Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1931)
- Date
- 1931-06-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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? _T??U .'im Seite 2. Nr. 26 Der Israelit 25. Juni 1931 Nach diesen sehr berechtigten Fragen besteigt Würde Makkabi nicht die Jugend um den Sport Von rechts und links, von Aguda und Misrachi. aber Itamar benAbr sein Steckenpferd, um sammeln, diese würde anderen Lockungen anvon der Tribüne der Presse und vom „Matkabi" k t eine wilde Attacke gegen die alten Ra bheimfallen, vielleicht auch in die Schlingen der binen zu reiten. Schließlich seien sie an allem; ihr nachstellenden Mission geraten. (?) Makkabi schuld . . . Sie hätten längst im dritten Zion sei bereit, zur Schonung der Gefühle der wahrein S a n h e d r i n einberufen müssen, das die! hast Frommen etliche Konzessionen in den De- Religionsvorfchrlsten ein wenig prüft und sichtet,chors zu machen, auf das eigentliche Einrichtungen im Sinne der Religion und des^Spiel am Sabbat werde er nie und Nationalismus trifft. Wenn die Lehrer in alter: n i m m e r verzichten, u n d koste es, Zeit den „Mut" aufbrachten, Schiffsreifen am w a s es w o l l e, s o l a n g e n i ch t e i n W o - Sabbat zu erlauben, warum heute nicht auch die 1 ä) e n t a g dafür zur Verfügung steh t. Reisen mit Bahn und Auto? Hat man erlaubt^ Verantwortlich macht Mattabi für den ganin Krankheitsfällen die Saübatgesetze zu über- 3en Lauf der Ereignisse ausschließlich den Waad treten, warum nicht auch im Interesse der körper- - ^umi. Seit jenen Tagen, in denen man, um lichen Gesundung auf dem Sport- und Spiel-j die Einheit der nationalen Front zu wahren, die platze? Warum nicht die Grenzen der Sabbat'-! Teilnahme der Agudas Jisroel am Ladenfchlußvergnügungen nach modernen Begriffen erweis Streik durch den Verzicht auf die fabbatlichen Lern? Erleichterung, Kürzung der Gebete, Modernisierung des religiösen Lebens, und der Andrang zu den G'tteshäufern wird nicht geringer sein, als heute vor den Toren der Theater und Lichtspiele. In e i n e m Punkte mag er recht haben, der große Sohn Elieser den Jehudas. Würden die Rabbinen all das, was sie heute auf Grund von Thora und Schulchan Aruch als Sakrileg anfehen, erlauben und freigeben, es gäbe kaum noch einen Konflikt zwischen den Alten und Jungen. Die Synagogen würden den Konkurrenzkampf mit Theater und Kino bestens bestehen, wenn s i e sich selber in Theater und Kino verwandeln . . . Man hat im Westen genugsam Präzedenzfälle. Nur haben im Westen auch die Orgelkonzerte als Tefiloherfatz nicht vermocht, die Synagogen zu füllen . . . Jtamar darf nicht glauben, daß sich neue religiöse Begriffe und Werte schaffen und prägen lassen, wie er und sein Vater neue hebräische Worte und Formen geschaffen haben ... Hl. Was sie selber dazu sagen! Der „Makkabi" selbst gibt in den nationalen Blättern eine Erklärung ab, die drei lange volle Spalten einnimmt. Der langen Rede kurzer, aber tiefer Sinn ist: Schuld an allem ist der Waad Leumi! Der „Makkabi" wehrt sich — ein Novum und wohl unter dem Druck der öffentlichen Meinung — dagegen, religiöse Gefühle verletzen zu wollen. Er habe keine anderen Absichten' und Tendenzen, als die Jugend sportlich zu erziehen und ihr das zu geben, worauf heute die Jugend in aller Welt berechtigten Anspruch hat. Auf den Sabbat als Spieltag könne der Jerusalemer Makkabi nicht verzichten, da es der einzige Tag fei, an dem Sportler wie Zuschauer nach sechstägiger Arbeit zu haben sind. Fußballspiele erkaufte, habe der Waad leumi selbst richten sich aller Augen anklagend auf den Hauptschuldigen: den Waad L e u m i. Auf den Rat der Gesetzestreuen, auch der im eigenen nationalen Lager, hat er nie gehört, aber den Jungen, die spielerisch die Heiligtümer der Na^ Lion mit Füßen treten, i st e r die k l a r e A n tw o r t schuldig