Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1931-06-11 · Heft 24 (11.6.1931) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 24 (11.6.1931)
Date
1931-06-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2450652-2450676--77988-2535649
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 6 Nr. 24 Commissioner wird zur Errichtung dieser zentralisierten Kontrolle das volle Recht haben, alle notwendigen Schritte zu tun, um di.e Rechte der Pächter und Okkupanten einschließlich der Rechte der Squatter (mehrjährige unrechtmäßige Okkupanten) in Palästina zu schützen. Holland. Dir Wirkung deutscher Schächtverbote in Holland. Amsterdam, 9. Juni. Die in Bayern und Thüringen bestehenden Schächtverbote, denen sich jetzt, wie man hört, ein ' weiteres in Braunschweig anschließen soll, haben in den jüdischen Kreisen Hollands starke Beunruhigung hervorgerusen. Man erblickt in diesen Dingen Symptome eines immer weiter um sich greifenden Antisemitismus und es wird von einflußreichen Seiten dafür agitiert, daß unter diesen Umständen die holländischen Juden am besten täten, ihre traditionellen Sommerreisen nach den in Betracht kommenden Kurplätzen aufzugeben. Es ist in der Tat gerade für holländische Juden, die ohne Unterschied des religiösen Standpunktes ein stark entwickeltes jüdisches Selbstgefühl besitzen, ein unerträglicher Gedanke, sich an Orten auszuhalten, in denen man über die Achsel angesehen wird und in dener^sich die antijüdische Stimmung sogar bis zu gesetzlichen' Maßnahmen verdichtet. Bedauerlich ist natürlich, daß unter den Folgen dieser Entwicklung auch die jüdischen Einwohner der in Betracht kommenden Plätze, wie Kissingen, Oberhof, Harzburg usw. zu leiden haben. Es wird aber schwer sein, diesen unerwünschten Nebenwirkungen aus dem Wege zu gehen. Palästina. Veröffentlichung des Urteils der klagemauer- Kommission des Völkerbundes. Jerusalem, 7. Juni. (Telegramm.) Das Urteil der Klagemauerkommission des Völkerbundes, dessen Veröffentlichung von der Regierung bekanntlich seit Monaten aus politischen Gründen zurückgehalten ist, wurde heute den interessierten jüdischen Organisationen, auch der Agudas Jisroel-Zentrale in Jerusalem, offiziell übermittelt. Das Urteil besagt, daß die Klagemauer an sich Eigentum der Mohammedaner ist, während den Juden das Recht zusteht, jederzeit freien Zutritt zur Klagemauer, zwecks Verrichtung von Gebeten, zu haben. * * * Der ITA. wird ferner aus London berichtet: Am Montag, den 8. Juni, morgens, wurde der 75 Seiten starke Bericht der auf Verlangen des Völkerbundes von der britischen Regierung eingesetzten Klagemauerkomm i s s i o n veröffentlicht. In dem Bericht wird das Eigentumsrecht der Moslems an der Klagemauer anerkannt. Den Juden wird es gestattet sein, an bestimmten Feiertagen Thorarollen zur Klagemauer zu bringen Und eine Thoralade dbrt aufzustellen, dagegen wird das Schosar-Blasen nicht zugelassen. Den Moslems wird die Abhaltung von G'ttesdiensten in der der Klagemauer unmittelbar benachbarten Zikr-Moschee während der jüdischen Gebetstunden untersagt. Wiederherstellungsarbeiten; an der Mauer sind von den Moslems oder, falls diese dies verabsäumen, von der Palästina-Regierung durchzuführen. Den Moslems wird es untersagt, bauliche Veränderungen innerhalb des Haram-Vezirks, durch die die Juden am freien Zugang zur Klagemauer behindert werden könnten, vorzunehmen. Das Verbot der Aufstellung von Bänken, Stühlen und Wandschirmen an der Klagemauer bleibt weiterhin in Kraft. Besuch einer Agudas Iisroel-Delegalion bei Emir Abdulla. Jerusalem, 9. Juni. (Telegramm.) Eine Abordnung der Agudas Jisroel wurde heute von Emir Abdulla, der zur Beerdigung seines Vaters, König Hussein, in Jerusalem weilt, empfangen. Der Kampf für den Sabbat in Lrez Jisroel. Jerusalem, 3. Juni. Wie bereits telegraphisch gemeldet, ist es am letzten Sabbat durch eine gewaltige Kraftanstrengung der orthodoxen Judenheit in Jerusalem gelungen, das Fußballspiel des Makkabi zu verhindern. Der I 's r a e I i t Als am Feitag morgen bekannt, wurde, daß der