Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1931)
- Date
- 1931-06-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 23 Der Israelit 4. Juni 1931 Nachdem ihm jedoch Herr Porusch die Konsequenzen, die entstehen könnten, klar gemacht hatte, versprach Herr Kisch, die Leitung des Mokka bi näch steWoch e kommen zu lassen und auf sie einzuwirken, daß sie künftig wenigstens am Schabbos nicht mehr spielen. Agudas Jisroel und Waad haar Aschkenasi, die das Spiel an diesem Sabbat verhindern wollten, beschlossen, den Advokaten Dr. Buchsbaum zur Leitung der palästinensischen Landespolizei zu senden und dort zu bitten, daß man mit den Gefühlen der orthodoxen Juden rechnen und den britischen Polizeibeamten untersagen solle, sich am Sabbat an den Spielen zu beteiligen. Advokat Dr. Vuchsbaum nahm zu seiner Bevollmächtigung Visitenkarten sowohl des Herrn Oberrabbiner Chajim Sonnenfeld, wie des Herrn Oberrabbiner Kuck mit und sprach namens der Rabbinen mit dem Polizeichef und seinem Stellvertreter. Nach Darstellung der Sachlage versprachen die Polizeiobersten, ihrerseits auf das Spiel amSabbatz uv erzichten, unter der Bedingung, daß auch der Makkabi zustimme. Das orthodoxe Publikum glaubte, daß wenn sogar die britische Polizei e i n v erst a n d e n s e i, d a s s a b b a t l i ch e S p i e l z u unterlassen, der Makkabi doch gewiß z u st i m m e n w e r d e. Wie betroffen waren wir jedoch, als wir erleben mußten, daß der Makkabi in seiner Gefühllosigkeit sich nicht schämte, den Frommen Jerusalems zum Trotz am Sabbat dennoch zu spielen. Eine große, am Schabbos selbst geschriebene Bekanntmachung wurde angeheftet, die besagte, „die britische Polizei habe im letzten Augenblick mit geteilt, daß sie weg ender Hitze (!) sich an dem Spiele nicht beteiligenwerde." Bor den Augen aller Juden verkauften sie öffentlich Karten; die Charedim, die herumstanden, protestierten dagegen, aber die jüdischen Polizisten schlugen mit fürchterlicher Wut auf sie ein. Mit ihren Pferden ritten sie über die orthodoxen Massen hinweg und sie schämten sich nicht einmal, daß sie von den englischen Polizeibeamten, die auf dem Spielfeld anwesend waren, von dem Prügeln ihrer Glaubensgenossen Zurückgehalten werden mußten. D i e j ü di s ch e n Polizisten mißhandelten auf die g r a u s a m st e Weise zwei T a l m i d e Chachomim und führten sie ins Gefängnis ab. Sie erröteten nicht vor Scham, als arabische Polizisten erstaunt fragten, aus welchem Grunde diese Leute festgenommen und geprügelt würden. Es handelt sich dabei um zwei ausgezeichnete junge Gelehrte, denen auf dem Gesicht geschrieben stand, daß sie weder geraubt noch gemordet hätten, sondern daß sie den heiligen Kampf für die Heiligkeit des Landes führten. Um dieses Verbrechens willen werden die Menschen in der heiligen Stadt Jerusalem von jüdischen Polizisten ins G ef än gn is g e fü h rt. Durch besondere Grausamkeit zeichnete sich der Polizist Nr. 292 aus, er verfluchte und lästerte die Diener des lebendigen G'ttes. Ein fürchterlicher und herzzerreißender Anblick war es, als ein jüdischer Polizist einen jemenitischen Juden blutig schlug. Der Jemenite schrie laut: „Im Jemen unter der grausamen Herrschaft des Imam haben uns keine Juden geschlagen, wie ihr es gegenüber euren Brüdern in der heiligen Stadt Jerusalem tut." Und nun wenden wir uns an alle, die Einfluß besitzen, dem furchtbaren Chillul Haschem ein Ende zu machen, der durch den Makkabi hervorgerufen wird. Dieser selbe Makkabi, der, wenn er zu Propagandazwecken ins Ausland reist, durch feine Führer verkünden läßt, er entweihe den Sabbat nicht und verachte nicht die Tradition; aber im jüdischen Lande, im heiligen Land, ist es ihm erlaubt, mit Stolz und Verachtung auf allen jüdischen Heiligtümern herumzutrampeln und den Namen G'ttes zu entweihen. Der Engländer, der die religiösen Gefühle des orthodoxen Juden nicht zu verstehen braucht, er verzichtet auf sein Vergnügen und sagt das Di« Woche. Berlin. Das preußische Ehrenmal für die Gefallenen des Weltkrieges wurde der Oeffentlichkeit übergeben. Die Uebergabe erfolgte in der von Schinkel erbauten Neuen Wache unter den Linden durch den Reichspräsidenten v. Hindenburg und den preußischen Ministerpräsidenten Braun. