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Der Israelit · 1931-06-18 · Heft 25 (18.6.1931) · page 16

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 25 (18.6.1931)
Date
1931-06-18
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 12 Sonderverbänds, die sich Zivile gesetzt Haben, welche in der Linie agudistischer Tätigkeit liegen, degradieren den Agudismus zur Sekte, und nichts ist gefährlicher für die Erfassung der Jugend in diesem entscheidenden Augenblich des Kampfes gegen Liberalismus und Zionismus als die Verkleinerung und Durchlöcherung der Einheitsfront des Agudismus. Agudismus bedeutet Vertretung jüdischer Belange und Forderungen, schlechthin. Sämtliche Verbände thoratreuer Natur müssen sich in die Einheitsfront des Agudismus einordnen, oder vom Agudismus in Erkenntnis ihrer Gefahr für die Bewußtmachung der historischen Wahrheit des Agudo-Gednnkens bekämpft werden. Ein großes Verdienst hat sich die agudistifche Jugend Polens in dieser Beziehung in letzter Zeit erworben, als sie im Kampf um die Eroberung der Gemeinden bei den letzten Wahlen alle Splittergruppen und Verbände von religiösen Juden kultureller Art, wie den „Verein für Thora und Kultur", oder zweckmäßiger Art, wie den „Verband zur Wahrung religiöser Interessen" und dergl. mit derselben Leidenschaftlichkeit bekämpfte wie den Liberalismus und Zionismus. Das Spiel wiederholt sich jetzt auch in Deutschland. Das erste war der Weltverband' Schomre Schabbos in Berlin. Jetzt zieht die „Freie, Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums", deren Programm in praktischer Beziehung einen kleinen Ausschnitt aus dem umfassenden Programm des Agudismus bildet, in den deutschen Landen umher und wirbt um die Gunst des gesetzestreuen Juden. Zweckverband nennt sie sich und Parteilosigkeit ist ihr Bekenntnis, als ob der Agudismus Partei wäre und seine Zwecke nicht beinhaltet hätte. Um so bedauerlicher ist diese Tatsache, als an die Spitze dieser Auferstehung bekenntnismäßige Agudisten sich gestellt haben, die diese Arbeit für Gesetzestreue auch und erst recht unter dem Schild des Agudismus hätten leisten können. Wozu die Durchbrechung der a g u d i st i s ch e n Einheitsfront? Wozu die Verwirrung im Lager der Thoratreuen? Wird nicht dadurch die Front des Agudismus geschwächt und das Bewußtsein ihrer geschichtlichen Stellung getrübt in den Augen der Heranwachsenden Jugend? Ein junger Rabbiner reist durch die deutschen Gauen und in seiner Aktenmappe — die orthodoxen Verbände: die Freie Vereinigung, die Rabbiner Hirsch-Gesellschaft und die Agudas Jisroel. Auf die Frage eines schlichten Landjuden, wozu soviel Verbände, ist der Herr Rabbiner verlegen. Die Freie Vereinigung ist nur ein Zweckverband, erklärte der Herr Rabbiner. Verfolgt die Agudas Jisroel diese Zwecke nicht? Ja, aber die Freie Vereinigung ist ja unparteiisch. Ist denn die Agudas Jisroel — Partei? Ist denn Agudismus — Partei? — Ja, aber die Freie Vereinigung ist doch viel älter als die Agudas Jisroel-Organifation! — Ist aber die Freie Vereinigung nicht längst geistig aufgegangen in die Weltorganisation der Thoratreuen, deren Front von Alzenau über Frankfurt, Berlin, Warschau, Kowno Riga usw. bis nach Jeusalem reicht? Ist es denn nicht die Agudas Jisroel mit ihrem Rabbinischen Rat, an der sich heute die gesamte Welt über Sinn und Sein des thoratreuen Judentums orientiert? — Uebrigens, sind Sie, Herr Rabbiner, kein Agudist? — Doch, doch, aber, aber . . . Schön wollen/Sie nicht Mitglied der Rabbiner Hirsch-Gesellschaft werden mit einem kleinen jährlichen Beitrag? Was für eine Vereinigung ist denn dies?! — Dies ist allerdings eine neue Vereinigung mit dem Ziele, die Ideen von S. R. Hirsch zu verbreiten