Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1931)
- Date
- 1931-06-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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25. Juni 1931 Der Israelit Nr. 26. Seite 7 Einführung eines Blankotages nicht länger zu befassen. Rabbiner Dr. Moses Hyamson äußerte 'sich in ähnlichem Sinne wie Chief Rabbi Hertz und betonte insbesondere, daß entgegen der Behauptung der Anhänger des Eastman-Lotsworth-Kalenderreformplans nicht nur die orthodoxen Juden Amerikas, sondern auch die Anhänger der konservativen und reformistischen Richtung absolute Gegner der Einführung des Blankotages seien. Im Namen von vier Millionen Juden in den Vereinigten Staaten und in Kanada appellierte Rabbiner Hyamson an das Komitee, die materiellen und geistigen Interessen von Juden, Christen und Mohammedanern nicht durch Sanktion des Blankotagplans zu schädigen. Namens des Rabbinischen Rats der- Agud a s I i s r o e l schloß sich Rabbiner Dr. Pinchas K o h n den Ausführungen seiner Vorredner an. Er erklärte, vor allem im Namen der etwa 6 Millionen starken glaubenstreuen jüdischen Bevölkerung Osteuropas zu sprechen und wies auf die wirtschaftlichen Schwierigkeiten hin, die für diese Bevölkerung infolge der Einführung des Blankotages entstehen würden. Aber auch, wenn kerne wirtschaftlichen Interessen auf dem Spiele stünden, würden die Juden im Hinblick darauf, daß es sich hier um die Wahrung eines allen teueren geistigen Kulturguts handelt, dagegen kämpfen, daß der Sabbat zu einem beweglichen Tag gemacht werden soll. Darauf sprach Oberrabbiner Dr. Lewenstein, Zürich, der der Kommission mitteilte, daß in allen Ländern die Massenpetitionen an den Völkerbund gegen die Einführung eines Blankotages unterzeichnet werden. Die gesamte Judenheit hoffe, daß man ihre Stimme hören werde. Die Jüdische Delegation war vom Sekretär des Joint Foreign Committee, I. M. R i ch, begleitet. Eine sehr eindrucksvolle Rede gegen die geplante Kalenderreform hielt auch der Pastor der Londoner Adventistengemeinde A. M a X w e 11. Am 10. Juni hörte das Komitee noch das Referat des später eingetroffenen Vertreters der Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Landesverbände Deutschlands, Herrn Rabbiner Dr. Jakob H o r o w i tz , Frankfurt a. M. an. Er schließt sich den Ausführungen seiner Vorredner an und teilte mit, daß der Allgemeine deutsche Rabbinerverband, dessen stellvertretender Vorsitzender er ist, einstimmig eine Resolution gegen den Blanko tag angenommen hat, in dem er die größte Gefahr für das Judentum und den Sabbat erblickt. Der Sabbat dürfe der Kulturwelt nicht verloren gehen. Zuletzt kam noch der Präsident des Weltverbandes für den Sabbatschutz, Herr Dr. Samuel Grünberg zu Wort. Mit dem Sabbat sieht das Judentum einen Grundpfeiler seines Lebens und damit sind Millionen von jüdischen Existenzen bedroht. Der Sabbaiweltkongreß im August vorigen Jahres habe einstimmig eine Resolution gegen eine Kalenderreform mit Blankotag beschlossen. Inzwischen sind auch die Gutachten der nationalen Kalenderresorm-Komitees aus verschiedenen Ländern in Genf eingetrosfen. Italien, Ungarn und Holland sind absolute Gegner des Blankotages. Polen und Portugal machen gewisse Vorbehalte, ebenso England. Frankreich weist ausdrücklich darauf hin, daß eine Kalenderreform nur bei einmütiger Billigung durch alle Staaten durchführbar ist. Der jüdische Standpunkt wird betont und scharf unterstrichen in den Berichten der französischen, englischen, amerikanischen und polnischen Komitees. Amerika betont demgegenüber, daß 80 Proz. der evangelischen Personen sich mit dem Blankotag einverstanden erklärt hätten. Diese Berichte sind nicht als Festlegungen der Regierung zu werten, sondern sie sollen zunächst nur die Stimmunng im Volke widerspiegeln. Eine Petition der amerikanischen Judenheit an den Völkerbund für die Erhaltung des Sabbats übermittelt zugleich die gleichlautenden Resolutionen aller bekannten jüdischen Organisationen in Amerika. Drummond Shiels vor der Mandatskommission. Genf, 18. Juni. In seiner großen Rede in der Sitzung der Mandatskommission des Völkerbundes am Montag, den 15. Juni schilderte der britische Unterstaatssekretär für