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Der Israelit · 1931-06-11 · Heft 24 (11.6.1931) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 24 (11.6.1931)
Date
1931-06-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 24 Der Israelit 11. Juni 1931 verheirateten jüdischen Inspektors und eines verheirateten jüdischen Obergärtners 25 jüdische Landwirte und Gärtner im besten Einvernehmen mit den christlichen Arbeitern, die beim Kauf des Gutes mit übernommen wurden. Acht Gärner, die noch in diesem Jahre zur Ansiedlung kommen, arbeiten an dem Ausbau ihrer Existenz, sie sehen ihrer Hände Arbeit wachsen, sie schaffen und wirken in dem Bewußtsein, nicht nur einen Beruf zu haben, sondern auch zu den wenigen Glücklichen zu gehören, die zu eigener Existenz, eigenem Haus und eigener Scholle gelangen werden. (Wie steht es mit dem Sabbat in der ersten jüdischen Siedlung? D. Red.). Parteitag der deutschen Sozialdemokratie für Aeberwindung des Faschismus. Leipzig, 3. Juni. In den Beschlüssen des Leipziger Parteitages der deutschen Sozialdemokratie kam der entschlossene Wille zur Ueberwindung der deutschen Abart des Faschismus, des Nationalsozialismus, zum Ausdruck. In seiner großen Rede über die Gefahr des Faschismus befaßte sich Abg. Rudolf B r e i t s ch e i d auch mit dem antisemitischen Programm der Hitlerpartei. „Nach der Wahl am 14. September," führte Breitscheid aus, „haben nicht allein die Deutschnationalen, sondern auch die Deutsche Volkspartei und ein Teil des Zentrums den Nationalsozialisten Brücken gebaut. Diese aber stellten in ihrem Uebermut zunächst Forderungen, die von den Verhandlungspartnern nicht erfüllt werden konnten. So war der Plan, eine bürgerliche Koalitionsregierung mit den Nationalsozialisten zu bilden, zunächst gescheitert. Alle Beziehungen zwischen Deutschland und dem Ausland werden von den Nationalsozialisten auf die verhängnisvollen Einflüsse des Judentums zurückgeführt,- mit dem Antisemitismus haben die Nationalsozialisten ein neues Lockmittel für die unter dem Bankkapital und dem hohen Zinsfuß seufzenden Angehörigen des Mittelstandes. Immer wieder müsse versucht werden, dem Volk das wahre Gesicht des Nationalsozialismus zu zeigen. Auf die Dauer kann der Faschismus in Deutschland nicht triumphieren." Verein der Freunde der jüdischen Volksschule. München, 4. Juni. Am 1. Juni konstituierte sich hier der „Verein der Freunde der jüdischen Volksschule". Sein Ziel bildet die ideelle und materielle Förderung dieser für die Gesamtentwicklung der Gemeinde so außerordentlich wichtigen Institution. Diese ist vom Vereine „Ohel Jakob" begründet und wird von ihm unter großen Opfern unterhalten. Die Schule hat deshalb mit pekuniären Schwierigkeiten zu kämpfen, weil die Israelitische Kultusgemeinde München ihr eine ausreichende und vor allem regelmäßige finanzielle Unterstützung bisher verweigert hat. Da die Schule aber von Kindern aus allen Kreisen der Gememdeangehörrgen mit ausgezeichnetem Erfolge besucht wird, ist wohl zu hoffen, daß auch die führenden und verantwortlichen Persönlichkeiten der Gemeinde der so segensreichen jüdischen Volksschule ihre baldige und nachhaltige Förderung zuwenden werden. Schweiz. Empfang des „Jüdischen Komitees gegen die Kalenderreform" beim Völkerbund. Genf, 9. Juni. Das unlängst rekonstituierte „Jüdische Komitee gegen die Kalenderreform", dem Vertreter der verschiedenen interessierten Organisationen angehören, wurde heute auf seinen Antrag von dem zu einer vorbereitenden Sitzung zusammengetretenen „ K omitee für Transit und Verkehr" des Völkerbundes empfangen. In den Händen dieses letzteren Komitees liegt bekanntlich die ganze Frage der Kalenderreform, und es ist der Hauptzweck der Sitzung, die von den Studien-Komitees in den verschiedenen Ländern eingegangenen Materialien zu prüfen und eine Plenarsitzung des Komitees für den Oktober vorzubereiten. Anwesend waren von dem „Jüdischen Komitee gegen die Kalenderreform" Grand-Rabbin L e v i -Paris, Chief- Rabbi Dr. Hertz -London, Rabbiner Dr. H y a m s o n- Newyork, Oberrabbiner Dr. L e w e n st e i n - Zürich, Rabbiner Dr. Pinchas Kohn - Wien (der Oberrabbiner Fürst vertrat) und Mr. Ritsch vom Joint-Foreign- Committee in London. Sämtliche rabbinischen Mitglieder des Komitees ergriffen das Wort, um die einheitlich ablehnende Stellungnahme der gesamten Judenheit gegenüber den Blankotag-Projekten darzulegen. Rabbiner Dr. Kohn führte etwa folgendes aus: „Namens und im Aufträge des Rabbinischen Rates der Agudas Jisroel gestatte ich mir, den Darstellungen meiner Freunde einige kurze Worte anzusügen. Unsere Organisation hat ihren Schwerpunkt im Osten, dort, wo die großen Massensiedlungen sich befinden, die in ihrem weitaus größten Teil treu und opferbereit zu ihrer Religion stehen. Diese etwa 6 Millionen Menschen wurden durch die Ereignisse der 'jüngsten 20 Jahre in sprunghafter Entwicklung in den westeuropäischen Kulturkreis hineingedrängt. Ist es schon an und für sich kulturgeschichtlich bedauerlich, daß dieser Uebergang mit unerhörten wirtschaftlichen Problemen verknüptf ist, so würde die Einführung eines Blankotages diese Situation bis ins Unerträgliche verschlimmern. Wir verkennen gewiß nicht, daß in dem Streben der Kalenderreform ein gewaltiger geschichtlicher Zug liegt, denn von jeher suchten die Menschen den Ablauf ihres Lebens mit dem Kreislauf der Gestirne zu harmonisieren und die unendlichen Weiten der Sternenwelt zur Endlichkeit des Menschendaseins in Beziehung zu bringen. Allein es ist ebenso Kulturgut der Menschheit geworden, daß es in dieser Bestrebungen Flucht einen festen Punkt gibt: das ist die Siebentage-Woche. Sie ist es, die das Alltagsleben, manchem vielleicht unbewußt, mit der uralten und dem größeren Teil der Kulturmenschheit heiligen Tradition verbindet. Wenn deshalb auch mit dem Blankotag nicht die furchtbarsten wirtschaftlichen Gefahren für die Bewahrer des Sabbats verknüpft wären, wir müßten dennoch gegen jede Aenderung der Siebentage-Woche ankämpfen in der Ueberzeugung, daß es nicht nur wirtschaftliche Momente sind, von denen der Aufstieg der Menschheit bedingt ist. Es sei mir gestattet, noch auf ein weiteres Moment hinzuweisen. Die erhabene Aufgabe des Völkerbundes, man kann sagen die religiöse Beinhaltung seines Wollens, ist die Tendenz, jedwede Kluft, die sich zwischen Menschen austut, zu mildern und zu nivellieren. Durch die Aufhebung der Siebentage-Woche und die dadurch bedingte Wanderung des jüdischen Sabbats würde aber eine neue Differenzierung erzeugt und die an und für sich genügend komplizierte Judenfrage noch mehr verschärft. So glauben wir denn bei aller Anerkennung des kulturgeschichtlichen Hintergrundes der Kalenderreform-Bestrebungen doch für die Befriedung der Menschheit zu arbeiten, wenn wir gegen die Blankotag-Bestrebungen namens der ältesten monotheistischen Religion austreten. Aber wir betrachten es dankerfüllt als eine erfreuliche Erscheinung, daß dieses Ihr Komitee, das doch eigentlich von rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten aus arbeitet, dennoch diesen Vorstellungen der religiösen Welt mit sittlichem Ernst Gehör schenkt. Das ist ein Dienst an dem Frieden der Menschheit." Der Vorsitzende dankte dem Redner für die freundlichen Worte, die er in seinen Ausführungen dem Komitee selbst gewidmet habe. Weiterer Bericht über die Ansprachen der anderen Herren folgt. Oesterreich. Studienfahrt zu den jüdischen Kulturstätten des Ostens. Wien, 8. Juni. Die Keren Hathora-Zentrale veranstaltet in der Zeit vom 25. Juli bis 10. August eine Gesell- Ichaftsfahrt — hauptsächlich bestimmt für Rabbiner, Lehrer und Keren Hathora-Freunde — zu den b e - rühmten jüdischen Kulturstätten des Ostens. Die Fahrt beginnt in Wien, geht über Bratislava, Hunsdorf, Rabka, Krakau, Lublin nach Warschau, Gura-Calvaria, Mir, R a d u n und endet in Wilna. Die Einzelheiten des Programms werden in der nächsten Nummmer der „Blätter" veröffentlicht. Die ganze Fahrt einschließlich Rückfahrt kostet Mk. 170.