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Der Israelit · 1931-05-28 · Heft 22 (28.5.1931) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 22 (28.5.1931)
Date
1931-05-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 22 staelt 1931 Frankfurts größtes Spezialhaus bietet ,(Beste Qualität zu b i 11 i gsten Pr eisen“. Uhren aller Art Tj L Gold . Silber | |H Juwelen _ Bestecke unD SOHn Trauringe Nur Zeil 95 u. Töngesg. 25-27 Iftfzfäl Denn wir haben keine Buchprüfungsstelle, wie die Katholiken und Protestanten, für uns können auch nicht immer die in den pädagogischen Zentralstellen empfohlenen Bücher in Betracht kommen. Es wäre von nicht zu unterschätzendem Werte, wenn im Anschluß an die bestehenden jüdischen Schulen entsprechend einer Anregung, die mir vor einigen Wochen von zwei Damen der hiesigen Gesellschaft übermittelt wurde, Ausstellungen von Büchern veranstaltet würden, die nach der jugendkundlichen und nach der religiösen Seite hin empfohlen werden können. Eine sorgfältige Sichtung, eine stete Erneuerung und eine individuelle Auswahl auf Grund der heute geltenden Grundsätze müßte den Eltern dabei ans Herz gelegt werden. Welcher Art diese Grundsätze sind, hat der Jeschurun (Jahrgang 17, Heft 1/2) vor einem Jahre in einem Artikel: „Was sollen unsere Kinder lesen und? was lesen sie" dargelegt. Welche Bücher darnach empfohlen werden können und heute existieren, kann hier nicht Zusammengestellt werden. Es sind wenig genug. Was die Sippurim und S. Cohn mit ihren kaum recht gewürdigten Milieu-Schilderungen, was Vernfeld und Luß mit ihren feinen Charakterzeichnungen, was Lehmann, Judäus und Hause mit ihren von den Kämpfen gestriger Gesellschaft erzählenden Büchern geboten haben, reicht lange nicht mehr für unsere Zeit. . Ein seines Gefühl, für das, was auf diesem Gebiete notttrt, hat, um wenigstens ein Beispiel zu bringen, S. Schachnowitz mit seinem Roman „Abraham, Sohn Abrahams" verraten. Der Titel mag Schuld daran gewesen sein, daß ich das Buch mit starkem inneren Vorbehalt in die Hand nahm. Je mehr ich aber las, besonders von der Hälfte ab, desto mehr schwand er. Ich stand ganz im Banne der Handlung. Die Zusammenschau der jüdischen Zentren in Altona und Frankfurt, des Ausländerviertels von Paris, mit den Juden von Berlin, Prag und Wilna um das Jahr 1780 führt den Verfasser zur Darstellung der Hauptpersönlichkeiten und geistigen Strömungen, die in jenen Tagen bei allen Gegensätzlichkeiten oder gerade dank der Gegensätzlichkeit — denn wo gäbe es Leben ohne sie — ungeahnte Kräfte in der Judenheit entbanden und vor der großen Auflösung, die das 19. Jahrhundert brachte, noch einmal zu glänzender Entfaltung sammelten. Neben dieser nationalen Handlung wird das von der Sage überlieferte Einzelschicksal des adligen Heldenmärtyrers, der sein Los mit dem des überall verfolgten Volkes verband, bis zum bitteren Ende entrollt. Eine feine Hand, die den Meister verrät, weiß hier die Ausdrucksmittel der modernen Sprache in den Dienst geschichtlicher Erinnerungen und überlieferter Werte zu stellen. Für 14- bis 15jährige Jungen, deren historisches Interesse sich mit Vorliebe den geschichtlichen Romanen und Biographien zuwendet, kann eine solche Lektüre wertvoller als jeder Unterricht für die Entwicklung jüdischen Innenlebens werden. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen » ßacftritiNesi. Deutsches Reich. Die jüdischen Gemeinden und die Zuschläge zur Reichsvermögenssteuer. Breslau, 20. Mol In der letzten Sitzung der hiesigen Gemeindevertretung, in der einem Steuerzuschlag von 14 Proz. trotz e r jöes dabei verbleibenden Fehlbetrages von: mindestens Mk. 250.000 zugestimmt wurde, fand auch eiye -Diskussion über die Frage der Ergänzung des Einkommensteuerzuschlags durch einen Zuschlag zur Reichsvermögenssteuer statt. Der Verwaltungsdirektor Dr. Rechnitz erklärte, daß nach den Unterlagen für das Vermögen