Makkabi wieder spielen wolle, geriet die ganze Stadt in fieberhafte Aufregung. Sofort wurden Bekanntmachungen angeschlagen, daß in sämtlichen Jerusalemer Synagogen am. morgigen Tag yor der Thoravorlesung Ansprachen der Rabbinen gegen das,,Fußballsstiel gehalten werden würden. Die Zeirim gingen von Synagoge zu Synagoge, um zur Ausführung der Beschlüsse anzuregen und am Sabbat Morgen wurden in gleicher Weise auch die sefardischen Bethäuser informiert. Die rabbinischen Ansprachen in den Synagogen machten einen gewaltigen Eindruck; in vielen Betstätten brachen die Hörer in Tränen aus. In der ganzen Stadt bildete die Herausforderung des Makkabi gegen die jüdische Bevölkerung der heiligen Stadt das allgemeine Tagesgespräch. Am Nachmittag wurden Minchagebet und dritte Sabbatmahlzeit vorverlegt und aus allen Stadtteilen strömten Tausende von Menschen, jung und alt, zum Spielfeld, um sich an der Protestkundgebung -gegen die Sabbat- Entweihung zu beteiligen. Das Spielfeld war ringsherum von englischen, jüdischen und arabischen Polizeibeamten zu Fuß und zu Pferd umstellt, was nicht verhinderte, daß im Laufe von zwei Stunden sich ungefähr 5000 Juden in dichten "Massen angesammelt hatten. 'Als her Makkabi die Situation erkannte, sagte er das Spiel ab, und als Einzelne dennoch spielen wollten, untersagte ihnen die Polizei den Zutritt zum Spielfeld. Es ist schwer, die Freude zu beschreiben, die in orthodoxen Kreisen infolge dieses kaum erwarteten Sieges über die Sabbatschändung herrschte. Es gilt, weiter auf der Wacht zu stehen, denn es ist kaum anzunehmen, daß der Makkabi sich dauernd der öffentlichen Meinung unterwerfen wird. Inzwischen haben zahlreiche Stadtteile von Jerusalem an die Polizei den Antrag gerichtet, die sabbatlichen Fußballspiele, da sie die Empfindungen der großen Mehrheit der Bevölkerung aufs gröblichste verletzen, dauernd polizeilich zu verbieten. Große Erregung wegen der öffentlichen Sabbatentweihung in Jerusalem. Jerusalem,?.. Juni. (Telegramm.) Zum gestrigen Sabbat hatte der zionistische Makkabi entgegen allen Erwartungen wiederum einen öffentlichen Fußballwettbewerb angesetzt, wobei eine armenisch-christliche Spielergruppe mit der Makkabi-Mannschaft in Wettbewerb treten sollte. Auf Intervention von Rabbiner Sonnenfeld verzichtete die armenischchristliche Spielerkompanie mit Rücksicht auf den Sabbat auf die Teilnahme, der Makkabi veranstaltete das Spiel dennoch. Als das Spiel beginnen sollte, war eine V o l k s m a s s e von etwa 10 000 orthodoxen Juden am Spielplatz versammelt, die entschlossen schienen, das Spiel zu verhindern. Die Polizei mußte eingreisen, wobei es z a h l r e i ch e V ejrwu nd e he und, eine große Reihe v o n>> V arch aftu n g e n gab. Die Erregung der Bevölkerung ist außerordentlich groß.! , MeWko. 1 Ruhiger Verlauf der Massendemonstration der Kleinhändler in Mexiko. Mexico City, 2. Juni. Die große judenfeindliche Massendemonstration mexikanischer Kleinhändler am 1. Juni ist bis auf kleine Zwischenfälle ruhig verlaufen. Schon frühmorgens begannen sich Tausende von Teilnehmern an der Demonstration vor dem Gebäude des Konsulats der Vereinigten Staaten zu sammeln. Der Demonstrationszug, in dem mehrere Musikkapellen eingeteilt: waren und zahlreiche Fahnen mitgeführt wurden, bewegte sich langsam durch die inneren Stadtteile zum Nationalpalast, wo er vom Präsidenten der mexikanischen Repüblik Ortiz Rubio und den Ministern erwartet wurde. Nur wenige der im Zuge mitgeführten Tafeln und Transparente trugen ausgesprochen juden- .'erndliche Losungen. Die Aufschriften Awaren im allgemeinen gegen die Konkurrenz der ausländischen Kaufleute gerichtet. In Regierungskreisen hat es' tiefen Eindruck gemacht, daß die ausländischen Geschäftshäuser säst durchwegs geschloffen waren. Kleinere Gruppen von Demonstranten versuchten, die Schließung der Niederlassungen einiger britischer Geschäftshäuser, die dem Beipiel der übrigen ausländischen Geschäftshäuser nicht ge- _ 1931 folgt waren, zu erzwingen, wurdey jssdoch von der Polizei rasch zerstreut: . ’j