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Der Israelit · 1931-06-04 · Heft 23 (4.6.1931) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 23 (4.6.1931)
Date
1931-06-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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4. Juni 1931 Der Israelit Nr. 23 Seite 3 Die oben geäußerten prinzipiellen Bedenken sind dadurch freilich nicht zerstreut. Das beste wäre, wenn v o r d e r A bnahme der ersten Prüfungen die ganze Frage'noch einmal gründlich erwogen würde. V i e l l e i ch t l i e ß e f i ch Loch noch eine Prüfungsordnung erziel e n , die d e n b e f o n d e r e n Verhältnissen des jüdischen Unterrichts mehr entj pricht." Soweit Herr Studiendirektor Dr. Elias. Fasten wir den Gesamtemdruck, der sich aus dieser Darstellung ergibt, zusammen, so scheint uns, daß. abgesehen von den prinzipiellen Bedenken gegen jeden Versuch, einheitliche Formulierungen für religiös-welLanfchauliche Belange der Orthodoxie und der Neologie zu finden, in d>er Praxis die aus dem Erlasse drohenden Gefahren vor allen Dingen die G e - m e i n d e o r t h o d o x i e angehen und von dieser nicht leicht genommen werden dürfen. Während bisher die ganze Regelung des jüdischen Religionsunterrichtes an höheren Schulen vollkommen der Initiative der Gemeinden anheim gegeben war, und die GemeiNdeorthodoxie daher bei einiger Rührigkeit meistens dafür sorgen konnte, daß Lehrer gesetzestreuer Richtung in genügender Zahl vorhanden seien, besteht jetzt immer die Gefahr, daß von Seiten der Schulleitung derjenige Studienrat, der zufällig das akademische Religionslehrerexamen abgelegt hat, mit dem Religionsunterricht betraut wird. Befindet sich nun am Platze eine Gemeinde, die dem Halber st ä d t e r Verband angehört, so hat d lese Gemeinde bezw. ihr Rabbinat immer das Recht, gegen die Betrauung einer ihrem religiösen Bekenntnis nicht ungehörigen Persönlichkeit mit dem Religionsunterricht für Kinder aus dieser Gemeinde V e r w a h r u n g e i n z u l e g e n, ein Recht, das vom Ministerium durchaus anerkannt wird. Anders stehr es jedoch mit der einer eigenen, vom Staate anerkannten politischen Organisation leider entbehrenden Gem e i n d e o r t h o d o x i e. Der Staat wird innerhalb der sogenannten Einheitsgemeinde unter den religiösen „Richtungen" nicht differenzieren können," und er wird daher dem Versuche, einen Studienrat liberaler Richtung für orthodoxe Schüler zu disqualifizieren, immer ablehnend gegenüberstehen. Gewiß bleibt es auch dann den Erziehungsberechtigten Vorbehalten, ihre Kinder ohne nähere Begründung von dem ja glücklicherweise nicht obligatorischen Religionsunterricht zu dispensieren. Aber auf die moralischen Schwierigkeiten und Nachteile, die mit solchen Dispensen verbunden sind, ist bereits in den Ausführungen von Herrn Dir. Dr. Elias hingewiesen. Jedenfalls müßte, sobald die Neuregelung sich künftig praktisch auswirken wird, mit ganz anderer Intensität als heute von allen g e s e tz e s t r e u e n Rabbinaten d e n E lt e rn d crs R e cht u n d d i e P f l i cht e i n g e s ch ä r f t werden, ihre Kinder v o n j e d w e d e m r e t i g i ö s e n U n t e r r i ch t f e r nz uhalt en, d er von liberalen oder m i t t e l p a r t e i l i ch e n S t u d i e n - raten erteilt w t r d. Es ist sicherlich pädagogisch weit vorteilhafter, daß ein Kind keinen schulmähigen, ja doch nur in homöopathischen Dosen erteilten Religionsunterricht erhält, als daß ihm in frühester Jugend und in der gefährlichsten Form die Leugnung jüdischer Grundwahrheiten in die Seele gesenkt wird. Ein Punkt, der mit der Prüfungsordnung im engeren Zusammenhang steht, ist in den vorhergehenden Ausführungen noch nicht erwähnt: die Frage der Lehrbücher. Zur größten Ueberraschung der Orthodoxie hat der Berliner Landlesoerband m einer der letzten Nummern feines Verwaltungsblattes ein Verzeichnis von Lehrbüchern für den jüdischen Religionsunterricht veröffentlicht, der angeblich in dieser Form einheitlich für alle jüdischen Gemeinden vom Ministeriüm genehmigt worden sei, während es eine große Anzahl Bücher enthält, die vom Standpunkt des o r t h o d o x e n I u d e n t u m s aus als dogmatisch unzulässig mit aller Entschiedenheit a b g e l e h n t werden