Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1931-05-21 · Heft 21 (21.5.1931) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 21 (21.5.1931)
Date
1931-05-21
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2450652-2450673--77935-2535593
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 14 Nr. 21 Der Israelit 21. Mai 1931 Meikemeier zeigte nach« dem Bette. Ein Beamter rüttelte den Schlafenden wach: „Sie da, auf! Waren Sie auch mit in der Scheunengasse? Was wissen Sie vom Mord?" Saul Goldin riß die Augen auf und sah verwirrt und verständnislos um sich. Er hatte wohl im Morgenfchlafe eine Vision gehabt, die rohe Hand des Gesetzes zerstörte sie. Was wollte der Mann mit der Scheunengasse? „Auf, auf!", drängte der Beamte. Und Goldin begann unwillig und ohne einen Deut von alldem zu verstehen, sich anzukleiden. „Gehören die Schriften Ihnen?" Bei der Beachtung Schriften erwachte der schüttelte bejahend den Kopf. „Waren Sie mit in der Scheunengasse? Waren Sie am Morde beteiligt?" „Wo ist die Scheunengasse?" fragte Goldin mit ausgerissenen kindlichen Augen, die den grimmigsten Staatsanwalt überzeugen mußten. „Und Sie?" wandte sich der Führer wieder an Meikemeier. „Auch ich habe keine Ahnung, wo die Scheu nengafse ist und was die Herren von mir wollen," entrang sich Meikemeier in der ersten Ver wirrung. Er bereute sofort diese Aeußerung und hatte im Momente nicht den Mut, sie wieder richtig zu stellen. „Das wird sich bald finden," sagte der Beamte ruhig. „Sie kommen beide mit. Auch der ganze Schriftenschatz Goldins kam in die große Krimmaltasche. Meikemeier wurden Handschellen angelegt. Für Goldm, der das Ganze wie einen bösen Traum zu erleben schien, hielt der Führer diese Maßnahme nicht für nötig. Als sie jetzt die Zimmertüre aufmachten, sprang wieder der Hund wild schnaubend herein. Er schnupperte leicht an Goldin herum und wandte sich soforr von -ihm ab, um sich wieder an Hosensaum und Schuh von Meikemeier festzuhaken. Unten vor der Türe stand ein langer, fensterloser, grüner Wagen, der einem lackierten Leichenwagen sehr ähnlich sah. Um diesen herum hatten sich schon viele Menschen, auch Kinder mit Schulranzen auf dem Rücken, angesammelt. Während der eine Beamte diese im Schach hielt, hoben die anderen mit geschicktem Griff die beiden jungen Männer in den Kasten und schlossen die Türe. Einer der Beamten nahm mit dem Hunde, der eine Ehrenrolle bei dieser Expedition hatte, auf dem Bocke Platz. Der Wagen rollte davon „Der Mörder von der Scheunengasse!" riefen viele Stimmen. Einige Gassenjungen setzten im Wettlauf noch eine Weile dem Wagen nach und gaben dann den Kampf auf. In einem leeren Saal des Polizeipräsidiums hatte sich ein ganzer Stab von Kriminalbeamten versammelt. Auch Zivilpersonen waren rasch herbeigeholt worden. Meikemeier erkannte sofort Frau Piepke, die Gemüsehändkerin, Spuler, den Schreiner, den unbekannten Klempner und auch den Mann mit dem Pergamentgesicht, der im zweiten Stocke die Walzmafchine bediente. Frau Piepke, die hier eine ganze Frauen expedition von der Scheunengasse anzuführen schien, schrie, sobald sie ihn erblickte, aufgelöst und ungefragt: „Das ist er, das ist er, ganz gewiß, der die Treppe hinunter und davon gelaufen -ist! Im Schlafe würde ich ihn wiedererkennen!" Andere Frauen schüttelten bestätigend den in schwarze Tücher gehüllten Kopf. Der Schreiner, der Spengler und der Walzer hatten zwar keinen laufen gesehen, aber das Gesicht des