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Der Israelit · 1931-06-25 · Heft 26 (25.6.1931) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 26 (25.6.1931)
Date
1931-06-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10. Nr. 26 Der Israelit 25. Juni 1931 Ein Brief aus Zentral-Litauen. Bildung der Rabbiner. — Not der Jeschiwoth. Wilna, 18. Juni. Das Bildungsreglement für die Rabbiner beschäftigt immer noch die Gemüter sehr lebhaft, in Verbindung damit auch die Verordnung für Rabbinerwahlen, die zu vielen Mißverständnissen führte. Was Zentral-Litauen (Wilnaer Gegend) betrifft, wurde von einer jüdischen Delegation beim Bildungsministerium folgendes festgestellt: Keine Gemeinde ist dort gezwungen, einen Rabbiner anzustellen, nur hat sie sich im Falle einer Wahl an die getroffenen Bestimmungen zu halten. Die Stadtbehörden haben sich in Sachen einer Nabbinerwahl nicht einzumischen. Vorgeschrieben ist nur die Unterbreitung des Wahlresultates dem Bildungsministerium. Wegen Befreiung von dem vorgeschriebenen Bildungszenfus hat sich der betreffende Rabbiner in jedem einzelnen Falle ertra an das Ministerium zu wenden. Die Bittschrift muß mit allen Daten und Angaben über Vorbildung, Dienstzeit usw. genau versehen sein. Ein Zwang zu einer Rabbinerwahl besteht nicht. Erschütternde Berichte kommen über die Krisenzustände in den Jeschiwoth. Es ist soweit gekommen, daß viele Thoralehranstalten — ein Novum für den Osten — ihre Tore vor neuen Schülern schließen mußten. Die Jünger darben buchstäblich. Im „Jüdischen Wort", dem in Wilna erscheinenden Organ der Orthodoxie, wird die Einleitung einer großen Hilfsaktion für die Jeschiwoth propagiert. Ob in dieser Zeit der schweren Not mit Erfolg, bleibt abzuwarten. Tschechoslowakei. Auflösungsprozeß in jüdischen Gemeinden Böhmens. Prag, 9. Juni. Im vergangenen Jahre lösten sich in Böhmen 11 jüdische Gemeinden aus, die noch vor einem Jahrzehnt blühende Gemeinwesen waren. In vielen dieser Gemeinden wurden die synagogalen Baulichkeiten unter die Obhut des „Obersten Rates der jüdischen Gemeinden" genommen, um ihre Umwandlunlg in Turnhallen und Lichtspielhäuser zu verhindern. Auch in der Slowakei sind im letzten Jahre 5 Kleingemeinden ausgelöst worden. In Böhmen ist der Grund des Absterbens so vieler Gemeinden die Abwanderung in die Städte und nicht zuletzt die sinkende Geburten- und die steigende Sterbeziffer. Rumänien. Jüdische Parlamentarier im neuen rumänischen Parlamente. Bukarest, 11. Juni. Bei den Wahlen in die Kammer und den Senat wurden insgesamt elf jüdische Kandidaten gewählt, und zwar sechs Senatoren und fünf Kammerdeputierte, die Abgeordneten der Jüdischen Nationalpartei Dr. Mayer GBtttf, Dr. Theodor Fischer, Dr. Joses Fischer und Dr. Mar Diamant und der auf der Liste der Magyarischen Partei gewählte Deputierte Nandor H e g e d ü s. Als zwölfter jüdischer Parlamentarier kommt Oberrabbiner Dr. I. Niemirower, der als Vertreter des jüdischen Kultus dem Senat angehört, hinzu. Ihrem prozentualen Anteil an der Eesamtbevölkerung entsprechend müßten die Juden in Rumänien in beiden Häusern durch 30 Parlamentarier vertreten sein. Es wird mit Bedauern festgestellt, daß die jüdische Vertretung in der Kammer, die größere Machtbefugnisse hat als der Senat, schwächer ist als in diesem. An den Wahlen zum Senate haben sich weder die Jüdische Partei noch die Union rumänischer Juden beteiligt. Die jüdischen Persönlichkeiten wurden nur auf der Regierungsliste zu Senatoren gewählt. Es sind dies die Herren Suchard Rivvensohn, Mayer Mihalschi, Jsac Benvenisti und der Herausgeber der Zeitung „L'Jndenpendance roumaine" Asra Berkowitz. Die Eröffnung des rumänischen Parlamentes. Bukarest, 15. Juni. Am 15. Juni trat das neugewählte rumänische Parlament zusammen, um die Thronrede des Königs zu hören. Die Thronrede enthält eine Anerkennung des Prinzips der nationalen Minderheit. Der König weist in seiner Botschaft auf die zum ersten Male in der rumänischen Geschichte erfolgte Einrichtung eines speziellen Sekretariats für die Angelegenheiten der Minderheiten hin und kündigt an, daß