Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1931)
- Date
- 1931-06-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 25 Der Israelit 18. Juni 1931 fuchung des Buches Mischpotim in seinem vollalten Hetiter und Hammurabi die Schändung des ständigen Zusammenhang.! Menschenleibes in ausgiebiger Weise echt barba- Es ergeht ihm dabei so. wie es den Erklärer«. M handhaben die eigentliche Talion im g ni eder Tempelvision des Propheten Jecheskel er-;§.^^^omlschen Altertum als Strafe für gangen ist. Viele Forscher hatten sich ohne fach-j Körperverletzung rhre Quelle hatte so daß in der liches Verständnis eines Bauplanes an die Ka-: peii Entstehung des ®^-rtftcntums der Tapitel 40—45 des Ezechiel gemacht und waren zu!^n6edanle m seiner grobstnnlichen Form das dem Resultat gekommen, daß es sich hier um.ein'^^'^b senken der Zeit beherrschte. Aus diereines Phantasiegebilde handle, das baulich nie em Gedanken heraus haben PHNo> und Joverwirklicht werden könne. Bis einmal ein archis e p h u s, um die Thora dem Modegefchtnack tektonisch Geschulter diese dunklen Verse vornahm?! e. °. 1.°11a P 0 0 " und zu seinem Erstaunen erkannte, daß hier ein d " Bibel hineinrnterpretrar . Diein allen seinen Einzelheiten vollkommen genau! F^pplerende Resultat verdient ganz besonders durchdachter, in Maß und Zahl vom Kleinsten' 0?ie r mu^ en FF P°*e= bis zum Größten beschriebener Bau dargestellt ist. \mi^ ^m jüdischen .^^eralismus gegenüber uns Das Lexikon allein genügte hier nicht. Man muß-Ehren, daß man nicht nach Phllo und Josephus Baupläne lesen können, wenn man diese Vision? »Va5iensn kann, daß sie kerne authentischen Znbeurteilen will. In der gleichen Weise kamenj^rprctcn besiÄtum« und ihre Auffassungen auch über Mischpotim manche Fehlurteile zu->^ voll Subjektivität und Irrtum sind. Nun stände. Auch hier reichen die einfachen Methoden I aurd es hrer an einem klassischen Veispiel uns der Philologie nicht aus. Mit den Augen bes! HPJ ö^ahrt, daß Deutungen dreser beiden juristischen Systematikers muß das Buch gelesen Schriftsteller, so hervorragend sie sonst sern mowerden. Der Jurist muß dem Philologen, der Philologe dem Juristen zu Hilfe kommen. Das ist nun bei B. Jacob der Fall. Er gibt eine Analyse d^es Buches, die geradezu bewundernswürdig ist. Jede Einzelheit des Textes wird bedeutsam, gen, vollkommen irrig sind, daß sie besonders in den Fragen, denen eine praktische Bedeutung in ihrer Zeit nicht mehr zukam, völlig die Wahrheit verfehlen können. Aber aus ihnen schöpften die Kirchenväter, oft als ihrer einzigen Quelle, und die Wahl der Person, der Verbform, jeder ein-! f °. 03 Jf r e a 5 1 F e. * tel alt e r zelne Ausdruck bekommt seine terminologische Fl u r F*e,5. a lf?..n unter ^eyUs Fixierung. Sie Architektonik des Ganzen tritt^ng darauf daß die Korperverstummelung eme leuchtend hervor, jeder Vers kann nur in Ver- °°n tt und der Bibel gewollte Einrichtung je,. bindung mit dem Gesamtgedankengang begriffen ^^^"Lu-°A°m"Erb7de- MA-la!ter"°ging .. , or t . .r, . _ .