Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1931)
- Date
- 1931-06-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Israelit Nr. 26. Seite 3 25. Juni 1931 inneren und äußeren Ausgestaltung beitragen können. Im Osten sind es «die haiNen R-eaMäten des Lebens, gewaltsame Entwicklungen nach dem Kriege und viele Faktoren, die uns im Westen in ihren geschichtlichen Zusammenhängen nicht so bekannt sind, die den Juden aus dem Bes Harnidrasch in die Welt hinausdiÄngLn — ums nicht heißen soll, daß er damit dem Ves-Hamidrasch den Rücken kehrt — und Kenntnis von der Welt, von der Sprache, die sie spricht und den Gedanken, die sie denkt, auch in Chederschule und Jesch'wa hineintragen. Das sind zwangsläufige Erscheinungen, über deren Zweckmäßigkeit oder Unzweckmäßigkeit zu streiten, müßig wäre. Wichtiger erscheint es in diesem Augenblick, diese Strömungen so zu fassen, daß sie zu Faktoren des geistigen Aufbaus werden und nicht in eure Brandung geraten, die gegen das alte jüdische Haus stürmt. Von all den gewaltsamen Lösungen, die in diesem Belange in letzterer Zeit im Osten getroffen wurden, erscheint uns die Lösung d« e r Bildungsfrage der Rabbiner als die gewaltsamste und allerglücklichste. Hier kann man schon von einem B i l d u n g s v e r h ä n g n i s sprechen, ohne das Odium der Bildungsfeindlich keit auf sich zu nehmen. Nicht darin liegt die Gefahr, daß das Ministerium ein bescheidenes Maß von profaner Bildung von dem Rabbiner verlangt, — er sollte sich u. E. für seine Person mÄ diesem Maße gär nicht bescheiden. — Verhängnis ist es schon, daß sich der Staat überhaupt in solche Dinge, die der Autonomie der Gemeinde unterliegen, einmischt. Es ist ein Einbruch in die Festung der jüdischen Religion, wie ihn der Osten nie gekannt hat. Nur dem Umstande, daß es vom konsistorialen Starrkrampf einiger westlicher Länder verschont blieb und gegen diesen immun schien, dankt das östliche Judentum seine Blüte und Entfaltung. Das Konsistorium, mit Oberrat und Oberrabbmer, ist der liberal-nationalen Allianz in den Großgemeinden noch nicht gelungen, so hat man wenigstens den Bilmission nach Wunsch — und Einflüsterung — neu umzubilden? Ergreifend ist der Aufruf von C h o f e z E h a j i m und Rabbi' C h a j i m O s e r G r o dz e n s k i m der orthodoxen Presse dies Ostens, der mit „Strenge Warnung an die Rabbmen" überschrieben ist. Auf die hohe Bedeutung und Verantwortlichkeit des Rabbiners als Lehrer des Gesetzes, als Hüter der geistigen und sittlichen Schätze, als Führer und Weiser zum Lichte, wird in diesem Aufrufe der zwei größten jüdischen Geistesfürsten unserer Zeit hingewiesen. Und dann die dringende Warnung: Da das Gesetz sich auch aufRabbinerimAmte bezieht, soweit sie von der Regierungsmacht noch nicht bestätigt sind, so sei in Erinnerung gebracht, daß nach Gesetz von Thora undJsrael den G emeinden strengstens untersagt ist, wo ein Rabbiner, egal ob mit oder ohne staatliche Genehmigung, legal gewählt ist, einen anderen an seine Stelle zu wählen; daß Rabbinern mit aller Strenge des Gesetzes verboten sei, sich um solche Stellen aus Kosten anderer Rabbiner zu bewerben und sie anzunehmen. Wer diese Gebote Übertritt, lädt allen Unsegen des Bannes auf sein Haupt. Die neue Verordnung wird die Probe aufs Exempel fein. Ist die Thora noch souverän im Israel des Polenlandes, dann wird keine behördliche Verordnung imstande sein, eine Weisung der auf keine Polizeimacht gestützten rabbinischen Autoritäten außer Kraft zu setzen: Die Zurürkberufung der Jude« nach Spanien. Wir sprachen vor einiger Zeit an dieser Stelle die Meinung aus, daß es müßig und untunlich erscheint, heute noch über das Edikt von 1491, das damals Spanien mit einem Federstrich judenrein und blutarm machte, zu diskutieren. Ob formell zurückgenommen oder nicht, das Edikt kann zu Recht nicht mehr bestehen. Denn es hat dungszens mit der P r ü f u n g s k o m m i ssich seitdem so ungeheuer vieles in der Welt und fron und der Approbation von Seiten des BÄ-. in Spanien von Grund auf geändert, daß es undungsministeriums durchgesetzt. Das kann der - Anfang vom Ende fein, und wenn man in orthodoxen Kreisen Polens glaubt, sich mit diesem kleineren U e b