—, pro Person. polen. Die Smicho-Kommission. Warschau, 8. Juni Ueber die Bildung einer S m i ch o - Ko m mi s s i o n, die von nun an allein das Recht, hat, die Autorisationen der Rabbiner in Polen zu prüfen und anzuerkennen, spricht sich einer der Besteingeweihten, Oberrabbiner Aron L e w i n, der einer von den drei Prüfungskoinmlssionären ist, in einem größeren Artikel im „Jiddischen Togblatt" vom 5. Juni aus. Wir entnehmen den Ausführungen folgendes: Seit einem Jahre ist die Frage der gesetzlichen Normierung der rabbinischen Qualifikationen in Polen brennend aktuell. Die Regierung stellte sich aus den Standpunkt, daß, nachdem das Bildungsministerium einmal den Rabbiner zu bestätigen hat, es auch wissen müsse, wie Ausbildung und Fähigkeit des Rabbiners beschaffen seien. Dazu braucht die Regierung eine rabbinische Kommission, die mit dem Bildungsministerium die Autorisationen prüft. Von rabbinischer Seite, und nicht zuletzt vom Schreiber des besagten Artikels, wurde wiederholt darauf hingewirkt, daß man es der Kehilla selbst überlasse, den ihr geeignet erscheinenden Führer zu wählen. Solche Wahlen pflegten nach gründlicher Prüfung und Beratung stattzufinden, so daß sie die Regierung ohne Bedenken auf Antrag der Gemeindeverwaltung bestätigen kann. Es sei dieses übrigens der Modus, der auch in anderen Ländern, so auch im alten Oesterreich, wo staatliche Genehmigung für die Wahl nötig ist, stets eingeführt war und ist. Das Vildungsministerium ließ sich aber durch diese Argumente von seinem Standpunkte nicht abbringen. Herr Oberrabb. Lewin machte dann den Vorschlag, daß das Ministerium 30 bis 50 von der Agudath-Harabbanim nominierte Rabbiner ermächtige, Rabbinatsdiplome auszustellen, die bann der Regierung als Grundlage für die Bestätigung gelten. Damit erklärte sich die Regierung zunächst grundsätzlich einverstanden. Eine einberusene Rabbinerversammlung konnte sich aber mit diesem Vorschlag nicht befreunden und veranlaßte Rabb. Lewin, ihn zurückzuziehen. Er betonte aber nach wie vor den Regierungsbehörden gegenüber seinen Standpunkt, daß eine Einmischung der Regierung in die Smicho-Angelegenheiten unhaltbare Zustände zeitigen würde. All das aber blieb nutzlos, so entstand jetzt das Dreirabbinerkollegium an Stelle des von ihm erstrebten „Fünfzigerrates". Die Sache ist übrigens nicht so gedacht, daß die drei gewählten Rabbiner einzig und allein die Smicho erteilen. Sie werden nur als beratendes Kollegium von Zeit zu Zeit ins Bildungsministerium berufen, mit der Aufgabe, ein Gutachten über die bereits vorliegenden Autorisationen zum Zwecke der ministeriellen Genehmigung abzugeben. Die Sorge, die die Orthodoxie bewegt, ist: Wer garantiert, daß die Institution, einmal geschaffen, auch später noch in aller Zukunft in den richtigen Händen bleibt? Bei fünfzig Männern wäre vielleicht die Gewähr gegeben, drei Männer kann die Regierung auf eigene Faust zu jeder Zeit nach Gutdünken nominieren. Es wird jetzt zusammen mit den -vnn daran gearbeitet werden müssen, daß das Kollegium erweitert wird und ein anderes Gesicht erhält. Schädlich für die Aktion ist eine Gruppe unberufener Rabbiner in Galizien, die sich zu einer „Agudath Harabbanim in Galizien" zusammengetan haben und die Einheitlichkeit des Vorgehens stören. „Wir werden aber," so schließt Rabb. Lewin, „alles aufbieten, um die Ehre und die Tradition des Rabbinerstandes zu wahren und alle Garantieen für die Zukunft zu schaffen." Judenpogrom in Zloczow bei Lodz? Lodz, 7. Juni. Was in Zloczow, einer Stadt mit 1000 christlichen und 400 jüdischen Familien, vor sich gegangen ist, war, nach einem Berichte des „Hajnt", ein regelrechter Pogrom, durchgeführt von der Bauernschaft der umliegenden Dörfer unter der Leitung des Zloczower nationaldemokratifchen Sokol-Vereins. Der Pogrom dauerte von 9—12 Uhr abends. Fünfzehn jüdische Einwohner der Stadt wurden verwundet, unter ihnen sechs sehr schwer. Für drei der Verletzten besteht Lebensgefahr. In allen jüdischen Wohnungen und Geschästsläden wurden die Fensterscheiben eingeschlagen. Nicht nur alle jüdischen Passanten, die den Huligans in die. Hände fielen, wurden mörderisch geschlagen, sondern die Huligans brachen auch in bk Wohnungen ein und mi^anbdm

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