Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1931)
- Date
- 1931-06-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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... Seite 8. -Nr. 26 Der I s r a e;I i t 25. Juni 1931 einem Din-Ähora. Bevor aber noch die Entscheidung ‘ getroffen werden konnte, wurden jene Tumulte siert, die zum Rücktritt stes Vorstandes führten. | organr England. Genaue Regelung des Rechtes der Juden vor der Klagemauer. London, 9. Juni. Der am 8. Juni veröffentlichte Bericht der Klage mauer-Kommisfion enthält eine genaue Beschreibung der Klagemauer und ihrer Umgebung sowie einen geschicht lichen Ueberblick, in dem nachgewiesen wird, das; die Juden von den ältesten Zeiten an an den Ueberresten des Tempels Gebete zu verrichten pflegten. Nach einer aus führlichen Darstellung der von der Kommission von jüdischer und arabischer Seite vorgebrachten Ansprüche bezüglich der Klagemauer werden die Ansichten und Schlüsse, zu denen die Kommission gelangt ist, in Kapiteln wiedergegeben und zum Schluß folgendermaßen zusammengefaßt: 1. Die von der Palästina-Negierung Ende September 1929 erlassenen zeitweiligen Verordnungen bezüglich „g'ttesdienstlicher Geräte" werden in definitive Verord nungen umgewand^r und nur insofern modifiziert, als es zulässig sein soll, vor der Mauer einen die Thora rollen enthaltenden Thoraschrein, einen Tisch, aus dem der Schrein steht, und ein Pult, auf das die Thorarolle bei der Vorlesung gelegt wird, auszustellen, jedoch nur bei folgenden Gelegenheiten: a) Anläßlich außerordentlicher Fasttage oder äffend licher Gebete, die von den Oberrabbinern von Je rusalem in Fällen allgemeiner Not oder wegen eines Todesfalls angeordnet werden, vorausge seht, daß eine solche Verfügung der Palästina Verwaltung ordnungsgemäß zur Kenntnis ge bracht wurde. b) Ani Neujahrstag und am Versöhnungstag so wie an anderen Feiertagen, an denen nach Ansicht der Negierung herkömmlicherweise der die Thorarollen enthaltende Schrcin zur Mauer gebracht wird Außer den in den Artikeln dieses Verdikts angeführten Gegenständen dürfen keinerlei Kultgeräte bei der Klagemauer ausgestellt werden. 2. Einzelne Juden sollen nicht daran gehindert werden Handbücher oder andere bei ihrer Andacht herkömmlicherweise im allgemeinen oder bei besonderen Gelegenheiten benutzte Gegenstände mitzubringen, oder die bei der Andacht althergebrachten Gewänder zu tragen. 3. Das zeitweilig erlassene Verbot, Bänke, Teppiche oder Matten, Stühle, Vorhänge und Wandschirme zur Mauer zu bringen, sowie Tiere zu bestimmten Stunden über den Platz vor der Klagemauer zu treiben, das Tor am Südende der Mauer zu bestimmten Stunden geschlossen zu halten. Doch bleibt das Recht der Mohammedaner, in der üblichen Weise den Platz zu passieren, unangetastet. 4. Es wird verboten, irgendein Zelt oder einen Vor hang oder einen ähnlichen Gegenstand zur Mauer zum Zwecke der Aufstellung (sei es auch nur für kurze Zeit) zu bringen. 5. Den Juden wird es nicht erlaubt fein, das Ramshorn (Schofar) vor der Mauer zu blasen oder irgendeine vermeidbare Störung für die Moslems zu verursachen; andererseits wird es den Moslems nicht gestattet sein, die Zikr-Zeremonie in der Nähe des Platzes vor der Klagemauer während der Andacht der Juden zu vollziehen oder in irgend einer anderen Art die Juden zu belästigen. 6. Die Palästina-Verwaltung erhält das Recht, die ihr geeignet erscheinenden Instruktionen bezüglich der Größe der Gegenstände, die die Juden zur Mauer mitbringen dürfen, bezüglich der oben erwähnten besonderen Tage und Stunden sowie bezüglich anderer für die genaue und vollständige Durchführung des vorliegenden Verdiktes der Kommission etwa notwendiger Einzelheiten zu erlassen..' 7. Die Benutzung des Platzes vor der Maaer und seiner Umgebung zum Halten politischer Ansprachen und Vorträge, sowie zu Demonstrationen ^eder Art, ist jedermann untersagt.