müssen. Nach den von uns eingezogenen Erkundigungen handelt es sich bei dieser Veröffentlichung um einen Uebergriff des preußischen Landesverbandes. Das Ministerium hat sicherlich nicht die Absicht, einen Gewissenszwang auszuüben und würde jederzeit bereit sein, diejenigen Bücher ausdrücklich zu bezeichnen, die für den H a l b e r st ä d t e r Verband als religiös unzulässig gelten müssen. Man hat aber von der Veröffentlichung einer solchen Ergänzung und Berichtigung bisher nichts gehört. Auch hier zeigt sich wieder einmal, wie sehr die Orthodoxie bei jedem Versuche, im staatlichen Interesse mit neologen bezw. neutralen Verbänden zusammenguarbeiten, aus der Hut sein muß. Endlich sei noch aus ein weiteres Moment hingewiesen, das in den Ausführungen des Herrn Dr. Elias nur gestreift ist: das Verhältnis der Jeschiwos zu den R a b b i n e r s e m i n a - r e n. Der Halberstädter Verband wünschte von v v r n e h e r e i n , daß nicht nur die Seminare, sondern auch die Jeschiwos, wenn ihre Aufgabe sich auch nicht auf die Rabbinerbildung allein beschränkt, als Ausbildungsstätten für geprüfte akademische Religionslehrer zugelassen werden sollten. Es ist klar, daß die bisher noch nicht durchgesetzte, aber durchaus im Auge zu behaltende Forderung der paritätischen Anerkennung der Jeschiwos für die ganze gesetzestreue Judenheit nicht allein eine Prestige-, sondern eine P r i n z i p i e n f r a g e ist. Die Wiederanerkennung des echten, vertieften, ungebrochenen Li->!mud Hathauro, das unsere Väter in allen Stürmen der Zeiten allein aufrecht erhalten hat, ist eine Lebensfrage für die ganze Judenheit. Wenn es sich darum handelt, religiöse Erzieher für unsere Jugend zu bestellen und staatlich anerkennen zu lassen, so dürfen wir uns eine Degradation der altüberlieferten jüdischen Wissenschaftsmethoden schon darum nicht gefallen lassen, weil durch eine solche Degradation der Zuzug zu den Jeschiwos, der heute in erfreulichem Ansteigen begriffen ist, sehr leicht Not leiden kann. Kein Mensch wird die unbedingte Existenznotwendigkeit des Berliner Rabbinerseminars irgendwie anzweifeln, und niemand wird die unendlichen Verdienste verkennen, die diese Anstalt sich um die Erhaltung des orthodoxen Judentums in Deutschland, ja, in der ganzen Welt, erworben hat und erwirbt. Aber das Rabbinerseminar selber beansprucht ja kein Monopol aus Tauroh. Es wird sicherlich die paritätische Anerkennung ber Jeschiwos als seine eigene Forderung gern aufnehmen und sich mit biefen im gleichen Sinne wie es selbst wirkenden Anstalten solidarisch erkläre n. Wir resümieren: 1. Der Halberstädter Verband sollte versuchen, das Ministerium zu einer den dogmatischen Bedenken der Orthodoxie Rechnung tragenden Aenderun-g der Prüfungsordnung zu veranlassen derart, daß sowohl das Wort „Entfaltung" verschwindet, als auch die für die gesetzestreuen Anstalten erforderlichen Prüfungsbedingungen, die in der Kundgebung des Halberstädter Verbandes enthalten sind, in diePrüfungsordnung selb st ausgenommen werden. 2. Den drei theologisch-akademischen Bildungsanstalten (§ 4 der Prüfungsordnung) müßten die in Preußen bestehenden Jeschiwos sowohl hinsichtlich der Ausbildung, als hinsichtlich der Abnahme der Prüfungen gleichgestellt werden. 3. Der konservative Unterrichtsausschuß des preußischen Landesverbandes müßte dafür sorgen, daß in irgend einer Form auch die orthodoxen Rabbiner von Einheitsgemeinden das Recht erhalten, akademische Religionslehrer liberaler Richtung, wenn ein großer Teil der Schüler konservativen Häusern ent- Äleines Feuilleton. Die Zahl der Jaden in Amerika. Das American Jewish Comitee veröffentlicht neue statistische Daten über die Zahl der Juden in Amerika.' Diesen Ausstellungen zufolge lebten in den Vereinigten Staaten Ende 1927 4 229 000 Inden, was einem Anteil von 3,4 Prozent an der Gefamtbeoölkerung dens Landes entspricht. Vor 50 Jahren, vor dem Einsetzen der Massenauswanderunngsbewegung aus Rußland nach Amerika nach den Pogromenn und den Maigesetzen von 1881, gab es in den Vereinigten Staaten nur 230 000 Juden. Von 1881 bis 1930 find 2 483 944 Juden als Immigranten nach Amerika gekommen, während 113 099 Juden in dem gleichen Zeitraum aus Amerika auswanderten. Im Jahre 1930 sind 11526 Juden, zum größten Teile Angehörige der im Lande bereits ansässieng jüdischen Bevölkerung, in die Vereinigten Staaten eingewandert. 