jungen Mannes war ihnen bekannt, hatten ihn im Haufe der Scheunengasse wiederholt gesehen.. „Wie steht es damit, junger Mann?", richtete jetzt ein älterer Herr mit blondem Spitzbart, um den herum sich die Beamten wie um einen Brennpunkt konzentrierten, die Frage an ihn. Meikemeier schwieg in vollendeter Verwirrung. „Er behauptete bei der Festnahme, er sei nie in der Scheunengasse gewesen und wisse gar nicht, wo sie sich befinde, Kriminalbeamte. „Kennen wir," sagte der Spitzbart berichtete der ältere Strande von Scheoeningen gesunden werden kann. Ein ganz modernes Kaffeehaus, am mw und xt> nv leider ge* ©r ließ mit palmengeschmücktem Dachgarten, ist neu er- „jveuutru um [uyxe standen und besonders reizvoll zur Abendzeit. Unzählige sich dann noch alle Einzelheiten der Verhaftung defilieren im Festgewand vorüber, und unten rauscht das berichten und fertigte ein Protokoll an Meer. Es erstrahlt beim Sonnenuntergang in der herr- „Und was ist mit diesem da?" fragte nun der besten Farben, spiegelt den Himmel wieder, der sich ObertommissM mit einem Mck« nach dem an- SÄ der Verblüffung immer noch nicht erwachten wenn die Dämmerung ihren blaugraeun Schleier über Goldin. , alle Schönheit sinken läßt, erglänzen funkelnde Lichter Den kannte keiner von den Anwesenden. Kei- 'n der Ferne, die einem Schiffe draußen auf der Reede ner hatte ihn in der Scheunengasse je gesehem Seme weit aufgerissenen Augen, fern Reden und ner. auch mit bescheidenstem Einkommen, hier den Lesein Schweigen wirkten so überzeugend, daß die bensabend verbringen zu können. Man lebt hier billi- Polizei mit ihm nichts anzufangen wußte. 6er als in Deutschland und hat Licht und Luft, Freiheit und Nennung seiner Knlbin knnntp firh ,n.d->ni Gr linkte und indische Umgebung. nnllonda Er! rn konnte pcy zusem auswesten. L-r hatte, Wahrend man außerhalb Palästinas beim zweiten uummua. , Paß und war ordnungsmaßch angemeldet. Wah-.Seder saß, wurde hier die totale Mondsinsternis recht rend Meikemeier also gefesselt ins Untersuchungsgenau von den zahlreichen Spaziergängern beobachtet, gesängms abtransportiert wurde durfte Goldinimmer nach Ausgang des awoi» oöer nach Sabbatrrnrh fmufo aohon > ausgang, kann man den allgemeinen Korso, der auch nacy L)ache geyen. I in Jerusalem üblich ist, bewundern. Am dritten Tage „Ihre Schriften bleiben vorerst hier. Wir j Chol-hamoed war wieder festliche Stimmung, man feierte werden sie uns vorlesen losten und prüfen. Sie den 70. Geburtstag des verdienten Stadtoberhauptes versprechen uns, daß Sie Königsberg nicht ver-! Meyr Diesengosf. Die Zugangsstraße zur Jrijah (Stadt- " >Haus) und dieses selbst waren festlich Mit Guirlanden asich als Zeuge bereit halten. behängen. Natürlich war Alt und Jung wieder auf den Goldm versprach und unterschrieb alles und j Beinen, denn es gab viel zu sehen. Der Sportverein ging Mit einem beglückten Lächeln von dannen. >Makkabi hatte im benachbarten Jaffa sein großes Sport- Die Gewißheit, daß Menschen seine poetischen! fest. Die Teilnehmer wollten dann in geschlossenem Zuge / durch die Stadt marschieren, was aber nicht gestattet Werke lesen und prüfen werden, sich sNFM l!n -Wurde, So entschädigten sie sich dafür, daß sie in eineine andere Sprache übersetzen lasten, Männer izelnen Gruppen durch die Straßen zogen und in ihrer von Ansehen, von Amt und Stellung, im Auss schmucken Sporttracht den Zuschauern einen erfreulichen trage des Staates (was werden die staunen!) j Anblick