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Der Israelit · 1931-06-18 · Heft 25 (18.6.1931) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 25 (18.6.1931)
Date
1931-06-18
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
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Nr. 12 Seite 3 18. Juni 19.31 Jahresversammlung der niederländische« Agudas Israel in Rotterdam. I Am ersten Juni-Sonntag "fand unter dKm Vorsitz von Oberrabbiner S. I. Hirsch aus Zwolle'die Jahresversammlung der niederländischen Agudas Jisroel statt. Sie wurde wie immer durch eine groß angelegte, die aktuellen agudistischen Probleme behandelnde Ansprache des Vorsitzenden eröffnet, worauf eine Begrützung durch die Rotterdamer Ortsgruppe erfolgte. Den Kassenbericht erstattete Herr Josef Vro men, woraus alsdann Herr Stein-Amsterdam den "Sonderbericht des niederländischen Keren ''H a 1 h o r a vörtrug. An der allgemeinen: Besprechung der Berichte beteiligten sich" eine ganze Reihe von-Mitgliedern, worauf Oberrabbiner Hirsch die Anfragen und Interpellationen beantwortete. Die aussch ei senden Mitglieder der Leitung, die Herren Oberrabbiner Hirsch, Joses D r o m e n und N. van L e - eu.ro en wurden wtedergewählt und neugewählt Herr Rabbiner G. de L a n g e - Amsterdam. In der öffentlichen Abeiidversammlung würdigte zunächst Herr Oberrabbiner Hirsch den unvergeßlichen im Laufe des Jahres Heimgegangenen. Herrn I. M. Slagter der sich so große Verdienste um den Aufbau der Agudas Jisroel in Holland erworben hat und noch bei der letzten K. E. die holländische Landmannschaft mit Energie und Erfolg vertrat. Nach einer Begrüßung durch den Rotterdamer Gemeindevorstand,-wurde auf Antrag von Amsterdam folgende Resolution angenommen: Die allgemeine Versammlung verurteilt in schärfster Weise die Versuche, das Reformjudeutum nach Holland zu verpflanzen: Sie erklärt mit Nach- I druck, daß diese Bewegung zur vollständigen Assimilation an :däe jüdische Umwelt führen m u ß und spricht ihren wärmsten Dank den Männern aus, die der Reformbewegung mit Entschiedenheit entgegengetreten sind und entgegentreteu werden. Ferner wurden folgende Resolutionen angenommen: 1. Die Versammlung spricht den Wunsch aus, daß die auf holländischen Antrag aus der zweiten K. G. in § 2 der Satzung neu aufgenommenen Worte: „Die Gewinnung aller Juden für die Anerkennung der Souveränität der Thora" als Agudazweck den Inhalt besonderer praktischer Fürsorge der niederländischen Augdas Jisroel bilden soll. Sie verpflichtet den Hauptvorstand alles aufzubieten, um im Sinne dieses Gedankens zu wirken. 2. Die Versammlung ruft alle niederländischen Juden Ms, die Weltfriedensbewegung zu fördern. 3. Die Versammlung spricht den Wunsch aus, daß die niederländische Agudas Jisroel eine Sammlung von Broschüren herausgeben möge, worin die einzelnen Mizwos, sowohl nach ihrer prinzipiellen als nach ihrer praktischen Seite besprochen werden. Eine Keren Halhora- Versammlung in London. London, 9. Juni. Letzten Sonntag Abend veranstaltete der Londoner Keren Hathora in der Whitechapel-Kunstgalerie eine Massenversammlung zu Ehren ausgezeichneter rabbinischer Besucher aus Osteuropa. Mr. H. A. Goodman präsidierte und entbot den Rabbinen, die nach England gekommen seien im Interesse der bedeutungsvollen Sache der jüdischen Erziehung einen herzlichen