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten hat gleich allen anderen Organisationen mit 10 Mann an dem Weiheakt teilgenommen. Der Reichspräsident o. Hindenburg schritt die Front der erschienenen Abordnungen ab und begrüßte dabei auch die Kameraden vom Reichsbund jüdischer Frontsoldaten. — Frau Geheimrat Prof. D. Rosa Barth verstarb im Alter von 79 Jahren. Sie war eine Tochter von Rabbiner Dr. Es - riel Hildesheimer und Witwe des im Oktober 1914 verstorbenen Geheimrat Prof. Dr. Barth. Ihr Gatte war Professor der orientalischen Sprachen an der Universität und Dozent desselben Fachs am Hildesheimer'schen Rabbinerseminar zu Berlin. Zwei andere Söhne, Lazarus Barth und Rechtsanwalt Dr. Arnold Barth, gehören zu den führenden Persönlichkeiten der Misrachi-Organisation. — Nach Entscheidung des Reichsgerichtes kann kein Angeklagter einen jüdischen Richter wegen seiner Zugehörigkeit zum Judentum ablehnen. In all den Fällen, in denen wegen Nichtbefolgung des Ablehnungsantrages Revision gegen das Urteil eingelegt wurde, ist diese Revision zu verwerfen. — Die Bluttat in Preußisch-Holland (Ostpreußen), bei der ein 16jähriger jüdischer Lehrling, Abraham Knopp, von einem antisemitischen Realschüler niedergestochen wurde, veranlaßt die völkischen Fraktionen zu einer Kleinen Anfrage im Landag, was die Staatsregierung „gegen die Hetze der Juden gegen das christliche Bürgertum und die Schule in Preußifch-Holland" zu tun gedenke. So verstehen die Herren den Spieß umzudrehen. — Unter dem Namen „Der jüdische Aufbau" erscheint eine neue zweimonatliche „Ort"-Zeitschrift in Berlin, geleitet von George G ä tz und Dr. M. T r a u b. Gätlingen. Die Wahlen zur Studentenkammer in Güttingen ergaben elf nationalsozialistische Sitze; damit ist die Herrschaft des Hakenkreuzes in der Göttinger Studentenkammer besiegelt, da ihnen die Arbeitsgemeinschaft mit nur fünf Sitzen gegenübersteht, katlowih. Die polnischen Behörden haben 200 jüdischen Markthändlern in Königshütte den Besuch der Märkte verboten und somit 200 jüdische Familien, brotlos gemacht. Sie berufen sich dabei auf ein angebliches deutsches Gesetz von 1907. Brüssel. Den belgischen Staatspreis für Literatur erhielt dieses Jahr Josef S ch u l s i n g e r, ein junger jüdischer Schriftsteller, dessen Stück „Le Septenaire" („Die Schiwoh") mit gutem Erfolg im Brüsseler Stadttheater aufgeführt wurde. Paris. Die Emigrationsstellen warnen vor einer Auswanderung nach Cuba, da dort zur Zeit die wirtschaftliche Lage der jüdischen Bevölkerung äußerst kritisch sei. Awnlreal. Nach verössentlichten Zahlen ist die jüdische Einwanderung von Kanada im letzten Jahre um 49 Proz. gesunken. Amsterdam. In einem mit Hakenkreuzfahnen geschmückten Auto erschienen deutsche Ausflügler auf dem Rembrandplain, einem von Juden bewohnten Viertel, und suchten durch antisemitische Zurufe jüdische Passanten zu provozieren. Es gab einen großen Auflauf und die Hakenkreuzler wurden so schwer verprügelt, daß sie sich unter polizeilichen Schutz begeben mußten. Budapest. Die gemeinsamen Bestrebungen der orthodoxen und neologen Kanzleien, den jüdischen Häftlingen in den Gefängnissen rituelle Kost zu verschaffen, scheiterten an der ablehnenden Haltung des Justizministeriums. Nur für die Pesiachtage wurde diese Ausnahme gewährt. Wilna. Im Wilnaer jiddischen Kulturhause tagt gegenwärtg eine Konferenz zur Vervollkommnung der jiddischen Orthographie und Aussprache, an der etwa 50 Delegierte aus Polen, Lettland, Litauen, Amerika und aus anderen Ländern teilnehmen. Auch die Germanistik-Professoren der Wilnaer Universität beteiligen sich an der Aussprache. Spiel ab. Diese jungen Menschen aber, die sich den Namen Makkabi usurpiert haben und die zum größten Teil auf Kosten der jüdischen Gesamtheit leben, sie kennen kein Erbarmen und verspotten und verschmähen die Heiligkeit des Sabbats im Lande der Väter. Warum? Weil Waad leumi und Agudas Jisroel aufgehört haben, ihnen monatlich Lst. 50.