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Der Israelit · 1931-07-02 · Heft 27 (2.7.1931) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 27 (2.7.1931)
Date
1931-07-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 27 Der Israelit 2. Juli 1931 f ein Dutzend Studentinnen befindet sich unter den Vergetan hat, um sich höheres Einkommen zu sichern und letzten, die draußen von der Rettungswache übernommen die bei ihrer Bedürfnislosigkeit von einem Gehalte lebt, und verbunden wurden. Auch Professoren, die ihrem Undas man außerhalb Antwerpens überhaupt nicht für willen über die Ausschreitungen Ausdruck gaben, wurmöglich halten würde. Wenn der Rabbiner auch in der den bedroht, so der bekannte Rechtslehrer Prof. Merkl. Gehaltskürzungsangelegenheit zu dem Vorstand in Ge- Pros. Ludwig Hupka wurde gezwungen, aus dem Lehr-' genfatz getreten ist, so handelte es sich für ihn a u s - faal zu flüchten. ^schließlich um ideale Momente, eben um die Im Zusammenhang mit den Studentenunruhen wur- Bekämpfung der Tendenzen, die auf eine Vereinigung den die Universität, die Technische Hochschule, die Hochder Machasike Hadaß-Gemeinde mit der Amiel-Gemeinde schulen für Bodenkultur und für Welthandel bis auf, hinstreben. (Nachdem nunmehr beide Teile zu Wort geweiteres geschloffen. In der Bevölkerung kommen sind, glauben wir unserer Berichterstatterpflicht herrscht große Empörung über das Verhalten der Haj genügt zu haben und möchten unsre Korrespondenten kenkreuzler, man sieht es als besonders bedauerlich an, bitten, die weitere Erörterung der Angelegenheit der daß die Hitler-Leute ihre Ausschreitungen gerade in der; lokalen Antwerpener Presse zu überlassen. Red.) Stunde anzettelten, in der mehr als 4000 Rotarier aus' allen Erdteilen in Wien versammelt sind, um eine Botschaft der Brüderlichkeit an alle Nationen zu richten. Der Protest der Wiener israelitischen Kultus - gemeinde. Wien, 23. Juni. Der Vorstand der Wiener israelitischen.Kultusgemeinde befaßte sich in seiner letzten Sitzung mit den antisemitischen Ausschreitungen der Studentenschaft und faßte eine Entschließung, in der es heißt: „Unser Protest und unsere Entrüstung richtet sich nicht in erster Linie .gegen die verhetzte Jugend, die sich der Verwerflichkeit ihres Vorgehens nicht bewußt ist, sondern vor allem gegen die höchste akademische Behörde, die kein Wort der Mißbilligung gegen die schändlichen Ausschreitungen gefunden hat. Die höchsten akademischen Behörden haben durch ihre Demonstration die deutsch-völkische Studentenschaft vielmehr zu ihren Gewalttaten und strafgesetzwidrigem Vorgehen geradezu ermutigt. Wir stellen mit Empörung fest, daß die jüdische Studentenschaft auf akademischem Boden den organisierten, brutalen Gewaltakten einer großen Uebermacht wehrlos preisgegeben ist. Nirgends, insbesondere nicht bei den dazu berufenen akademischen Behörden, findet sie Schutz! Die Kultusgemeinde fordert die Staatsgewalt auf, die Sicherheit der jüdischen Studentenschaft pflichtgemäß zu schützen. Sie fordert den Staat auf, die sich seit Jahren immer wiederholenden, schmachvollen und eines Kulturstaates unwürdigen Vorkommnisse mit allen Machtmitteln zu verhindern und das gleiche Recht der jüdischen Studentenschaft auf die ungeschmälerte Benutzung der auch vom Judentum erhaltenen Hochschuleinrichtungen zu gewährleisten." — Die Entschließung wurde der Regierung übergeben. Belgien. Der Kamps in der Alachasike Hadaß-Gemeinde. Antwerpen, 29. Juni. Zu dem in der vorigen Nummer veröffentlichten Berichte über die in der letzten Generalversammlung der Machasike Hadaß-Gemeinde stattgehabten bedauerlichen Vorgänge und ihre Vorgeschichte, teilt uns ein außerhalb Antwerpens wohnender zuverlässiger Berichterstatter, der sich auf eine genaue Kenntnis der Verhältnisse beruft, folgendes mit: Die Ursache der Kämpfe, die zum Rücktritt des Vorstandes und insbesondere des derzeitigen Vorsitzenden geführt haben, liegt in den von diesem Vorsitzenden gedeckten Bestrebungen, eine