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Der Israelit · 1931-06-04 · Heft 23 (4.6.1931) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 23 (4.6.1931)
Date
1931-06-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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4. Juni 1931 Der Isr a e l i t Nr. 23 Seite 9 der machen. Sie können Ausflüge per Auto und Rheinimmpfer ' unternehmen. •— Das sind äußere Vorzüge! Dis Hauptsache ist aber die umsichtige und verständnisvolle Verwaltung des Krankenhauses, die sich in den Dienst der guten Sache stellt und alles ausbietet, den Pfleglingen den Aufenthalt >so angenehm wie ' möglich zn gestalten. 'Der Pensionspreis beträgt inkl. Arzt je nach Zimmer von Mk. 6.— an. Man wende sich an die Verwaltung des israelitischen Krankenhauses in Gailingen (Baden). Sprechsaal. Offener Brief an diel Redaktion des. Hamburger Familienblattes Hamburg 36. Hamburg, den 2. Juni 1931. . Nachdem Sie die Ausnahme einer Ihnen seitens der Agudas Jisroel zugegangenen Berichtigung Ihres Berichtes über meinen seinerzeitigen Vortrag abgelehnt haben, nachdem auch die Zustellung des Vortrages nach erfolgter Drucklegung an Ihren Chefredakteur Herrn Julian Lehmann diesem nicht - Veranlassung gegeben hat, aus freien Stücken Ihre früheren Ausführungen richtig zu stellen, zwingen Sie mich zu diesem Schreiben. -- Jhr^ Bericht zerfällt in drei Teile: ■ . 1. in eine Wiedergabe dessen, was ich angeblich gesagt haben soll 2. in Beleidigungen meiner Person 3. befaßt er sich damit, daß ich das Gastrecht eines Gemeindehauses in Anspruch genommen haben soll. Zu 1. Sie schreiben: „Der Vortrag selbst war ein verwerflicher Versuch der Störung des Friedens in der Gemeinde, umso verwerflicher, weil er unter dem Deckmäntel! der „Frömmigkeit" vor sich ging. „Feind" ist für den Redner nicht nur jeder' Liberale, besonders jeder liberale Rabbiner, sondern auch jeder, der den Liberalismus nur duldet und als religiöse Richtung anerkennt. Und dies zu einer Zeit, wo man selbst in Frankfurt a. M. nach Verständigung mit der Gemeindeorlhodorie sucht, . . .." Cs ist unwahr, daß der Vortrag ein verwerflicher Versuch der Störung des Friedens in der Gemeinde war. Vielmehr wird jeder ehrliche Beurteiler erkennen, daß es sich um eine ernste Gewissensprüfung eines orthodoxen Jugendführers handelt, der auf Grund der religiösen Quellenschriften um Klarheft ringt übey das Verhältnis des altüberlieferten Judentums zu den gegensätzlichen Strömungen. Es ist unwahr, daß der Vortrag nicht nur jeden Liberalen oder liberalen Rabbiner als „Feind" bezeichnet, sondern auch jeden der den Liberalismus nur duldet und als religiöse Richtung anerkennt. Währ ist vielmehr, daß der Vortrag ausdrücklich Bezug genommen hat auf den Standpunkt des Rambam, der in den im liberalen Milieu bereits aufgewachsenen Brüdern durchaus Brüder erblickt, die lediglich auf Grund ihrer Erziehung in beklagenswerte weltanschauliche Jrrtümer verfallen sind. Wahr ist, daß ich gesagt habe: „Wir wissen, wem unsere Feindschaft zu gelten hat: solchen Gedankens-ystemen, deren Duldung Sünde, Verbrechen ist." Wahr ist, daß ich gesagt habe: „So wollen wir uns darüber klär werden, daß der Kampf der Kefjrd und nicht dem Käufer, dem Minus und nicht dem Min gilt." . .... Es ist unwahr, daß, wie dies der Bericht/durch die Gegenüberstellung mit Frankfurt einreden möchte, der Vortrag ir g e n d rae l ch e, der G e m e i n d e o r t h odoxie feindliche Tendenzen hafte,.:- ... . . Wahr ist das genaue Gegenteil, daß ich / sowohl in der' Einleitung Äs auch vor allen. Dingen : in meinem. Schlußwort zur Ein i g kert al ler auf d em Boden der Tau roh Stehenden aufgerufen habe. Ich habe wörtlich gesagt: „Und darum sollen wir ein ig sein, alle Achim bemizwaus, die feststehen auf dem Grund der alten jüdischen