* u!die falsche Vorstellung in die Neuzeit über, die Schon diese Analyse ist em Triumph gegen-i sie ^'fe als Waffe gegen die jüdische Bibel und' ^"rodeuren der Kritl-k , me ®roefe; ®rabmeffer für den sittlichen Stand des alten die Wellhausenianer nennt, die, wie überall, auch st 'jts benuüt - hier die Verse vertauschten, die Sätze verstüm-; ö *! Elten um das Ganze in das Prokrustesbett ihrer j Von dieser Grundlage aus kommt dann Ja-! Hypothesen hmemzuzwangen. Aus dieser Analyse j fob einer Analyse der Bergpredigt, die er einer ergeben sich dann Zwölf von einander unabhan-! eingehenden Kritik unterwirft. Er erblickt in ihr glge, durchschlagende Beweise gegen die Talwn-; ein mißlungenes Seitenstück zum Dekalog und! 3k?lC mUn»{-W^ave I hebt ihre verfehlten Formulierungen, ihre falenntms datz we Bibel jede Berstummelung des qjj die Jrrtümer ihrer Antithesen menschlichen Körpers als Mittel Mridi cher Ver- -^or Er beweist, daß selbst die Exegeten des geltung verabscheut wie ste überhaupt öie‘ ^eis bleuen Testaments in peinlicher Verlegenheit geligkeit und Unantastbarkert des tm G ttes Ebeng^nüber all diesen Schwierigkeiten sind. Jakob,,?lÄ^^lfenen Menschen zum obersten allum- ■ ^jgt auf der anderen Seite, daß es ganz un - fassendsten Grundsatz erhebt. ^Möglich ist, in ihr eine Polemik g e - Hatte in diesem ersten Teile seiner Arbeit der 'gen die Schristge lehrten zu sehen Jurist und Philologe uns feine Ueberlegenheit; oder gegen die jüdische Moral, sondern der Satz bewiesen, so ergreift jetzt der R e chts hi sto r i- : „Auge um Auge" und alle Konsequenzen, die ker das Wort, um die ganze Geschichte der Ver-Mus ihm gezogen werden, sind nur ein Prostümmelungs-Strafen im altorientalischen Rechte, ft e st gegen die heidnische Vulgärder antiken Justiz und im christlichen Mittelalter moral, die auch in jüdischen Köpfen, wie in uns vor Augen zu führen. Da ergibt sich das denen des Philo und Josephus, spukte. Er baut überraschende Resultat, daß wenn auch schon die damit der neutestamentlichen Exegese eine Brücke. Sie braucht fürder nicht die Antwort schuldig zu bleiben, wenn man sie fragt: steht im Alten Testament: deinen Feind sollst du hassen? Oder wenn man ihr mit absoluten Beweisen die Tatsache vorhält, daß nicht erst das Christentum den sündigen Blick gegen das fremde Weib als Ehebruch oder die Verkehrtheit einer auf die bloße Talion gebaute Gesellschaftsordnung gelehrt habe. Denn es ist ein falscher Schein, als ob sich diese Predigt gegen das Judentum richte; die sie! verkündeten, und die, an die sie sich wandten,! waren eben keine Thoragelehrten.; Wir erleben hier eben dasselbe, was man tauj send fach in der Gegenwart erlebt, daß Juden ge-! gen das Judentum polemisieren und Forderungen .aufstellen, die längst im Judentum verwirklicht! sind. Die Kritik, die sie üben, ist eben nur aus Unkenntnis geboren.! Noch einen wichtigen Abschnitt bringt B. Jakobs Arbeit; einen umfassenden Ueberblick über die Lehre der Vergeltung in Bibel und Midrasch, über die Unterschiede zwischen g'ttlicher und menschlicher Vergeltung . und den echten Sinn des Satzes: middoh keneged middoh, „Maß um Maß". Auch hier waltet niemals eine mechanische Gleichheit, sondern eine höhere Harmonie, ein höherer