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Der Israelit · 1931-06-11 · Heft 24 (11.6.1931) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 24 (11.6.1931)
Date
1931-06-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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11. Juni 1931 Der Israelit Nr. 24 Seite 3 die sich liberal nennt, zeigte sich guten Willens den Juden gegenüber. Aber es gibt im Lande Cuzisten, eine bis tief in die Volksschichten hineinreichende Partei, die von Cuza, dem rumänischen Hitler, geleitet wird. Dazu kommen noch aridere Gruppen und Grüppchen, die im antisemitischen Fahrwasser segeln, im Trüben der Volksnot fischen und der Cuzapartei Schlepperdienste leisten. Auch innerhalb der jüdischen Bevölkerung herrscht keine große Einheit und Einheitlichkeit. Führend im jüdisch-politischen Leben ist die Jüdische Nationale P a r t e i, mit deren Politik und Taktik wohl ein großer Teil von Juden nicht einverstanden ist, die aber keine organisierte jüdische Partei als Gegengewicht hat. Bis zur rumänischen Orthodoxie ist leider der Organisatlonsgedanke noch zu wenig hingedrungen, um sie, wie etwa jetzt in Polen, politisch auf eigene Füße zu stellen. Man hörte vor einiger Zeit von einem Wahlabkommen der Jüdischen Nationalen Partei mit den Regierungsparteien. Daraus ist aus Gründen, die nicht hierher gehören, zuletzt doch nichts geworden. Die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Juden und der Regierung bleiben aber bestehen, und so wirid der überwältigende Sieg der Jorga-Regierung, wie von den Liberalen, so auch von denJuden begrüßt werden. Nach den neuesten uns vorliegenden Berichten ist rund die Hälfte der abgegebenen Stimmender Jorga-Partei zugefallen, wodurch ihr 2 9 9 Mandate gesichert sind. Die Nationale Bauernpartei, unter Führung von M a n j u, erhielt 27 Sitze. Alle anderen Parteien erhielten je 5—7 Stimmen. Die ausgesprochenen Antisemiten unter Cuza Ziehen, 7 Mann stark, in das neue Parlament ein und werden nicht viel mehr zu bedeuten haben, als die Jüdisch-Nationale Partei, die v i e r Mandate errungen hat. Einige von Cuza abgesplitterte Gruppen erhielten überhaupt kein Mandat. Mayer Ebner, der Führer der Jüdisch-Nationalen, ist nicht ganz zufrieden, weil er mit 5—6 Stimmen gerechnet hat. Das erscheint uns aber wenig wichtig und wesentlich. Ob ein Mandat mehr oder weniger, die jüdischen Stimmen machen kaum 2 Proz. der Gesamtwählerschast aus. Wichtig ist, daß eine Regierung, die sich offen zu einer Politik der Gleichberechtigung bekennt, mit einer überwältigenden Majorität die Situation im Parlamente beherrscht und das Ruder in der Hand behält. Es wird Sache der kleinen jüdischen Partei sein, mit oder ohne Wahlabkommen, die Regierung zu unterstützen. Jede Opposition wäre bei dem Kräfteverhältnis eine leere und nicht ungefährliche Demonstration, jede Mitarbeit ein Beitrag zur Konsolidierung des sich noch in Uebergangszuckungen windenden Landes, die auch den Juden zugute kommen muß. Unumgänglich nötig wird aber für Rumänien eine Reorganisierung der Dermaltungbis zum letzten Dorfschulzen fein, die es bis jetzt allein in der Hand hatte, ganz unabhängig von Bukarest, Judenausfchreitungen zu veranstalten oder zu verhindern. Man darf zu Regierung und Parlament in Rumänien, nach Ausgang dieser Wahlen, einiges Vertrauen in dieser Hinsicht haben. Der Evangelische Bund und der Nationalsozialismus. Das offizielle Mitteilungsblatt des Evangelischen Bundes „Nachrichten für evangelische Gemeinde- und Sonntagsblätter" und die vom Evangelischen Bund herausgegebene „Deutsch-Evangelische Korrespondenz" verbreiten eine Erklärung des Landesbischofs von Mecklenburg-Schwerin, D. Dr. R e n d t o r f f, die dieser auf zahlreiche Anfragen nach der Stellung der evangelischen Kirche zur nationalsozialistischen Bewegung in der „Mecklenburgischen Zeitung" veröffentlicht hat. Der Evangelische Bund bezeichnet diese Erklärung, die ein klares Bekenntnis zum Nationalsozialismus enthält, als eine „geradezu vorbildliche" Klärung der Frage des Verhältnisses der evangelischen Kirche zum Nationalsozialismus. Die Erklärung des Landesbischofs Dr. Rendtorff lautet u. a.: „Biele Glieder der evangelischen Kirche leben