Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1931)
- Date
- 1931-05-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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28. Mai 1931 Der Israelit Nr. 22 Seite 7 Zigarren dQ Wolf Zeli Tel. Hansa 27930 fationen, die an der Gesetzmäßigkeit der Registrierungsmaßnahmen zweifeln, Haben den Gouverneur aufgefordert, gegen das Gesetz, durch das in Detroit allein über 100 000 Ausländer betroffen werden, sein Veto einzulegen. Staatsgouverneur Wilbur Brücker hat es abgelehnt, eine Delegation der in Detroit ansässigen Ausländer, die beim Gouverneur wegen des vom Parlament von Michigan angenommenen Ausländerregistrierungsgesetzes Vorstellungen erheben wollten, zu empfangen. Diese Weigerung des Gouverneurs hat in den Kreisen der ausländischen Bevölkerung von Detroit lebhaften Unwillen hervorgerufen. Vertreter der Juden, Polen, Deutschen, Jtalener und anderer Nationalitäten haben eine Konferenz einberusen, um geeignete Maßnahmen zu ergreifen, durch die das Gesetz vor dem Obersten Gerichtshof des Staates Michigan zu Fall gebracht werden soll. An den Gouverneur wurde der dringende Appell gerichtet, sein Veto gegen das Gesetz einzulegen. Allerdings besteht wenig Hoffnung, daß der Gouverneur diesem Appell Folge leisten wird. Der Unwillen über das neue Gesetz ist um so stärker, als seine Annahme erfolgte, ohne daß der Opposition die Möglichkeit gegeben worden wäre, ihren Standpunkt darzulegen. Namens des American Jewifh Committee hat Max Köhler ein Schreiben an den Gouverneur von Michigan gerichtet, in dem auf die Verfassungswidrigkeit des Ausländerregiflrierungsgefetzes hingewiesen und der Gouverneur aufgefordert wird, gegen dieses Gesetz Einspruch zu erheben. Mexiko. Die antisemitischen Maßnahmen in Mexiko. Mexico, City, 19. Mai. Die sephardischen Juden von Mexico City haben am 17. Mai einen Trauer- und Fasttag wegen der Judenverfolgungen kn Mexico abgehalten. Die Synagogen waren überfüllt. Es wurden den ganzen Tag über Bittgebete UM Beendigung der Judenverfolgungen und insbesondere um Wiederherstellung des Rechtes der Juden auf Beteiligung an den Märkten abgehalten. Der Tag war als „zweiter Jom Kippur" proklamiert worden, in allen Synagogen wurde Schofar geblasen. Die sephardischen Markthändler haben in einer Arkade einen kooperativen Laden eröffnet; die aschkenasiwie wahr das Wort ist, daß ii'va nicht Strafe, sondern Auszeichnung ist: ^na» p’nx'n. Je schwächer der Körper wurde, desto stärker wurde die Seele, desto tiefer und frommer das Gemüt, desto reifer der Geist. Ein Held im bewußten, im willigen Ertragen, im freudigen Gedulden, ging er in Eile feine. Bahn, durchmatz er den Weg des Lebens, des ganzen Lebens schneller, viel schneller als die anderen, mm« 711b 11a» vsr Dies Bewußtsein soll den Eltern und allen, die um ihn so tief trauern, Stärke und Trost geben; sein tägliches Leiden wurde zum täglichen Leisten, und darum: es war ein kurzes, aber ein volles und reiches Leben, dem E'tt den vollen und reichen Lohn zumißt, xian x*iyx r>wb! •n'asan Darmstadl, 26. Mai. An Stelle des Herrn Nabb. Wassermann, der als Dajan nach Breslau berufen wurde, wurde Herr Simon Schwab als Rabbrnatsafef f 0 r der hiesigen Neligionsgesellschaft gewählt. Herr Simon Schwab, Sohn des Herrn Leopold Schwab in Frankfurt a. M., ehemaliger Schüler der Samson Raphael Hirsch-Schule, besuchte nach Absolvierung der Schule eine Zeit lang die Frankfurter Breuer'sche Jeschiwa und widmete sich dann fünf Jahre lang