Zusammenhang zwischen der Tat und ihren Folgen. Aber aus dieser Gewißheit eines providentiellen Ausgleichs, die unsere Ueberzeugung von der Gerechtigkeit der g'ttlichen Weltenlenkung ausspricht, darf niemals eine Richtschnur für die juridische Praxis und für den Ausgleich zwischen Mensch und Nebenmenschen werden. Als schönstes Beispiel wird das Ende der Josephsgeschichte anzusprechen fein, wo die Brüder nach dem Tode des Vaters Joseph sich zu Sklaven anbieten als Talion dafür, daß sie Joseph als Sklaven verkauft; dieser aber erwidert; „Bin ich denn an G'ttes Stelle, der allein die Maßentsprechung seiner Weltregierung zugrunde legen kann? Er aber hat euren Plan, den ihr zum Bösen gemeint, zum Guten gewandelt, und es mir schon deshalb unmöglich gemacht, eure Absicht statt eures wirklichen Tuns zur Grundlage einer Rechtsauseinandersetzung zu machen." Dieses Beispiel zeigt auch, wie von den Urzeiten an im Judentum genau unterschieden wird — um auf den Anfang unseres Aufsatzes zurückzukommen — was A, der Schädiger, und B, der Geschädigte, zu tun habe. Die Brüder, in diesem Fall diejenigen, die den Schaden angestiftet, sie wollen zu ihrer Sühnung dasselbe Unheil auj sich nehmen, das sie dem Bruder zu bereiten sich Nicht gescheut hatten. Joseph als der B weist es weit von sich, „Auge um Auge" zu fordern und zeigt, wie unmöglich es ist, für den Menschen ausgleichende Rechtsforderungen zu stellen. Anmerkungen zu den Wochenabschnilten. Zur Erklärung (Nr. 23 des Jsr.), daß der Ausdruck ,i8irr ^rri auf den eigenen Verfall sich beziehe, sei ergänzungsweise darauf hingewiesen, daß nach 'iso und a»,>« d'p gerade auch in diesem eine Textverschönerung nach der sinaitischen Regel von o'iso Tit>y sestgestellt ist. Es sollte tatsächlich 005-12 und nicht 'vs->2 heißen, weil damit nur das Unglück des Volkes gemeint sei, oder wie '"an zur Stelle sich ausdrückt: yipm mim D-nsio nipn» inrr mi pwV „Hier ist eine der Stellen in der Thora, die in der persönlichen Form sprachlich verbessert sind." Allerdings darf man nicht unter der Bezeichnung ll'-imv ppn oder in bie\em Zusammenhangs etwa ein willkürliche Textänderung oder Textoerschönerung vorstellen, sondern wie im o'von vibp zur Stelle ausdrücklich hinzugefügt wird: irapn ms -ja qnama yn ims yma» d’ibd parnava wisiv yna b'”\ ]pnV minn anaeo rwnb „So hat der Heilige, gelobt sei Er, Mosche befohlen, als er die Thora schrieb, den Ausdruck fo ('fljria statt Dmna) zu verbessern."Der wirkliche Sinn des Wortes (wi5-,a) ist jedoch in der mündlichen Überlieferung von v'-isio nv5 — in der höheren Kategorie als n®»‘> — festgelegt. In der Spezialfugfa 3*5» wird dieses überaus wichtige Thema sehr eingehend behandelt, rnvr,wisiv rripv »ruia» rmzb naVn ,p'-ix> sVi pma *pma «i>i p'->? /nnsto. Der Begriff „sinaitische Überlieferung" bezieht sich in diesem Zusammenhang nicht auf den schriftlichen Wortlaut, wie im riwvri rrrm die Tradition von D-naio -no» eine Kommentierung findet, sondern aus die mündliche» im Schriftwort nicht enthaltene, Ergänzung. Das Schriftwort selbst, ob es sich um np rr^i ama oder um ama sin ■np, um d’-ibio mp» oder um wirnv