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Der Israelit · 1931-06-25 · Heft 26 (25.6.1931) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 26 (25.6.1931)
Date
1931-06-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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25. Juni 1931 Der Israelit Nr. 26. Seite 5 ordneten hatte aus irriger Voraussetzung beruht. Erst auf Grund des Tatsachenberichtes entschloß sich ein erheblicher Teil der Abgeordneten, dem Gesetzentwurf vorerst die Zustimmung zu versagen, um Gelegenheit zu geben, die Beobachtungen über das.elektrische B.etgubungsverfahren forthzuführen. Am Mittwoch, den 17. Juni, fand die erste Lesung über das Schlachgesetz statt. Voran ging die Behandlung eines von nationalsozialistischer Seite eingebrachten Antrages,- der sich gegen die Notverordnung richtete. Bei der Aussprache über diesen Punkt kam es, wie die braunschweiger Tageszeitungen berichtet haben, zu wüsten Szenen und Tumulten. Nationalsozialisten und Kommunisten wetteiferten, den ^Verlauf . der Sitzungen : durch Zwischenrufe gröbster Art zu stören. Ein Kommunist ioUrde ausgewiesen, die Sitzung unterbrochen, das Haus mit Polizei besetzt, und erst nach einstündiger Pause wurste versucht, die Verhandlungen fortzuführen. Die sozialdemokratische Fraktion protestierte gegen die einseitige Präsidialführung des nationalsozialistischen Abg. Zörner, der Abgeordnete der Linken bei dem kleinsten Zwischenruf aus dem Saal verweise, die wüsten Ausfälle der Rechten jedoch überhöre. In dieser Situation einer bis aufs äußerste angespanntem Erregung gelangte , in vorgerückter -Tagesstunde das Schächtgesetz zur Behandlung. Der Angehörige der Volksnationalen Reichsvereinigung Schräder (Jungdo) brachte den von sozialdemokratischen Abgeordneten unterstützten Antrag ein, den Gesetzentwurf an den Ausschuß zurückzuverweisen, da die gesamte Materie, insbesondere die Frage der elektrischen Betäubung, als nicht abgeschlossen angesehen werden könne. Auch halte er den für Federvieh vorgeschlagenen Betäubungszwang für praktisch undurchführbar und nicht begründet, da nach Abhacken des Kopfes ohnehin von Vewußtsein keine Rede mehr sein könne. Als der Abgeordnete Dr. v. Frankenberg (Soz.) über den Inhalt des Gesetzes und die dagegen geltend machenden Bedenken sich äußerte, rief ihm ein nat.-soz. Abgeordneter die Worte zu: „Sie sind einer vom Reichsbanner, diese Mordbuben!" Im gesamte?: Hause brach ungeheure Erregung aus, und da der Präsident nicht eingriff, erklärte Dr. v. Frankenberg: „Sie dürfen ja das hier sagen, weil der Präsident mich nicht in Schutz nimmt." Hierauf der nat.-soz. Präsident: „Ich nehme an, daß kein Mitglied des Hauses gemeint war. Es ist aber richtig, daß das Reichsbanner Morde auf dem Gewissen hat." Auf Grund des Verhaltens des Landtagspräsidenten verließ die soz.-dem. Fraktion unter Protest den Sitzungssaal. Der Präsident ließ aber sofort über den Schrader'schen Antrag abstrmmen, für den nunmehr nur noch eine Minderheist stimmte. Bei der am folgenden Tage stattgehabten zweiten Lesung des Gesetzentwurfes erklärte der Sprecher der Sozialdemokraten, daß seine Fraktion durchaus für möglichst huinane Schlachmethoden sei. Die Zulässigkeit des elektrischen Betäubungsverfahrens sei jedoch einerseits religionsgesetzlich noch nicht geklärt, andererseits beständen gerade vom wissenschaftlichen und tierfchützlerischen Standpunkte aus gegen die Elektronarkofe äußerste Bedenken, da sie wahrscheinlich nur einen Starrkrampf, nicht .eine Betäubung bewirke und somit das zu tötende Tier volles Bewußtsen besitze. Aus diesen Gründen könne die sozialdemokratische Fraktion dem Gesetzentwurf nicht zustiinmen und werde sich der Stimme enthalten. Auch der Abg. Schräder gibt die Erklärung ab, einen Gewissenszwang nicht mitmachen zu können und sich deshalb der Stimme zu enthalten. Trotz dieser Erklärungen zog niemand die gegebene Konsequenz, Vertagung bis zur Ermöglichung weiterer Feststellungen zu beantragen. Unter diesen abnormen Verhandlungszuständen, kam es schließlich Zu in Ergebnis, daß der Gesetzentwurf init den Stiinmen der Nationalsozialisten