ununterbrochen dem intensiven Thorastudkum an den Jeschiwos m T e l s ch und M i r. Eine kurze Zeit betätigte er sich auch als Dozent an der Jeschiwo zü Montreux. Wir wünschen dem jungen van raViv der auch in Frankfurt bei mannigfacher Gelegenheit Proben seines Könnens und reichen Thorawissens gegeben hat, von Herzen Glück für feine Amtstätigkeit. Oberdorf-Bopfingen (Württemberg), 27. Mai. Unter Teilnahme der ganzen Gemeinde konnte Oberlehrer Erlebacher am 2. Tage Schewuaus sein 25jähriges Ortsjubiläum begehen. Schon am Vorabend war der Jubilar Gegenstand herzlicher Ehrungen. Nach dem Abend- Gottesdienst versammelte sich die Gemeinde vor dem Hause des Jubilars, wo die Schuljugend unter Leitung von Frau Hermann ein gelungenes Ständchen darbrachte. Nach einigen schönen Liedern trug Fräulein Hansi Kahn ein sehr nettes Festgedicht vor und übergab dem freudig überraschten Lehrer ein Angebinde. Sichtlich gerührt dankte der Geehrte und richtete an die Jugend als die Bürgen des Sinaigeschlechts herzliche Worte. Im Anschluß an den Hauptg'ttesdienst, dem die erhebende Festpredigt und der neue Synagogenchor ein besonderes Gepräge verliehen,, hielt der Vorsitzende des Israelitischen Vorsteheramtes Herr Salli Pappenheimer eine zu Herzen gehende Ansprache, in der er das verdienstvolle und erfolgreiche Wirken des Jubilars im Dienste der Gemeinde, ihrer Vereine und Wohltätigkeitseinrichtungen sowie der Schule eingehend würdigte. Zum Zeichen der hohen Wertschätzung übergaben das Vorsteheramt, der Frauenverein und die einzelnenn Gemeindemitglieder ehrende Geschenke. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch recht, recht lange zum Wohle der Gemeinde wirken zu können. Vermischtes. Dinkelsbühl, 24. Mai. Seit ca. 50 Jahren ist Dinkelsbühl Filiale öer Kulusgemeinöe Schopfloch gewesen, schen Händler hngegen, die nicht so gut organisiert sind: Rund 20 jüdische Familien wohnen in Dinkelsbühl, und wie die Sephardim, konnten die Mittel zu einem ähn-j der Wunsch, eine selbständige Kehilla zu sein führte zu 11 * y , c. k , der am Sonntag, den 24. Mm, erfolgten Gründung einer lichen Unternchmm mcht aufbrmgen und b-smd-n f'ch, jüdijch-n Kultusg-m°ind°. In einer gut besuchten Grün- .A“r. c " dungsversammlung wurden in Einmütigkeit alle Punkte beschlossen, so auch die Anstellung eines Lehrers ab 1. auch weiterhin in verzweifelter Lage. Wie der Präsident der Bnei Vrith Alfred A. Cohen, Arbeitsgemeinschaft der Gemeinde gestiftetes Bild der Frau Selig. Dieses Bild soll dem Israelitischen Altersheim alhs dauerndes Andenken verbleiben. Der Asylverein hat Frau Selig in Anerkennung ihrer Verdienste zur Ehrendame und der Frauenverem zur Ehrenvorsitzenden erncnmt. Herr Hauptlehrer Selig dankte auch im Namen seiner Gattin in tiefbewegten Worten für die ihnen erwiesene Ehrung. Nach einem von zwei Damen gespielten Musikstück wurde die eindrucksvolle Feier geschlossen. ■ Leipzig, 22. Mai. Durch ein Morgengebet wurde das Ariowitsch-Altersheim am 17. Mai. in sinniger Weise eingeweiht. Die Stifterin Frau Luise A r i 0 w i t s ch, die leider durch ihr Gebrechen verhindert war. an der Feier teilzunehmen, hatte eine stattliche Zahl von Betern, darunter außer den Gemernderabbinern, Rabbiner F e l d m a n n und andere angesehene Persönlichkeiten der Gemeinde, eingeladen, die in dem schlichten, aber dennoch freundlichen Betsaal des Hauses die Weihe Vornahmen. Eine offizielle Einweihung soll erst später stattfinden. Im Betsaale des Altersheimes sollen regelmäßig G'ttesdienste