t>ü5 handelt, ist immer als Diktat des höchsten Gesetzgebers — nvm ->»irr mapn (mm» trs?) amai — anzusprechen. Der Begriff 'r'3» nv»^ na^n bezieht sich demnach nur auf Lesart oder Sinn, di^ im schriftlichen Text nicht enthalten ist. Cs ist sehr bezeichnend, wenn '"En zur Stelle in v'-irn es für nötig findet, den Charakter von 'J'd» rwnb m^n mit der Hinzufügung y&npaa", daß diese Stellen so oder so zu lesen sind, zu präzisieren. Allenfalls steht feste daß traditionsmäßig dem Sinne nach nicht ’njna sondern cmsia, das Unheil des Volkes fei (so auch der mm von nach ’iso und o"v), wenn auch manche Kommentare das 'wa wörtlich nehmen, um vielleicht auf die Tradition von cnma ypn nicht angewiesen zu sein, inisj» in seinem Kommentar gleicht diese Verschiedenheit aus, durch folgende Übersetzung (dem Sinne nach): „daß ich nicht das durch mich verschuldete Unglück dieses Volkes erlebe." Rabbiner I. Horovicz Noch einmal 1^72 *1*70* Zu der Diskussion über die Frage, warum der no nicht o'i5i» oder nnjna Ijeifat, erlaube iö) mir zu bemerken, daß die Frage schon in der ma-o^ »'van rna»vi> nmpn von 'imrn /-i pan, dem Frankfurter an, aufgeworfen ist. Er gibt folgende Antwort: „Der "N3 zu rim 's bemerkt zu dem Vers: aiv n» vwa nan vb ms»a imxb nrmv „Für alles gibt es eine bestimmte Zeit": es wäre unpassend, in einem Trauerhause Gesänge anzustimmen, oder bei einer Hochzeit Klagelieder. Ebenso unpassend wäre es, wenn jemand sich am nos mit naiv und rnao mit ms» erfreuen würde. Deswegen heißt es 151»' in der Einzahl, weil jeder 151» für sich behandelt sein soll, imn nai. nosa nos maVn usrv. Der uv heißt i5i»» nach i»5, bekanntlich wird die zweite Frage a",iis>a sein: nmnV dw 7157p» ob man für j e d en 151» sich lernend gerüstet hat. Nicht 715. sondern ornp- Rabbiner M. Iakobovits, Köln Die von Herrn Rabb. Dr. H. Gescheit ausgesprochene Auffassung, die zweite Mischna-Ordnung verdanke ihren Namen dem Traktat ]op 151», findet vielleicht eine Stütze in der Tatsache, daß sowohl der Talmud Jeruschalmi wie die reproduzierten Mischna-Codices Georg Beer (Haag 1929 „Mifchna-Codex" Kaufmann) und von W. H. Lowe („The Mischna, on whieh ihe Palestinian Talmud rests . . . Cambridge 1883) den Traktat pap 1510 nach na an als letzten Traktat von n 51» m 0 enthalten. Damit würde das wenig einleuchtende Argument, eine Mischna-Ordnung verdanke ihren Namen einem vorletzten Traktat, überflüssig werden. Gegen die ganze Konstruktion dürfte aber sprechen, daß der Traktat n?i» ]»p auch den älteren Namen j'pff» Tiaob führt. Hingewiesen sei auf E. B a n e t h, der in seinem Kommentar (Enily S. VIII und a. S 168) die Vermutung ausspricht, die Einzahl 151» sei darum gewählt, weil man mit 7,1151» inv die Lehre vom Kalender bezeichete. Die offenbleibende Frage, warum nun nicht »>n5i» gewährt wurde, dürste ihrer Lösung nähergebracht werden, wenn wir uns vergenwärtigen, daß in der Sprache der Mischna die Form B'iyi» so gut wie ungebräuchlich ist. Eine Ausnahme bildet die Stelle in Pesachim, X, 6 ns"*' i"ai a'n5ini>. Da es sich hier um einen liturgischen Text handelt, der auch in unserer Pesach-Hagada erscheint.