e l abfind en zu können, so ist doch die Sorge berechtigt, daß dieses kleinere Uebel über kurz oder lang auch das größere und größte mit sich bringt. Roch bieten die drei Namen in der Prüfungskommission die Gewähr für den religiösen und rabbimschen Charakter des jungen Rabbiners. Wie wird die Kommission morgen aussehen, nachdem es einmal die Regierung allezeit in der Hand hat, die Komware, zu glauben, die Stürme der Geschichte hätten gerade diesen Schandpfahl auf Spaniens stolzem Boden unerschüttert stehen lassen. Das hätte auch für die „Jüdische Telegraph en-Agentur" gelten können. Aber sie hat den Ehrgeiz, die Dinge schwarz auf weiß zu sehen und sie an die jüdische und Weltöffentlichkeit weiterzugeben. So erkundigte sie sich wegen des alten Ediktes bei dem Botschafter der spanischen Republik in Berlin, Americo C a st r o. Die Antwort des Gesandten ist klar und verdient auch über das unselige Edikt hinaus öffentliche Wiedergabe. Sie lautet in der Hauptsache:! „Durch die gegenwärtig besonders betonten ernsthaften Bemühungen des jüdischen Stammes, innigere Be-! Ziehungen zum spanischen Volk herzustellen, erübrigt sich; eigentlich die Notwendigkeit einer speziellen Erklärung « seitens der Regierung der Republik. Trotzdem freut sich der Vertreter der spanischen Regierung in Berlin, der jüdischen Presse gegenüber erklären zu können, daß einer i von Angehörigen der jüdischen Rasse gewünschten Einwanderung nach Spanien keinerlei gesetzliche, moralische oder soziale Hindernisse im Wege stehen. Es hat in Spanien immer Juden gegeben, wenn auch — im Hinblick aus vieie Vorurteile, die sich im Laufe von Jahrhunderten angesammelt hatten — in verhältnismäßig geringer Anzahl. Heutzutage aber hat Spanien, und vor allem das republikanische Spanien, diese Einstellung früherer Zeiten aufgegeben. Die bloße religiöse Toleranz, die durch die Verfassung von 1876 gewährt wurde, ist nunmehr in religiöse Freiheit, durch die alle gesetzlichen Hindernisse beseitigt wurden, umgewandelt worden. Das Edikt von 14 92 existiert seit der Revolution von 1868 faktisch nicht mehr; doch kann nicht in Abrede gestellt werden, daß Spanien in den Augen der öffentlichen Meinung Europas als ein Land mit einseitig exklusiver 'Religion gegolten hat. Diesem Stand der Dinge hat die spanische Republik ein Ende bereitet. Von dem Augenblick an, in dem der Staat sich als ein Gemeinwesen von „Laien" proklamierte und erklärte, daß der Katholizismus nicht länger die offizielle Religion Spaniens sei, war es klar, daß die Juden die Berechtigung erhalten hatten, ihre religiösen Bräuche unter allen erforderlichen Garantien und ebenso öffentlich wie in jedem anderen freien Lande auszuüben. Die spanische Republik sagt ihren Juden: Willkommen in Eurem Heimatland, im Lande Pedro Alfonsos, Maimonides', Sem Tobs, Fernando de Rojas' und vieler anderer, die bis zum Jahre 1492 einen integrierenden Teil des geistigen Erbes von Sepharad gebildet haben." Mit dieser Kundgebung deckt sich eine Erklärung, die das spanische Konsulat in 5? a i r o im Aufträge seiner Regierung an die sephardischen Juden in Aegypten und Palästina erlassen hat, und die eine Reihe anderer Erklärungen einleitet, die in allen sephardischen Zentren des Orientes demnächst im Aufträge von Madrid ergehen sollen. Auch hier wird au erster Stelle festgestellt, daß d a s Austreibungsedikt seit 1812 faktisch außer Kraft g e s e tz t i st. Eine antisemitische Bewegung kann es in Spanien nicht geben. Wenn sich einer Massen rückwanderung von Juden in Spanien oder der Schaffung eines „Nationalheimes für die Sephardim" in Spanien Schwierigkeiten DIA19N "Puder bewahrt Ihren Liebling vor Wundsein. den hatten eine optimistische Weltanschauung. Dieses änderte sich 1711 bei dem Brand der Judengasse. Damals entstand im Hause des Rabbi Naftali Hakohen der traurig berühmte Brand der Judengasse. (In diesem Zusammenhang siel der Satz von dem Wunderrabbi, den die Frankfurter Juden sich aus Polen verschrieben haben). — Hierbei ließ es der Vortragende offen, ob der Brand infolge eines unglücklichen Zufalls entstand, bei dem der Rabbi und seine Schüler nur den Kops vor Schrecken verloren,*) oder infolge irgendwelcher