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Der Israelit · 1931-06-04 · Heft 23 (4.6.1931) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 23 (4.6.1931)
Date
1931-06-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 23 Der Israelit 4. 3unt 1931 zuni Oberrabbiner von Wilna machtet Der Prozeß wuchs sich zu einer hochpolitischen Angelegenheit von großer Bedeutung aus und gewährte einen Blick hinter die Kulissen der Gemeindepolitik. Es handelte sich um einen Artikel im „Wort" vom-März 1929, in dem die Stellung der Orthodoxie zu der Berufung Rabb. Rubinsteins präzisiert wurde. Auf Betreiben der Zionisten wurde gegen den Leiter des Blattes die öffentliche Anklage wegen angeblicher Verleumdung erhoben. In erster Instanz im Mai 1929 konnte das Gericht zu keinem Entschluß kommen, da der Verteidiger die Legitirnalion Rabbiner Rubinsteins, sich als Privatkläger der öffentlichen Anklage anzuschließen, bestritt. Es stellte sich damals auch heraus, daß der Kläger, der Referent für die jüdische Presse im Wilnaer Stadtrate, Herr Wulz, den inkriminierten Artikel nur im Auszuge polnisch übersetzt und zu den Akten gegeben hatte. Noch zweimal mußte später wiederum die Verhandlung aus formalen Gründen vertagt werden. Bei der jetzigen Verhandlung hatte der Ankläger den Vorsitzenden der Wilnaer Kehillaverwaltung, Herrn Kruck, als Zeugen geladen. Auf die Aussagen des von der Verteidigung geladenen Herrn Stukater mußte wegen Erkrankung desselben verzichtet werden. Der Angeklagte wird verteidigt von Herrn Rechtsanwalt P r e u ß. Zu Beginn der Verhandlung wird Herr Rabbiner Schub gefragt ob er sich für schuldig hält. Rabbiner Schub gibt daraus eine Erklärung, daß er in jenem Artikel nur Tatsachen gebracht habe. Als Redakteur eines orthodoxen Blattes erachtete er es als sein Recht, ja auch als feine Pflicht, den Zorn und den Protest des religiösen Judentums zum Ausdruck zu bringen, das in der Wahl Rabb. Rubinsteins zum Oberrabbiner einen Bruch mit der altgeheiligten Tradition der Wilnaer Gemeinde sehe. Es werden darauf Aussagen und Gutachten verlesen, u. a. das Protokoll der Rabbinerdelegation, die seinerzeit beim Minister in der Sache vorstellig war. Minister Slaweck hatte damals die Bedenken und Forderungen der Rabbinen grundsätzlich anerkannt. Es geht aus diesen Akten klar hervor, daß die Genehmigung der Regierung darauf zurückgusühren war, daß Rabb. Rubinstein aus der Oppositionsfraktion Grünbaums plötzlich ausgetreten war und sich der Versöhnungspolitik Reichs angeschlossen hatte. Der Gemeindepräsident, Herr Kruck, als Belastungszeuge gibt einige Auskunft über die Vorgeschichte der Wahl und muß sich vom Verteidiger einige Korrekturen in wichtigen Punkten gefallen lassen. Nach einem glänzenden Plädoyer des Verteidigers, in dem er die ganze Empörung des orthodoxen Judentums über den Gewaltakt der Wilnaer Iehillaverwaltung zum Ausdruck bringt, wird die Urteilsverkündung auf Freitag festgesetzt. Am Freitag früh wurde das Urteil verkündet. Der Angeklagte Rabbiner Schub wird freigesprachen. Der Artikel enthalte keine Beleidigung und keine Verleumdung, sondern sei in Wahrung der berechtigten Interessen der gesetzestreuen Juden heit Wilnas abgefaßt w'or-, den. Was nun die Zionisten zu diesem Ausgang der Sache, der alle Aufdeckungen Schubs auch in Bezug auf die systematische Irreführung der Zionisten' durch die Ge-' meindeverwaltung vollauf bestätigt^,sögen werden, bleibt abzuwarten. Palästina. Eine neue Pächterschuhverordnung in Palästina. I e r u s a l e m , 31. Mai. Am' Sonntag, den 31. Mai, hat der stellvertretende High Commissioner Poung eine Pächterschutzverordnung mit einjähriger Geltungsdauer erlassen, durch deren strenge Bestimmungen die' Uebertragung