^;> : 8. Es soll i als im gemeinsamen Interesse von , Mohammedanern und Juden gelegen betrachtet werden,..daß die Westmauer, nicht durch Inschriften, die in sie eingegraben oder an ihr angebracht werden, sowie durch Nägel oder andere Gegenstände, die in sie eingeschlagen werden, entstellt werde, und daß der Platz vor der Mauer reingehalten und von Mohammedanern und Juden in gleicher Weise respektiert werde; hiermit wird es als Recht und Pflicht der Mohammedaner erklärt, für die Reinhaltung des Platzes vor der Mauer und die Vornahme der notwendigen Reparaturen am Pflaster nach vorangegangener Anzeige bei -der , Palästina-Verwaltung Sorge: zu tragen. - 9. Im Hinblick auf den Charakter der Mauer als historisches Denkmal wird die Palästina-Verwaltung mit ihrer Erhaltung betraut. Die etwa notwendigen Wiederherstellungsarbeiten sollen von ihr unter ihrer Aufsicht durchgeführt werden, allerdings erst nach Beratung mit dem Obersten Moslemitischen Rat und dem Rabbinischen Rat für Palästina. 10. Wenn notwendige Reparaturen des Pflasters vor der Mauer von den Mohammedanern nicht rechtzeitig vorgenommen werden, hat die Palästina-Verwaltung die notwendigen Vorkehrungen zur Durchführung der Arbeit zu treffen. 11. Die Oberrabbiner in Jerusalem sollen ersucht werden, einen oder mehrere Beamte als ihre bevollmächtigten Vertreter zu bestimmen, die die Instruktionen und -andere von der Palästina-Verwaltung von Zeit zu Zeit herausgegebenen Mitteilungen bezüglich der Westmauer, des gepflasterten Platzes vor ihr und der bezüglich der jüdischen Andachtsübungen an der Mauer zu be obachtenden Fomalitäten entgegenzunehmen haben. ValMnü. f Die Judenheit Palästinas stimmt dem Spruch der klagsemauerkommission zu. ^- Jerusalem,, 9. Juni. Wie die jüdische Telegraphen-Agsntur erfährt, traten nach der Veröffentlichung des Berichtes der Klagemauerkommission die Executive der I e w i s h Agency, die Leitung der Agudas Jisroel und das Rabbinat zu einer.gemeinsamen. Sitzung zusammen. In der Sitzung wurde zunächst zum Ausruck gebracht, daß die Vorschläge der Klagemauerkommission die jüdischen Ansprüche nicht ganz befriedigen und daß daher für die Juden kein Anlaß bestehe, sich über den Bericht der Klagemauerkommission zu freuen. Insbesondere stellt das Verbot, Thorarollen am Sabbat zur Klagemauer zu bringen, eine schwere .Enttäuschung für die Juden dar. Des weiteren aber wurde festgestellt, daß ein Appell gegen das Verdikt der Klagemauer-Kommission nicht möglich sei. Von jüdischer Seite wird daher die Entscheidung der Klage mauer-Kom Mission akzeptiert. Ein erfreulicher Beschluß. London, 19. Juni. Bekanntlich hatte, wie früher gemeldet wurde, das Lehrlingsstellen-Komitee des Board o f Gwar di ans vor einem Jahre den bedauerlichen Beschluß gefaßt, bei der Unterbringung von Lehrlingen nicht mehr, wie bisher, auf Dispens am Sabbat und jüdischen Feiertagen unbedingt Wert zu legen, sondern die Jungen im Notfall auch zu solchen Meistern in die Lehre zu geben, bei denen sie den Sabbat entweihen müssen. Man hatte geglaubt, durch diese Preisgabe der jahrzehntelang gewahrten religiösen Grundsätze des Board die ökonomische Zukunft der jungen Menschen besser sichern zu können, indem man ihnen neue Berufszweige, die bisher verschlossen schienen, eröffnete. Erfreulicherweise hat nun in der letzten Sitzung das zuständige Komitee berichtet, daß das Erperiment nicht nur in religiöser Hinsicht starke Erregung ausgelöst und Widerspruch gefunden hat, sondern daß es auch praktisch vollkommen resultatlos blieb. Diese Erfahrungen haben dem Board den Entschluß erleichtert, zu seiner früheren Praxis zurückzukehren. Das Plenum nahm den dahingehenden Antrag, trotzdem eine Anzahl waschechter Liberaler dagegen sprachen, mit Mehrheit an. Aus dem Motorrad von Jerusalem nach London. London, 19. Juni. Während die jüdische Presse von den nationalen Heldentaten des den Sabbat auf seinem altgeheiligten Boden entweihenden Sportklub Makkabi zu berichtenweiß, •' sind am letzten Freitag hier eine Anzahl dieser heldenmütigen Kämpfer gegen den Sabbat auf Motorrädern in London angekommen, um hier für die stläÄ) stj äh r i g en olympischen Spi'ele in Tel A'wi'w Propagandazu machen. Es sind 12 Repräsentanten dieser neu-hellenistischen Synthese von Griechentum und Judentum, die die Runde durch die Welt machen und von i denen 7? auf Motorrädern und :5 im