und zu vertiefen. Aber sicherlich innerhalb der Thoratreuen, d. h. der durch Agudas Jisroel erfaßten thoratreuen Juden. Kann das nicht inner- Der Israelit B l ä tt er halb der agudistischen Bewegung geschehen t Wozu eine separate Gesellschaft, die den Eindrück erwecken muß, als ob sie der agudlstischen Einheitsfront Abbruch s tun möchte? So häuften sich die Fragen und Antworten und der Herr Rabbiner merkte nicht, daß es sich hier mehr als um Bagatellen handelt, daß es sich hier um den alleinigen Geltungsanspruch des Agudismus handelt, der allein sich in das Bewußtsein des heutigen Juden einbürgern kann und wird. ’ Mitteilungen der Paläslina- Lentrale der Agudas Jisroel. I. Die heutige Wirtschaftslage zwingt uns dazu, Reisespesen möglich st einzuschränke-n. Um aber den Gruppen Gelegenheit zu geben, sich über die Erez Jisroel Probleme zu orientieren, find wir bereit, geeignete Referate zur Verjügung zu stellen. Es kommen zunächst in Betracht: „Die Lage in C r e z I r s r 6 e I" von Rabbi Moses Blau, Jerusalem, „D ie gegenseitig e n B e z i' e hu n g e n zwischen Juden und Arabern i n P a'l ä st i n ä" (nach einem Vortrag) von Herrn Privatdd^ent Martin P l e s s n e r Frankfurt am Main. II. Agudisten, welche Sommerfrischen aus suchen, werden gebeten, Termin und Ort ihres Aufenthaltes uns mitzuteilen, damit wir die Möglichkeit haben, wie im Vorjahre agudistifche,.Ausspracheabende über E r e 3 Jisroel zu veranstalten. ' III. Die Agudas Jisroel Jugendgruppe, Frankfurt a. M. hat das Patronat über unsere neugegründete Talmud Thora für Knaben in Hebron übernommen. Wir suchen eine weitere Gruppe, welche durch einen monatlichen Zuschuß von Mk. 40.— das Patronat, über dis Talmud Thora der Orphalim in Jerusalem übernimmt. Pallistina-Eentrale der Agudas ' Jisroel Frankfurt am Main, Schwaneustraße 12 - Der polnischen Agudas Jisroel zum Gruß. Lehnt das Judentum auch die Macht der Gewalt m jeder Form, also auch die Macht der Zahl, ab, ist es auch völlig frei von der Verherrlichung des Majoritätsgedankens, ist ihm für den Wert einer Idee auch ausschließlich maßgebend ihr sittlicher Inhalt, nicht die Zahl derer, die dafür eintreten, so hat dennoch der Ausgang der polnischen Gemeindewahlen die Herzen aller deutschen Gesinnungsgenossen mit tiefer Freude erfüllt, und es drängt uns, auch in diesen „Blättern" den Gruß der Freundschaft zu entbieten. Wir erinnern uns der letzten großen Landesversammlung der polnischen Agudas Jisroel, der wir als der großen Schwesterorganisation im Namen der deutschen Landesorganisation den Gruß und Wunsch zuriefen: „Unsere Schwester, w'e rde Du zu T au s e n d e n u n d Z e h n - t a u s e.n den, u n d e s e r b e Deine Saat das Tor f einer Haffe r." ■ Die Saat ist herrlich aufgegangen. Tausende, Zehntausende, ja Hunderttausende haben bei den letzten Wahlen gezeigt, wo sie stehen,, daß für sie die jüdische Gemeinde nur e inen Charakterhat: d e n r e l i g i ö s e n Charakter; daß die Gemeinde ebenso ryie die Gemeinschaft allein und ausschließlich getragen fein muß von G'ttes Gesetz, geleitet-von den berufenen Kündern und Auslegern dieses Gesetzes, unfern rabbinifchen Führern. Diese Nachricht von dem Ergebnis der polnischen Gemeindewahlen, ein Erfolg zielbewußter geistiger und organisatorischer Arbeit, trifft uns in Deutschland zur rechten Stunde. Bei. uns befindet sich alles in verzagter Stimmung. Die WirtfchafLsnot zerrt an unferm Hab und Gut, sie zerrt an unfern Nerven. Da rufen unsere polnischen Freunde uns zu: „Auch bei uns ist WirtfchafLsnot, auch wir führen unsagbar schweren Existenzkampf, auch bei uns jagt eine aus der Not entstandene Verordnung die andere. Und» dennoch: „Nicht verzweifeln", so heißt es in der Hymne