von Eigentum an Grund und Boden vermutlich äußerst erschwert werden wird. Nach diesen Bestimmungen darf kein Gerichtsbefehl zur Entsetzung aus Bodenbesitz erfolgen, wofern das Gericht nicht zur Ueberzeugung gelangt ist, daß für die Versorgung der Pächter entsprechend Vorsorge getroffen wurde. Besitzentsetzung erscheint nur gerechtfertigt, wenn der Pächter es verabsäumt hat, den Pachtschilling zu entrichten oder den Boden zu bebauen. In diesem Falle hat er keinen Anspruch auf Entschädigung. Das Gericht kann auch keinen Räumungsbefehl gegen Weideberechtigte erlassen, die fünf Jahre ununterbrochen das Weiderecht besitzen, wofern nicht der High Commissioner die zur Sicherung ihres Lebensunterhalts getroffenen Vorkehrungen als befriedigend befunden hat. Der stellvertretende High Commissioner hat die neue Verordnung unter Hinweis daraus, daß er sie im öffentlichen Interesse für unentbehrlich hält, durch Unterzeichnung und Veröffentlichung im Amtsblatt sofort in Kraft treten lassen. Die Veröffentlichung erfolgte am letzten Tage jener Amtsführung; Montag, den 1. Juni, trifft High Commissioner Sir John Chancellor wieder in Jerusalem ein. (ITA.) , , Begrüßung der jüdischen Rückwanderer durch ihre arabischen Nachbarn in Hebron. Jerusalem, 23. Mai. Wie der ITA. von einem der vor kurzem nach Hebron zurückgekehrten jüdischen Flüchtlinge mitgeteilt wird, wurden die 24 jüdischen Familien, die sich ook kurzem wieder in Hebron, wo nach den Massakres im August 1929 fast zwei Jahre lang keine Juden lebten, niedergelassen haben, anläßlich des Schowuoth-Festes von ihren arabischen Nachbarn beglückwünscht und willkommen geheißen. Personalien. Gaukönigshosen, 1. Juni. Am 1. Juni 1931 waren 40 Jcchre vergangen, seitdem Lehrer Jul. Bravmann sein Amt hier angetreten hatte. Eine Generation hat er gehen sehen. Eine ganze Generation aber hat er auch ins Leben entsandt, wohl versehen mit hebräischen Kenntnissen, wie sie eben nur ein fleißiger und pflichtbewußter! Lehrer vermitteln kann. Die Israelitische Kultusgememde hatte es sich nicht nehmen lassen, diesen Tag festlich zu begehen. In der stilvoll geschmückten Synagoge versammelten sich gegen 15 Uhr alle Gemeindemitglieder und auswärtigen Gäste. Dazu gesellten sich auch viele christliche Bürger, sodaß die Anwesenden noch den Raum vor dem E'tteshaus füllten. Erschienen war auch der vollzählige Eemeinderat mit dem Bürgermeister und der katholische Geistliche. Die Feier wurde durch einen Psalm eröffnet, den der eigens von der Gemeinde gebetene Oberkantor E f ch«- wege- Würzburg mit klangvoller Stimme oortrug. Den Reigen der Darbietungen eröfsneten die derzeitigen Schüler.'die — auch noch später zwischen den einzelnen Rednern — in ansprechenden Versen ihrem Lehrer ihre Wünsche darbrachlen und Blumen überreichten. Kultusrorsteher Mainzer begrüßte die Erschienenen, dankte bewegten Herzens dem Lehrer für die Hingabe an seine Pflichten und sprach sein tiefstes Bedauern aus, daß Lehrer Bravmann, der bereits die Altersgrenze überschritten hat, die' Gemeinde verlasse, um in den Ruhestand zu treten. Bezirksrabbiner Dr. Wohlgemutst feierte Bravmann als einen erfolgreichen Pädagogen, einen die Andacht erzwingenden Vorbeter und einen g'ttesfürchtigen Menschen. Der katholische Geistliche sagte von ihm, daß er ihn „schätzen und achten gelernt" habe. ■ . Der Bürgermeister stellte fest, daß es Bravmanns Verdienst sei, wenn die beiden Konfessionen in Eintracht miteinander leben und überreichte ihm die Urkunde des. . Ehrenbürgerrechtes. ..Seminardirektor StolI gratulierte namens des Gemeindeverbandes und des Seminars, Hauptlehrer Brückheim er im .Aufträge des Jüdischen Lehrervereins, Herr W e i k e r s b e i m. e r als ehemaliger