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Der Israelit · 1931-06-25 · Heft 26 (25.6.1931) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 26 (25.6.1931)
Date
1931-06-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6. Nr. 26 Der Israelit manns Ellguther erfolgt, der „dem Mob 200 Mark gegeben habe, um die Versammlung zu sprengen." Das Amtsgericht in Glatz hatte Köhler daraufhin zu 70 Mk. Geldstrafe verurteilt, die erwähnte Strafkammer aber das Urteil im Berufungsverfahren ausgehoben und den Angeklagten freigesprochen. Aus der Urteilsbegründung geht hervor, daß auch die Strafkammer die Aeuherung des Angeklagten als eine üble Nachrede im Sinne des § 186 Str. G. V. B. anerkennt. Es heißt darin: „Die von dem Angeklagten verbreitete Tatsache ist auch nicht erweislich wahr. Sein von ihm angetretener Wahrheitsbeweis ist völlig mißglückt. Der Angeklagte war sich auch nach der Ueberzeugung des Gerichts bei seiner Gewandhcit und politischen Erfahrung des ehrenkränkenden Charakters der von ihnr über Ellguther verbreiteten Tatsache bewußt, so daß sämtliche Tatbestandsmerkmale des § 186 Str. E. B. vorliegen." Das Gericht hat dem Angeklagten dennoch für seine Aeußerung den Schutz des § 193 Str. E. B. zugebilligt, die Wahrnehmung berechtigter Interessen anerkannt. In s einer kleinen Anfrage an des Staatsministerium sagt Abg. Hamburger: „Durch dieses Urteil hat das Landgericht Glatz die Verbreitung von Verleumdungen durch die Nationalsozialisten grundsätzlich für straffrei erklärt. Ich frage: Welche Maßnahmen beabsichtigt der Herr Iustizminister in dieser Angelegenheit zu ergreifen?"' Grundsteinlegung in Groß-Gaglow. Berlin, 22. Juni. Sonntag, den 21. Juni d. I., fand auf dem Gute des „Reichsbundes für jüdische Siedlung" in Groh-Gaglow die feierliche Grundsteinlegung der ersten Siedlungshäuser statt. Aus Berlin, Breslau und dem benachbarten Cottbus waren zahlreiche Gäste gekommen. Die Festrede hielt Herr Rabbiner Dr. Baeck, Berlin, der besonders stark den Gedanken der Rückkehr der Juden zur Landwirtschaft betonte, wobei er aus die nahe Verwandtschaft der hebräischen Wörter Odom und Adomo hinwies. Die Einweihung vollzog Herr Rabbiner Dr. P o s n e r, Cottbus. Herr L ö w e n st e i n , der Vorsitzende des „Frontbundes jüdischer Soldaten", sprach über die Geschichte der Gründung des „Reichsbundes" und die geleistete Vorarbeit des „Frontbundes". Darauf folgten Ansprachen der Vertreter der großen jüdischen Organisationen und Verbände. In Vertretung führender orthodoxer Persönlichkeiten sowie konservativer und orthodoxer Verbände, darunter der Landesorganisation des Weltoerbandes „Agudas Jisroel" und der Aulim-Gemeinschaft, sprach Herr Dr. Nathan Birnbaum. Er erklärte, daß sich die überlieferungstreuen Juden des in Groß-Gaglow geschaffenen Werkes umsomehr freuen, als den Persönlichkeiten und Organisationen, deren Vertreter er hier sei, die strikte Zusage gegeben wurde, daß überlieferungstreuen Siedlern die volle Möglichkeit gegeben werde, bei strengst altjüdischer Lebensführung ihrem siedlerischen Berufe zu obliegen, und als mit der Erfüllung .dieser Zusage nicht nur den orthodoxen Siedlern, sondern auch dem ganzen Unternehmen ein großer Dienst geleistet sein werde. Von orthodoxer Seite sprach auch noch Herr Dr. W e ch s e I m a n n im Namen des Berliner „Vereins zur Erhaltung des überlieferten Judentums". — Zu der Feier waren auch der Landrat des Kreises Cottbus und Oberbürgermeister Kreutz der Stadt Cottbus erschienen. Und es ist bemerkenswert, daß sie in ihren Ansprachen das religiöse Moment unterstrichen. Gemeindlicher Wohnungsbau für Minderbemittelte. Breslau, 7. Juni. In der letzten Sitzung der Breslauer Gemeindevertretung teilte der Vorstand mit, daß er glaube, bald mit dem Bau des ersten Hauses für die große Oesterreich er-Stiftung beginnen zu können, nachdem die dazu erforderlichen Leihgelder gesichert seien. Man hatte beschlossen, diese Stiftung, die ursprünglich für ein Waisenhaus bestimmt war, zur Errichtung von Wohnungen für die minderbemittelte jüdische Bevölkerung zu verwenden. Plan und Kostenanschlag für das erste dieser Häuser sind entworfen und bereits