Wagen die Reise zurückgelegt haben. Wahrscheinlich hatte man die zum Empfang der Sporthelden in Aussicht genommenen Festlichkeiten, zu denen sogar der Lord-Mayor bemüht wurde, längst schon vorbereitet, ehe das Echo von der. Wiederaufnahme der Sabbatentweihung in Erez Jisroel bis nach London gedrungen war. Man. hätte aber mindestens erwarten dürfen, daß man bei der Verwaltung der Great Synagogue Taktgefühl genug gezeigt hätte, um die Herausforderung der öffentlichen Meinung der orthodoxen Judenheit durch die Veranstaltung eines feierlichen S y n a - ogenempfanges zu unterlassen. Man wird es nur als eine tiefe Demütigung jüdischer Würde und einen Faustschlag ins Gesicht der Orthodoxie empfinden können, daß nun die Herren in Anwesenheit der Dajonim Feldmann und Hillmann in allen Tonarten gefeiert und durch Dajan Feldmann sogar durch eine Ansprache geehrt wurden. Weniger kann uns die Ansprache des Lord- Mayor berühren, und die Reden, die von Sokolow, Eder und andere Zionisten zu Ehren ihrer jugendlichen Helden gehalten worden sind. Von London pilgerten die Herren nach Manchester, wo sich das Spiel wiederholte. Gegen Verbindung -er Volkszählung mit der Zählung der landlosen Araber. Jerusalem, 11. Juni. Die Bildung eines beratenden Komitees für die bevorstehende Volkszählung in Palästina verzögert sich dadurch, daß die Araber unbedingt darauf bestehen, im Komitee durch 6 Delegierte vertreten zu sein, während den Juden nur 2 Sitze eingeräumt werden sollen. Ursprünglich hatten die Araber bloß eine ihrem zahlenmäßigen Anteil an der Landesbevölkerung entsprechende Vertretung im Komitee gefordert. Die Juden werden wahrscheinlich dem von den Arabern vorgeschlagenen Vertretungsverhältnis nicht zustimmen, obwohl sie der Frage der Vertretungsstärke viel weniger Bedeutung beimessen als die Araber. Die jüdischen Führer sind weit mehr daran interessiert, daß den illegal Eingewanderten Amnestie zugesichert wird und daß in den Volkszählungsbogen keine tendenziösen Fragen, die die Verläßlichkeit der Volkszählung beeinträchtigen könnten, ausgenommen werden. An Juden und Araber wird vermutlich die Aufforderung ergehen, Vertreter zur Kooperation mit dem offiziellen Komitee, dem die Leiter der Regierungsdepartements für Gesundheitswesen, Bodenfragen und Erziehung angehören werden, zu nominieren. Es werden alle Anstrengungen gemacht, anläßlich der Volkszählung eine jüdische Einheitsfront zustandezubringen. Die Agudas Jisroel wurde eingeladen, mit der Executive der Jewifh Agency und mit dem Waad Leumi Beratungen zu pflegen. Ein heikles Problem ergibt sich bei der Vorbereitung des Fragebogens für die Volkszählung im Hinblick auf die geplante Einreichung einer oder mehrerer Fragen, die sich auf Bodenbesitz, resp. Landlosigkeit der Bevölkerung beziehen. (Inzwischen hat die Regierung ein jüdisches Komitee gebildetdem zwei Vertreter - des' Waad Leumi und ein Vertreter der „Agudas Jisroel" angehören. Red.) Reues aps Palästina. „Einschränkung in, den Lebensansprüchen?" Tel-Awiw, 15. Juni. Der „Israelit" Nr. 20 gibt Aeußerungen der Zeitschrift der jüdischen Landwirte Palästinas „Boustenai" wieder, die in der Forderung nach „Einschränkung in den Lebensansprüchen" gipfeln. — Wer 60 > Pfund Sterling Beamtengehalt bezieht und dazu eine Orangenplantage besitzt, hat es sicherlich leicht, seine Lebensansprüche herabzusetzen. Mindestens dreiviertel der jüdischen Bevölkerung Palästinas lebt aber von jeher unter Lebensverhältnissen, die nur bei der größten Bedürfnislosigkeit in Kleidung und Ernährung, in Ein- oder höchstens Zweizimmerwohnungen ein Durchkommen ermöglichen! Sparen läßt sich uicht bei den Unteren, der Masse, sondern bei den Oberen. Die führenden Beamten der Institutionen im Rahmen der Jewifh) Ägencp (so die Mitglieder der Exekutive, die Direktsten des Keren Hajessod, der Anglo Palestine Cie. uschc usw.) sollten nicht mehr als 50.Pfund Sterling Gehalt beziehen und dadurch ihre Verbundenheit mit der jüdischen Masse, ihr Chaluztuni, beweisen. Heute sind jene die Kreise, die regieren, aber selten die Berechtigung hierfür gezeigt haben. Es gibt eine Anzahl Monatsgehälter von