heute mit ihrem ganzen Denken und Fühlen in der nationalsozialistischen Bewegung. Die evangelische Kirche ist also durch ihren Beruf, den einzelnen zu suchen und ihm zu dienen, verpflichtet, um ihres Berufs willen die nationalsozialistische Bewegung in ihrem Wollen zu würdigen. Während andere politische Bewegungen sich offen gegen das Christentum wenden oder ihm gleichgültig gegenüberstellen, bekundet üe ihren Willen, sich auf den Boden eines positiven Christentums zu stellen. Die Kirche ist durch ihren Beruf verpflichtet, diese Willenserklärung der nationalsozialistischen Bewegung ernst zu nehmen . . . Die nationalsozialistische Bewegung bejaht mit Leidenschaft den sozialen Gedanken, den Brudergedanken. Damit vertritt sie ein Anliegen, das auch ein solches der evangelisches Kirche ist. Es ist für die nationalsozialistische Bewegung eine Lebensfrage, ob sie ihre soziale Forderung bis zu der Tief" durchführt, wo sie zum Angriff aus die innerste Haltung des Menschen wird. Die evangelische Kirche mutz um ihres Berufs willen aus der nationalsozialistischen nur DIÄiöN-Puder uturi :ür KörDerund Füsse daß einzig die Auswertung der biblischen Ethik imstandle wäre, einen großen Teil der derouten Verhältnisse der heutigen Welt in Ordnung zu bringen. Dem Judentum des Gesetzes sei hier seine Mission gezeigt. Indem wir diese freundlichen Worte aus dem Munde eines katholischen Priesters in führender Stellung mit Genugtuung registrieren, so soll damit keineswegs der Antisemitismus gerechtfertigt werden, der sich gegen die weniger religiös gerichteten Teile im Judentum wendet. In seiner Auswirkung trifft er uns alle ohne Unterschied. Aber der Sturm des Hasses sollte alle, die er bedroht, auf den Heimatboden der Religion drängen, um sie dort Heil, Heim und Halt -suchen und finden zu lassen. Daß Flucht aus der Religion nicht vor Antisemitismus schützt, ist, wie wir uns zu der Aussprache im „Neuen Wiener Journal" auch stellen, zum mindesten erwiesen. Es trifft sich grade, daß ganz unabhängig davon auch Ministerialdirekor Dr. Hermann B a d t in einem Vortrag auf der Verbandstagung der jüdischen Studentenvereine in Berlin bei der Besprechung der Studentenkonferenz m Nyon konstatieren konnte, daß die völkisch e i n g e st e l l t e n deutschen Kreise gegenüber Juden, die ihr Judentum verneinen und verleugnen, eine weit größere Aengstl i ch k e i t zeigen, als gegenüber den b e w u ß t e n I u d e n, die von vornherein eine bestimmte Demarkationslinie gezogen haben. Badt mag damit das nationale Bewußtsein im zionistischen Sinne meinen. Wenn es aber auf die „bestimmt gezogene Demarkationslinie" ankommt, so ist diese durch ein glaubenstreues Leben auf alle Fälle noch besser und lückenloser gezogen und kann in höherem Maße die Achtung der Umwelt beanspruchen. All diese Feststellungen nehmen dem Worte, mit dem das vielerprobte Israel Leiden und Prüfungen ruhigen Auges allezeit entgegensah, den fatalistischen Charakter und geben ihm einen neuen Sinn: Wahle» in Rumänien. Wahlen für das Rumänische Parlament sind beinahe mit eine jüdische Sache. Bei den schwankenden Gestalten, die im Regierungshause in Bukarest aus- und ein gehen, ist das Wohl und Weh der jüdischen Bevölkerung Rumäniens mehr oder weniger vom Parlamente abhängig. DieJorga-Regierung, in 100 Jahren — wir wollen es nicht hoffen — vielleicht das Urteil fällen: die Thoragesetze stehen in Widerspruch zur wissenschaftlichen Hygiene. Wir freuen uns darüber, daß gerade in unserer Zeit der Wert des G'ttesgesetzes, wenn auch vornehmlich gerade tu hygienischer Beziehung erkannt wird und wir sind selsensest davon überzeugt,- datz n»x rw» n-nn mit jeder wahren Wissenschaft übereinstimmen mutz. Aber selbst wenn das Gesetz in Widerspruch zu irgend einer modernen sanitären Erkenntnis stünde, würden weise Gründe genug, selbst Gründe hygienischer Natur, zu seiner Berechtigung existieren. Der Mangel, dies zu erkennen, würde in der Schwäche des menschflichen Geistes zu suchen sein. Irgend e i n Grund für dies oder jenes Gebot oder Verbot erschöpft nicht den Gegenstand, denn für G'ttes übermenschliche Weisheit waren stets viele Gründe maßgebend, dies zu erlauben und jenes zu verbieten. Weil alle unsere Gesetze