geblieben. Er ließ sie damit allezeit in dem Wahn, als fei unter nationalen Gesichtspunkten gegen eine solche Art von N2V 223 gar nichts einzuwenden., man müsse höchstens ein wenig Mit dem blinden Uebereifer der reaktionären Nörgler im Sabbatrock rechnen. Die zu überrennen schien keine große Kunst. Wofür hatte man sich sonst als Kraftmenschen ausgebildet?! Dieser konzentrische Angriff wird dem Waad immer wieder versprochen, dafür zu sorgen, daß i Leumi zu denken geben. Von der Karmelhöhe ' .. ----- ertönt der Ruf zum zweiten Male an die berufenen Hüter des neuen Jischuw: .V'S'XWN W bp V'NVIL DDK '»fl» *7X7 Die Jugend fordert von Euch klaren Entschluß: für 'n oder für den taerstens der Verzicht auf die fabbatlichen Fußballspiele auf das ganze Land ausgedehnt wird, und daß zweitens durch Vereinbarungen mit den Arbeitgebern der Jugend ein Wochennachmittag für die Veranstaltung von Spielen und sportlichen Betätigungen frei gegeb en werde. Zweimal habe der Makkabi 6 Monate lang am Sabbat gefeiert und sich immer wieder vom Waad leumi vertrösten lassen. Endlich aber sei ihm die Geduld gerissen. Nach weiterem Abwarten von einem Monat habe er die Spiele am Sabbat nun wieder aufnehmen müssen. Bei den Protestversammlungen der Orthodoxen sei die Administration äußerst korrekt vorgegangen. Man muß schon sagen, daß in der Skala der Gesetzlosigkeit und Verwilderung diese Erklärung einen gewissen Höhepunkt bildet. Jünglinge, die sich der Schuld einer Sabbatfchändung gar nicht mehr bewußt find; die junge Freunde vor Mission und Abtrünnigkeit, mit Abtrünnigkeit von demjenigen Gesetze, das alle anderen Gesetze aufw ie gt, bewahren wollen; Jünglinge, die nationale Selbstachtung im Munde führen und den jüdischen Namen der Schande preisgeben: die Muskel und Nerven zur nationalen Selbstwehr des jüdischen Volkes stählen wollen und dabei den Polizeibütteln, die mit ihren Pferden und Stöcken Greise, Frauen und Kinder niederritten und zu Boden schlugen, das Zeugnis ehrlicher, korrekter Pflichterfüllung ausstellen! Das ist die Frucht des neuen nationalen Palästinas, und damit allein wäre schon das Schuldenmaß der Zionistischen Organisation und des Waad Leumi an ihrer Spitze genügend gehäuft. Aber es ist doch bezeichnend: Woher auch die Pfeile des Angriffes kommen, sie nehmen alle den Weg ge g en den W aad Leum i., Jerusalem, 12. Juni. Heute wird bekannt, daß der Makkabi zugestimmt hat, das Fußballspiel aus 14 Tage einzustellen und es soll in der Zwischenzeit der Versuch unternommen werden, für die Fußballspiele einen anderen freien Nachmittag in der Woche zu sichern. Ein weiterer Besuch von Rabbiner Kuk und Ben Zwi beim High Commifsioner hat in der Angelegenheit stattgefunden, ohne daß jedoch bisher ein Erfolg nach der Richtung eines gesetzlichen Verbotes der sabbatlichen Fußballspiele erreicht werden konnte. Wochenrundschau. Ein Bildungsverhängnis. Die Zeiten find vorbei, da man in den jüdischen Gassen im Bildungszwange ein mit allen Mitteln abzuwendendes Verhängnis sah. Im Westen hatte vor 80 Jahren ein G'ttbegnadeter und G'ttgesandter, S. R. Hirsch, gezeigt, wke Kultur und Bildung, so weit sie Anspruch auf diesen Namen haben, wohl ihren Platz in dem großen Bau des Judentums haben und zu seiner Der Mrjamsbrunnen. Von Rabbiner Dr. M. Lewin.in Hamburg. Mirjam wird von unfern Alten das große Verdienst zuerkannt, daß Israel, solange sie lebte, des labenden Wassers auch in der Wüste nicht zu entbehren brauchte. Dnn mala, Der Brunnen versiegte in dem Augenblicke, da Moses' Schwester das Zeitliche segnete. Und erst '"vn selbst war es Vorbehalten, die Kraft des Wasserquells von neuem zu wecken. Allerdings wurden diese Wasser zu mno zu „Haderwassern", zum Stein des Anstoßes für des Volkes Führer, deren Schicksal es nun werden sollte, Israel, das Volk ihrer Weide, nicht ins gelobte Land führen zu