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Der Israelit · 1931-06-04 · Heft 23 (4.6.1931) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 23 (4.6.1931)
Date
1931-06-04
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
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Seite 14 Nr. 23 Der Israelit 4. Juni 1931 aeuqen, von Dr. Kaplan geladen. Die Brüder I Der Vorsitzende stelle an beide die Frage, wie I sich mit einer Scheibe. Da sprach Owed in seinem Herzen: a ' — .r ■ «- lr. r. , , ... .- — > Gelobt ser G'tt, heute endlich habe ich mem Ziel erreicht. Wahrlich, dieser Unlückliche ist des Lebens sicher überdrüssig. ihm werde ich mein Geld übergeben. Gedacht, getan. Owed eilte auf den Armen zu und überreichte ihm seinen Geldbeutel. Da erstaunte der Arme gar sehr über Oweds Handlungsweise und sprach zu ihm: „Gibt' es etwa nicht genug Arme im Lande. Warum mutzt Du gerade einem alle Deine Reichtümer aufladen? Sicherlich hast Du dieses Geld aus dem königlichen Schatz gestohlen und willst jetzt alle Schuld auf mich schieben." Da erzählte Owed dem Armen seine ganze Geschichte und von dem Gelübte, das er in seinem Herzen getan?, sowie von dem Rate des Zaddit. Der Arme hatte jedoch die letzten Worte Oweds kaum zu Ende vernommen, als er ihn zornig anfuhr: „Umsonst hast Du Dich gefreut, denn wahrlich, ich bin nicht der Unglückliche, den Du suchst. Es ist richtig, daß E'tt mir im Augenblick Unglück gesandt hat, aber darum habe ich zu hoffen noch nicht aufgehört. Ich vertraue auf den lebendigen G'tt und zu dem sende ich mein Flehen Tag für Tag, denn er erbarnrt sich aller seiner Geschöpfe und seine Hilfe kann plötzlich kommen. Geh und schenke Dein Geld den Toten, denn nur sie haben von diesem Leben nichts mehr zu erwarten." Da grämte sich Owed gar sehr, datz auch diese letzte Hoffnung sich als trügerisch erwiesen habe. Als er sich jedoch erinnert«, datz der Arme ihm, gesagt hatte, nur bei den Toten sei leine Hoffnung mehr, sprach er bei sich: Ich werdej meinen Geldbeutel aus dem Friedhof bei den Totem' vergraben und so meines Vermögens ledig werden. Er kehrte nun eilends nach Jerusalem zurück, ging auf den Oelberg und vergrub seinen Beutel tief in dev Erde zwischen den Gräbern und kein Mensch kannte den Platz. Darauf ging Owed froh nach Hause, beglückt, datz seine Seele endlich von der Last des Geldes befreit war. Er verkaufte sein Haus!Md wohnte im Beth Hamidrasch. Er widmete sich mit grotzem Eifer dem Thoralernen und ernährte sich von dem Erlös seiner Hauses. Bald hatte Owed sein Geld vergessen und fuhr fort zu tun, was gut ist m den Augen G'ttes und der Menschen. Da kam eine grotze Hungersnot über Jerusalem. Der Himmel hatte keinen Regen gespendet und die Erde gab keinen Ertrag. Ein jeder hungerte nach Brot und die Armut war groh in der Stadt. Mensch und Tier seufzte unter dem Druck. Als die Not immer größer wurde, erinnerte sich Owed des Geldbeutels, den er auf dem Oelbergs vergraben hatte, und er dachte bei sich: Ich werde auf den Oelberg gehen und das Geld, das ich dort vergraben habe, wieder ausgraben, damit ich den Einwohnern Jerusalems während der Zeit der Hungersnot Brot schaffen kann. Und Owed tat wie er sich vorgenommen. Er ging auf den Oelberg, um den Ort zu suchen, wo er das Geld vergraben hatte. In jenen Tagen aber mar Kriegszustand in Jerusalem. Zehntausend Föllachen aus der Gegend von Jericho hatten der Stadt den Krieg erklärt und trachteten danach, Jerusalem zu erobern und den Händen des Paschas zu entreißen. Deshalb waren an allen Toren Jerusalems Wächter aufgestellt, um alle Passanten zu überwachen, damit sich kein Feind in die innere Stadt einschleichen