Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1931)
- Date
- 1931-06-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 26 Frankfurt a. M., den 10. Tammus 5691 Abonnement ab Juli 1939: Deutschland 1.30 Mark monatlich; Ausland: Bterteljahrpretfe (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6.—: Amerika 1 Dollar; England 1 sh.; ab 1 Juli Frankreich23 Fr.; Belgien ab 1.7.37. Belgao.; Holland3 fl.; Italien ab 1.1.38.18 Lire; Jugo» slavien 35 Din.: Litauen 7^0 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 37. 150 Lei; Polen 4 deutsche Gold- Mark zum Tageskurs oder 7 Zloty: Schweiz 3 Fr.; Tfchecho-Slowakei 3S Kronen; Ungar« Pengo 5 ab 1. Juli 1937; Dänemark 3.50 Krön»; Norwegen 3.80 Krön.; Schweden 3.50 Krön. Einzelnummer vierzig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 50 Goldpf. für die stebengesp altene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bet Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 40 Pf. Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte Textsette 3.— Mk>, vorletzte Textsette 360 Mk.; Chiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Inserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz Vorbehalt. Inseratenannahme durch den Berlag des Israelit G. m. b. 8., Frankfurt a. M, Rechneigrabenstraße 7, Tel. Hansa 21084 sow. durch sämtl. Annoncen-Erped. d. In» und Auslands. Alleinige Jnferatenann. für Franks. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Hölderltnstratze 25 Tel. 45886. Platzvorschr. ohne Berbindlichk, Zahlungen direkt an den Berlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 198J2. — Außerdem an: Postsparkaffe Wien Nr.79605. — Postsvarkaffenrmt Budapest Nr. 18434.—Postscheckkonto Warschau Nr. 190757. — Postscheckamt Zürich Nr. VIII 7254. — Postscheckamt Amsterdam Nr. 34889 — Postscheckamt Prag Nr. 79.060 — Banca Marmarosch Blank &. Co. in Bukarest Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M.___ ■ Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit“ für den Monat Juli! Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet _ die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag des Israelit G. m. b. H., Frankfurt a.M, Die Sabbakhkämpfe in Jerusalem. ' I. : D e r Sachverh al t. Hoher die Vorgeschichte des Tumultes am vorletzten Sabbat bringen „Kol Israel" und eine Extraausgabe der mtsrachistWen „Netiwah" Berichte, aus denen sich folgendes Gesamtbild ergibt: Als am Donnerstag durch Plakate in allen Straßen Jerusalems bekannt wurde, daß Makkabi mit einer Gruppe von Armeniern am Sabbat spielen wollte, wurde sofort von der Agudajugend eins Protestkundgebung organisiert. Zu Tausenden wurden Aufrufe verteilt, die alle Schichten der jüdischen Bevölkerung zum Proteste aufforderten. Am Freitag morgen setzte sich di^Leitung der Aguda auch mit dem Waad Leumi iiHVerbindung, .die Antwort war ziemlich nichtssageNdM Gleich darauf gingen Denkschriften, unterzeichnet vM- Rabbi Chajim So n n e n f e-l d, Rabbi Su t: :undi^Ehacham Jakob M e i r.anrlK'M Oberkommissar^! wie!»: an die Spitzen der StadtverwaMng ab, mit der dMgenden Bitte, das SpoDöst »mniDobbat, das diesir^Mstn Ge-1 fühle der; Judenheit Mcher verletze, gäriMch W verbieten, Eine DöpMe W.Hen armen-iW ep D atis tarchen, der MällH M Jaffa weilte,.!chatte den Gr-, folg, daß er durch seisiHn Vertreter in! j Jerusalem der armenischen^JuH^Wd die V e t e-Ll'i g u n g am Sabbatspiel der Juden oerbTeten ließ. Bald erhielt die Agudas Jisroel die Bestätigung, daß sich die armenifche JUgend willig dem Befehle des Patriarchen beuge, obwohl „Makkabi" auf sie euren Druck' ausübte, sich dem aeistlichen Diktat zu widersetzen. Auf einen Anruf beim Waad Leumi, aus der Anordnung des Patriarchen auch seinerseits die Konsequenzen zu ziehen, kam die Antwort, es sei zu spät, das Büro würde grade geschloffen, und man könne nichts mehr unternehmen. Als nun bekannt wurde, daß. wie die Engländer vor 14 Tagen, jetzt auch die Armenier davon absahen, die jüdischen Gefühle zu verletzen, Makkabi aber allen Bitten und Anordnungen zum Trotze, das Spiel nicht aufgebe, bemächtigte sich eine unbeschreibliche Aufregung aller jüdischen Gemüter in Jerusalem. Es wurde noch ferner bekannt, daß in einem eigenen Autobus die Makkabimitglieder aus Tel-Awiw am heiligen Sabbat zum Spielplatz angefahren kommen sollten. Am Sabbat früh und mittags waren die jüdischen Viertel Jerusalems wie ein