85 Prozent der qjüqdischen Bevölkerung Amerikas lebt in Städten mit einer Einwohnerzahl von über 100 000. Die statistischen Zahlen des American Jewish Eomitees stimmen annähernd mit den Aufstellungen, die von anderer Seite gemacht wurden, überein. Anläßlich de März dieses Jahres veranstalteten 50 Jahrfeier des Devon edr HHebrew Immigrant. Aid Society (Hias). im grnns der Ma-ffenemwanderung aus Osteuropa nach Amerna erklärte der Präsident von Hais, Abraham Hevdie jüdische Bevölkerung habe zur Zeit des Beginns oer Masseneinwanderung 250 000 bet etner allgemeinen Bevölkerung von 45 Millionen betragen, während gegenwärtig bei einer Gesamtbevölkerung von 120 SfUUionen annähernd 4,5 Millionen Juden in Amerika leben. Das Büro für jüdisch-soziale Forschung veröffentlichte im Jahre 1928 eine Statistik über die Resultate einer rm Jahre 1926 unter Leitung eines Kommitees, an dessen Spitze Richter Otto A. Rosalsky und Dr. Lee R. Frankel standen, durch geführten Zählung der jüdischen Bevölkerung von Groß-Newyork. Auf Grund dieser Zählung war die Bevölkerung von Groß-Newyork mit 1728 000 Seelen sestgestellt worben, was etwa 30 Prozent der Gesamtbevölkerung der Stadt entsprach. Der Zuwachs der jüdischen Bevölkerung in der Zeit von 1915 bis 1925 betrug ebenso wie bei der allgemeinen Bevölkerung 16,4 Prozent. Sterbe- und Geburtenrate waren bei den Juden Newyorks niedriger als bei der übrigen Bevölkerung. (Ein Palästina-Pavillon auf der Pariser internationalen Kolonial-Ausstellung.) Auf Grund einer Einladung, die das Kommitee der Internationalen Kolonialaus- Qstellung, die im Mai 1931 in Paris eröffnet wurde, an die Mandatsländer ergehen ließ, sich gemeinsam mit ihren Mandatarmächten oder unabhängig an der Ausstellung zu beteiligen,' Ijaben es Freunde der Palästinafache unternommen, eine würdige Vertretung Palästinas auf dieser Ausstellung zu sichern. Die Vorbereitungsarbeiten für die palästinensische Abteilung der Kolonialausstellung lagen in den Händen des französisch-palästinensischen Kommitees, dessen Präsident der ehemalige Minister Senator Jules E o d a r d ist. Vorsitzender des Pariser Sub - Komitees ist Herr Louis Ascher, Generalsekretär Herr Jules R o s e n h e ck, weitere Mitglieder sind Jaques B i g a r d und Dr. Victor Jacobson. Senator Godard hat sich im Zusammenhang mit den Vorbereitungsarbeiten für die Ausstellung nach Palästina begeben, während der Bürgermeister von Tel Aviv, Mayer Dizengoff, der Präsident des palästinensischen Komitees, dem die Auswahl der Ausstellungsobjekte obliegt, vor kurzer Zeit in Paris weilte. Zu den jüdischen Mitgliedern des palästinensischen Auswahlkomission gehören ferner der Präsident der palästinensischen Handelskammer Hoofien, der Direktor der Ackerbauschule Mikweh Israel Krause, der geschästsführende Direktor der Jaffaer Obst-Gesellschaft Tolkowsky» das Mitglied der Exekutive des palästinensischen Arbeiterverbandes Mereminsky und der Direktor der Palestine Potash Ltd. R o s o f f. Das technische Arrangement der Palästina-Abteilung wird von der palästinensischen Gesellsaft für Handel und Industrie besorgt. Der High Commissioner hat die Mitwirkung der palästinensischen Regierung zugesagt. Der palästinensische Pavillon erinnert in Linienführung und Proportionen an das Rachelgrab-, hat jedoch eine türkisblaue Ornamentierung, ähnlich der an der Omar-Moscheee, erhalten. Das Innere enthält einen Kuppelsaal, um den die Ausstellungsräume gruppiert sind. Ein Teil dieser Räume ist der antiken und modernen Kunst Palästinas gewidmet. Die Beistellung von Leihgaben berühmtester Kunstsammlungen aller Länder ist gesichert. In den annderen Räumen wird an Handeiner großen Sammlung von Photographien, Skizzen und Mustern ein Ueberblick über die palästinensische Industrie und Landwirtschaft, das palästinensische Handwerk, Schulwesen, den Städtebau und die Meliorationen, die Elektrisizierungspläne und Mineralfchähe gegeben. In kleinen Läden werden Erzeugnisse des jüdischen Kunstgewerbes (Silber filigran- und keramische Arbeiten), sowie arabische Teppiche seklgeboten.

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