vom 1. Januar 1928 der Zuschlag zur Reichsvermögenssteuer, bei dem die Zuschläge der Reichseinkommensteuer ja zum Abzug gelangen müssen, seinerzeit für Breslau nur einen Ertrag von Mk. 80.000 für alle Kirchengemeinden ergeben haben würde. Jedoch fei es möglich, daß auf Grund der neuen Vermögensfestsetzung im Herbst nach dem Stand vom 1. Januar 1931 andere Zffern sich ergeben würden, nachdem vermutlich eine Reihe vermögender Gemeindemitglieder kein Einkommen mehr zu versteuern haben. Oesterreich. Wüste antisemitische Exzesse an der Wiener Universität. Wien, 22. Mai. Am 21. Mai kam es an der Wiener Universität zu wüsten Ausschreitungen der Hakenkreuzstudenten, die eine antisozialistische Kundgebung veranstalteten, aber in den daraus folgenden Ausschreitungen es fast ausschließlich auf die Mißhandlung jüdischer Studenten abgesehen hatten. Die nationalsozialistischen Studenten vertrieben die jüdischen Studenten aus dem Universitätsgebäude, schlugen dabei fortwährend auf sie ein, wobei mehrere jüdische Studenten erheblich verletzt wurden und auf den Polizeirettungsstationen verbunden werden mußten. Die Polizei entschloß sich erst dann zu energischem Eingreifen, als eine jüdische Studentenabordnung im Polizeipräsidium vorsprach und an die maßgebenden Stellen die Frage richtete, ob jüdisches Leben auch in Staatsgebäuden schutzlos sein solle. Die Polizei stellte nun die Ordnung her und verhaftete 12 Nazistudenten. — Der Rektor der Universität erwiderte einer bei ihm erschienenen jüdischen Studentenabordnung, die ihn um Schutz der jüdischen Studenten ersuchte, er könne unmöglich hinter jeden jüdischen Studenten einen Pedell stellen. Eine jüdische Studentenabordnung begab sich daraufhin ins Präsidium der Israelitischen Kultusgemeinde und bat um Intervention bei der Regierung. Das Gemeindepräsidium hat sofort bei der Regierung energischen Protest dagegen eingelegt, daß Leben und Gesundheit der jüdischen Studenten im Universitätsgebäude schutzlos sind. — Der Rektor erklärt in einem Anschlag, nur durch das besonnene Verhalten des Führers der (antisemitischen) Deutschen Studentenschaft seien Ausschreitungen größeren Umfanges vermieden worden. Der Anschlag des Rektors hat in freiheitlichen Studentenkreisen, die Zeugen der zügellosen antisemitischen Exzesse gewesen sind, Empörung heroorgerufen. Schweiz. Der spanische Außenminister über die jüdischen Fragen. Genf, 20. Mai. Der Außenminister der spanischen Republik, Herr L e r r o u x, der gegenwärtig in Genf zur Teilnahme an den Verhandlungen des Völkerbundsrates weilt, empfing den Vertreter der ITA. und äußerte sich ihm gegenüber über die Stellung der Regierung der spanischen Republik zu den jüdischen Fragen. Minister Lerroux gab zunächst seiner Zufriedenheit Ausdruck, daß ihm Gelegenheit geboten ist, mit einem Vertreter der jüdischen Presse über seine Stellung zur Judenfrage zu sprechen, und führte dann aus, das neue Spanien, das mit allen Spanisch Redenden sympathisiert, hege eine besondere Sympathie für die spaniolischen Juden, die, obwohl fern von Spanien lebend, durch Jahrhunderte sich ihre spanische Muttersprache bewahrt haben. Der Fall der spaniolischen Juden erinnere die heutigen Spanier an das große Unrecht, welches das einstige Spanien gegen ein arbeitsames Volk begangen hat, ein Volk, das viele Jahrhunderte in Spanien gelebt, zum Ruhme Spaniens im Mittelalter und zur spanischen Zivilisation beigetragen hat. Die spanische republikanische Regierung, sagte Minister Lerroux weiter, hat sich bereits mit der Frage der Naturalisierung der in großer Zahl in Marokko lebenden Juden befaßt. Die Sache steht jetzt so, daß irgendwelche Hindernisse gegen die Naturalisation dieser Juden nicht bestehen, da die Edikte der katholischen Könige nicht mehr als gültig angesehen werden können. Minister Lerroux gab seiner persönlichen Meinung dahin Augdruck, daß die spanische ^Regierung! schon