gewährten. Wie schön wäre es wenn diese stramdi.s° Gewißheit ^schädigte ihn beinahe für die %%% ,7m Äbte?? qpU'föt man ’ ausgestandenen Schrecken Morgens. dieses unbegreiflichen (Fortsetzung folgt.) Festtage in Tel-Awiw. Von Menschern Lewinski in Tel-Awiw. Bei herrlichstem Frühlingswetter, bei tausendfältigstein Blütenduft, geht es dem minn rn entgegen. Auch das Geschäft belebt sich. Jung-Jsrael will zum xv dy> in Frische und Farbenfreude strahlen. Schon einige Tage vorher sieht man zahlreiche Kauflustige in den Läden und Bazaren. Selbst bei B a t a, der tschechischen Schuhwarensirma, drängt sich das Publikum. Das ist eine ganz außergewöhnliche Erscheinung. Noch vor einigen Wochen, bei Eröffnung dieses Geschäftes, traf ein wohlgezielter Steinwurf die kostbare Fensterscheibe ass Pro testakt der Bevölkerung, die von der Firma Bata nichts wissen wollte und das Geschäft bisher konsequent boykottierte. Es soll in der Schuhbranche nur ptw nxrm gekauft werden. Auch die Bekleidungs- und Lebensmittelgeschäfte, die Geschirrhandlungen haben viel zu tun Dann geht man mit dem Geschirr zum Mittelländischen Meere, zumTauweln, ein sehr eigenartiger Anblick. Auf den Wochenmärkten haben Geschäftstüchtige, die Kon junktur wahrnehmend, mit dampfenden Kesseln, mit brodelndem Feuer und zischendem Dampf, eine Einrichtung zum Käschern etabliert, von der gerne Gebrauch gemacht wird. Es wird einem also alles recht bequem gemacht. An allen Straßenecken und an allen Synagogen kleben die notwendigen Bekanntmachungen des Rabbinats betr. Chomezverkauf usw. Alle zahlreichen Limonadenhändler und Eisverkäufer müssen einen Hechscher des Rabbinates haben. Am Erew Pessach, wenn das innere Scheuerfest beendet ist, da qualmt es zwischen Bäumen und weißem Gemäuer, denn im Freien wird das letzte Chomez verbrannt. Arabische Frauen holen gerne die letzten Brotreste heraus, aber andere Lebensmittel kann man ihnen nicht geben. Ich sah, wie eine recht phantastisch herausgeputzte Araberin, deren Gesicht man vor schwingenden Ketten und blauer Bemalung kaum erkennen konnte, ein Päckchen mit Resten aus dem Haushalt erhielt. Da kauerte ie sich nieder und probierte den Inhalt jener Tüte. Was. oll die Arme auch mit Kartoffelmehl oder Kaffeezusatz rnfangen, was interessiert sie Reis und Salz und Haferiocken? Sie warf außer trockenem Brot alles hin, es hatte keinen Wert für sie. Und dann senkte sich feierlich der Abend hernieder. Man setzte sich um den Sedertisch und feierte, wie es eit tausenden von Jahren geschieht, das Fest der Bereiung. Und draußen lagen die verlassenen Straßen, in die Silberstrahlen des südlichen Mondes getaucht, und der ausgestirnte Himmel erglänzte wie infestlicher Pracht. Gegen Mitternacht zogen jugendliche Gruppen, hebräische Lieder singend, durch die Straßen. Diese Jugend erfreut sich der nnn* freut sich des xv dt>> freut 'ich ihrer ihnen von gegebenen Kraft. Am xv an sind selbstverständlich, genau wie am n-p alle Geschäfte geschlossen und alle Arbeit ruht. Am Nachmittag strömt alles ans Meer. Menschengewimmel, nach Zehntausenden zählend, füllt die Zugangsstraßen, so daß man nur langsam vorwärts kommt. Am dichtesten wird das Gewühl am Strande, wo die Strandpromenade beginnt, deren Breite den Verkehr nicht mehr fassen kann. Deshalb werden auch die neuentstehenden Gebäude weit die Sportjugend, alle gleichmäßig in weiß und hellblau gekleidet, vorüberziehen, hört, man ihre fröhlichen Gesänge und weiß, daß sie damit