im März stimmte die Gemeindevertretung der Satzung zu. Inzwischen hat sich jedoch das Bild auf dem Wohnungsmarkt derart geändert, daß in der Gemeindevertretung starke Bedenken gegen das ganze Projekt auftauchen. Bei dem fortwährenden Sinken der Mieten in den Mwohnungen sei zu befürchten, daß sich für die neu zu erbauenden Wohnungen überhaupt keme Reflektanten finden würden. Schließlich wurde beschlossen, die Angelegenheit durch den Bauausschuß und einem Sonderausschuß von 6 Gemeindevertretern noch einmal prüfen zu lassen. Soziales aus der Münchener Kultusgemeinde. München, 10. Juni. In der letzten gemeinsamen Sitzung von Vorstand und Gemeindevertretung wurde über die Errichtung einer Darlehenskasse referiert. Der Vorstand hat beschlossen, der als eingetragener Verein bereits bestehenden Darlehenskasse I v r i a ein unverzinsliches Darlehen von Mk. 10 000.— aus Stiftungsgeldern zur Verfügung zu stellen und der Kasse weitere Mk. 10 000.— dadurch zu beschaffen, daß die Gemeinde der Kasse ein Darlehen der Zentralwohlfahrtsstelle zu 5 Proz. vermittelt. Das Wohlfahrtsamt der Gemeinde verfügt in diesem Jahre über rund Mk. 125 000.—. Geklagt wird über die mangelhafte Benutzung der Stellenvermittlung, die im abgelaufenen Jahr 103 Stellen vermittelte. Die Einnahmen des Eemeindehaushaltes im ganzen weisen trotz der Erhöhung des Steuersatzes um 1 Proz. einen Rückgang um 25 Proz. auf. Eine Erhöhung des Steuersatzes wird unvermeidlich sein. Oesterreich. Generalversammlung der Adas Jisroel (Schiffschul.) Wien, 8. Juni. Am Donnerstag, den 4. Juni fand die Generalversammlung der Schisfschul statt. Nach Eröffnung durch den Obmann Siegmund B o n d i, erstattet Wolf Pappenheim in anschaulicher Weise den Geschäftsbericht des Vorstandes. In großen Zügen entwarf er ein anschauliches Bild über die große, in manchen Beziehungen internationale Tätigkeit des Rabbinats und des Vorstandes der Adas Jisroel auf religiösem und kulturellem Gebiete. Die Opferfreudigkeit der Mitglieder beschafft die bedeutsamen Mittel,. welche die Erhaltung der Schiffsschul und ihrer Institutionen ermöglichen. Daraus wurde vom Vereinskassierer Leopold Richter der Kassabericht erstattet. Der Haushalt der Schiffschul bilanziert ungefähr mit einer Viertelmillion Schilling. Nach diesem Bericht wurde dem Vorstand dankend die Entlastung gegeben. Im Namen der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde dankte Kultusvorsteher E. Hoffmann der Schisfschul für ihre segensreiche Tätigkeit auf religiösem und sozialem Gebiete. Die Wahlen ergaben die Neuwahl des Vorstehers Herrn Nathan H e r z k a. Sandor Adler, Jakob Fuchs, Josef Herzog, Komm.-Rat Moritz L e t n e r , Wolf Pappenheim, Leopold Richter, Josef Schick, Nathan Schiff und Joaachim W o s n e r wurden auf sechs Jahre wiedergewählt. Nach den Wahlen schnitt Moritz Felsenburg in einer Interpellation die Frage der Refundierung der Schächtgebühren seitens der Kultusgemeinde an die Schisfschul an. Medizinalrat Dr. Reiniger gab an Hand statistischer Daten eine Aufklärung, daß die Kultusgemeinde im Verlauf der letzten drei Jahre etwa 28 000 Schilling weniger refundiert hat, als nach der Berechtigung der Schiftschul aus den verringerten Schächtgebühren ihr zukäme, abgesehen von 5 Proz. Jnkassogebühr. Sowohl Redner wie Kultusvorsteher Hoffmann gaben der Hoffnung Ausdruck, daß die im Zuge befindlichen Verhandlungen bald zu einem befriedigenden Abschluß gelangen werden. Damit wurde die Versammlung vom Obmann geschlossen. Skudienfahrk zu den jüdischen Kulturstätten des Ostens. Wien, 21. Juni. Auf vielfache Anfragen teilt die Keren Hathora- Zentrale hierdurch mit, daß der Preis von 40.— Dollar pro Person sowohl die Kosten der Reise als auch für Verpflegung, Unterkunft und die Visagebühren für die ganze Dauer und Strecke der Exkursion beeinhaltet. Bei termingemäßer Anmeldung übernimmt die Keren Hathora-Zentrale die Besorgung des Visums. Für ausländische Teilnehmer, die für die Einreise nach Wien ein österreichisches Visum benötigen, besorgt die Keren Hathora-Zentrale dieses gleichfalls, jedoch nur bei sofortiger Anmeldung. Sofern sich eine genügende Anzahl von' Teilnehmern aus Deutschland meldet, kann auch schon für die. Strecke Passau-Wien eine Ermäßigung der Reisekosten durch die Keren Hathora-Zentrale bei der Bahnbehörde erlangt werden. 