and eines Teiles der bürgerlichen Einheitsfraktion unter Stimmenthaltung der Sozialdemokraten and des Abgeordneten der Volksnationalen Reichsrereinigung zur Annahme gelangte. Zum ersten Male ist nunmehr auch die Betäubung für Federvieh in einem deutschen Staate vorgeschrirben. Das Gesetz soll am 1. Juli in Kraft treten. Promotion am Hildesheimer'fchen Rabbiner- Seminar. Berlin, 19. Juni. Wie alljährlich am 4. Tamus, dein Jahrzeitstage Rabbiner Dr. Esriel Hildesheimers *j"xr, fand heute im Rabbiner-Seminar eine Gedenkfeier statt, die mit der Entlassung der diesjährigen Absolventen. verbunden Die Woche. Berlin. Sonntag nacht stürmten Hakenkreuzler ein jüdisches Schanklokal in der Jagow. strahe 6 Beteiligte könnten festgenommen wer. den. Wiesbaden. Der im Alter von 63 Jahren', verstorbene Prof. Oskar Minkowski, der in den jüdischen Zeitungen als „großer Jude" gefeiert wird, war formell aus dem Judentum ausgetreten. Er stammte aus einem kleinen litauischen Städtchen bei Kowno, begann seine Studien in Deutschland als Autodidakt und brachte es als Verfasser grundlegender Werke bis zum ordentlichen Medizin-Professor in Breslau. Seine Fahnenflucht hat ihn vor antisemitischen Angriffen nicht geschützt. Men. Das antisemitische „Studentenrecht", das die . Juden ausschließt, wird das Verfassung sM gericht beschäftigen. Das Unterrichts->i Ministerium erklärte, daß es sich in diese m Sachen nicht einmische und der 2ltaber mische Senat hält eine gleiche Behandlung aller Bürger für „undurchführbar". Budapest. Für die bevorstehenden Parlamentswahl e n stehen sowohl auf den Regierungslisten wie unter den Kandidaten der Opposition eine Reihe bekannter jüdischer Persönlichkeiten an aussichtsreicher Stelle. — Nach zweimonat- , lichem Todesringen ist im jüdischen Hospital Nathan Taglicht mit 44 Jahren gestorben. Es ist das zweite Todesopfer des am Peffach verübten Revolverattentats in der Budapester Hauptsynagoge. Der Attentäter befindet sich zur Beobachtung seines Geisteszustandes in einer Irrenanstalt. Bukarest. Bei der Prüfung der Mandate im Parlament brachten einige jüdische Deputierte den antijüdischen W a h l t e r r o r zur Sprache, der essverhinderte, daß die jüdische Partei die . ihr züstehende Zahl der Mandate erhielt. In H o t.i n wurden jüdische Wähler und der jü- 8 dische Kandidat Dr. Michael Landau schwer mißhandelt. Der Antrag, die Wahlen in Hotin zu inhibieren, wurde aber abgelehnt. Florenz. Das Kollegin Rabbinico, das einzige Rabbinerseminar in Italien, begeht seine 100 Jahr-Feier. Zugleich wird das 25jährige Dozentenjubiläum von Prof. Umberto Caffuto feierlich begangen kowno. Wie mitgeteilt wird, begeben sich demnächst 300 litauisch-jüdische Arbeiter nach Birobidschan. Kairo. Die Gruppe der nach den Massakres von 1929 nach Aegypten geflohenen Araber aus Hebron hatte für Mittwoch, den 17. Juni, abends, eine Versammlung zum Gedächtnis der vor einem Jahre im Gefängnis von Akko wegen Mordes Hingerichteten Araber, von denen zwei aus Hebron stammten, einberufen. Die ägyptische Regierung hat die Abhaltung der Versammlung verboten. Jerusalem. Am 17. Juni war von der Arabischen Exekutive aus Anlaß des ersten Jahrestages der drei Hinrichtungen im Zusammenhang mit den August-Unruhen allgemeine Arbeitseinstellung für die Araber proklamiert. Nur wenige waren diesem Rufe gefolgt. — Zwei jüdische Kommm - nistem die während der Rebi-Musa-Prozession j im April in Flugzetteln die Araber „zum! Kampfe gegen den britischen Jmperalismus und den Zionismus" aufforderten, wurden vom . Jerusalemer Kreisgericht zu je 2 Jahren Gefängnis verurteilt. — Das revisionistische Tageblatt „Haam", wurde vom Hochkommissar für unbestimmte Zeit verboten, weil es in Gedichtform die Lösung der Klagemauerfrage stark kritisierte. — Als Folge der Reduzierung des Schulbudget wurde sämtlichen Lehrern an den Schulen der Jewich Agency, 50 ständigen und ebensovielen provisorischen, gekündigt. — Am 17. Juni kam es in der jüdischen Kolonie A f u l e h zu einem Zusammenstoß zwischen jüdischen Arbeitern und der Polizei. Die jüdischen Arbeiter hatten dagegen demonstriert, daß bei einem im Auftrag des Regierungsdepartements für öffentliche Arbeiten von einem arabischen Bauunternehmer durchgeführten Straßenbau durch Afuleh ausschließlich Araber aus der Gegend von Jerusalem beschäftigt werden. Die Polizei ging mit dem Gummiknüppel vor und verhaftete zwölf Demonstranten. Es wurden zehn Arbeiter verletzt, darunter zwei schwer. Newyork. Die Zeitungen heben hervor, daß unter anderen Wirtschaftsführern insbesondere das Haus Marburg großen Anteil an der Aktion des Präsidenten Hoover hat. Zur Reise Füllhalter nicht vergessen! weit über 1000 schreibfertige Halter mit 14 kar. Goldfeder ab RM. 3.