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Der Israelit · 1931-06-18 · Heft 25 (18.6.1931) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 25 (18.6.1931)
Date
1931-06-18
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
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llfäffet* de« fandesoeganifafion der 3)gudas~Jiseoe( in Ventfeklnnd. 7. Jahrgang Hamburg, 18. Juni 1931 / 3. Tammus 5691 Schriftleitung: Wotf S. Iacoöfon in Kamöurg. Nummer 12 Zur Studienfahrt nach dem Osten. Eine geniale Idee. In einer Zeit, da Menschen an die See und in die Berge und zu Heilquellen fahren, um dem Körper, den Muskeln und Nerven neue Kraft zuzuführen, wird eine Kolonie jüngerer und älterer jüdischer Menschen zu den geistigen Heilquellen des Judentums pilgern, um mit eigenen Augen und Ohren zu sehen und zu hören,, wie und was Judentum in seinen Krastzentren ist. Aus solcher Ferienreise werden jüdische Menschen gesunden. Ein Austausch geistiger und seelischer Kräfte wird vor sich gehen, der dem Osten wie dem Westen, und in ihnen den K l a l l I i s r o e l für alle Zeiten zugute kommt. Eine Brücke wird geschlagen von Herz zu Herz. Man bedenke: Man wird die Neuschöpsungen wiedererwachten orthodoxen Gemeinschaftsgeistes in Krakau, in R a b k a , in Lublin sehen. Man wird die alten und ältesten Kulturstätten besichtigen, am Grabe des Remo stehen und in der Schul des W i l n a >e r Gaon beten. Man wird in Ehrfurchsschauern sich vor dem D öppe l g r a b e des Gaon und Ger Zedek unter dem Wunderbaume neigen. Man wird im Auto durch W o l o s ch i n , die erste Residenz der Thorarenaissance in Litauen, fahren und man wird das lebendige Wort des jüdischen Weltweisen in Radin auf sich einwirken lassen. Man wird im Palaste Umschau halten, den ein Begnadeter, Rabbi Meier Schapiro in Lublin, der Thora gebaut hat und man wird den f ü n fhund ertstimmigen Knaben chor der Thora in Mir hören. Man wird das Talmudstudium in seinen verschiedenen Schattierungen und Methoden in Ungarn, Litauen und Polen kennen lernen. Man wird Gast der großen C h a s sidim-R ab b i s sein und Teilnehmer ihrer Sabbattafel. Man wird gekräftigt und bereichert, mit starken jüdischen Impulsen heimkehren. Und diese ganze Ferien- und Studiensahrt vom 2 4. Juli bis 9. A u g u st ist für 4 0 Dollar zu bestreiten. Kein Badeplatz bietet Ihnen die körperliche Erholung für diesen Preis. Es ist ein Betrag, den sich auch heute, in der schweren Zeit, viele leisten können, weil er die Kosten der Lebenshaltung zu Hause nicht wesentlich übertrifft. Wer, der es irgendwie könnte, wollte nicht mit von der Tour sein?' Die Einheitsfront des Agudismus. , Pyn Friedrich Hohn in Hamburg. Drei Ideen werben heute um die Seele des Juden: Liberalismus, Zionismus und Agudismus. Politisch bedeutet der Liberalismus Assimilation, der Zionismus Säkularisation und Agudismus: Bekenntnis zur geschichtlichen Sonderart und Sonderausgabe des jüdischen Volkes. Zu ihrer Vertretung und Verwirklichung schufen sich diese drei Bewegungen organisatorische Gebilde, die wie drei Fronten die gesamte Juidenheit der Welt durchqueren. Jede Organisation versucht mit dem Einsatz, all ihrer Kräfte, die Iudenheit von der Nichtigkeit und von der Wirksamkeit ihrer Ideen zu überzeugen. Auf die klare Frontstellung kommt es bei allen drei Richtungen an, nur die Frontstellung erhöht die Schlagkraft einer Idee, nur sie vermag Positionen zu erobern, die Kräfte anzuspannen und sich dem Bewußtsein der Zeitgenossen aufzuzwingen. Um das historische Bewußtsein des Juden geht ja letzten Endes, der Kampf dieser drei Bewegungen. Studienfafart zu den jüdischen Kulturstätten des Ostens.! Die Keren Hathora-Zentrale veranstaltet bei genügender Beteiligung in der Zeit vom 25. Juli (11. Aw) bis 10. August (27. Aw) eine Exkursion zu den berühmten jüdischen Kulturstätten des Ostens. Die Reise ist vornehmlich bestimmt für Rabbiner, Lehrer, für die Vorstände und Mitglieder der Keren Hathora-Landesverwaltungen und Kommissariate und für Freunde des Keren Hathora. Programm: Freitag, 24. Juli! Zusammentreffen in Wien, Emp- I Donnerstag, 30. Julis Fahrt nach Lublin, Ankunft fang beim Czortkower Rebben. Besichtigung 1 abends, Begrüßung durch den Lubliner Raw. des jüdischen Museums. J Freitag, 31, Juli; Führung durch das Prachtge- Samstag, 25. Juli: Scholausch Sudaus in der Agu- J bäude der Jeschiwas Chachme Lublin, Be- | das Jisroel-Jugendgruppe.! sichtigung der Erinnerungsstätten, an Maha- Sonntag, 26. Juli: 8 Uhr früh Schiffahrt nach ] ral, Maharschal.; Bratislava, feierlicher Empfang in der Juj Samstag, 1. August: Zu Gast beim Lubliner Raw. gendgruppe, Besuch der Jeschiwali. Beth I Sonnlag 2. August: Fahrt nach Warschau, Be- Hamidrasch Kewer des Chasam Sofer, Besichtigung der Stadt unter Führung von Kulsichtigung des Judenviertels. tusvorsteher A. Z. Frydraann. Montag, 27. Juli: 9.28 Uhr früh Abreise nach Montag z, August: Autofahrt nach Gora Kal- Poprad über Tyrnau, Galanta, Pyst.an,, Sitz des Oerer Rebben, evtl, von dort Trenczin-Teph z Ankunft Poprad 16.18 Uhr, nach Otwock| berühmter klimatischer Kurort. Autofahrt nach Hunsdorf Besicht.gung der^.