Kolonien, Dr. Drummond Shiels, das Jahr 1930 in Palästina Vergleich zu den früheren Jahren als eine friedliche Periode. Er besprach eingehend das Oktober- Weißbuch und die darauf folgende Korrespondenz zwischen Macdonald und Weizmann, ferner die Pläne für Landentwicklung und Siedlung, für die der Simpson- Bericht nicht zur Grundlage genommen werden soll. Er ist der zuversichtlichen Hoffnung, daß Arbeit und wirtschaftliche Interessen Juden undAraber zusammenführen werden. Es könne gesagt werden, daß glücklichere politische Verhältnisse — er hofft, daß die aus ihre Herbeiführung gerichteten Bestrebungen erfolgreich sein werden — sich günstig auch aus den materiellen Fortschritt auswirken werden. Die Lage erfordert Betätigung auf wirtschaftlichem Gebiet und daher ist es die Absicht der Regierung, sich unter entsprechender Berücksichtigung der politischen Tatsachen und Erfordernisse aus wirtschaftliche Verbesserungen, insbesondere durch das Mittel des Landentwicklnngsplanes, zu konzentrieren, in der Hoffnung, daß dadurch in Palästina allmählich größere Wohlfahrt und ein besseres gegenseitiges Verständnis der beiden Volksstämme herbeigeführt werden wird. Die Beratungen der 'Mandatskommission werden in den nächsten Tagen fortgesührt. Die Verhandlungen der permanenten Mandatskommission. Gens, 16. Juni. Die Informationsabteilung des Völkerbundes teilt mit: Die Permanente Mandatskommission des Völkerbundes hat gemeinsam mit den Vertretern der englischen Negierung, Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. T. Drummond Shiels, Chejfekretür der Palästinaregierung M. A. Poung und den Herren O. G. R. Williams und R. V. Vernon vom englischen Kolonialamt die Prüfung des Jahresberichtes der Mandatarmacht für Palästina fortgesetzt. Die Debatte erstreckt sich zunächst auf die von Dr. Shiels vor der Kommission abgegebene Erklärung im allgemeinen. Die Kommission wurde über den neuen Entwicklungsplan für Palästina informiert, der sich mit der Wiederansisdlung gewisser Kategorien landloser Araber mit Bewässerung, Drainage, intensiver Kultur und im allgemeinen mit der Vermehrung des verfügbaren kulturfähigen Bodens befaßt. Ferner wurde die neue Verordnung zur Vermeidung der Entsetzung von Pächtern von ihrem Boden überprüft. Sodann wurde die in dem Briese des Ministerpräsidenten an Dr. Weizmann gegebene Interpretation des Weißbuches einer Betrachtuneg unterzogen. Die Finanzen des Mandatsgebietes wurden, hinsichtlich der Ausgaben für Verteidigung untersucht, sowie die von der Mandatarmacht zur Sicherung der Entwicklung der Selbstverwaltungsinstitutionen, vor allem bezüglich der Machtbefugnisse des vorgeschlagenen Legislative Council, diskutiert. Nachdem die Kommission die Beziehungen zwischen Palästinaverwaltung und Jewish Agency erörtert hatte, wandte sie ihre Aufmerksamkeit der Frage der Einwanderung und Auswanderung, vor allem im Zusammenhang mit der Frage der Arbeitslosigkeit in Palästina und der Feststellung der von bestimmten Jmmigrantenkategorien als Voraussetzung für Einwanderung und dauernde Niederlassung geforderten Höhe des Eigenkapitalbesitzes, zu. An die Vertreter der Mandatarmacht wurde das Ersuchen gerichtet, weitere detaillierte Informationen bezüglich der Verteilung des Bodenbesitzes in Palästina unter Juden und Arabern sowie bezüglich verwandter Gegenstände zur Verfügung zu stellen. Abschluß der Arbeiten des Genfer Kalenderreformkomilees. Genf, 16. Juni. Das Vorbereitungskomitee für die Frage der Kalenderreform hat am Sonnabend, den 13. Juni, seine Arbeiten beendigt und den Bericht angenommen, der der für Oktober 1931 einbernfenen vierten Allgemeinen Konferenz für Verkehr und Transit, auf deren Tagesordnung bekanntlich auch die Frage der Kalenderreform steht, vorgelegt werden soll. Im ersten Teil dieses Berichtes, der sich im Wesentlichen mit der Entstehungsgeschichte des Komitees und den ihm übertragenen Aufgaben befaßt, wird u. a. ausgeführt: daß sich das Komitee im Hinblick daraus, daß seine Mitglieder nicht Vertreter der Regierungen ihrer Länder sind und sich nicht als Wortführer der gesamten öfsfentkichen Meinung dieser Länder betrachten, darauf beschränkt habe, eine systematische Zusammenfassung der Fragen, mit denen sich