25. Juni 1931 J feine Herrenhüte /J/W bekannte Marken Fabnkate/^Oy' V Haarfilz vonM ]2 50an/ >/ — A Schweiz. Die Vertreter der Judenheit vor der Genfer Kalenderreformkommission. Genf, 10. Juni. Am 8. Juni trat die mit den Vorbereitungsarbeiten für die Behandlung der Fragen der Kalenderref o r m auf der nächsten internationalen Konferenz für Verkehr und Transit beauftragten Völkerbundskommission in Genf unter dem Vorsitz des jugoslawischen Delegierten Djuritschitsch zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Der Kommission gehören Vertreter der in einer Reihe von Ländern eingesetzten Kalenderresormkomitees an. Die Mehrzahl der Delegierten gab in dieser Sitzung den Standpunkt der öffentlichen Meinung ihres Landes zu den verschiedenen Kalenderreformprojekten bekannt. Zu der am Dienstag, den 9. Juni, vormittags abgehaltenen Sitzung des Komitees waren auch d i e Vertreter des jüdischen Komitees betreffs der Kalenderreform,- der „Liga zum Schutze des feststehenden Sabbats" und der Agudas Jisroel, sowie Vertreter anderer religiöser Vereinigungen eingeladen worden, um ihren Standpunkt zu der geplanten Kalenderreform darzulegen. An dieser Sitzung nahm auch der Direktor der Völkerbundsabteilung für Verkehr und Transit, Prof. R. Haas, ein französischer Jude, teil. Das Jüdische Komitee betreffs der Kalenderreform hatte zur Sitzung eine Delegation, bestehend aus seinem Präsidenten, dem französischen Eroßrabbiner Israel L e v i, dem Vorsitzenden des Exekutivkomitees Chief Rabbi Dr. I. H. Hertz und dem Züucher Oberrabbiner Dr. Th. Lewenft e i n entsandt. Die amerikanische „Liga zum Schutze des feststehenden Sabbat" (League for Safeguarding the Firity os the Sabbat) war durch Rabbiner Dr. Moses H p a m s o n, Newyork, der Rabbinische Rat der Agudas Jisroel durch Rabbiner Dr. Pinchas K o h n vertreten. Namens der Jüdischen Delegation ergriff als erster Grand Rabbin Israel L e v i das Wort. Cr dankte dem Komitee dafür, daß es nunmehr zum zweiten Male Vertretern des jüdischen Glaubens Gelegenheit gegeben habe, ihren Standpunkt darzulegen und erklärte, die Juden seien an der Frage der Kalenderreform nur soweit interessiert, als sie die Unbeweglichkeit des Sabbat, der die Seele des Judentums sei, tangiere. Schließlich richtete Großrabbiner Levi an das Komitee den Appell, jedes Projekt, das die Einführung eines Blankotages oorfieht, abzulehnen. Ein ausführliches Referat über den jüdischen Standpnnkt gegenüber der Kalenderreform hielt Chief Rabbi Dr. I. H. Her tz. Das jüdische Interesse bezüglich der Kalenderreform, führte Chief Rabbi Dr. Hertz aus, konzentriert sich auf einen Punkt: die Erhaltung der Siebentagewoche und ihrer ununterbrochenen Kontinuität. Die Beobachtung des wandernden Sabbats würde Millionen von Juden wirtschaftlich zugrunderichten. Die Einführung eines Kalenders mit einem Blankotag würde nicht nur die Juden, sondern alle religiösen Minoritäten religiösen Konflikten aussetzen. So wären z. B. Schulkinder genötigt, entweder wöchentlich einen Schultag zu versäumen oder das Gebot der Sabbatruhe zu verletzen. Er übermittelte den im Jahre 1926 vom speziellen Komitee zur Untersuchung der Kälenderreformsrage dem Komitee für Verkehr und Transit erstatteten Bericht. Es fei bekannt, fuhr Chief Rabbi Hertz fort, daß bezüglich des Blankotages kein Uebereinkommen mit den religiösen Autoritäten zustandegekommen ist. Weder die katholische noch die griechisch-othodore Kirche haben ihre Zustimmung zur Einführung eines wandernden Sabbats gegeben. Ebenso hat das Judentum von allem Anfang an seine entschiedene Opposition gegenüber diesem Vorschlag proklamiert. Er stellte nach dem vorliegenden Material feit, daß kein Weltbedürsnis nach einer Kalenderreform besteht. In England .wurden 4 000 Fragebogen ausgechickt, von denen jedoch nur 200, fast durchweg in negativem Sinn, beantwortet wurden. Er schloß mit dem Appell an die Kommission, sich mit dem- Vorschlag auf

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