abgehalten werden, r J denen auch Außenstehende teilnahmeberechtigt sein sollen. Die Eebetzeüten bleiben die gleichen wie in den anderen orthodoxen Synagogen. Wien, 27. Mai. Einem dringenden Bedürfnis kommt ein neugegründetes Ferienheim im Semmering für erholungsbedürftige Kinder gefetzestreuer Eltern entgegen. Das Ferienheim, in herrlichster Gegend, unter fachmännischer Leitung eines hervorragenden gesetzestreuen Pädagogen, ist geöffnet vom 1. Juni bis zum 15. September. Die Pensionspreise sind bei bester Verpflegung und sachkundiger Unterweisung sehr mäßig berechnet. Das Heim kommt auch für deutsche Kinder in Betracht. Auskunft erteilt Lehrer I. Eisenberg, Wien 20, Jägerstr. 22. Die Nloche. Juli 1931. Die ministerielle Genehmigung wird durch der bekanntlich das State Department in Washington; ben Verband bayrischer jüdischer Gemeinden, dem auch um eine Intervention in Mexico ersucht hatte, der ITA. j an dieser Stelle für seine Mitarbeit gedankt sei, bemitteilt, wird in dem Bericht des amerikanischen Ge-? antragt. Das seitherige Ausschußmitglied, Herr David sandten in M°ric° °rk,°r, daß die antisemitischen Zms.iKK ^.^An^ennung schenfalle auf die schwierige ökonomische Lage in Mexiko j einstimmig zum 1. Vorsitzenden gewählt. Die Wahlen zurückzuführen seien und daß den Juden keine körperliche ergaben weiter: 2. Vorstand: Herr Adolf Hamburger; Unbill zugefügt wurde. Der Orden Bnei Brith hat einen Schriftführer: Herr Felix Klau und Kassier Herr Max Sonderdelegierten zur Untersuchung der Bursülle nach Sammer. Es wurde belchlossen. d-tz da- Gründung-. Mexico entsandt. Personalien. Hamburg, 27. Mai. In den Vormittagsstunden des r->V,ap ahs>> da schon die Stimmung und Mahnung des Festes auf uns lag, haben wir einen Edeljüngling zur ewigen Ruhe gebettet, dessen kurzes Leben ein volles Bekenntnis zu dem nvsa-Gedanken gewesen zur willigsten Hingabe an G'tt und an alle Forderungen, die er dem Menschen stellt. Franz David ging nach mehrjährigem, schweren Leiden im 18. Jahre von uns, aufs Tiefste betrauert und beweint von einem weilen, weiten Kreis ihn herzlichst Liebender, vor altem aber von seiner Familie, dem greisen Großvater, den Geschwistern und seinen um dies kostbare Menschenkind bis zum letzten Tage mit aller Kraft ringenden Eltern. oaam jung und vollendet, jung vollendet.' So darf in einem Satz Weg und Inhalt seines Lebens gekennzeichnet werden. Gewann er schon in gesunden Tagen die Herzen Aller, mit seiner ungewöhnlich reicheUj, vielseitigen Begabung, mit der Liebenswürdigkeit seines Wesens — „ein leuchtendes Vorbild für alle" — sagte der Direktor unserer Talmud-Thoraschule von ihm aus, so zeigte er doch erst in den schweren Tagen und Jahren, Protokoll zum ewigen Andenken von allen Versammlungsteilnehmern unterschrieben werden soll. Möge der jungen Gemeinde G'ttes Segen nicht fehlen zum Ruhm unseres heiligen Glaubens. I. B. Emden, 26. Mai. Nach fast 40jähriger ehrenamtlicher Tätigkeit in den verschiedensten Institutionen der hiesigen jüdischen Gemeinde verläßt Frau Berta Selig Anfang Juni Emden, um ihren Lebensabend bei ihren Kindern zu verbringen. Aus diesem Anlaß veranstaltete die jüdische Gemeinde im Waisenhaus Klaas, Tholenstraße, am Sonntag, den 17. Mai, eine Abschiedsfeier, die -außerordentlich stark besucht war. Fräulein Mathilde Hart 0 g s 0 h n gab in sinnigen Versen das Programm bekannt. Nach kurzen Begrüßungsworten des Herrn Moritz v. d. Berg hielt Herr Vorsteher Lonis Wolff die Festrede. Derselbe wies in zu Herzen