schon in kurzer Zeit der Kammer das Programm dieses Sekretariats unterbreitet werden wird. Die erste Sitzung des Parlaments leitete als Alterspräsident der berüchtigte Radau-Antisemit Professor Cu za. Obwohl Cuzas AlterspräsOentschaft nur eine geschäftsordnungsmäßige Maßnahme war,'hat die Tatsache, daß der Mann, an dessen Namen so viel Unglück der rumänischen Judenschast geknüpft ist, das Landesparlament leitet, dennoch auf die Judenschaft einen erschütternden Eindruck gemacht. Die auf den Listen der Jüdischen Partei gewählten Dr. Theodor Fischer und Dr. Mayer Ebner haben gemäß einem noch vor der Wahl getroffenen Abkommen aus ihre Mandate zugunsten Dr. Michael Landaus und Dr. Singers verzichtet. Theodor Fischer wird weiterhin Vorsitzender der Partei sein. Er und Dr. Ebner werden Mitglieder des Jüdischen Parlamentsklubs bleiben. Die formelle Mandatsniederlegung erfolgt nach Bestätigung der jüdischen Mandate durch die Kammer. Spanien. Die Stage einer jüdischen Einwanderung in Spanien. Toledo, 16. Juni. Der sozialistische Bürgermeister von Toledo, B a l - lester, ein bekannter Vorkämpfer der Republik, hat an die jüdische Gemeinde von Saloniki und an die Vereinigung sephardischer Juden in Amerika und Jerusalem ein Schreiben gerichtet, in dem er erklärt, er werde sich ireuen, in seiner Stadt die Nachkommen ihrer einstmals vertriebenen besten Bürger begrüßen zu dürfen. Die Botschaft trägt offiziellen Charakter und besagt ferner, daß der Magistrat von Toledo den rückkehrenden Juden selbst^ verständlich die alten Synagogen („Del Transito" und „La Blanca") zurückgeben werde. Ebenso wolle man ihnen das gesamte Gebiet des ehemaligen jüdischen Viertels ur Ausgrabungen und zur Ansiedlung zur Verfügung teilen. Schließlich verspricht Ballester, daß er selbst und alle seine Freunde den zurückkehrenden Juden jederzeit gern mit Rat und Tat zur Seite stehen werden. Es sind bereits Antworten auf diese Botschaft eingegangen, die von der Bewegung zeugen, welche sie unter den sephardischen Juden ausgelöst hat. Bürgermeister Ballester hat sie der Tagespresse zur Veröffentlichung übergeben und diese knüpft an sie ausführliche Betrachtungen über die Perspektiven, die sich bei der Rückkehr der Juden nach Spanien eröffnen. „Republica" schreibt z. B.: „Für Spanien wird es ein glücklicher Augenblick sein, wenn die Sepharditen zurückkehren. Sie mögen zu uns kommen und vor allen Dingen nach Toledo, der Wiege ihrer Rasse und ihrer ruhmreichen Geschichte. Nach Toledo, wo ihnen ein Stadtteil gehört, in dem jeder Stein eine jüdische Legende ist, eine liebevolle Erinnerung an jenes arbeitsame und kraftvolle Volk, das unsereir Nation zu Ehre und Achtung verhelfen wird, je inniger wir uns mit ihm verknüpfen." In Barcelona ist der Madrider Führer der jüdischen Gemeinde, Dr. C o r i a t, ein aus Marokko stammender junger Gelehrter, der in Madrid seit langem als Syndikus einer französischen Bank tätig ist, eingetroffen, UM mit den Behörden über eine größere jüdische Ansiedlung in Barcelona zu verhandeln. Er erklärte Pressevertretern, daß sich in Amerika bereits ein Komitee von sephardischen Juden gebildet habe, dessen Bevollmächtigter in den nächsten Wochen nach Barcelona kommen und den Bau eines jüdischen Gemeindehauses in Angriff nehmen werde. Dr. Coriat hat zur Vorbereitung dieser Aktion bereits konkrete Anweisungen aus Amerika erholten. Er berichtete ferner, daß der als besonderer Judenfreund bekannte jetzige Justizminister Fernandes de los Rios ihn gebeten hatte, möglichst bald .eine jüdischreligiöse Zeremonie in aller Oeffentlichkeit zu vollziehen, damit so demonstriert werde, daß im republikanischen Spanien volle Gleichberechtigung der Konfessionen herrscht. Am 10. Juni konnte dann unter besonderen Feierlichkeiten in der Betstube von Madrid die Trauung zwischen Senorita Ventura und Don M. Cohen, zwei marokkanischen Juden, deren Familien seit langem in Spanien leben, vollzogen werden. Das Ereignis ist von der gesamten Tagespresse lebhaft besprochen worden. Amerika. Masseuprotest gegen Makkabi in Nen>Y>>rk. (Privattelegramm.) Newyork, 