unserer agudistischen Arbeiter, so sollte es heißen im Lebenslied jedes einzelnen Menschen, jedes einzelnen Agudisten. Wir haben in 18. Juni 1931! diesen Zeiten schwerster materieller Not einen großen geistigen Sieg errungen. Richtet Euch daran auf, seid stärk und mutig, denn'nichts istschlimmer als die Verzweiflung-ci'^a tm' macht eine Sache zu ipsn- Steht darumtreu z u E u r e r S a ch e, d a ß f i e n i ch t h e r r e n- «. loses G uf wert e, st e fyi'treu $‘u r Ag u-' d a s I is r o e l, d aß I h r v on i h r e rI d e e getragen werdet." Wir fangen den Ruf auf, wir deutschen Agudisten, und das Echo auf den Gruß unserer, polnischen Brüder sei der Werbemonat der deutschen Agudas Jisroel, an dessen rüstige Vorbereikuttg dlleeorts hoffentlich unsere Freunde schreiten. j Das Ergebnis der Arbeit unserer polnischen Freunde löst unsere innige Mitfreude aus. Die Arbeit selber stärke den Mut in unfern eigenen Reihen. "j Und wenn wir unfern polnischen Freunden für.hie Lehre danken, die wir aus ihrem Tun gewinnen, dann wollen wr bei diesem Danken auch der beiden Männer Erwähnung tun, die vor VA Jahrzehnten die Saat mitgepflanzt, die nun so schön und üppig aufgegangen: Pmchas K o h n '"i und Ephraim Carlebach So wie der Ruf dieser beiden Männer damals in Polen ein verstehendes Geschlecht fand, so mögen auch wir heute den Ruf, der aus der frohen polnischen Kunde zu uns dringt, hören und'begreifen, und fein Widerhall bei uns fei: erhöhte A r b e i t s b e r e i t f ch a f t, fei die g a n z e Hingabe von Herz, Kopf und Hand a n A g u d a s I i s r o e l. W. S. I. Das neue Heim des Bes Zakow- Semmars in Krakau. Der Donnerstag voriger Woche war ein Festtag für Krakau und für das orthodoxe Judentum des Ostens überhaupt. Der imposante Bau des neuen Lehrerin neu- Seminars der Bes Jakauw-Organisation wurde eingeweiht und seiner höheren Bestimmung übergeben. Bor vier Jahren fand die feierliche Grundsteinlegung statt. Es waren vier Jahre der stillen, aber emsigen und unermüdlichen Arbeit, Bauarbeit und A u fb a u a r b e i t auch im höheren Sinne. Nun steht ein grandioser, fünfstöckiger Bau'da, hervorgegangen aus der Opferwilligkeit unserer Brüder in Amerika, Deutschland, England, Schweiz, Holland, Oesterreich, und nicht zuletzt Polen. Und gerade die Opfergabe Polens an Tat und Kraft verdient in dieser schrecklichen kritischen Zeit Anerkennung und Bewunderung. Die Krisis konnte den Bau nur verzögern, aber nicht aufhalten. Die Einweihung . fand unter Anwesenheit sämtlicher Seminaristinnen statt. Zu den 40 bisherigen Schülerinnen traten 90 neu ein. Die Eisenbahn hatte ihnen spezielle Waggons zur Verfügung gestellt, und auf allen größeren Stationen wurden diese Pioniere der jüdischen Töchtererziehung von den örtlichen FrauenvereimgUngen mit Blumenbuketts begrüßt. Auf dem Krakauer Bahnhof war ihnen ein großer Empfang bereitet worden. Im Triumphzuge ging es dann znm Semmargebäude nach der Stanislauergasse. Das Einrveihungsbankett zog sich bis in die tiefe Nacht hinein. Freitag früh begannen die Kurse in gehobener Feststimmung. Frau Sara S ch e n i e r e r, die Mutter der Bes Jakauw-Bewegung, war Gegenstand ehrlicher Ovationen. Sie aber hatte ein - stilles Dankgebet für das Getingen des großen Werkes auf den Lippen. Das Seminar steht in einer der schönstes. Ge-;; genden des historischen Krakau, mit dem-.Ausj blick auf die Weichsel. Die innere Einrichtung ist ' sachlich, schön und komfortabel. Es wurde bei allem auf Sonne, Licht und Luft MeheMf', Es wird am Haufe noch gearbeitet, und. soll -später noch eine große Einweihungsfeier unter Anwesenheit prominenter Gäste von Polen und aus dem Auslande stattfinden.

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