G'ttes heilige Gesetze sind, so versteht es sich von selbst, datz wir sie genau befolgen müssen, gleichviel ob wir deren Grund zu erkennen glauben oder ob unsere geistige Kurzsichtigkeit uns deren wahren Grund verbirgt. Es ist ein höchst verdienstliches Unternehmen, daß schapiro gegen den Unsinn zu Felde zieht, den S. Reinach ch «Suite, Mythes et Religion“ zusammenfchreibt, der viele unserer Speisegesetze -als Aberglauben hmzustellen wagt. Es ist aber. ein zu armseliger Trost, daß die moderne Wissenschaft für unsere Thora ist und Reinach Lügen straft. Die Bekräftigung unseres Glaubens hängt unter solchen Umständen nicht von der Wissenschaft ah, wenn wir es auch als große Freude empfinden, in emer erleuchteten Zeit zu leben, wo die Welt anfängt, den Wert unserer ms» zu erkennen und zu würdigen, datz E ewig wirksame Prophylaxe der E'ttesgesetze unser Bolk für jeden geistigen Fortschritt und für jede moralische Erhebung fähiger und reifer machte. Schapiro behandelt in einem ersten Abschnitt alle zum Genuß erlaubten Tiere, deren Naturgeschichte und Nährwert, dann alle verbotenen Tiere und deren Schädlichkeit für den Genuß. — In einem zweiten Abschnitt wird der Begriff r-?Va3 erörtert, von dem großen Nutzen der nir^n mpa ,nv'nr? gesprochen, um dann das ai-n- und on-Verbot ins rechte Licht zu stellen. Die rituelle Methode wird als die fortschrittlichste hingestellt und die segensreiche Wirksamkeit der prophylaktischen Vorschriften wird gepriesen. — Im dritten Abschnitt wird von der Tragweite der Diätvorschriften ausführlich gesprochen und klargelegt, daß es sich schon bei unseren Vätern in altersgrauer Zeit um wahre Hygieneregeln handelte, die vor dem Forum der modernen Wissenschaft vollauf bestehen können und die zugleich einen geistigen und moralischen Zweck haben. — Verfasser hat noch seinein Werke eine alphabetische Liste aller erlaubten und verbotenen Tiere beigegeben und zwar in französisch, deutsch, englisch und lateinisch, damit jede Täuschung ausgeschlossen sei. Es ist sicher ein sehr lesenswertes Werk, das uns viele Anhaltspunkte gibt und uns viel Interessantes und jeden: Israeliten Wichtiges mitteilt. Es gewährt uns aber nimmermehr das Recht, darauf gestützt ein Tier zu erlauben, dessen Genuß bisher als zweifelhaft galt. Wenn selbst niaoin in s'i>in ,av die Nichtigkeit der Uebersetzung von iM: Adler und 3iis:Nabe bezweifelt und schon für die alten Zeiten nur zuverlässige Ueberlieferung als Matzstab gelten durste fto ,pbin .miona ^>2x3 —nnu -pr?), wird auch Schapiro trotz seiner gelehrten Erörterungen nicht daran rütteln können. Es steht uns ja nicht einmal fest, datz rmnx Hase bedeutet, und um es so zu übersetzen,, müssen wir schon annehmen, daß der Hase wiederkaut, was man nach Brehm nur in recht relativem Sinne sagen kann. Höchstwichtig wäre für uns gewesen, z. B. eine Aufklärung darüber zu erhalten, was es mit den Springfützen der Heuschrecken für eine Bewandtnis hat, da ja kein geflügeltes Insekt weniger als 6 Füße hat, während der pivs auch von geflügelten Kriechtieren spricht, die auf Vieren gehen. Unter welche Rubrik haben wir die Heuschrecken einzureihen, die noch heute angeblich auf Grund von Tradition von den Jemeniten gegessen werden? Sind dabei die Merkmale vorhanden, die bei den erlaubten «Tun fw entscheidend sind: cd•>232 ms ya-ix ■psm -!'s32i t=rsn2- Doch in all diesem finden wir auch bei Schapiro keine Antwort. Schapiro kann auch nichts anderes tun als uns wiederzugeben, wie die Septuaginta und wie die Vulgata und einige Schriftsteller ein Wort übersetzen und wie sich die verschiedenen Völkerschaften der betreffenden Tierart gegenüber verhalten. Apodiktische Weisheit ist das nicht und war auch gar nicht zu erwarten. Immerhin wird man an Schapiro's Ausfüh.ungen nicht vorüber gehen können und sie dürften unter Umständen als eine Art wertvoller Handhabe gelten. Wochenkaleader. v. 18. — 20. Juni 1831 ' n. 28. Eiwan Bis 5. Tammus 6601 Samstag 13 ypo 28 snnn P21212 'vnpna Sonntag 14 29 Mtttwach früh 8 Uhr 45% M> ]öj? TISp DV Montag |nn; 15 30 snn ®xn 7x M' Dienstag 16 nun 1 vnn PK*n '2 DT> Mittwoch 17 2 Donnerstag 18 3 Freitag 19 4 Samstag 20 5 3 'a 'x pa

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