könne. Auch auf dem Oelberg befanden sich Männer, um dem Feinde aufzulauern. Von alledem wußte Owed jedoch nichts. Er grub auf dem Oelberg ruhig hier und dort den Boden cmf, um seinen Geldbeutel zu finden. Dabei beobachteten ihn die wachehabenden Leute und hielten ihn für einen Dieb oder Kundschafter. Sie ergriffen ihn daher und führten ihn vor den Pascha. Der Pascha fuhr Owed streng an: „Was tatest Du dort? Wolltest Du etwa Totenkleider stehlen? Wahrlich, beim Leben des Propheten Mohammed, Du bist todes- 'chuldig!" Und er befahl, Owed im Gefängnis zu halten bis sein Urteil gefällt wäre. Als der Gerichtstag gekommen war, erschien Owed mit schweren Fesseln vor dem Pascha, um seinen Urteilsspruch zu hören. Der Pascha wandte sich Owed zu und 'prach: ^Bestelle Dein Haus, Du mutzt sterben." Da fiel Owed dem Pascha zu Füßen und schwur ihm bei G'tt, datz er unschuldig sei. Nie sei es ihm in den Sinn gekommen, Tote zu berauben und auch em Kundschafter sei er nicht. Er erzählte nun dem Pascha sein« ganze Lebensgeschichte, von seinem Schwur, dem Rate des Armen und wie er deshalb seinen Geldbeutel auf dem Oelberge begraben hatte. Als der Pascha dies vernommen hatte, eilte er auf den Owed zu, fiel ihm um den Hals und küßte ihn angesichts aller Versammelten. Darauf erklärte der Pascha allen Anwesenden, datz er der Arme sei, den Owed damals in der Ebene Jerichos getroffen und dem er seinen Geldbeutel schenken wollte. Nach kurzer Zeit habe G'tt ihn einen großen Schatz finden lassen. So wurde er reich und stieg immer höher und höher, bis man ihn nach dem Tode des letzten Paschas zu dessen Nachfolger tzrwählte. Da freute sich Owed gar sehr über dieses Wunder und vergoß heiße Dankestränen. Noch am gleichen Tage befahl der Pascha seinen Dienern, den Geldbeutel auf dem Oelberge zu suchen und ihn Owed zu bringen. Don dieser Zeit ab lebten der Pascha und Owed in größter Freundschaft.- Der Pascha erhöhte Owed über alle anderen Fürsten und gab um seinetwillen.den Juden grotze Erleichterungen. — — — Und als die Todesstunde Oweds nahte, ertönte eine g'ttliche Stimme: „Oeffnet die Tore Gan Edens, auf daß der Gerechte einziehe!" (Dem Hebräischen nacherzäblt.) K o w n e r, Bunimowitz, andere Studenten, und zuletzt Saul G o l d i n, der Dichter. Alle konnten sie den guten Kameraden, den biederen, goldreinen Charakter, den strebsamen und hochintelligenten jungen Menschen gar nicht genug rühmen. Jeder von ihnen erbot sich, die Hand dafür ins Feuer zu legen, daß Meikemeier einer Bluttat nicht fähig sei. Saul Goldin bekam sogar in einer dichterifch-n Anwandlung einen erhöhten Schwung, verfiel ins Singen und brach in Tränen aus. Er fühlte sich durch jenes Erlebnis am Morgen der Festnahme mit dem Schicksal seines Zimmergenossen eng verhaftet. Die Silber st eins waren als Zeugen geladen und sollten über das Leben und die persönlichen Gepflogenheiten des Angeklagten aussagen. Herr Silberstein, der den ganzen Tag in der Bernstemfabrik beschäftigt war und abends gern mit Freunden „Sechsundsechzig kannte seinen Zimmermieter kaum. Frau Silberstem weinte viele Tränen und beschwor, sie hätte den jungen Menschen wie ihr eigenes Kind geliebt . . . Diese Liebeserklärung - war für Meikemeier eine große Ueberrafchung. Zuletzt wurde Herr Jonas K u b a k, sein früherer Chef, vernommen. Er, der brummige Mann, der früher für ihn nie ein gutes Wort hatte und ihn auf die Straße fetzte, wußte auf einmal von so vielen Tugenden seines früheren jungen Mannes zu berichten, daß dieser selbst seinen Ohren nicht glaubte. „Muß man erst eines Mordes beschuldigt werden, um so viel Liebes zu hören?" dachte Meikemeier.. „Warum haben Sie