j Die Behörden hatten außerordentliche Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung getroffen. Die Stadt glich einem Heerlager. Ungeheure Mengen von Polizei zu Fuß und Pferd stunden, mit Karabinern bewaffnet, in verschiedenen Teilen der Stadt in Bereitschaft. ‘ Aenderung der Haltung dex mexikanischen Regierung gegenüber den Juden als Erfolg der polnischen Intervention? Mexico City, 2. Juni. In der Haltung der mexikanischen Regierungskreise gegenüber den Juden scheint ein Umschwung eingetreten zu Zein. Wie der JTA-Vertreter in Mexico erfährt, setzt sich nunmehr Präsident Rubio für den Plan der Errichtung eines kooperativen Vazarladens für die vertriebenen jüdischen Markthändler ein. Die führenden Zeitungen haben die ^antisemitische Propaganda eingestellt. Wie der polnisch^ Geschäftsträger Merdinger dem JTA-Vertreter mitteilt, ist dies auf eine auf Grund der Intervention des polnischen Geschäftsträgers erteilte Weisung der mexikanischen Regierung zurückzuführen. Der polnische Geschäftsträger hatte auch die Möglichkeit eines gemeinsamen Schrittes des diplomatischen Korps gegen die Zulassung der antijüdischen Massendemonstration am 1. Juni in Erwägung gezogen, ist jedoch von seinem Plan im Hinblick darauf, daß die Kundgebung offiziell keinen antisemitischen, sondern einen allgemein fremdenfeindlichen Charakter tragen soll, sowie wegen der reservierten Haltung der übrigen Diplomaten von seinem Plane abgekommen. Personalien. Ralmann Rittmeister Warschau, 8. Juni. Einer unserer Besten ist mit S. G. Rittmeister von uns gegangen. Er stammte aus Suwalki und kam in jungen Jahren mit Thorakenntnis und als Fachmann im Zuschneidergewerbe nach Warschau. Lange Jahre wirkte er als Fachlehrer in der „Ort-Schule" und gründete später eine eigene Fachschule für Zuschneider, die 'ich großer Popularität erfreute. Seine Liebe zur Thora und zum jüdischen Menschen war grenzenlos. In allen religiösen und Wohlsahrtsinftitutionen hatte er seinen ersten Platz. Er war die Seele der „Poale Agudas Jisroel", wie er überhaupt die größten Hoffnungen auf die Aguda setzte. Sein Haus war der Sammelplatz für die gesetzestreue Arbeiterschaft. Die Liebe und das Vertrauen der Freunde entsandten ihn als Ratmann und Pcrrnes in die Kehillostube, wo er stets die Interessen der Schwachen, besonders auch der gesetzestreuen Arbeiter wahrte. An der Bestattung nahmen Tausende teil. Viele Hespedim wurden gehalten. Der Generalsekretär der „Poale Agudas Jisroel", Herr I. L. O r l e a n, schilderte in einer großangelegten Gedächtnisrede den Charakter und die Verdienste des Heimgegangenen. n-asan- , Sprechsaal. Ein unverständlicher Brauch. Von geschätzter Seite wird uns geschrieben: In einer größeren Landgemeinde Kurhessens fallen dem Besucher auf dem jüdischen Friedhof zwei ältere Gräber auf, die, getrennt von einander, ganz abseits, außer der Reihe stehen. Auf die Frage nach dem Grunde dieser Isolierung, erfährt man, daß es sich um hochgeachtete fromme Frauen handelt, die im Wochenbett gestorben sind, und es sei alter Brauch in der Gemeinde, solchen ein Grab abseits, außer der Reihe anzuweisen. Dieser Brauch, der durch keine Vorschrift gerechtfertigt und nirgendwo sonst bekannt ist, sollte um so mehr als .Unsitte abgeschafft werden, als Nachkommen und Verwandte tatsächlich diese Absonderung als Entehrung der Abgeschiedenen empfinden. Nicht jeder Besucher kennt den absonderlichen Brauch und kommt dann auf andere Gedanken. Es wäre für das zuständige Rabbinat und den Vorstand ein leichtes, durch Weiterbenutzung der angefangenen Reihen das Uebel abzustellen, was ebenso ein Gebot der Pietät wäre wie der Rücksichtnahme auf die Empfindungen der Nachkommen. N. N. Vermischtes. Berlin, 8. Juni. Der Stellennachweis des B. I. A. (Rechtsanwalt'Dr. Artur Katz, Berlin C. 54, Rosenthalertraße 43) hat eine Assistenzarztstelle in Frankfurt a. M. zu besetzen und weist aus eine vorteilhafte Niedexlassungsmöglichkeit für einen Arzt an einem mitteldeutschen Badeort hin.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.