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Der Israelit · 1931-07-02 · Heft 27 (2.7.1931) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 27 (2.7.1931)
Date
1931-07-02
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
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u ' 2. Juli 1931 Nr. 13 Seite 3 kow-Journal widmete sich voll Eifer d>er Sprachbewegung. Es übernahm, so wie andere Blätter und Verlagedie-neue Orthographie. Von der Bnos-Organisation wurde der Tämus als „Propagandamonat für Jüdischkeit und Jiddisch" proklamiert. Das neue Doppelheft Nr. 71/72 des Bais Jaakow-Journals erschien soeben als ein .ganz dieser Frage gewidmetes Sonderheft unter der Redaktion von Dr. S. Birnbaum. Es enthält eine Fülle von hervorragenden Aussätzen zu diesem Thema. Die verschiedenen Artikel der Redaktion verdienen besondere Erwähnung. Diese Nummer enthält ein Stück Kulturgeschichte, die jeder, den der orthodoxe Osten interessiert, kennen muß. (Das große Heft ist von der Red. „Bajs Jakow", Lodz, Kilinskiego 44 zum Preise von 65 Pfg: ohne Porto zu beziehen.) Von größtem Interesse ist in diesem Zusammenhänge die Tatsache, daß die schon englisch erzogene orthodoxe Jugend Amerikas zur jiddischen Sprache zurückzukehren beginnt. Ihre Organisation- „Poung Israel" hat vor einiger Zeit dieses Ziel proklamiert und eine Propagandawoche dafür veranstaltet. Aus einem damals herausgegebenen Sammelbuche sind einige interessante Artikel in der Jiddisch-Nummer des -B. J.-Journal abgedruckt. Zum Schluß möchte ich noch eine hier veröffentlichte Statistik erwähnen. Danach gibt es heute nicht weniger als ungefähr 11 690 000 Jiddischsprechende. Jiddisch ist demnach die Muttersprache von 73 % aller Juden. Einweihung der ersten orthodoxen Sommerkolonie «Jehudilh". Die Einweihung der ersten orthodoxen Sommerkolonie in Dlugoschorle bei Warschau nahm -einen herrlichen Verlaus. Die Beteiligung war sehr groß. Unter den Ehrengästen sah man den Vorsitzenden des C. A. der Agudas Jisroel, I. M. L e w i n, viele Ratmänner und Kehillaabgeordnete. Auf der Bahnstation in der Nähe der Sommerkolonie wurden die Gäste vom Baukomitee mit einem herzlichen Willkommen empfangen. Das Städtchen selbst hatte ein festliches Aussehen. Es war ein kleines Volksfest, an dem sich auch die christliche Bevölkerung beteiligte. Etwa 400 Zeirim der Agudas Jisroel waren anwesend, dazu viele Lehrerinnen und Mitglieder der Benoth Agudas Jisroel. Vor einem Triumphbogen spielte bei Ankunft der Gäste auf dem Platz eine jüdische Kapelle alte jüdische Weisen. Die Anlage der Kolonie überraschte allgemein. Ein schöner Holzbau, ganz in Sonne getaucht, mit breiten großen Fenstern, umgeben von einem herrlichen Tannenwald. Zur Feier des Tages waren alle Winkel und Ecken mit Blumen und Tannengrün geschmückt. ' >' Die Feier begann mit einer Begrüßungsrede des Herrn Joel Unger im Namen der Gesellschaft für Sommerkolonien, der Schulorganisation „Ehoreb" und „Beth Jakow". Die Eröffnungsrede hält im Namen des Baukomitees Ratmann A. S. Friedmann. Es sei ein Wunder, daß in kaum drei Monaten diese ganze Bauarbeit . geleistet worden ist. Das Haus habe bereits Platz für 150 Kinder. Der in Angriff genommene zweite Stock wird ebenfoviele Kinder ausnehmen können. Er dankt allen Faktoren, die zum Gelingen des Werkes beigetragen haben, u. a. dem „Joint" in Amerika, dem Hilssverein in Berlin, dem ersten Initiators Herrn Joel Unger, der Warschauer Kehilla, der Familie des Heimgegangenen Elijahu Kirschbraun dem im Hause ein Denkmal gesetzt ist. Zum Schluß dankt der Redner den Baumeistern und allen Arbeitern. Der Chor stimmt ein i2iv nv an. Es folgen dünn Begrüßungen. Ratmann I. M. L e w r n spricht begeisterte Worte für die Agudas Jisroel. Unter den ewigen Werken und Institutionen, die aus der Agudas Jisroel in kurzer Zeit hervorgegangen sind, nennt (er die L u b l i n e r I e schi-w a, das BesI a- >kä u w - S e m i n a'r in Krakau und nunmehr Der Israelit Blätter die S o m m e r k o