Vereinigung der orthodoxen Gemeinde mit der Gemeinde des Rabbiners Amiel herbeizuführen. Diesen Bestrebungen setzt der Rabbiner der Machasike. Hadaß-Gemeinde, der bekannte Oberrabbiner Rottenberg, schärfsten Widerstand entgegen,woraus sich ein unüberbrückbarer Gegensatz zwischen dem Vorstand und dem Rabbiner mit den schmerzlichsten Konsequenzen entwickelt hat. So hat der Vorstand z. B. es gewagt, den Rabbiner aufzufordern, ohne vorherige Zustimmung des Vorstandes keine Beschlüsse in K a s ch r u s angelegenheiten zu fassen. Was die in der Korrespondenz erwähnten Gehaltskürzungen betrifft, so würden sich mit der Reduktion, wenn sie bloß Ersparniszwecke verfolgt hätte, alle Beteiligten einverstanden erklärt haben. Man vermutete jedoch, und zwar wohl nicht mit Unrecht, daß es sich darum handelte, die den politischen Vereinigungsplünen abgeneigten Beamten der Gemeinde nach und nach unmöglich zu machen. Eine besondere Ungehörigkeit ist die Hineinziehung auch des Rabbiners in diesem Zusammenhang. Der Rabbiner der Machasike Hadaß-Gemeinde ist, wie allgemein bekannt, eine Persönlichkeit von geradezu vorbildlicher Uneigennützigkeit, die nie in ihrem Leben einen Schritt Di- Woche. Berlin. Bei den Ausschreitungen an der Berliner Universität am Montag, den 29. Juni, wandten sich die Nationalsozialisten, die zunächst gegen kommunistische und sozialistische Studenten vorgingen, in der Folge hauptsächlich gegen jüdisch aussehende Studenten, über die sie herfielen und die sie mißhandelten. Sprechchöre stimmten wiederholt die Rufe an: „Juda verrecke!", „Juden raus!" — Von Sonntag bis Dienstag, den 21. Juni, tagte hier die Hebräische Kultur-Vorkonferenz. Es vurde beschlossen die Schaffung eines Weltbundes der Hebraisten, Ausbau des hebräischen Kulturfonds und Enberufung eines Hebräischen Weltkongresses im Jahre 1932. Leipzig. Im nahen Altenburg ging fünf Tage lang ein Prozeß gegen Reichsbannerleute, die angeklagt waren, Nationalsozialisten überfallen zu haben. Einer der Verteidiger war Dr. Klee aus Berlin. Die am Prozesse beteiligten Nationalsozialisten ergingen sich dauernd in schweren Beleidigungen des Anwalts, so daß sie mehrmals in Ordnungsstrafen genommen werden mußten. Dresden. In Zwickau wurde vor. einiger Zeit ein Schächtverbot erlassen. Die Zwickauer Stadtverordneten hatten aber die Aufhebung des Verbotes beschlossen. Diesem Beschluß hat sich der V e r w a l t u n g s r a t des Tier- und Schlachthofes, dem die letzte Entscheidung zusteht, nicht angeschlossen. Ltraßburg. In Rosenviller im Elsaß wurden auf dem jüdischen Friedhof 2 0 G r a bsteine umgeworsen und zerttümmert. Der erste Fall einer Friedhofsschändung in Frankreich, allerdings im Elsaß. Men. Rabb. Max G r u n w a l d, auch als Schriftsteller und Forscher auf dem Gebiete der jüdischen Volkskunde bekannt, feiert am 2. Juli seinen 60. Geburtstag. Amsterdam. Prof. Dr. L. S. O r n st e i n wurde zum Rektor Magni- ’icus der Universität Utrecht für das Jahr 1931/32 ernannt. — Bei den Wahlen in den Amsterdamer Stadtrat diese Woche wurden 12 jüdische Kandidaten gewählt, von denen 8 der sozialistischen Partei angehören. Schweiz. Die rilisrachi-Weltkonferenz. Basel, 29. Juni. Im Verlauf der allgemeinen Aussprache über ein Referat von Rabbi F i s h m a n über Organisation und Ziele des Misrachi schloß sich die Mehrheit der Redner dem Vorschlag an, zu proklamieren: Der Misrachi erstrebt die Errichtung eines Juden staates in Palästina auf der Grundlage der Thora und der jüdischen Tradition. In geschlossener Sitzung wurde versucht, die Krise zu lösen, die durch den Rücktritt der Leitung des Weltmisrachi entstanden ist. Mehrere Redner billigten die Opposition des Merkas olami gegenüber der Erklärung Dr. Weizmanns, daß in Palästina ein binationaler Staat errichtet werden soll, auch billigten sie den Austritt Rabbi Berlins aus der zionistischen Exekutive. Diese Redner kritisierten die Haltung der deutschen Delegation, durch die die Krise im Misrachi hervorgerufen wurde, und