dürfen. Das ist des Volkes Strafe für seine wiederholte Empörung gewesen, daß es feine Größten verlor, wo es diese am notwendigsten hatte. So ist Mirjams Tod im letzten die Ursache gewesen für Moses und Ahrons Versagen hart an der Grenze des heiligen Landes. Es war sicherlich nicht nur das labende Wasser, das Israel in der Wüste dem edlen frommen hingebungsvollen Wirken der Mirjam verdankte. Immer sehen wir sie in den bedeutsamen entscheidenden Augenblicken in Moses' Leben wirksam. Sie war es, durch deren Klugheit und G'ttvertrauen das Haus ihrer Eltern von neuem begründet wurde. Mit reifem Urteil und Verständnis hat sie ihren Vater und ihre Mutter an Pflicht und Bestimmung eines jüdischen Hauses erinnert, und deren neuer Verbindung entstammte Moses. Sie war es auch, die in treuer Hut und wahrer schwesterlicher Liebe Moses' junge Leben vor drohender Vernichtung in des Nils Fluten errettete. Und als dann für Israel das große Erlebnis seiner Errettung aus den stürmenden Fluten des Schilfmeeres gekommen war und da in dieser großen Stunde erhebender Beseligung das Volk unter Moses' Führung dem Herrn das erste Lied anstimmte, blieb Mirjam nicht abseits vom Wege. Sie stellte sich in ihrer Begeisterung an die Spitze der Frauen und forderte sie auf: „Singet G'tt, wie hoch, wie erhaben er gewesen Roß und Reiter hat er ins Meer geschleudert." Da wo Mirjam wegen ihrer Rede über Moses bestraft wird, läßt die Schrift es uns ahnen, daß e-- mir edle Motive gewesen, die sie zu ihrer Parteinabme für die iyrer Meinung nach unbegründete, durch leine Veruiung durchaus nicht zu erklärende Vernachlässigung der „Kuschiterin" seitens Moses drängten. Hier auch offenbarte sich das edle Frauenherz, das in ihrem Äusen schlug. Es ist der tiefe nachhaltige Einfluß, den Mirjam auf das jüdische Familienleben allenthalben gewonnen, der es erkennen ließ, daß in allen Fährnissen und Widerwärtigkeiten der Wüstenwanderung immer wieder sich als Rettungsanker bewährte: das jüdische Haus, in dem nach dem edlen Vorbilöe der Mirjam in Zucht und Sitte, in G'ttesfurcht und Wahrung der Ueberlieferung der Väter die jüdische Frau als Gattin und Mutter waltete. Von diesem reinen lauteren Wirken dieser edelsten der Frauen, das unerschöpflich war in seiner Segensfülle für die Läuterung und Veredlung des gesamten Volkes gilt wahrlich mit Recht: „Der Horebbrunnen war das Verdienst Mirjams." So ist es immer gewesen. Das jüdische Haus, in dem in Frömmigkeit als sein guter Genius das jüdische Weib wie eine Priesterin der G'itesfurcht schaltet, ist der granitne Fels geblieben, auf dem sich unser Volkstum ausgebaut, das Bollwerk gegen die brandenden Wogen des feindlichen Hasses. Die jüdischen Frauen empfanden es als das höchste Glück, in der Welt ihrer Familie das Feuer der G'ttesfurcht zu entfachen und ihren Gatten und Kindern den Weg zu den Höhen zu weisen. Heil uns, wenn auch in unseren Tagen noch der Mirjamsbrunnen quillt und unsere Häuser und Familien Zeugnis bieten von dem frommen, g'ttergebenen Sinn derer, die in unfern Häusern richtunggebend und wegweisend sind. Erweist euch groß in der Wahrung jüdischer Tradition, Frauen Israels, — sehet eure höchste Ehre und Würde darin, zu säen und zu pflanzen für unseres Volkes Bestand und unseres Glaubens Reinheit und Wahrheit, daß von allen unseren Familienzelten gelte: brriv' 3p»' i'^nrr isv n» „Wie gut sind deine Zelte, Jakob, deine Wohnungen, Israel!" Kleines Feuilleton. Me sich Geschichtsfälschungert auswirken. Zu unserem Leitartikel, unter diesem Titel in Nr. 24 des „Israelit" wird uns aus Berlin u. a. geschrieben: „Der Vortrag behandelte nicht die Geschichte der Juden im eigentlichen Sinne, sondern speziell die der Judengasse und des Lebens, das sich in ihr abgespielt hat. Da sagte der Vortragende ungefähr: „Das Leben in der Judengasse war damals ein absolut frohes und die Ju-