Willkommsgruß der englisch-jüdischen Orthodoxie. Die Sache der Beth Jacob-Bewegung, vertreten durch Rabbi Tobias H o r o v i tz , sei den Herzen aller Juden teuer, denn es kann ja keine größere und edlere Aufgabe geben, als die geistige, moralische und physische Erziehung des jüdischen .Mädchens. -Die Sachs, der Jeschiwos in Polen und Litauen repräsentiert durch, die Delegierten des berühmten Chofez Chajim, werde sicherlich ebenfalls ein Echo in der englischen Jüdenheit finden. Insbesondere begrüßte der Vorsitzende herzlich Herrn Botschaftsrat Grasen I. Potocki, der die Einladung, der Versammlung als Vertreter des polnischen Gesandten, Grafen Skirmunt, beizuwohnen, - angenommen habe. Die politische Lage der Juden in Polen werde immer besser, und im Gegensatz zum Hitlertum anderer Länder bezeige Polen Sympathie und guten Willen gegenüber seinen drei Millionen jüdischer Bürger. Graf Potocki gab seiner Dankbarkeit für die gütigen Worte des Vorsitzenden Ausdruck. Im Namen seines Gesandten überbringe er der Versammlung herzliche Grüße und gute Wünsche. Die polnische Regierung habe jn den letzten Jahren ihre Sympathie und ihren guten Willen für die jüdische Bevölkerung des Landes gezeigt. Die letzten Wahlen in Polen hätten bewiesen, daß die aufbaueyde Wirkung sowohl der Politik der polnischen als auch der konservativ-jüdischenpolitischen Parteien! von den großen jüdischen Massen gewürdigt wurden und er sei überzeugt, daß im Laufe der Zeit auch die ökonomischen Schwierigkeiten im gleichen Geiste überwunden werden'würden, wie dies hinsichtlich der politischen Fragen',- -gelungen sei. Chacham Dr. Ga st er knüpfte an das Erdbeben an, das in der vergangenen Nacht England beunruhigt habe. Es gäbe auch geistige Erdbeben. Ein solches Erdbeben fs; der große europäische Krieg gewesen und die jüdische Der Israelit Blätter Nation habe sich" davon noch nicht erholt. Die einzige Lösung sei eine geeignete jüdische Erziehung für unsere Mädchen, die zukünftigen Mütter in Israel. Beth Jacob, das das moralische Niveau von 20.000 jüdischen Mädchen hebe, schaffe eine neue Generation. Beth Jacob bedeute die Zukunft des jüdischen Volkes, dem wir alle angehören und es ist unsere:heilige Pflicht, an diesem edlen Werke! teilzunehmen. - Rabbi Tobias H 0 r 0 vitz drückte seinen aufrichtigen Dank dem polnischen Gesandten für seine Worte aus, die von der Orthodoxie der ganzen Welt gewürdigt werden würden. Alle Teile der Weltjudenheit hätten dem Werke von Beth Jacob Unterstützung und Sympathie zugewandt, und obgleich erst eilt Jahrzehnt feit der Gründung vergangen sei, könne man doch schon überall in Europa die Früchte des großen Werkes wahrnehmen. Dajan H i H m ct n tt hob die lebenswichtige Bedeutung der Jefchiwoth hervor, z. B. auch derjenigen des berühmten Chofez Chajim, und Dajan Mendelsohn betonte ebenfalls die Notwendigkeit der echt jüdischen Mädchenerziehuttg. Es sprachen noch die Herren Rabbiner Lanvynski und G i n s b u r g , die Delegierten des Chofez Chajim und Rabbiner Glick als Abgesandter der Nowarodoker Jeschiwo. Die Versammlung wurde mit anfeuernden Worten des Vorsitzenden geschlossen. Ende voriger Woche wurde Rabbi Tobias H 0 r 0 vjtz von dem polnischen Gesandten, Grafen Skirmunt, empfangen. Der Gesandteäußerte sich in sympathischen Worten über die Beth Jacob-Bewegung und