lebte? Da wäre doch selbstredend Massik sein ebenso verboten wie bei uns. Wie macht man es aber, wenn man nun doch noch während Psuke Desimro oder gar danach um Minjan schicken muß? Man ersucht den „zugkräftigsten" Minjanholer, Boruch scheomar und Aschre fortzulasten, im Uebrigen mitzubeten und dann, falls nötig, fortzugehen und nach der Rückkehr Boruch scheomar, Aschre und Iischtabach, also Vorspruch der Psalmen, einen Psalm und Nachspruch, und von da an nach der Reihe weiter zu beten, — wie es ja auch die Nachzügler tun. Daun hat niemand sein Gebet unterbrochen, und das Minjan ist doch da. — Gleichfalls ist es selbstredend ebenso verboten, ans hebräisch wie auf deutsch zwischen Händewaschen und Hamauzi zu unterbrechen. Bekanntlich ist es hierbei f ü r den Notfall erlaubt, nach Brot, Salz oder Messer zu rufen, und darin ist wieder gar kein Unterschied, ob man Brot, Salz, Messer, bread, salt, knife oder <nrö> P?° -oi-v fiift. Wenn irgend, dann gilt auf diesem Gebiete ’Pa KaV saiarn G'tt verlangt das Herz. Und das Herz schweigt und spricht in allen Sprachen gleichzeitig. — (Masaryk ins Hebräische übersetzt.) Jede Schrift Masaryks ist oder sollte wenigstens Gemeingut aller Gebildeten sein; darum sind ja auch viele in alle Kultursprachen übersetzt. Daß die hebräische Sprache bisher nicht zu diesen Kuitursprachen gehört, hat seinen Grund darin, daß die meisten Juden Masaryks Schriften in anderssprachigen Uebersetzungen lesen. Jedenfalls ist es aber ein absonderlicher Zustand, daß wir Juden, die wir so vieles ins Hebräische übersetzt haben, gerade vor Mafaryk, dem wir als Juden zu größtem Danke verpflichtet find. Halt gemacht haben. Darum ist es doppelt zu begrüßen, wenn der gelehrte Lektor der Prager Universität, Rabb. Prof. Dr. Hirsch, die Schrift Masaryks über die Humanitätsideale ins Hebräsche übersetzt,*) erstens, weil es doch der einzige Weg ist, vielen Juden die Gedankenwelt Masaryks zugänglich zu machen und zweitens, weil wir damit Masaryk. dem großen Menschen, ein kleines Zeichen jüdischer Dankbarkeit und Verehrung zollen. Die Uebersetzung Prüf. Hirschg ist sprachlich vollendet: für den der philosophischen Fachausdru^e Unkundigen ist ein entsprechendes Wörterverzeichnis beigegeben. Die Schrift sei allen Hebräisch lesenden wärmstens empfohlen. *) Humanitätsideale von T. G. Masaryk. Ins Hebräische übersetzt von De. I. Hirsch, Lektor der Karls Universität. Herausgegeben mit Unterstützung des Schulministeriums. Prag 1931. Verlag Dr. Flesch. (Die älteste bis zur Gegenwart erhaltene Synagoge Europas ausgegraben.) Dr. Vlada Petrooic, Direktor des Nationalmuseums in Belgrad, der mit einer wissenschaftlichen Expedition das Trümmerfeld der einstigen Römerstadt Stoba in Südserbien durchforschte, hat dort eine Synagoge mit Bad cmsgegraben. Dieser archäologische Fund wird als außerordentlich wichtige wissenschaftliche Entdeckung bewertet. Das Synagogengebäude ist gegen Süden gerichtet und hat an der Eingangsseite ein Peristyl. Aus einer Säule des Peristyls wurde eine 32zeilige griechische Inschrift endeckt. Es wird angenommen, daß. bisse Inschrift aus der klassischen Römerzeit stammt. In der Inschrift wird sin angesehener Bürger, Tiberius Polyharmos, Haupt der Synagoge und der Juden, welcher Häuser und dos Peristyl „dieser heiligen Stätte in Stoba" geschenkt hatte, erwähnt. Da einige ^änlenkapitäle des Peristyls mit Kreuzen versehen sind, neigt man zur Annahme, daß die ursprünglich jüdische Kultstätte später in eine christliche Kirche umgewandelt worden war. Es ist sehr bezeichnend, daß die Synagoge mit einem Bad verbunden war. Für das Problern über den Ursprring der christlichen Basilika hat die Entdeckung der Synagoge von Stoba große Bedeutung, denn sie kann als Beweis gelten, daß die Basilika-Forrn sich aus der Synagoge entwickelt hat. Briefkasten. N N. B. Mk 50.— für Spende eingegangen. L. K. in Hildesheim. 1) Gewiß darf man einen Strohhut trogen. 2) Unseres Wissens geschah das einmal unter ganz gewissen Bedingungen in Leipzig. Vielleicht kann Ihnen der dortige Rabbiner Herr Dr. E. Earlebach Auskunft geben.

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