appellierten an die Konferenz, eine Spaltung der Bewegung zu vermeiden. Die Eröffnung des Zionisienkongreffes. Basel, 2. Juli. Der Zionistenkongreß wurde gestern Abend bei Anwesenheit von 2000 Delegierten und Gästen von S o - k o l o w eröffnet. Es sprachen auch Vertreter der Kantons-Regierung, des Völkerbundes und der englischen Botschaft. Rach der Eröffnung hielt Dr. Arthur Rupp i n ein groß angelegtes Referat über „Probleme der Palästina-Arbeit". Am Mittwoch morgen trat man zu den Wahlen. Zum Vorsitzenden wurde Leo M o tz k i n gewählt. Nach einem Berichte der Mandatprüsungskommission nahm Dr. W e i z m a n n gegen 11 Uhr das Wort zu seinem großen Bericht, der zugleich eine Abschiedsrede war. Er erklärte zum Schluß, daß er formell und endgültig sein Amt niederlege. Näheres über den Bericht und den Gang der weiteren Verhandlungen folgt in nächster Nummer. Litauen. Jüdischer Wahlsieg in Litauen. K o w n o , 22. Juni. Die in dieser Woche in Litauen durchgeführten Wahlen zu den Stadt-Selbstverwaltungen brachten den Juden einen ansehnlichen Erfolg. Von den 324 Stadtverordneten, die in den Städten außer Kowno gewählt wurden, sind 123 Juden (38 Proz.). In Kowno selbst sind von 24 gewählten Stadtverordneten 7 Juden. In 12 von 29 litauischen Städten haben die Juden mit den anderen Minderheiten die Mehrheit, in einigen Städten haben die Juden allein die absolute Mehrheit. Griechenland. Antijüdifche Ausschreitungen in Saloniki. Saloniki, 25. Juni. In Saloniki kam es am 23. und 24. Juni zu judenfeindlichen Ausschreitungen schwererer Natur, die mit einer scharfen antijüdischen Hetze verbunden waren. Griechische Studenten verteilten unter der Bevölkerung Flugzettel, in denen die Christen zum wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Boykott der Juden aufgefordert wurden. In den Flugzetteln wurde behauptet, daß der Salonikier jüdische Sportklub Makkabi antigriechische Propaganda betreibe. Gleichzeitig überfielen Studenten jüdische Passanten in den Straßen und mißhandelten sie schwer. Unter der jüdischen Bevölkerung Salonikis herrschte wegen dieser Angriffe und falschen Beschuldigungen starke Erregung. Obwohl die jüdischen Abgeordneten von Saloniki im Parlament erklärten, daß die gegen den Salonikier jüdischen Sportklub Makkabi und gegen die jüdische Bevölkerung Salonikis im allgemeinen vorgebrachen Beschuldigungen der Illoyalität gegen den Staat vollkommen grundlos seien und obwohl die Regierung in einem Ausruf die Bevölkerung aussorderte, Ruhe und Ordnung zu bewahren und die jüdischen Mitbürger, deren Loyalität gegenüber dem Staate außer allem Zweifel stehe, nicht zu belästigen, kam es auch am 25. Juni zwischen Christen und Juden in Saloniki zu kleineren Zusammenstößen. Die Mehrheit der christlichen Bevölkerung verurteilt die antisemitischen Ausschreitungen. Der Gouverneur von Mazedonien, Gonostas, hat verfügt, .daß alle antisemitischen Flugschriften zu beschlagnahmen seien und daß gegen die Verfasser ein Verfahren eingeleitet werde. Am Mittwoch abends stürmte der Mob den Makkabi- Klub, zertrümmerte die gesamte Einrichtung und mißhandelte die jüdischen Sportler. Einige jüdische Jugendliche erlitten erhebliche Verletzungen. Die etwas spat eingetroffene berittene Polizei trieb die Menge auseinander. Die Verteilung antisemitischer Flugschriften dur Studenten in den Straßen von Saloniki wird fortgesetz Etwa 200 Mitglieder der nationalistischen Liga, dar-' unter Reserveoffiziere, griffen das Haus der Jüdischen Gemeinde Saloniki an und versuchten es in Brand zu stecken. Mehrere Personen wurden verwundet. Auf die Interpellation der jüdischen Abgeordneten in der Kammer erwiderte Ministerpräsident V e n i z e - los, es bestünde nicht die mindeste Begründung für die Ausschreitungen. Die Manifestanten seien schlechte Griechen und verdienten exemplarische Bestrafung. Auch die Führer der Opposition verurteilten entschieden die antijüdische Hetze in Saloniki. ■mmmmmmm

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