sagte dann hinsichtlich der Befürchtungen der orthodoxen Juden wegen der K a l e n d e r r e f 0 r m, er glaube nicht daran, daß die vorgeschlagene Reform mit Blankotagen durchdringe. Die Hauptsache sei, daß die ökonomischen Schwierigkeiten, denen das polnische .Judentum zur Zeit ausgesetzl fei, allmählich eine befriedigende Lösung fänden. Vom Veth Jakob Ferienkursus in Sober b. Nitra (GSR) Der Beth Jakob-Ferienkurs in Sobor bei Nitra wird ^am Montag, den 6. Juli 1931 (21. Tamus 5691) 5 Uhr nachmittags eröffnet. Der Unterricht begingt am Dienstag, den 7. Juli (22. Tamus) 9 Uhr morgens. Mit Rücksicht auf die zahlreich vorliegenden Anmeldungen wird hiermit ausdrücklich darauf verwiesen, daß Plätze nur den Teilnehmerinnen Vorbehalten bleiben, die die Hälfte des Monatsbeitrages bei der Anmeldung eingezahlt haben. Der Rest auf die Gesamtsumme ist beim Eintritt in den Kurs zu erlegen. Die Adresse des Ferienheimes ist: Beth Jakob-Kolonie, Sober bei Nitra, Billa Jucy. Nähere Auskünfte erteilt: Beth Jakob-Zentrale Wien H, Leopoldsgasse 26. Wo stehen wir? Als eine der Grundvoraussetzungen zur Erwerbung der mm wird von unseren Weisen bezeichnet: iaij?a m Taan. Um den Weg des Judentums stets vorwärts schreiten zu können und zu wissen, daß oft vermeintliche Fortschritte aus dem Wege zu Keduscho in Wirklichkeit Rückschritte sind, ist es nötig, daß man von Zeit zu Zeit einmal eine große Abrechnung, einen Cheschbaun Hanefesch abhält. Man muß sich, um das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, nach gewissen Abständen Klarheit darüber verschaffen, wie weit man sich in dem vorangegangenen Zeitabschnitt dem Wirklichen Tauroh-Jdeal genähert. hat.. Die Gesamtheit braucht dies ebenso wie der einzelne. Wie sieht es in dieser Beziehung bei uns jungen Agudisten aus? Man hört häufig, besonders von der älteren Generation, daß ein Aufstieg i festzustellen sei und auch bei uns neigen viele dazu, I unsere religiöse Lage ziemlich optimistisch zu beurteilen. Allen Pessimismus konzentrieren sie vielmehr auf wirtschaftliche und sonstige Gebiete. Gewiß hat das Lernen in den letzten 10 Jahren bei uns einen starken Aufschwung erfahren. Die Zahl der Jungen, die nach Beendigung der Schule eine Jeschiwo besuchen, hat sich verdoppelt und wächst weiter. Die Breuer'sche Jeschiwo in Frankfurt hat in diesem Semester die höchste Zahl von Bachurim seit ihrer Gründung. In der orthodoxen Jugend gewinnt das Lernen immer mehr an Interesse. Schabbos und eraiü o’a> werden trotz größter Opfer streng gehalten. Die Einzelheiten der ivny wie Szucko, Tanyaus, Tefillin und Zizis werden bis ins kleinste genau beachtet. Wo auch nur der geringste Zweifel eines Jffur besteht, enthalten wir uns einer Speise. Das Gebet im Kreise der Gemeinde auch an Wochentagen ist den meisten von uns schon eine Selbstverständlichkeit. Nirgends sonst wird solcher Wert auf jeden Minhag in der Gebetsordnung gelegt wie bei uns. All dies find große Verdienste, die. gewiß der Anerkennung wert sind, aber berechtigen sie uns wirklich zu der Selbstzufriedenheit, die jetzt bei uns vielfach herrscht? Sind wir wirklich schon so vollkommene Jehudim, daß wir keines weiteren Fortschrittes mehr bedürfen? Zwar erfüllen wir die mpab trm pnw niixn sehr genau, aber die rinnV o*m pav nma sind in völlig vernachlässigtem Zustande. Es scheint