Ueberlieferung, auf dem Boden der Väter, fest zu E'tt und Seiner Lehre, sie müssen einig sein! Die Gegner von gestern sollen Freunde von morgen, ja, schon von heute sein: Misrachisten und Agudisten, Gemeindeorthodore, theoretische und praktische Austrittter, alle einig, einig im Erkennen der Gefahr^ einig in -ihrer Abwehr. Wir.müssen uns suchen und finden, einander grüßen und wissen, daß es gewiß keine Freude, wohl aber eine Mizwo ist, diesen Kampf zu führen." Zu 2.. r / Meine Person gebe ich Ihnen gerne preis. Allerdings hatte man von Ihrem Chefredakteur ein größeres Maß von Unvoreingenommenheit auch gegenüber einem „Austrittler" erwarten dürfen, nachdem er selbst, bis zu seiner Uebersiedlung nach Hamburg, Mitglied einer Austrittsgemeinde gewesen ist. Zu 3. Das Gastrecht der Gemeinde habe ich nicht in Anspruch genommen. Der Vortrag wurde von der Agudas Jisroel veranstaltet. Ihre Jugendgruppe gehört dem Landesausschuß der jüdischen Jugendorganisationen Hamburgs an, welchem das Gemeindehaus Johnsallee als Jugendheim zur Verfügung steht. Ob im übrigen ich persönlich berechtigt oder gar verpflichtet bin, einzelne Institutionen der Gemeinde zu benutzen oder zu fördern, dies ist eine religionsgesetzlichs Frage, deren Beurteilung oder gar Entscheidung völlig außerhalb Ihrer Kompetenzen liegt. Ich nehme an, daß Ihre unwahre Berichterstattung zu der Interpellation der liberalen Herren im Repräsentantenkollegium und zu dem Beschluß des Gemeindevorstandes, Ausgetretenen in Zukunft Rede- und Diskussionsrecht im Gemeindehaus zu versagen, geführt hat. Dennoch unterlasse ich es, in diesem Zusammenhang auf die Behandlung, die diese Angelegenheit bei den Gemeindebehörden gefunden hat, einzugehen, — dies soll einer späteren ausführlichen Darstellung Vorbehalten bleiben, — und beschränke mich lediglich auf die Feststellung: 1. daß der Vortrag in keiner Weise die Deutsch- Israelitische Gemeinde in Hamburg oder eines ihrer Gremien angegriffen hat, 2. daß die gesamte jüdische Jugend Hamburgs, zusammengefaßt im Landesausschuß der jüdischen Jugendorganisationen Hamburgs, in - einer Eingabe an den Gemeindevorstand diesen um Rücknahme der oben erwähnten, gegen die Ausgetretenen gerichteten Entschließung ersucht hat, weil sie die g e i st i g e Freiheit zu knebeln geeignet ist, und weil der Vortrag zu ein er solchen Maßnahme nicht den geringsten Anlaß gegebenhat. Hochachtungsvoll Wolf S. Jacobson. Die Woche. SoncinoGesellschafl. Von der Frankfurter Tagung der „Soncino-Gesellschaft der Freunde des jüdischen Buches" ist bereits in der vorigen Nummer dieses Blattes in Kürze berichtet L. Mayer und Schmidt veröffentlichten „Darmstädter Pessach-Haggadah" (Leipzig 1927) und schließlich auf seinen noch nicht vollständig vorliegenden: „Thesaurus Typographiae Hebraicae Saeculi XV". Herzlicher Dank lohnte beiden Referenten. Es schloß sich ein Nundgang durch die von Prof. Freimann zu Ehren der Tagung im Ausstellungssaal der Stadtbibllothek veranstaltete Schau „Illustrierte, hebräische Handschriften und Bücher bis zum Jahre 1700" an. Die Stadtbibliothek, aber auch mehrere Frankfurter Privatsammlungen hatten ihre reichen Bestände zu dieser kostbaren, sehenswerten und überaus lehrreichen Ausstellung zur Verfügung gestellt. Vorausgegangen war am Montag abend ein Essen in den Räumen der Frankfurt-Loge, zu dem sich etwa 60 Teilnehmer eingefunden hatten und das die Frankfurter jüdischen Bibliophilen mit ihren auswärtigen Gästen zu gemütlichem Zusammensein vereinte. Nicht weniger als 12 Drucke wurden den Teilnehmern als Geschenk überreicht. Als besonders interessant seien hier erwähnt: „Zwei Ansichten der Frankfurter Judengasse"; Moses Maimonides, Gebet; Zwei von der Zensur unterdrückte Blätter aus der in Soncino im Jahre 1485 erschienenen Ausgabe der Jkkarim des Josef