Schüler',' Lehrer Kannemacher als Beauftragter seiner Gemeinde Aub; nndZHerr Pfeuffor 'für die Fisialgemsinde Giebelstädt^, die Brav mann 25 Jahre lang mitversehen hat. . ' Als letzter zeichnete der Schwiegersohn des Jubilars, Herr. Mittelschullehrer B.i ck, Michelstadt, in warmen Farben ein Bist) seines Schwiegervaters, indem er gerade jene Seiten aufzeigte, 'die im allgemeinen der Oefseutlichlett verborgen bleiben.. Dann nahm der Jubilar selbst das Wort. Es wären weihevolle 'Minuten, in denen er zuerst seinem G'11 den Dank abstattete, daß er ihn bis heute mit solcher Vatergüte geführt habe. Er dankte den einzelnen Rednern^ überschaute nochmals seine ganze Lebensarbeit in der Gemeinde und schloß mit dem Segenswunsch, daß G'ttes Huld auch weiterhin über ihr walten möge. Mit dem stimmungsvoll vorgetrageney Psalm 118 schloß die erhebende Feier. München, 29. Mar. Ein wertvolles Mitglied der gesetzestreuen jüdischen Gemeinschaft ist in dem am 19. ctr. infolge eines Herzschlages unerwartet Heimgegangenen Richard I;... Enoch dahingeschieden. Der Verstorbene, der ein, .Alter von 66. Jahren erreichte, ist infolge schweren körperlichen Leidens seit langen Jahren nicht mehr öffentlich-hervorgetreten und hat von seiner stillen: Stube aus /mit feinem reichen Wissen und dem ihm eigenen kritischen-Blick die Ereignisse der Zeit als stillecr. Beobachter Revue passieren lassen. Warme Liebe zu der göttlichen Lehre/, zur Erfüllung der Mizwys und , ein glühendes Interesse an allen positiv jüdischen wissen- 'chastlichen Bestrebungen erfüllten sein Herz. Solange es ihm seine Gesundheit und seine wirtschaftlichen Verhältnisse gestatteten, hat er nach Kräften - innerhalb des Kreises, in den er gestellt war, daran mitgearbcritet/ daß den Schwachen und Abhängigen in der Gesellschaft ihr Recht ward und ist auch mit seiner manchmal recht scharfen Feder für soziale Gerechtigkeit und Erhaltung jüdischer Art in Presse und Oessentlichkeit mannhaft eingetreten. Das Andenken Richard Enochs wird in seinem Freundeskreise alle Zeit liebevoll geehrt:.und lebendig erhalten bleiben. Kinder waren dem Heimgegangenen nicht vergönnt. Möchte seiner trauernden Gattin in der Erinnerung cmden allzu früh Abberusenen Trostwerden. / - ira'xan. Äbfchiedsfeier für Rabb. Dr. Eli Munk-Lon-otst! Berlin, 31: Mai. Am Schabbos rwa versammelten sich im Hause des Herrn Rabb. Dr. Esra Munk in Berlin eine große Zahl junger Leute aus allen Kreisen der Berliner Jereim zu Ehren ihres Führers und Freundes Rabb. Dr. Eli Munk und um an den Schewa Beröchaus teilzunehmen. Herr Dr. Eli Munk, war: nach Ablegung der Rabbmatsprüfung am Rabbinersemlnar mehrere Jahre Substitut seines Vaters im Räbbinat der Adaß Jisroel und vor allem in der Leitung des „Büros für Schächtangelegenheiten". Hier hatte er Gelegenheit, ein Spezialgebiet des Abwehrkampfes wissenschaftlich und praktisch zu bearbeiten und mit den übrigen Faktoren des Abwehrkampfes zusammenguwirken. Diese sich im Stillen vollziehende Arbeit trug reiche Früchte, verschaffte Dr. Eli Munk bald Ansehen weit über den Kreis der Gefetzestreuen hinaus und trug unmittelbar zu einer Erhöhung des Prestiges des gesetzestreuen Judentums überhaupt bei. Daneben betätigte sich - Dr. Munk erfolgreich als Lehrer junger Kaufleute, Handwerker und Akademiker aus praktischen Berufen und in der Jugendbewegung, bis er im Herbst 1930 einen ehrenvollen Ruf auf den Rabbinatssttz des Rabb. Schönfeld ‘-txt an der „Adaß Jisroel" in London erhielt. Seine Anwesenheit in Berlin gelegentlich seiner Vermählung mit der Tochter des Hamburger Raw '"2 gab seinen Freunden willkommenen Anlaß, ihm ihre Vermehrung, Freundschaft und dauernde Verbundenheit trotz neuerlicher Trennung zu bezeugen. Vertreter