fast, als ob dieser Teil der Mizwaus für uns gar nicht existiere. Gerade die Pflichten gegenüber unseren Nebenmenschen, die als „Ethik des Judentums" so geachtet waren und deren wir uns vor den Völkern stets rühmten, sind heute das Stiefkind unserer jüdischen Lebensführung geworden. Streit, Haß und snn sind bei uns alltäglich geworden. na'j?i und nTBJ erscheinen uns kaum mehr als Sünde. Seien wir ehrlich: Wer von uns denkt daran, im täglichen Leben seinen Nebenmenschen mar p zu sein, ihn bei jeder Handlung nach der güten Seite zu beurteilen? Strenge Wahrhaftigkeit in Wort und Tat scheint uns eine Utopie. Kränkung unseres Nächsten ist uns selbstverständlich. Wie kam es, daß unter uns die nna'^yn die Menschen, deren edle Charaktereigenschaften nicht neben ihrer Jüdischkeit fast als Fremdkörper bestehen, sondern in der Tauroh verwurzelt liegen, so selten sind? Die Ursache liegt tiefer. Es fehlt bei uns an den Grundlagen der Tauroh selbst. Nicht als ob etwa unser G'ttesglaube rn erschüttert wäre oder wir an der Wahrheit von wann p min zweifelten. Wir sind fest überzeugt, daß eine Offenbarung am Sinai war, in der G'tt uns die Tauroh übergab. Aber diese große Wahrheit ist nicht in der Weise in uns wirksam geworden, wie G'ttes Gesetz es erstrebt. Die Pflicht, sich G'tt in jedem Augenblick zu vergegenwärtigen, 'n ww Tan ’Tu1? und sich bewußt zu sein, daß all unsere Gedanken von dem avi ni^a ]tna geprüft werden, ist bei uns nicht stark genug wirksam. Nur die Mizwaus, die unsere Mitmenschen kontrollieren können, befolgen wir genau; dagegen sind die- Mizwaus, von deren Erfüllung nur G'tt allein weiß, bei uns sehr vernachlässigt. Beim Studium religionsphilosophischer Werke ist es uns über jeden Zweifel erhaben, daß G'tt alle unsere Gedanken kennt und sie wertet Aber diese Erkenntnis ist uns nicht stark genug in Fleisch und Blut übergegangen, um zum alleinigen Wegweiser unserer Handlungen zu werden. Und doch, so groß unsere Fehler auch sein mögen, wir können sie wiedergutmachen. Gerade die Mizwaus, die wir bisher mit so vorbildlicher Genauigkeit und Opfermut erfüllten, sie sind uns eine Gewähr dafür, daß wir uns auch in den Mizwaus, die vor allem vom Gefühl des Menschen abhängen, uns vervollkommnen können, wenn wir den ernsten Willen dazu habem Und der Weg dazu ist ständige, unablässig nach Jüdischkeit strebende Selbstbearbeitung. Wir, die wir noch jung sind, wir können noch unseren Charakter nach unserem Willen einformen. Durch regelmäßiges Studium von Mussarschriften wie n^oa T»an mua oder Hirschs „Chaurew" und der Werke des eptt pan können wir allmählich zu Selbsterkenntnis und Selbstprüfung gelangen, die Voraussetzung zur richtigen Erfüllung der marft um pat? nnxa sind. Vergessen wir nicht, daß mehr als die Arbeit in Organisationen — die gewiß Arbeit an der Gesamtheit für die Gesamtheit ist — die Arb e r tansichselb st f ü r d e n K l a l I i s r 0 e .l wirkt. Wenn wir erkennen, daß j e d e unserer Tat e n nicht nur für unsere eigene Persönlichkeit, sondern f ü.r das Schicksal von ganz Jisroel ent» s ch e td e n d ist, wenn wir jedert Tag unseren Entschluß zum Fortschritt für den kommenden Tag erneuern, stets über uns selbst wachen und nicht gedankenlos in den Tag hineinleben, jeden TagmiteinerehrlichenAbrechnung

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