— dafür zu bezahlen, daß sie den Sabbat nicht entweihen sollen. Dieselben Leute, die im Namen des Nationalismus zur Regierung und zu den Arabern sprechen, sie bohren hr Schwert in das Herz ihrer nationalen Brüder. Wir wenden uns an die Oberhäupter der zionistischen Organisation und des Waad leumi tji Erez Jisroel und sagen ihnen laut und offen, daß das orthodoxe Judentum diese grobe öffentliche Sabbatentweih u n g nicht mehr d u l d en wird. Innerhalb einer Woche werden wir das Notwendige tun, um dafür zu sorgen, daß diese öffentliche Sabbatentweihung sich nicht mehr wiederholt. Denn wenn dies nicht gelingen sollte und der Chillul Schabbos geht weiter, fo werden wir nicht ruhen und rasten und werden mit allen Mitteln im Lande und in der ganzen Diaspora den Kampf gegen Euch aufnehmen. Wir wenden uns auch an die palästinensische Politzer und sprechen ihr den Dank des orthodoxen Judentums vor der jüdischen und nichtjüdischen Oeffentlichkeit des Landes und der Welt aus für den Adel ihrer Gesinnung und für die menschliche Rücksichtnahme auf die Empfindungen des orthodoxen Judentums, aus der heraus f i e die Beteiligung an dem fabbatlichen Fußballspiel ablehnte und Wir bitten, doch um des Friedens der Stadt willen und um der religiösen Gewissensfreiheit in Erez Jisroel willen jedes Fußballspiel am Sabbat zu untersagen, damit die legitimen Empfindungen der orthodoxen Bevölkerung geschont werden, die in diesen Spielen eine grobe Verletzung der Sabbatruhe, jener Sabba-truhe, die uns ein G'ttesgeschenk ist, erblickt. So wie das Gesetz den Muselmann bestraft, der im Fästenmonat Ramadan öffentlich ißt, weil er damit die moslemische Oeffentlichkeit erzürnt, und wie es die Polizei für richtig gehalten hat, in Tel-Awiw Kinoaufführungen in Jargon zu verbieten, weil derartige Aufführungen den Frieden der Stadt stören, ganz so sollte die Polizei auch das öffentliche Fußballspiel am Sabbat verbieten, weil dadurch die orthodoxe Judenheit, die ja die große Mehrheit der städtischen Bevölkerung ausmacht, in immer neue Erregung gebracht werden muß. Wir verlangen die strengste Bestrafung den jüdischen Polizisten, die sich grausam benommen haben, während der Polizeioberst, Mr. Hick, ausdrücklich erklärte, er habe keinerlei ungesetzliche Handlungen auf Seiten der orthodoxen Juden wahrnehmen können. Dem orthodoxen Publikum rufen wir zu: Seid stark und bleibet stark für unser Volk und unser Land, steht fest und schützt mit Kraft die Heiligkeit bes Sabbats in der heiligen Stadt, bis dieser Schandfleck der öffentlichen Sabbatentweihung von uns genommen wird. Der orthodoxen Gemeinschaft in der Diaspora aber rufen wir zu: Erkennt doch, wie zügellose Menschen in das Heiligtum G'ttes eingedrungen sind und es entweihen wollen. Grausame Menschen, die kommen und uns rauben wollen die Heiligkeit und Schönheit unserer heiligen Stadt. Helft uns in unserem heiligen Kampfe und G'tt fei mit Euch und mit uns, daß es uns gelingt, das Böse zu verhindern, auf daß erfüllt werde das prophetische Wort: „Und die Erde wird voll sein der G'tteserkenntnis wie Wasser das Meer bedecken." Jerusalem, 1. Juni (Telegr. ITA.) Unter dem Eindruck der von den orthodoxen Juden erhobenen Proteste wurde für den vergangenen Sonnabend in Jerusalem kein Fuß-