l o n i e. Weitebe Begrüßungsreden halten Ratmann Trockenheim, Gutgeld , Rabbi Mosche D eut s ch e r, letzterer im Namen der Bes I a k a u w -- Zentrale in Krakau. Mit längeren Thorareden der Ortsrabbinen schließt der akademische Teil der Feier. Es folgt dann die eigentliche Eröffnung und die Zuführung des Hauses seinem heiligen Zwecke. Herr I. M. Lewin erhält den silbernen Schlüssel zur Oeffnung der Tore. Unter Gesang spielt sich dieser feierliche Akt ab. Dann folgt eine gründliche Besichtigung der gesamten Anlage. Mit tiefer Ergriffenheit werden die Reden angehört bei der Einweihung der Gedenktafel für Rabbi Elijahu Kirschbraun Aus dem Bankett bei Speis und Trank werden noch mehrere geistvolle Reden gehalten. In später Nachtstunde verließ man die- Kolonie. Das eigentliche Fest wirderst beginnen und den Sommer hindurch fortdauern — das Fest der Wohltätigkeit, das Fest des Kindes, das Fest der Orthodoxie, die das erlernt hat, was ihr bis jetzt in Polen gefehlt hat: Organisation auf sozialem, politischem und religiösem Gebiet. Monat für Jiddisch und Jüdischkeit. Die agudistischen Frauen-, Töchter- und Mädchenorganisationen in Polen veranstalten im Monat Tamus einen Monat für Jiddisch und Jüdifchkeit. Man muß die Verhältnisse im Osten gewissermaßen kennen, um die ungeheure Bedeutung dieser Volksaktion zu ermessen. War schon die Organisierung der Frauenwelt des jüdischen Ostens unter der Flagge der Agudas Jisroel eine eminent geschichtliche Tat, so sind die praktischen Leistungen, die diese Organisierung hervorgebracht hat, von noch wuchtigerer Vehemenz. Vor allen Dingen ist das gigantische Erziehungswerk von „Bejs Jaakow" zu erwähnen, das als erste Frucht der agudistischen Frauenbewegung gereift ist. Nicht zu vergessen ist ebenfalls die überaus schöpferische Arbeit aus allen Gebieten des jüdischen Lebens, — Bildung und Erziehung, soziale Fürsorge und religiöse Propaganda unter den bereits assimilierten jüdischen Töchtern Polens —, die von der vorbildlich geführten Organisation der „Vnos Agudas Jisroel" geleistet wurde. Schließlich hat die agudistische Frauenbewegung im Osten viel dazu beigetragen, daß die agudistische Wahrheit in die jüdischen Massen immer tiefer eindringt und selbst ihren Gegnern Achtung «bringt. Dieser „Monat für Jiddisch und Jüdischkeit" hatte in erster Reihe den Zweck, der Polonisierung in Sitte und Sprache unter den jüdischen Töchtern Polens mit aller Kraft entgegen zu arbeiten. Statt Polnisch, soll Jiddisch wieder die Sprache werden für Heim und Familie, für Schule und Gasse. Die Landessprache soll nur im Verkehr mit Nichtjuden gebraucht werden. Dies aus der tiefen Erkenntnis heraus, daß die sprachliche Assimilation sehr oft die kulturelle und nationale zur Folge hat. Aber für die agudistischen Frauen ist Jiddisch nicht Selbstzweck, ist Jiddisch nicht nationales-Kriterium, wie es bei den sogenannten Jiddifchisten der Fall ist. Jiddisch um der Jüdischkeit willen, hieß die Parole des Monats für Jiddisch und Jüdischkeit. Jüdischkeit ist ein totaler Begriff, der das Taten-, Gedanken-, Gefühls- und Gemütsleben ckerjüdischen will. In dieser Verjüdischung gehört unbedingt auchdie Sprache, die Meisterin des menschlichen Lebens und Denkens. Daher eine eigene Sprache. Jiddisch ist einmal die nationale Gölüssprache der jüdischen Massen im Osten, wenn auch die heilige Sprache der jüdischen Zukunft gehören wird. Im Mittelpunkt dieser ganzen agudistischen Frauenbewegung steht der Bejs Jaakow-Verlag in Lodz, der die Bewegung mit vortrefflichem Propagandamaterial fortwährend speist, Lehr- und Lesebücher religiösen und belletristischen Inhalts herausgibt und ein Monatsjournal erscheinen läßt, das in jeder Beziehung eines der besten Journale ist, die im Osten überhaupt erscheinen'. An der Spitze dieses großen Unternehmens steht der bewährte Agudovorkämpfer E. G. Friedensohn, welcher auch das Bejs Jaakow- Journal in ausgezeichneter Weise redigiert. Anläßlich des Monats für Jiddisch und Jüdischkeit