Experimente. Als Folge des Brandes stellte der Vortragende sachlich fest, daß die Juden diesen Vrand, der ihr Quartier vernichtete, die Wohnungen der Frankfurter Christen aber verschont hatte, als eine Strafe G'ttes ansahen. Diese moralischen Gesichtspunkte und der Umstand, daß der Vrand einen großen Teil der Bewohner der Judengasse zu armen Leuten geinacht hatte, wirkten dahin, daß die Juden ihre Lebenshaltung aufs äußerste einschränkten und besondere Gesetze gegen den Luxus und unnötige Aufwendungen erließen. Aus der verhältnismäßig frohen Judengasse vor dem Brand war eine ernste Schar gedrückter Menschen geworden. Zu dem übrigen Teil Ihres Leitartikels will ich keine Stellung nehmen, da er sich ja nur gegen 'Johannes Schudt wendet, und das auch wohl mit vollem Recht." M. M. Hirsch. Anmerkung der Redaktion: Im Leitartikel war dem Vortragenden kein Vorwurf gemacht worden, sondern nur die Quellen, aus denen er geschöpft, wurden ins rechte Licht gerückt. Wenn es wahr ist, daß der Referent die Schuldsrage des Rabbiners offen ließ — her Leitartikler hat nur vorsichtig gesagt: die Hörer ) Von der Redaktion gesperrt. konnten so verstehen, "als stände der Brand in Zusammenhang mit der Berufung —, dann wird er uns in seiner vornehmen Ehrlichkeit dankbar sein, zu erfahren, daß die Akten die Schuldfrage nicht offen lassen, sondern sieoerneinen,ja sogar dartun, daß von vornherein kein Mensch an die Schuld des Rabbiners geglaubt hat. Im zweiten Teile der Richtigstellung unterscheidet sich die Darstellung der Ausführungen über die Auswirkungen des Brandes von der des Leitartikels nur darin, daß hier die Bezeichnung „Zeloten" verschwiegen wird. Die „Zeloten" kommen von Schudt über Krakauer in die Vorstellung und Darstellung unserer Zeit, darum hielt es der Verfasser des Leitartikels für nötig, im Hinblick aus jene trüben Quellen zur Vorsicht zu mahnen. (Benno Elkans großer Bibelleuchker.) Die g'tttkche Lehre bannt die die sinnliche Menschengestalt idealisierende plastische Kunsttätigkeit aus der Mitte des jüdischen Volkes, und es versagt der sonst aller Schönheit zugewandten Seele des jüdischen Künstlers das Recht, sich gerade auf diesem Gebiete zu betätigen. Wenn wir trotzdem von einem Kunstwerk zu berichten uns für verpflichtet halten, das vor kurzem aus dem Atelier des bekannten Bildhauers Benno Elkan heroorgegangen ist, fo veranlaßt uns dazu der religiöse Stoff, in den sich der Künstler mit einer auf alle Fälle anzuerkennenden wunderbaren Liebe und Andacht versenkt hat. Es ist ein Bronzeleuchter, an dem Elkan zehn Jahre gearbeitet hat, und der eine Baumkrone auf breitem Wurzelsockel mit weit sich erstreckenden Aesten darstellt. Während den Mittelpunkt des Leuchters die Riesengestalt Mosche Rabbenus bildet, über sich die Gesetzestafeln emporhaltend, verteilen sich über das Geranke der Leuchterbaumkrone 32 biblische Figuren, zum Teil Einzelgestalten, zum Teil mehrere Figuren szenisch verbunden. Es erscheinen Abraham, Isaak und Jacob, Samuel und Elia, Jesaja und Jeremia, Josua, Ruth, Jona, Esra, Hanna, Makkabi, Daniel, Simson und Dalila und ganz oben an der Spitze Adam und Eva. Es würde zu weit führen, die künstlerischen Feinheiten der Gestaltung dieser einzelnen Figuren und szenischen Gruppen hier auch nur andeutend darzustellen. Wer sich dafür interessiert, sei auf einen mit vorzüglich gelungenen Illustrationen ausgestatteten Aufsatz über das Elkan'fche Monumentalwerk verwiesen, den H. K. Zimmermann im Juni-Heft der Zeitschrift „Deutsche Kunst und Dekoration" (Verlag von Alexander Koch G. m. b. H. Darmstadt) veröffentlicht. Der Verfasser schließt seine Ausführungen mit Recht mit dem Ausdruck der bewundernden Anerkennung dafür, welche Intensität der Versenkung und schöpferischen Anspannung uotwenbig war, um in unserer zerspaltenen Zeit ein Werk wie diesen Leuchter zu schaffen. Er ist jedenfalls ein Denkmal der inspiratorischen Kraft, die auch heute noch dem biblischen Worte gegenüber der Seele des Künstlers innewohnt. Wochenkalender. o. 80. — 27. Juni 1881 / v. 18. — 19. Tammus 6691 Samstag 27 nan 12 Sonntag Juni 28 13 Montag 29 14 Dienstag 30 15 Mittwoch 1 16 Donnerstag Juli 2 17 Freitag 3 18 Samstag 4 19 pVa npn