ihn entlassen?" forschte der Staatsanwalt. „Ein tüchtiger, lieber Mensch, hatte aber keinen Kopf fürs Geschäft, dichtete gern und schrieb für Zeitungen. Das war sein Unglück. Wäre er bei den Heringen geblieben . . Was er schrieb und daß er, Kubak selbst, ein Opfer dieser Schreibwut war, verschwieg Herr Kubak. Er hatte es ihm auch schon längst vergessen und vergeben. Kapornikow, der Schreiber und Kolbaß, der Setzer und Drucker, Zeugen, auf die der Staatsanwalt stark rechnete, versagten. Sie nahmen es auf ihren Eid, daß der Angeklagte, wie sie selbst, eigentlich nur als technischer Arbeiter gelten konnte, der zu den inneren Zusammenhängen des Unternehmens keine direkten Beziehungen hatte. Beide beschworen, daß verschiedene Leute zuweilen das Redaktionsbüro besuchten, die sie alle nicht einmal dem Namen nach kannten, daß bei solchen Besprechungen es oft laut und stürmisch zuging und daß weder sie noch Meikemeier daran beteiligt waren. Kapornikow wußte zu berichten, daß auch an jenem Unglückstage sich j^.che Männer im Büro befanden, die er nicht kannte — oder nicht kennen wollte. Er war Zeuge, wie ein heftiger Streit unter den Männern ausbrach und konnte wiederum beschwören, daß der Angeklagte um diese Zeit nicht in diesem Raume anwesend war. Er, Kapornikow, ging dann fort oder wurde fortgeschicktt ohne den Ausgang des Streites gesehen zu haben. Für die Stunde der Tat konnte er sein eigenes Alibi lückenlos Nachweisen. Kolbaß, ein Masure, der als deutscher Staatsbürger und Gewerkschaftler keine Ausweisung zu befürchten hatte und sich darum freiwillig als Zeuge gemeldet hatte, sagte aus, er sei an diesem Mittag nicht im Betriebe gewesen. Als er in vorgerückter Abendstunde kam, war der Eingang zum Vorderzimmer polizeilich geschlossen. Er begab sich von der anderen Seite durch die geheime Türe direkt in sein Druckerzimmer und fand alles für seine Setz- und Druckarbeit von Meikemeier bestens vorbereitet. Auf einem Zettel waren mit ruhiger Hand alle Dispositionen bis ins kleinste angegeben. Der Angeklagte, sagte er, hätte das alles unmöglich mit dieser Gründlichkeit, Umsicht und Ruhe machen können, wenn er im Geiste oder gar mit den Händen zur gleichen Zeit an den Vorgängen im Vorzimmer beteMgt gewesen wäre. s i e sich benommen hätten in -einer Situation, wie sie der Angeklagte zu feiner Verteidigung schildert; ob auch sie davon gelaufen wären oder Lärm geschlagen hätten? Während Kowaß un schlüssig schwieg, gab Kapornikow zu, daß er. aller Wahrscheinlichkeit nach, im ersten Schrecken genau so gehandelt hätte. Es schien in diesem Betriebe nicht gut und ratsam, Polizeibesuch her aufzubeschwören. Was das größere Risiko fei, taffe sich in Stunden der Erregung nicht gleich erwägen. Diese Aeußerungen der zwei schlichten, in ihrer Ausdrucksweise.... etwas unbeholfenen Arbeiter ließen Gericht und Geschworene aufhorchen. Der Verteidiger, Dr. Kaplan, machte eifrig Notizen (Fortsetzung folgt.) Der. Schatz im ölberge. Zur Zeit Jbraham Paschas lebte in Jerusalem ein sehr reicher Jude, Owed mit Namen. Er besaß Ochs und Esel und grotze Dienerschaft und in der ganzen heilige Stadt war keiner so reich wie er. Doch je größer skjne irdischen Güter wurden, umso mehr entfernte sich seine Seele von E'tt und er vergaß Ihn, der ihm all den Besitz gespendet hatte. Er tat nur noch, was schlecht ist in den Augen G'ttes und der Menschen: Er kam nicht mehr zum Beten in das Beth Hamidrasch und verschloß sein Herz den Bitten der Armen, anstatt sein Brot mit dem Bedürftigen zu teilen. Er baute sich inmitten der Stadt einen ganz großen mächtigen Palast und ließ ihn mit festen starken Mauern umgeben und damit kein