das greise Stadtoberhaupt ehren wollen. Auch wir Einwohner und Bürger von Tel-Awiw, wünschen Herrn Meyer Diesengöff noch eine recht lange und glückliche Wirksamkeit. In all diese freundlichen Farben aber fällt ein grauer Fleck, ein ganz unjüdisches Ereignis. Am Chol-hamoed- Pessach wurde das erste Pferde-Wettrennen in Palästina veranstaltet. So etwas ist zwar in paV pin üblich, in r> p*-t aber braucht man diese Tierquälerei, diesen lärmenden Unsinn nicht mitzumachen. Noch betrüblicher ist es, daß unzählige Tausende sich diesen D’»n besichtigt haben. Es ist wirklich nicht nötig, daß Tel- Awiw alle Torheiten und unjüdischen Moden von pxV mitmachen muß. Tel-Awiw muß nicht für "' den zweifelhaften Ruhm in Anspruch nehmen wollen, die modernste Stadt der Welt sein zu wollen. Man kann nur immer wieder in die Wett hinausfchreien: Ihr d->rt von pnV r>n denen '"vn die Möglichkeit hierzu gibt, strömt in Scharen hierher und verhelfet uns zu einemeinem nzmpn p« und zu einem Tel-Awiw, das nicht als die erste Modestadt, dafür aber als die erste jüdische Stadt der Welt in Erfüllung der nviipn mw vorangehen möge. (Palästina aus der Pariser Kolonialausstellung.) Die Vorbereitungen für die Beteiligung des jüdischen Jischuw an der Pariser Kolonialausstellung liegen in den Händen eines Komitees unter Leitung des Herrn Drzengoff. Der pälästinensiche Pavillon der Ausstellung umfaßt drei Säle von je 100 qm. Der erste Saal zeigt eine Parallele zwischen dem Palästina vor 10 Jahren und dem von heute und enthält 9 Ausstellungsstände, in denen die industrielle und landwirtschaftliche Produktion^ das Erziehungs- und Gesundheitswesen, Tel-Aviv, Ausbeutung des Toten Meeres, Elektrifizierung, Eisenbahn, Jerusalem und Haifa in Diagrammen, Lichtbildern und anderen modernen Ausstellungsmethoden dargestellt werden Der zweite Saal enthält Ausstellungsstände der palästinensischen Fabriken und sonstiger industrielle Arbeit leistender Unternehmungen. Der dritte Saal ist der landwirtschaftlichen Produktion gewidmet. Hier wird eine große Karte Palästinas von der jüdischen Kolonisation gezeigt, wo durch Beleuchtungeffekte zum Vergleich die heutige Lage dargestellt werden kann. Metallreliefs zeigen die Entwicklung von Industrie, Landwirtschaft, Erziehungs- und Gesundheitswesen. Auch die Pica, die Tenuva, die Orangenpflanzer haben interessante Ausstellungsobjekte für diesen Saal geschickt. Im ganzen nehmen 210 palästinensiche Institutionen und Firmen an der Ausstellung teil. V llvUVlU|Vvl)VllV/Wil WvVUUvV UIVI4 IVU|1 | Ul | mehr hinausgeschoben. Ein neues Hotel erhebt sich da zur Zeitgeschichte mit breitem Vorgarten, wie es nicht mondäner am1 (Der neue „Aufstieg" ) Von Dr. Nathan Birnbaums Aulim-Zeitschrist „Der Ausstieg" liegt das Heft 8 vor. Es ist in seinem allgemeinen Teil vorwiegend der jüdischen Frau gewidmet und wid durch einen eindringlich« geschriebenen Aufruf Birnbaums an die Frauen einge-- leitet. Durch Frische und Ausiichtigkeit zeichnet sich eine Studie Irene Birnbaums aus, die sie „Begegnung mit dem Osten" nennt, und die auf Grund der Aulim- Gedankengänge einen kritischen Maßstab an die chassidische Welt des Ostens anlegt. Margarethe C o h n - Königsberg behandelt das -Thema „Der religiöse Mensch und die Gegensätze". Außerdem enthält da«s Heft wiederum eine große Menge geistvoller, zum Teil wie gewohnt recht scharfer, kritischer Bemerkungen des Herausgebers

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.