24. Juni. Ein Massenprotest der Zeirei Agudas Jisroel gegen die Sabbatentweihung des Makkabi in Jerusalem war von über 4000 Menschen besucht. Es wurde eine Protestresolution einstimmig angenommen, die an die Presse abgeht. Versonalien. Budapest, 18. Juni. In einem von der Chewra Kadischa gewidmeten Ehrengrabe auf dem Rakoskereszturer israelitischen Friedhofe wurde das zweite Opfer des Revolverattentats im israelitischen Tempel, Nathan Tag licht, beigesetzt. Auf dem Friedhofe hatte sich ein vielhundertköpfiges Publikum eingefunden, das in stummer Trauer auf dem geräumigen Platz vor der Zeremonienhalle Aufstellung genommen hatte. Die Ordnung hielt ein Ehrendelachement der' Polizei aufrecht, um die Bahre bildeten Pfadfinder die Ehrenwache. Zu Häupten des Sarges lag ein prachtvoller Kranz des Oberbürgermeisters Dr. Franz Ripka mit einer Schleife in den Farben der Hauptstadt. Das Kultusministerium ließ sich durch Ministerialrat Dr. Paul v. Gettoczy vertreten. Die Pester neol. Neligionsgemeinde, die Ehsvra Kadischa, sämtliche jüdischen Jnsttitutionen und Vereinigungen sandten Abordnungen. Neben dem Sarge standen die Witwe und die beiden Kinder des Opfers. Oberkantor Emanuel Abrahamson leitete in Begleitung des Tempelchors die Trauerfeierlichkeit ein. Sodann hielt Rabbiner Dr. Siegmund Großmann eine tiefempfundene Trauerrede, nach der der Präsident der Pester neol. Neligionsgemeinde,. Hofrat Samuel Stern dem Toten einen innigen Nachruf widmete. Nach einem letzten Abschiedswort des Rabbiners Dr. Mar Weiß am offenen Grabe und nach dem letzten Gebet wurde der Sarg in das Grab gesenkt. vermischtes. Nürnberg, 22. Juni. Im Land heim Sulz bürg (Opf.) können in der zweiten Abteilung, 6.—27. August, noch Jugendliche ausgenommen werden. Meldungen wollen baldigst an die Geschäftsstelle (Dr. Heinrich Klein, Nürnberg, Bauerngaste 36) erfolgen. Verpflegungssatz: Mk. 3.—. Sprechsaal. «Antisemitismus in Bayern". Zum Artikel „Die Wirkung des Schächtverbotes in Holland" ist folgendes zu bemerken: Es ist unmöglich, aus dem Bestehen des Schächtverbotes in Bayern eine Folgerung auf die heutige politische Lage Bayerns zu ziehen. Das Schächtverbot ist seinerzeit durch eine unnatürliche politische Konstellation zusammengekommen und ist durchaus nicht als ein Beweis dafür zu werten, daß etwa in Bayern der Antisemitismus stärker ist, als anderorts. Was die Verhältnisse in Bad- Kissingen speziell, anbelangt (und nur diese können wir beurteilen), so ist von einer antisemitischen Stimmung durchaus nicht die Rede. Behörden und Einwohner wollen jüdische Kurgäste hierher ziehen und betonen immer wieder, daß sie keine Unterschiede nach politischer Einstellung oder Konfession bei den Kurgästen machen wollen oder auch nur dulden. Hiermit ist eine absolute Garantie geboten, daß auch der jüdische Kurgast zur Kur die nötige Ruhe und Erholung findet. Auch eine praktische Auswirkung des Schächtverbotes macht sich bei uns nicht' bemerkbar, da wir in ausreichendem Maße mit koscherem Fleisch versorgt werden. D. R. Schaaknes. Auf die Anfrage wegen Schaatnes im Sprechsaal Ihrer letzten Nummer vom 18. ds. möchten wir folgendes bemerken: Ad 1. Das von den B a u m w o l l nähgarnzwirnereien hergestellte weiße Garn besteht natürlich aus Baumwolle. Es ist lediglich weiß gefärbt oder gebleicht. Als Nähgarn für die Konfektion dürste ja wohl überhaupt nur Baumwolle in Frage kommen, je nach dem auch Nähseide, kaum aber Leinenzwirn. Im Zweiselsfalle müßte man sich erkundigen, von welchem Fabrikanten die Nähgarne stammen. Ad 2. Eisengarn besteht aus Baumwollgarn, das appretiert ist, jedenfalls nicht aus Leinenfäden. Wir stehen zu weiterer Aufklärung gerne zur Verfügung und empfehlen uns S. K. in Stuttgart. ^smsssmsmsssssssBasmsmsmmrnBmmmmm^aassBmi Familiennachrichten. 1 Geburten: Ein Sohn, Ernst Wallerstein und Frau, geb. Neuhäus, Siegburg. — Eine Tochter, Jetta, Willy Wolf und Frau Martha, geb. Kaufmann. Köln. Barmizwoh: Herman Sohn des Herrn Max Neuberger, Würzburg, Rottendorferstr. 131/2 onj’S'S jnff 4. Juli.

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