— zur Auswahl CARL KUPPEL Kaiserstrasse 75 Schreibwaren aller Art war. Den Auftakt bildete eine wissenschaftliche Vorlesung des Seminardozenten Dr. Weinberg über „die Methoden der Haurooh" am 18. Juni abends, zu dem sich mehr als hundert Persönlichkeiten aus den jüdisch-wisseuschastlichen Kre'sen Berlins versammelt hatten. Vormittag fand in der Seminar-Synagoge eine akademische Feier statt. Der Vorsitzende des Dozentenkollegiums, Dr. Wohlgemuth, entwickelte in tief schürfenden Ausführungen die Bedeutung des Führerproblems. An erster Stelle sei von Nöten ein tiefes Eindringen in das Zeitbewußtfein in seiner Bedeutung für die Geistes-, Willens- und Gefühlswelt, die als Gemcinschaftsfeel.) der Menschheit sich darstellt, der jedes Individuum unt ennbar verbunden ist. Die Krönung des Zeitbewußtseins sei aber erst gegeben in dem Reichg'ttesbewußtsein. Das Ringen danach, diese beiden Formen des Bewußtseins zu einem Einheitsbewußtsein zu gestalten, bezeichne den Weg der Welt- und Eeistesgeschichte. In der universalen Persönlichkeit des Führers katexochen Mosche Rabbenus ist dies Einheitsbewußtsein zur Wirklichkeit geworden. In der dieswöchentlichen Sidra wird in den Gestalten Mosches und Korachs uns der Kampf zwischen den beiden Formen des Bewußtseins vor Augen geführt. Nach der Darstellung von Bibel und Midrasch hat auch die Welt- und Lebensanschauung Korachs und seiner Anhänger einen Schein von Recht. Das Kriterium ist, daß Mosche in i 1 E'tt und Korach ohne G'tt geht. Mit den Wesensmomenten der Führerschaft Mosches, die in der Bedeutung des Irrationalen gegen die Ratio, der Theokratie gegen Demokratie, der idealen Zielsetzung gegen den Maßstab des Erfolges zum Ausdruck kommen, wurden die Eharaktereigenfchaften der Führerperfönlichkeit Esriel Hildesheimers verglichen, und die ordinierten jungen Rabbiner ermahnt, nachdem sie jetzt aus Durchschnittsmenschen zu autoritären Persönlichkeiten geworden, sich zu Begnadeten emporzuentwickeln, aus Berussmenschen zu Berufenen zu werden. Im Anschluß hieran überreichte er den Absolventen Dr. Alexander Alt mann (Sohn des Oberrabb. Dr. Altmann, Trier), Dr. Dufchinsky, Dr. Rettig Md Gabor Unna die Diplome. Dr. Altmann dankte im Namen seiner Kollegen den Dozenten für die jüdischwissenschaftliche Ausbildung und den Seminaristen für ihre kollegiale Freundschaft. Er umriß die Aufgaben des modernen thoratreuen Rabbiners und gelobte für sich und seine Freunde treues Festhalten an der im Seminar gepflegten Tradition. Am Mittwoch und Donnerstag waren von den entlassenen Hörern in je einstündigein Vortrag halachische Probleme schwieriger und komplizierter Art behandelt worden. Allgemein wurde von den anwesenden Rabbinern die souveräne Beherrschung des Stoffes und die lichtvolle Darstellung gerühmt. Grundlose öffentliche Verleumdung eines Juden ist gleichbedeutend mit Wahrnehmung öffentlicher Interessen^ Berlin, 13. Juni. Ein Urteil, das in diesen Tagen die Strafkammer des Landgerichts in Glatz unter Vorsitz des Landgerichtsrats Lehmann gefällt hat, hat der sozialdemokratische preußische Landtagsäbgeordnete Dr. Hamburger ^zum Eegeustand einer kleiney Anfrage im Landtag gemacht. Der nationalsozialistische Stadtrat Köhler in Glatz hatte als Vorsitzender in einer öffentlichen Wahlversammlung der nationalsozialistischen Partei behauptet, die Zusammenrottung einer läriuenden Menge vor dem Versammlungslokal sei aus Austisten des Glatzer Kaufi '? 'i I | '.i i i i

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