die Verkehrskonferenz zu befassen haben wird, sowie der Anregungen, die bezüglich dieser Fragen vor allem in den Berichten der nationalen Kälenderreformkomitees gegeben wurden, auszuarbeiten und einige Vorschläge betreffend den der Konferenz zu empfehlenden Vorgang bei Behandlung dieser Frage zu machen. Der zweite Teil des Berichtes ist der Frage der Festlegung der christlichen Osteril gewidmet, während im dritten Teil ein Rufumee über die Lage bezüglich der Reform des gregorianischen Kalenders gegeben wird. Es werden die Nachteile des gegenwärtigen Kalenders und die einzelnen Reformvorschläge angeführt. Im Zusammenhang mit der Darlegung der beiden Projekte, die die Einführung eines Ergänzungstages vorsehen, wird aus die Einwände, die von den Vertretern der Juden, sowie der Siebenten-TagsAdrentisten und Baptisten gegen eine derartige Reform erhoben worden sind, hingewiesen. Es wird berichtet, daß diese Konfessionen von der Einführung einer solchen Reform schwere wirtschaftliche und soziale Nachteile für ihre Anhänger befürchten. Auf die von jüdischer Seite erhobenen Einwände gegen Kalenderreformprojekte, die mit der Einführung eines Blankotages verbunden sind, kommt der Bericht nochmals in dem Abschnitt zurück, der der Stellungnahme der religiösen Körperschaften gewidmet ist. In diesem Zusammenhang wird erwähnt, daß von religiöser Seite mit Ausnahme der Juden, Adventisten und Baptisten anscheinend kein Widerstand gegen die geplanten Reformen geleistet werde. Der letzte Abschnitt des Berichtes enthält Vorschläge bezüglich des von der Verkehrskonferenz einzuhaltenden Vorgangs der Behandlung der Kalenderreformfrage. Zum Schluß wird erwähnt, daß auf Grund der Beschlüsse des Völkerbundsrates die interessierten religiösen Körperschaften berechtigt sein werden, auf der Konferenz durch Beobachter vertreten zu sein. Darüber hinaus schlägt das Komitee vor, geeignete Vorkehrungen zu treffen, um die Beobachtungen und Beschlüsse der interessierten religiösen Instanzen den Regierungen mitzuteilen, damit die kompetenten Organe des Völkerbundes in der Lage seien, so bald als möglich die Beschlüsse der Konferenz in die Tat umzusetzen. Belgien. Lärwszenen in einer orth. Gemeindeversammlung. Antwerpen, 22. Juni. Die diesjährige Generalversammlung der Machsike Hadaß-Gemeinde wurde vom Präses, Herrn Koppel S p i r a, mit dem Bericht über die segensreiche Wirksamkeit des Vorstandes in einer schweren Zeit äußerer und innerer Krisen eingeleitet. Im Zeitraum eines Jahres hat die Verwaltung nicht weniger als 118 Sitzungen abgehalten, mit der Hauptaufgabe, eine Verständigung der Parteien und den Frieden in der Gemeinde herbeizuführen. Es gelang in dieser Zeit, das Viertelmillionen- Defizit zum größten Teile zu decken und das Kaschruth- Wesen zu organisieren. Andere wichtige Gemeinde-Angelegenheiten wie die Vereinigung der beiden orthodoxen Schechita-Jnstitutionen blieben noch unerledigt. Die Ausführungen des Präsidenten werden noch von Herrn G o l d z e i l e r ergänzt, der auch seinerseits auf die Wichtigkeit einer Zentralisation der Schechita hinweist. Herr M. Haber begrüßt die Versammlung im Namen des Konsistoriums. Nun setzte die Opposition mit einer Rede des Herrn Krengel ein, der sich in persönlichen Angriffen gegen Herrn Haber ergeht. Als die Antwort des Herrn Haber von der Gegenseite dauernd gestört und unterbrochen wurde, entstand eine wüste Schlägerei, bei der ein' Gemeindemitglied ein Bein brach. Polizei) mußte eingreifen und der Vorsitzende mußte vorzeitig die Sitzung schließen. Er erklärte, daß der gesamte Vor st and von seinem Posten zürücktritt, da er unter solchen Umständen die weitere Verantwortung für die Geschicke der Gemeinde nicht mehr tragen könne. In einer öffentlichen Kundgebung, unterzeichnet von sämtlichen Vorstehern, erklärt die Verwaltung noch einmal öffentlich ihre Demission. Alle Schuld wird auf ein paar unverantwortliche Elemente abgewälzt, die Unfrieden in die Reihen trugen. Ihren letzten Grund hat die Opposition in der wirtschaftlichen Krisis, die die Gemeindei gezwungen hat, die Gehälter der Beamten zu kürzen, was letztere nicht ruhig Hinnahmen. Die Kultusbeamten mit dem Rabbiner an der Spitze luden den Vorstand zu