in naher Zeit die Frage der Naturalisation der spaniolischen Juden erledigen müsse. Diese Juden sollten bald vollberechtigt spanische Bürger werden. Delegiertenversammlung des Schweizerisch. Israelitischen Gemeindebundes. St. Gallen, 25. Mai. Die diesjährige Tagung des Gemeindebundes faniij am Donnerstag in St. Gallen statt. Der Präsident bei} Gemeindebundes, Herr Dreyfuß-Brotzki, eröffnet die Versammlung mit einer Begrüßungsansprache, wor-j aus Herr Gemeinderat Sally Mayer den Tätigkeit bericht erstattete. Es werden noch andere geschäftlich! Berichte vorgelegt. Eine Erhöhung des Jahresbeitrags von 4 auf 5 Francs wird von der Mehrheit abgelehnt j Stadtrat Simon Erlanger, Luzern, referierte über die Koscherfleischversorgung. Das Zentralkomitee ist bestrebt, die Juden der Schweiz mit Koscherfleisch zu ver-! sorgen und eine ungerechtigte Preissteigerung zu verhindern. Zu den Baukosten für den Friedhof in Davos werden 5000 Fr. bewilligt. Zu einer lebhaften Debatb! führt auch die Frage der Friedhöfe in den kleinen Ge-I meinden, wie überhaupt der Mittel und Wege zur Er-! Haltung der Landgemeinden in der Schweiz. Das C. 6.1 verspricht, dieser Frage sein besonderes Augenmerk zuzuwenden. Ein Antrag auf größere Aktivierung der Palästina-Arbeit in der Schweiz wird auf einen späteren Zeitpunkt zurückgestellt, und zwar bis zur Tagung berj Jewish Agency im Anschluß an den bevorstehenden Baseler Kongreß. An Stelle des verstorbenen Präsidenten, der Bernerl Gemeinde B o n e f s wird Herr Isidor Bloch, Bern,! in das C. C. des Gemeindebundes gewählt. Die Ber-I fammlung stimmt einer aktiven Stellungnahme des C. C. gegen die Kalenderreform, sowie seinem Antrag in der Frage der Pensionierung der Lehrer und Kan-j toren, der von 1940 an einen Fond von 100.000 Fr. für diesen Zweck zur Verfügung stellen will, einstimmig und debattenlos zu. Es werden noch einige Mitteihiwj gen gemacht. Nach einer Danksagung Dr. Guggeriheims, Luzern, an das C. C. für seine ersprießlich I Tätigkeit wird die Versammlung mit einer Schlußrede | des Präsidenten geschlossen. polen. Die polnische Regierung zur Kalenderreform. Warschau, 23. Mai. Eine Deputation, bestehend aus den agudistischen ] Abgeordneten, Herren Oberrabbiner Lervin, Wisch' n i tz k i und Senator Mendelsohn überreichten dein | Mzeauhemninister eine Denkschrift über die Kalenderreform, in der die Regierung im Namen der polnischen Judenheit gebeten wird, der geplanten Reform ein kategorisches Nein entgegenzusetzen. Oberrabb. Lewin! erläuterte dabei in einer wirkungsvollen Rede, wie der! neue Kalenderplan tief in die religiösen Angelegenheiten der Juden eingreifen würde, den Sabbat zu verdrängen drohe und daß die polnische Regierung die Pflicht habe, Millionen ihrer Bürger vor Verletzung ihrer heiligsten religiösen Gefühle zu schützen. Auch vom wirtschaftlichen Standpunkt aus gesehen, sei die Reform abzulehmi. Die Worte Rabb. Lewins wurden noch ergänzt und unterstützt durch Dep. Wischlitzki und Senator Mendelsohn. Der Minister antwortete, die Denkschrift komme gerade zur rechten Zeit, da sich auch die Männer der Wissenschaft in Polen gegen die geplante Kalenderreform aussprachen. Auch er, der Minister, könne den Nutzen des Kalenderplanes nicht einsehen. Aus alle Fälle werde die Regierung den Wünschen der Juden in dieser Sachedie mit den Interessen Polens zusammenlaufen, weit' gehendste Rechnung tragen. Eine Smr'cho-Kommission. Warschau, 24. Mai- Zur Ausstellung von Rabbinatsdiplomen ist von der Regierung eine Prüfungskommission gebildet worden, in die drei bekannte Rabbiner für die Dauer von drei Jahren nominiert werden. Ihr gehören an der Lublinel Naw, Rabbi Meir Schapiro, Oberrabbiner Lewin-Rzeszow und der Luzker Raw, Rabbi Seozkin. Des weiteren ist vom Ministerium für Religion und Bildung ein Reglement für die profane Vorbildung der

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