gehenden Worten auf die Verdienste hin, die Frau Selig in 40jähriger aufopfernder Tätigkeit in der Wohlfahrtspflege sich erworben hat. Bei dieser Gelegenheit ließ er auch die Tätigkeit des Herrn Hcruptlehrer Selig nicht unerwähnt, da derselbe über 35 Jahre der Leiter der hiesigen jüdischen Schule war, und sich auch sonst ehrennamtlich betätigte. Er brachte den Dank der Gemeinde zum Ausdruck. Nach gesanglichen vorzüglichen Darbietungen des Herrn Oberkantor Wolkenfeld überreichte dann in selbstverfatzten, sinnreichen Versen Frau Auguste Gossels ein von der Die Tagung der Soncino-Gesellschaft. Die Soncino-Gesellschaft der Feunde des jüdischen Buches hielt, wie bereits mitgeteilt, ihre'Jahresversammlung vom 24. bis 26. Mai in Frankfurt ab. Der Sonntag war mit einem Ausflug nach Mainz und Worms und der Besichtigung der dortigen jüdischen Altertümer ausgefüllt. Montag wurden im Anschluß an einen Vortrag von Dr. Julius C a h n „Aus der Geschichte der Frankfurter Judengasse" der alte Frankfurter Friedhof und das frühere Judenviertel besichtigt. Die eigentlichen Verhandlungen und Beratungen, zum Teil in geschlossener Mitgliederversammlung, fanden am Diestag statt. Ein Festessen am Montag abend versammelte die auswärtigen und hiesigen Gäste zu froher Geselligkeit. Die Tagung klang am Diestag vormittag mit einem Festakte im Lesesaal der Stadtbibliothek aus, bei dem Professor Dr. Heinrich Löwe über „Die Juden als Volk des Buches" und Professor Dr. A. Freimann über „Die Illustration im hebräischen Buch der Frühzeit" referierten. Viele Organisationen und Institutionen, u. a. auch die Israelitische Religionsgesellschaft zu Frankfurt am Main, überbrachten ihre Grüße der Soncino-Gesellschaft. Anschlreßennd an den Festakt fand eine Führung durch die Ausstellung: „Das illustrierte hebräische Buch bis zum Ende des 17. Iahrhnnd e r t s" statt. Diese Ausstellung ist vom 1. bis zum 30. Juni zur freien Besichtigung geöffnet. Ausführlicher Bericht über die einzelnen Referate, Verhandlungen und Veranstaltungen folgt in nächster Nummer. Zum 70. Geburtstag des Herrn H. Speier. Aus Anlaß seines 70. Geburtstages wurde Herr H. S p e i e r während des G'ttesdienstes durch eine Feier geehrt und wurde ihm dabei der Dank der Mitglieds ausgesprochen. Möge es ihm vergönnt sein, noch lange der Vorsitzende des Nord-West-Minjans zu sein und dieses weiter zu fördern. Bei dieser Gelegenheit sei zur Notiz in der vorigen Nummer folgendes richtiggestellt: Es heißt dort, daß Herr Speier ein Hauptbesucher des im Hause Liebmann Baer, Gervinusstraße, errichteten Minjan-G'ttesdienstes sei. Dem ist nicht so. Nach Auflösung des Baer'schen Minjans, Eschersheimer Landstraße, errichtete Herr Speier im Gemeindehaus, Esche rsheimer Landstraße 65, ein neues Minsan. Dieses Nord- W e st - M i n j a n erfreut sich starken Besuches und ist ein Sammelpunkt der näheren und weiteren Ilmgegend geworden. Die Geburten- und Sterblichkeiksziffern der Frankfurter Juden. Die Sektion für Wirtschaft und Statistik des Jiddischen Wissenschaftlichen Instituts errechnete auf Grund amtlichen Quellenmaterials die folgenden Ziffern über die Geburten- und Sterbefälle in Frankfurt a. M. im letzten Vierteljahrhundert (1906 bis 1929): Die jährliche Durchschnittszahl der ehelichen Geburten in Frankfurt a. M. im Zeitabschnitt 1906 bis 1929 betrug 6673, vonn denen 373 jüdisch waren (in 352 Fällen waren beide Eltern, in 22 nur der Vater, in 20 nur die Mutter jüdisch — bei der Berechnung der Gesamtzahl 373 jüdischer