ist das Bejs Jaakow-Journal 48 Seiten stark erschienen mit einer Fülle von Beiträgen namhafter agudistischer Schriftsteller die höchste Bewunderung Hervorrufen müssen. In diesen Aufsätzen wird vor allen Dingen der Sinn und die Bedeutung von Jiddisch und Jüdischkeit ausführlich behandelt. Es folgen noch schöngeistige Arbeiten und Geschichte junger agudistischer Dichter, die schöpferische Talente aufweisen. Einige wissenschaftliche Arbeiten über Ursprung, Geschichte und Orthographie der jiddischen Sprache vervollständigen die Ausgabe zu einem geschlossenen Werk agudistischer Schaffenskraft. Unter den Mitarbeitern finden wir Dr. Nathan Birnbaum, Dr. Salomon Birnbaum,'I. L. Orlean, A. Z. Friedmann, Rabb. Stockhamer, Jacob Landau, E. G. Friedensohn, E. Schindler, Sch. Nadler, M. Schwarzmann, W. Leichter, Sch. Ostersetzer, B. Sußmann, S. D. Laski, M. W. Riestempower, M. Zechowal, E. Gutmann, N. I. Berliner, L. Feingold u. a. Von den Frauenbeiträgen sind zu erwähnen die geistvollen Aufsätze von Sara Schmierer, die Gründerin von Vejs Jaakow, Nicki Birnbaum und Ester Rosa. Außerdem enthält die Nummer eine Beilage „Jiodisch in Amerika", herausgegeben vom „Young Israel", vom Verband der thoratreuen Jugend Amerikas, der ebenfalls der Amerikanisierung in Sitte und Sprache unter der Heranwachsenden Jugend durch die Verbreitung von Jiddisch und Jüdischkeit entgegen zu arbeiten sich zur Aufgabe gesetzt hat. Mitarbeiter dieser Beilage sind: Rabb. Dr. Jung, Rabb. E. Silber, Rabb. Dr. Rewel, Rabb. Rosenberg, Rabb. Dr. Stern, Dr. Bluston, I. M. Bunim, M. Danzis, E. Guttmann. Die Redaktion dieser Ausgabe lag in Händen des bekannten Schriftstellers und Vorkämpfers für Jiddisch und Jüdischkeit, Dr. Salomon Birnbaum, von welchem auch die Initiative für diesen Monat für Jiddisch und Jüdischkeit ausgegangen ist. Dr. Birnbaum hat seine Aufgabe in nicht zu überbietender Weise gelöst und ihm gebührt Dank und Anerkennung für diese in Form und Inhalt ausgezeichnete Ausgabe. I. L. Was ist recht? Eine Anfrage an den rabbinischen Landesrat. Der eine fragt, was kommt darnach, Der andere, ist es recht? Und also unterscheidet sich Der Freie von dem Knecht. Auf zwei Arten kann der Mensch den Erscheinungen seines Einzellebens wie denen' im Leben der Eefamtmenschheit gegenüberstehen: entweder denkend oder in müßiger Betrachtung. Ein Kennzeichen dasür, daß der Mensch denkt, ist die Frage. Lieblingskind des menschlichen Geistes ist die Frage. Sie erhält den Geist und mit ihm den Menschen in beständiger Frische. Wie der Einzelmensch wird auch das Volk jugendliche Elastizität besitzen, ber dem die Frage Heimairecht hat. Wo die Frage verstummt, zieht Müdigkeit mit all ihren trüben Erscheinungen in die Seele ein. Das belebendste Moment des Unterrichts bildet die Frage, sie baut am sichersten den Geist aus. Mit elementarer Wucht drängt sich die Frage an den Menschen, wenn Erscheinungen um ihn aufkommen, die im Widerspruch stehen zu dem, was der Mensch nicht nur gelernt hat, sondern auch zu dem, was ihm als seelisches Gut angeboren ist. Keinerler Wissen wird uns als Besitz in die Wiege gelegt, wohl aber so manche Eigenschaft. Und wenn ein Wort sagt, daß die bnei jißroel rachamonim, baischonim und gaumlei chasodim sind, so - sind diese Eigenschaften sicher nicht nur das Ergebnis der jüdischen Erziehung und des Lernens, sondern sie sind dem jüdischen Menschen wesenhastes, seelisches Erbgut. Und wählt sich die jüdische Gemeinschaft ihre Führer, so sehnt sie sich nach solchen, die neben geistiger Kraft ihr voranleuchten durch die besonders starke Pflege dieser jüdischen vornehmen Eigenschaften. Wenn wir nun bei den Führern der jüdischen Gemeinschaft, etwa bei Rabbinern oder ihren Frauen, bei Lehrern oder Lehrerinnen, bei all denen, in deren Hand die Bildung des Heranwachsenden Geschlechtes gelegt ist, nicht zuletzt auch bei Vätern und Müttern, wenn wir bei ihnen Erscheinungen aufkommen sehen, die im

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