Aldo; Zwei Flugblätter den „Klever Eetstreit" betreffend; Ein umfangreiches Werk Heinrich Loewe's „Alter jüdischer Volkshumor Ms Talmud und Midrasch"; Ein hebräisch-deutsches Flugblatt des Humanisten Bartholomaeus Kaiser um 1515; das Titelblatt des ersten Rödelheimer Machsor mit dem berühmten Eherem Wolf Heidenheims gegen die Nachdrucke! und manches andere. Den Abschluß der Tagung bildete die Besichtigung der Sammlungen und des Parks des Freiherrn Mar B. H. v. Goldfchmidt-Nothfchild; ein seltener Genuß, der allen Teilnehmern eine unvergeßliche Erinnerung bleiben wird. Die Frankfurter Veranstaltungen brachten der Soncino - Gesellschaft eine stattliche Reche neuer Mitglieder; es wurde daher die Gründung einer Frankfurter Ortsgruppe beschlossen. In den Zentralvorstand wurden neu gewählt: Dr. Felix Kaufs mann und Julius Werner, Frankfurt und Rechtsanwalt Dr. E. S t r a u s, München. H. E. worden. lieber die einzelnen Veranstaltungen sei heute noch einiges nachgetragen, was für weitere Kreise von Interesse ist. Im Mittelpunkte stand die akademische Feier, für die der Generaldirektor der städtischen Bibliotheken, Herr Pros. Dr. O e h l e r in dem Lesesaal der Stadtbibliothek den gewiß geeignetsten Raum zur Verfügung gestellt hatte. Der Hausherr hieß die zahlreich erschienen jüdischen Bücherfreunde herzlichst willkommen. Er konnte mit Stolz darauf Hinweisen, daß das Haus der Tagung dank der jahrzehntelangen Bemühungen des Herrn Prof. Dr. F r e i m a n n eine der kostbarsten Sammlungen der Welt von Judaica und Hebräica berge. Herr Dr. G a> e r w a'l d begrüßte im Namen der Israelitischen Gemeinde, Herr 'Jakob Nosenheim namens der Israelitischen Religionsgesellschaft. Es folgte ein mit Leidenschaft vorgetragenes Referat des ersten Vorsitzenden der Soncino-Gesellschast, des Herrn Prof. Dr. Heinrich L o e w e, Berlin, über „Die Juden als Volk des Buches". Der Redner hatte sich weniger eine wissenschaftliche' Aufgabe gestellt. Es-kam-ahm vielmehr darauf an, die innige Verknüpftheit des einzelnen Juden mit dem Buche 'chlechthin zur'Darstellung zu bringen. Das kostbarste Gut, das deü Juden durch die Leidensgeschichte tausendjährigen Golus hegleitete, war sein Buch; er nahm es mit auf' den Scheiterhaufen,; es wurde mit ihm verbrannt, er rettete es, verstümmelt und entstellt aus den Klauen. einer dummen, feindseligen Zensur, LS war ihm Licht und Trost in Finsternis und. Elend. Aus mehrtausendjähriger, an Beispielen überreichen ^Geschichte schöpfte der Redner, um das Wort, das ein arabischer Philosoph vor -ip^hr denn 1600 Jahren gesprochen hat, und das den Jüdöu den schlichten crüer doch so stolzen Ehrentitel: „Volk des Buches" gab, zu rechtfertigen. Die Soncino-Gesellschaft habe es sich 3m Aufgabe gemacht, dem äußerlich oft so armseligen hebräischen und jüdischen Buch ein dem Inhalt entsprechendes, edles Gewand zu geben und sie sei gerade eben dabei, das Buch aller Bücher, die hebräische Bibel, in würdigster. Form herauszubringen. Alle Völker hätten, jedes in seiner Sprache, Monumentalausgaben der Bibel veranstaltet; es sei seit über vier Jahrhunderten das erste Mal, daß Juden für Juden eine Ausgabe druckten; die denen anderer Völker in anderen Sprachen als gleichwertig zur Seite gestellt werden könne. — Auf das Loewe'fche Referat folgte ein auf wissenschaftlicher Höhe stehender Vortrag des eigentlichen Schöpfers und Ausgestalters der Frankfurter-- Sammlungen und wohl heute berufensten jüdischen Bibliographen, des Herrn Prof. Dr. A. Fr ei mann über das Thema: „Die Illustration im hebräischen Buch -der Frühzeit". Es würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen, wollte der Referent versuchen, auch nur - in großen Umrissen de,1^ Inhalt der Freimann'schem Ausführungen wiederzugeben. Interessenten seiey auf --die vom Vor» tragenden