^ 4 August: Autofahrt nach Mir, größte Jeschiwah, Autofahrt durch die Hohe iatra f, , . T , . , ^.. , .y , tt„, i ,, i und berühmteste Jeschiwah Litauens, nach Zakopane (berühmter Höhenkurort) Uebernachten in Zakopane. Mittwoch, 5. August: Autofahrt nach Radin, Dienstag, 28. Juli: 3l/> stündige Autofahrt durch n Empfang beim Chofez -Chajim. Mo R£>ci^t:rt,1n(iiDonncrstaä. 6. August: Autofahrt über Wolodie kleine Tatra nach Rabka, Besichtigung der Beth Jakob-Kolonie, abends Weiterfahrt nach Krakau. Mittwoch, 29. Juli: Führung durch die Stadt durch Herrn A. Spira, Empfang durch die Gemeindebehörden, Besuch der alten und neuen Schul, Kewer des Remo. Abends Einweihungsfeier des Beth Jakob-Seminars in Anwesenheit von Vertretungen der staatlichen und städtischen Behörden, prominenter in- und ausländischer Persönlichkeiten. schin, Gründungsstätte der ersten litauischen Jeschiwoth, nach Wilno. Freitag, 7. August: Besichtigung der Erinnerungsstätten an den Wilnaer Gaon, Empfang bei Rabbi Chaim Ojser Grodzenski, Führung durch die Stadt (litauisches Jerusalem genannt) durch Herrn Rabbiner J. Schub. Samstag, 8. August: Schabbos zu Gast beim Wilnaer Raw. Sonntag, 9. August: Rückreise. Durch das Entgegenkommen der Bahnverwaltungen einerseits und unserer Freunde in Polen andererseits, wird die ganze Exkursion inkl. Rückfahrt samt Verpflegung und Logis pro Person 40 Dollar kosten. Auf Wunsch können einzelne Teilnehmer auch nur Teilstrecken dieser Gemeinschaftstour mitmachen. Anmeldefrist bis spätestens 10. Juli. Nähere Auskünfte erteilt- Keren Hathora - Zentrale Wien II, Leopoldsgasse 26 Mit. Recht also reißt der Zionismus, von seinem Standpunkt aus gesehen, alle Belange des jüdischen Lebens an sich, gestaltet sie nach seiner Auffassung vom Wesen des jüdischen Volkes. Mit Fug erstrebt er die Bezwingung des gesamten, privaten und öffentlichen Lebens des jüdischen Volkes und bekämpft erbarmungslos jede Organisation, die sich in seine Bewegung nicht eingliedern will oder kann. Dank dieser unerbittlichen Taktik gelang es leider dem Zionismus, sich im Bewußtsein selbst des gegnerischen Juden festzusetzen. Klar erhebt sich die zionistische Front und zieht alles in ihren Bann, sogar religiöse Juden wurden von der Größe und Unerbittlichkeit zionistischer Parolen geblendet. Der Zionismus verstand es, jede Tätigkeit sozialer, kultureller und , selbst sportlicher Art in den Bereich feiner Wirksamkeit einzubeziehen und dadurch sich in das Bewußtsein der Jugend als Vertreter jüdischer Belange schlechthin einzubürgern. Diese Tatsache will nicht nur bedauert, sondern auch erkannt werden. Der Agudismus ist die Front des thoratreuen Judentums in diesem geschichtlichen Augenblick. Wie der Zionismus, so möchte auch der Agudismus mit der Wucht seiner historischen Wahrheit das gesamte jüdische Leben bezwingen und es im Geiste der Thora ausbauen. Es gibt keine Ausgabe des jüdischen Volkes, die nicht dem Agudismus obliegt. Agudismus ist der wahrhafte Vertreter des historischen, jüdischen Volkes, wie es sich uns in Kultur und Geschichte darstellt. Jeder orthodoxe Verband, der sich abseits vom Agudismus breit macht, ist nicht nur Nonsens, sondern birgt in sich die Gefahr der Schwächung der geschichtlichen Einheitsfront des thoratreuen Judentums. Um so gefährlicher sind heute die sogenannten Zweckverbände, die aus dez,r umfassenden Programm des Agudismus einige praktische Zwecke heroorholen, ohne aber ihnen den Schwung der agudistischen Idee verleihen zu können. Daß ein Zweckverband im Bewußtsein der Geschichte sich nicht festsetzen kann, versteht sich von selbst. Zweckverbände sind eine Gefahr selbst für die Ideen, denen sie schließlich dienen wollen. Die Idee verkriecht sich hinter den Zweck, der Zweck regiert. die Stunde, die nach geschichtlicher Geltung schreit. J ~y

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