brodelnder Kessel. Früher wie sonst wurde das Minchogebet verrichtet, und die Menge strömte vor den Spielplatz. Es dürften zehntausend Menschen aus allen Schichten der Bevölkerung gewesen sein, die da vor der Stätte der öffentlichen Sabbatschändung versammelt waren. Unter den „Helden", die in provozierender Haltung auf dem Spielplätze die Protestler verspotteten, sah man auch Beamte der nationalen I n st H u 11 o n c n und Lehrer zionistischer Schulen. Der Protest wurde eingeleitet mit einer flammenden Rede Rabbi Ben Zion Ja d l e r s, worauf tausendstimmige Psalmgebete, mit einer kaum erlebten Inbrunst und Andacht und unter Strömen von Tränen sich erhoben. Da griff plötzlich die Polizei.ein. Es nützte nicht der Ausweis, daß ' die Protestversammlung von der Macht genehmigt wurde. Sie ging mit solcher Rigorosität gegen die frommen Beter vor, daß eine fürchterliche Panik ausbrach. Die Polizisten schlugen wild mit Stöcken und Peitschen um sich und ritten mit den Gäulen in die Menge. Elf Männer, Mitglieder der Aguda- Jugend, des, Poel Hamisrachi, Schüler der Jefchiwoth „Sefath Emes", „Kneses Israel", „Merchas horaw", wurden verhaftet und gezwungen, am Sabbat im Automobil zum Revier zu fahren. Biele wurden blutig geschlagen. Die Menge begab sich protestierend zu den Regierungsämtern, die aber alle geschloffen waren. Indes standen Araber und Christen da, weideten sich an den Vorgängen und suchten sie auf der Platte festzuhalten. Abends wurden die Verhafteten freigelassen. Jetzt, nach Sabbat,-dursten sie zu Fuß gehen, obwohl sie zum Teile ernstlich verwundet waren. Die Schilderung schließt mit Worten der Anklage gegen die Zionistische Organisation und den W a a d Leumi, die glaubten, .sich nicht einmischen zu dürfen, und damit das 'Unheil mitverschuldet hatten, und mit dem Nus Än alle Treugebliebenen in Jerusalem und Erez -Jisroel, sich mit gesteigerter Kraft um den Sabbat.>pnd die Mischen Heiligtümer zu sammeln, pmi||e vor der Schändung durch die Hand eigener^eptartsster Brüder zu schützen. ' Auch Misrachi nennt diesmal das Kind offen beim richtigen Namen. In der bereits genannten Kundgebung. ftes: „Hapoel Hamisrachi" wird die Provokation des „Makkabi", dem noch Insubordination und Wortbruch vorgeworfen wird, in ähnlicher Weife gebrandmarkt. Es werden dann folgende Forderungen ausgestellt: 1. Die religiöse -Jugend muß aus dem Makkabi austreten. 2.' Alle materielle und moralische Hilfeleistung für Makkabi sei einzustellen. 3. Die unerhörte Provozierung der öffentlichen jüdischen Meinung durch Makkabi muß der gesamten jüdischen Welt bekanntgegeben werden. 4. Der Waad Haleumi hat die Pflicht, gegen Makkabi vorzugehen. 5. Die nationalen Institutionen haben alle Beamten zu entlassen, die sich als Makkabimitglieder mitschuldig gemacht haben. 6. Zuletzt muß die Antwort des gesetzestreuen Judentums in einem Zusammenschluß aller Kräfte zum Schutz der religiösen Heiligtümer der Nation bestehen. Eine eigene Erklärung gibt Rabbi Mosche Ostrowski ab, in der er das rigorose. Vorgehen der Polizei gegen die Gesetzestreuen schildert. „Das gesamte religiöse Judentum", schreibt er, „wird sich gegen Euch, Makkabijungen, aufstellen und Euch den. heiligen Namen, mit dem Ihr Euren schamlosen Hellenismus deckt, entreißen.." II. D i e nationale Presse und der WaadLeumi. Abgesehen vom „Kol Jisrael" und der misrachistischen Presse, deren Stellungnahme in obiger Darstellung wiedergegeben ist, fühlt sich auch die n a ti o n a l e Presse bei der Behandlung der Sache nicht frei von Verantwortungsgefühl gegenüber der öffentlichen Meinung. Das führende Blatt in Jerusalem, „ D o a r H a j o m " , schildert in nicht minder schwarzen Farben die beschämenden Vorgänge „vor den Augen der Nachbarn, Gegner und Feinde". Wie zur Römerzeit zerfleischen sich die bedrängten jüdischen Parteien gegenseitig. Araber und Christen lachen voller Freude und halten die Vorgänge in Bild und Film fest. Unerklärlich ist dem Blatt dieHal t u n g des Waad L e u m i. Billigt er di e Sa b b a t f p i e l e ob er billigter s inicht? Spricht Rabbi O st r o w s k i im Ny^"! men des Waad Leumi oder Madame S z o l d„ die den lieben Jungen zulächelt? Warum ver-u langt Ben Zwi, Arbeitervertreter im Waad Leumi, vom Makkabi kategorisch die Einstellung der SabbatentrveMng, während er zugleich den von ihm gesührterrArbeitern erlaubt, auf ei genem Gebiete am Sabbat ungestört Zuspielen?