angeführte Literatur, insbesondere auf den berühmten klassischen Aufsatz David Kaufmanns: „Zur Geschichte der jüdischen Handschrifteniklustratiou", in. M ü kl e r - S ch l 0 s s e r : „Die Haggadah von Sarajevo", 'Wien 1898, hingewiesen, dann Uber auf die einschlägigen Arbeiten, Freimanns in der von ihm heräusgegebenen „Zeitschrift für hebräische Bibliographie", in der gemeinsam von ihm mit Italiener, A ü g u st Die Deutsche Lehrerversammlung in Frankfurt a. M. 43 Jahre sind ins Meer der Vergangenheit hinabgesunken, seitdem die deutschen Lehrer zum letzten Male Frankfurt a. M. zur Abhaltung ihrer großen Versammlung gewählt hätten. Welche Gegensätze 1888 und 1931. Damals Deutschland hoch oben, heute tief unten. Es ist eine Selbstverständlichkeit, daß der diesjährige Lehrertag stark unter dem Eindruck der Not des Vaterlandes stand. Die . Veranstaltungen der deutschen Lehrerversammlung wiesen ein reichhaltiges Programm auf, von den Sitzungen der Ausschüsse über die Abendfeier in der Paulskirche, die Vertreterversammlung, die Festvorstellungen und den Begrüßungsabend, über die £ großen Hauptversammlungen und die 14 Nebenversammlungen hinweg brs zu den Vorführungen des deutschen Lehrer- Turn- und Sportfestes im Stadion. Dabei nebenherlausend die vielen Besichtigungen neuzeitlicher SchulbMten Siedlungen, Bauwerke und industrieller Werke, die Stadtrundgänge, Main- und Rheinsahrten, Wanderungen in den TMNus, Odenwald und an die Bergstraße und nicht zu vergessen, eine hervorragende pädagogische Ausstellung, verbunden mit einer Lehrmittelmesse und Firmenausstellnng. Es ist naturgemäß unmöglich, all diesen Darbietungen durch eine kritische Einzelwürdigung gerecht zu werden. Es ist dies auch nicht nötig, da die Tagespreis schon fortlMsend mehr oder weniger ausführlich darüber berichtet hat, da die pädagogische .Welt noch längere Zeit ln ihren Fachorganen über alles Wissenswerte orientiert werden wird. Unsere Aufgabe soll es sein, fostzr^ ^5^n, was von speziell jüdischem Interesse ist. Unsere Stellungnahme zu den 'Themen der Hauptversamniluttgen, 3U einzelnen Beiträgen der Festnummer des Frankfurter sowie eine Würdigung der wohlae- Mngenen Festig „Frankfurt a. M„ Einst und jetzt" sser emem spateren, ^richte Vorbehalten. Wer aufmerksam _ L die pädagogische Ausstellung wanderte, d,e ,m wesentlich., fltf .an Hand der Frankfurter Verhältnisse eine umfassende' des Bildungs- Problems gegeben hat, der konnte , reichlichen, künstlerisch gestalteten statistis^. viel Interessantes mit nach Hause nehmen. Dess. Ausstellung eröffnete der Kindergarten. Unter w kleinen Menschen tu Frankfurt a. M. entfallen 2 -Pru^. auf unsere Konfession, ein jüdischer Kindergarten mit I00 Kindern. Von 59 766 Kindern besuchen noch 372 Vprschulen. Von 42 000 Kindern in öffentlichen Volksschulen sind 700 Israeliten. Der Oberbau der Volksschulen ist viel schwächer besucht als der Unterbau. In den oberen Klassen der Volksschulen werden 6600 Knaben und 6400 Mädchen, in den Grundschulklassen 14 600 Knaben und 14 400 Mädchen unterrichtet. Frankfurt a. M.' hat 1413 Lehrkräfte an öffentlichen Volksschulen, 1196 festangestellte und 215 nicht festangestellte Lehrkräfte, darunter 10 Juden. Prozentsatz der Lehrer 1 Prozent. der Schüler 1,8 Prozent. Die Volksschule der Israelitischen Religionsgesellschaft hat 1931 19 Klassen, der Zugang betrug 1920 21 Knaben und 26 Mädchen, 1931 77 Knaben und 38 Mädchen. Eine graphische Darstellung unterrichtet über die soziale Schichtung und über die Entwicklung dieser jüdischen Schule von 1881—1931. In städtischen Mittelschulen sind unter 2094 Knaben 1 Israelit, unter 2594 Mädchen 15 Israeliten. Aus den Tafeln der Samson Raphael Hirsch-Schule ist abzulesen, daß der Zuschuß der Patronatsgemeinde

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