Fremder den inneren Hof zu betreten wage, ließ er alle Eingänge? von Dienern und bissigen Hunden bewachen Dafür haßten den Owed aber auch alle Juden Jerusalems und stießen ihn aus ihrer Gemeinschaft, und so lebte denn Owed lange Zeit im Banne. Als er jedoch das Alter herannahen fühlte, da bereute er alle seine schlechten Taten und kehrte mit ganzem Herzen zu G'tt zurück, um Sühne zu erwirken für alle seine schlimmen Handlungen. Er betrachtete seine großen Schätze, die er angehäuft hattte und sprach bei sich: Was kann mir all mein großer Reichtum am Tag des Gerichtes nützen? Und er gelobte in seinem Herzen, all sein Geld für mildtätige Zwecke auszugeben. Er verkaufte seinen prachtvollen Palast und baute sich am Ende der Stadt an einem Kreuzwege ein großes steinernes Haus. Er stellte Männer an die Türen seines Hauses und befahl ihnen: „Wanderer, die an diesen, Hause Vorbeigehen, bringt herein. Sie sollen essen und trinken und E'tt den Allmächtigen segnen und in Frieden ihres Weges weiter ziehen!" Owed aber stand bei seinen Gästen, um sie eigenhändig zu bedienen, und wenn der East sein Mahl beendet hatte, dann beschenkte Owed ihn noch freigebig mit einer Geldgabe, war aber der Gast besonders schamhaft, so legte er ihm das Geld heimlich in seinen Reisesack. So pflegte Owed lange Zeit zu tun, und G'tt sah vom Himmel herab und erkannte, datz Owed wirklich mit ganzem Herzen zu Ihm zurückgekehrt war. Da wandte der Allmächtige sich Owed wieder zu. Er erhörte sein Flehen und verzieh ihm all seine früheren Freveltaten. Auch die Bewohner Jerusalems hoben den Bann auf und machten Owed' sogar zum Oberhaupt ihrer Gemeinde. In dem Matze aber, wie Owed fortfuhr mildtätig gegen Me Menschen zn sein, verringerte sich sein Vermögen, dafür vermehrte sich jedoch die Zahl seiner guten, sürsprechenden Engel im Himmel und bald überwogen seine guten. Engel, seine schlechten, anklagenden. Es geschah nun eines Tages, datz die Engel sich vor dem Allmächtigen zum himmlischen Gerichte versammelten. Da sprachen Oweds gute Engel zu G'tt: „Siehe, Dem Diener Owed ist zu Dir zurückgekehrt. Er betet zu Dir aus tiefstem Herzen und sein ganzes Vermögen verwendet er für gute Zwecke. Noch ein« Weile und der Mann wird vollständig verarmen. Soll er Dir etwa umsonst dienen?" Da erhörte G'tt die Bitte der guten Engel und er segnete Owed und dessen Arbeit. Owed aber wußte es nicht, daß der besondere Segen G'ttes auf ihm ruhte und er dachte bei sich: sicher verwende ich noch immer zu wenig Geld für gute Zwecke, datz mein Vermögen nicht kleiner wird, und er kränkte sich darob gar sehr. In seinen Tagen lebte in Jerusalem ein sehr frommer Mann, einer von den sechsunddreitzig Gerechten, um deren Verdienst willen die Welt besteht. Zu diesem Manne begab sich Owed, um ihm sein Leid zu klagen und von ihm einen Rat zu erbitten, wie es möglich wäre, bei seinem vielen Gelbe seinen Anteil an der künff tigen Welt zu retten. Da antwortete jener Zaddik dem Owed folgendermaßen: „Es gibt für Dich nur einen Weg, dich deines großen Vermögens zu entledigen. Schenke deinen Besitz einem Manne, der des Lebens auf dieser Welt vollkommen überdrüssig geworden ist." Lange, lange irrte Owed herum, um einen solchen Menschen zu finden, aber all sein Bemühen war vergeblich. Am Tage verzehrte ihn die Hitze und die Kälte des Nachts, doch er war noch immer nicht an seinem Ziele. Trotz allem verzweifelte Owed nicht und gab sein Suchen nicht auf.' t Nach vielen Monaten durchstreffte er die Ebene Jerichos. Da erblickte er vor sich einen Armen, ganz in Lumpen gehüllt; der satz im glühenden Sande und kratzte

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