der verschiedenen von ihm gebildeten Schrurim-Gemeinschaften drückten ihm während der Seudo Schelischith ihre Wünsche und Hoffnungen für seinen neuen Wirkungskreis aus und betonten, daß er jedem von ihnen nicht nur „Raw" gewesen, sondern bald auch „Chower" geworden sei. Dr. Eli Munk dankte für die ihm bewiesene Anhänglichkeit und benutzte seinen Abschied von seinen Freunden zu einer ernsten Mahnung zu brüderlicher Solidarität der Gleichgesinnten und Gleichstrebenden im Hinblick auf die schweren Aufgaben des gefetzestreuen Judentums hier wie im Lande der Väter. Chassidifche Sabbatlieder und nach Hawdoloh frohe Gesänge und Tänze hielten die große Freundesschaar bis in die Nacht versammelt. Vratislawa, 29. Mai. Mit Rabbi Samuel Donath ist eine der populärsten und der markantesten Persönlichkeiten unter den n"n in Preßburg heimgegangen. Man kann ohne Uebertreibnng von ihm sagen, daß er der „beliebteste Mann" in Preßburg war. Ein beredtes Zeugnis legte davon seine '’iVn ab. Es war dies eine Gemeindetrauer, wie man sie in Preßburg noch selten gesehen. Jung und Alt aus allen Kreisen, ließen es sich nicht nehmen, dieser Trauerfeier beizuwohnen, diesem iv-2 die letzte Ehre zu erweisen. Frühzeitig noch vor der rm» -a wurde der Verblichene bn in die Gemächer der Thora eiygesührt. In Preßburg, wo er als pnaiv y»»Wi bes ^s.isiv vav ^va 11X2N sein Wissen vertiefte, entwickelte er sich zu einem abviv n"n» der die Befähigung hatte, als Führer in mVnp zu wirken, aber seine seltene Bescheidenheit lieh ihn nicht ein solches Amt übernehmen. Destomehr war er der berufene Führer eines weiten Kreise in der an> 'p ni-np und verstand es nicht nur durch den geistreichen ni-nav-Schatz, sondern durch die Art seines Vortrages die Herzen seiner Zuhörer zu gewinnen. Als Redner der rran sizrnp'n war er einzig in seiner Art und. blieb kein Auge., tränenleer, wenn er nur den pioa, mit dem er den - "tBon begonnen, in rührender Weise!. vorgetragen. Aber seine Menschenfreundlichkeit und Menschenliebe adelte ihn als den hervorragenden Menschen/ der von allen Seiten geliebt und geehrt wurde. Um seine Bahre standen fünf Söhne und vier Töchter, von denen drei als Rabbiner wirken und zwar der ältsstq! in Frankfurt-M.. einer in Onod und einer in Nove-Mesto. Drei wnov.n wurden im Trauerhause und zwei am rrnn gehalten und zwar vom Frankfurter ältesten/. Sohn Rabb. Donath und vom dritten der Söhne, der Rabbiner tin Nove-Mesto ist. Sein mar möge der schwer heimgesuchten Familie und der . >p ni>np beistehen. ni'asan. Vermischtes. Gailmgen, 1. Juni. Im Juli ds. Js. wird der Anbau des hiesigen Kranken- und Erholungsheimes fertig fein, so daß das Haus nicht nur den Zweck erfüllt, Kranke aufzunehmen, sondern denjenigen Personen, die einen billigen, aber sehr guten Sommeraufenthalt wünschen, das zu geben, was man erwartet, nämlich: Der Neubau umfaßt einen großen Speisesaal, einige modern eingerichtete Zimmer, einen Aufenthaltsraum und einen großen Balkon, der bei gutem Wetter für Licht-,und Sonnenbäder benützt werden kann. Die günstige Lage des Heims, mitten in einem schönen mit Bäumen beschatteten Garten, ringsum Felder und Wiesen,, abseits der Ortshäuser, ruhig und staubfrei und herrliche Aussicht auf die nahe Schweiz, bürgen für gute Erholung. Die Verpflegung ist erstklassig, gut bürgerlich, vor allem aber streng rituell und sauber. Sie können den Körper pflegen durch Ruhe, gute Koll und Behandlung des Arztes. Sie können den Geist pflegen durch den Besuch des G'ttesdienstes und religiöer Vorträge, die unser Herr Rabbiner Dr. Bohret zu einem Genuß und Erlebnis zu gestalten weiß. Sie können wundervolle Spaziergänge in die nahen Laubwäl-

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