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Der Israelit · 1931-05-21 · Heft 21 (21.5.1931) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 21 (21.5.1931)
Date
1931-05-21
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
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21. Mai 1931 Der IsraeIi t Nr. 21 Seite 15 Ainderecks. Leben und Tod des Königs David. Als Adam, der erste Mensch, geschaffen war, liebte ihn G'tt sehr und machte ihn bekannt mit allen Geheimnissen der Welt. Eines Tages zeigte ihm G'tt alle menschlichen Seelen, die einmal zum Leben erweckt werden sollten. Tausende von Seelen sah Adam, gute und schlechte, schwache und starke. Wie ein Edelstein leuchtete unter ihnen die Seele von Abraham, unserem Vater, und auch die Seelen« Isaaks und Jakobs strahlten aus der Menge. Josephs Seele sah Adam und auch die reinen und lauteren Seelen von Moscheh und Aharon. Geschlecht um Geschlecht wurde ihm gezeigt. Da fiel sein Blick auf eine gar wunderbare und starke Seele, die ihm wertvollen dünkte als alle, die sie umgaben. Wer diese erhält, wird, dereinst zu mächtigen Taten und zu den schönsten Gedanken befähigt werden, dachte Adam und er fragte G'tt, wie lange diese Menschenseele auf der Erde bleiben dürfe. „Ihr ist nur kurze Zeit bestimmt", antwortete der Herr, „nur einen Einzigen Tag soll sie auf Erden weilen!" „Und kann dies nicht geändert werden?", fragte Adam. „Es ist jedem Menschen von Anbeginn eine Zeit bestimmt", erwiderte G'tt, „und alle Zeiten der Welt sind vergeben." „Und wenn ich ihm von meinem Leben schenke?" „So soll er all die Tage leben, auf die du verzichtest!" Da schenkte Adam dieser wunderbaren Seele siebzig Jahre von den tausend Jahren, die ihm G'tt bestimmt hatte und es starb Adam mit 930 Jahren. Die Seele aber war die des Königs David und David lebte 70 Jahre. Er führte all die großen Taten aus, die ihm seine Seele riet und feine frommen und schönen Gedanken schrieb er in den Büchern der Psalmen nieder. Er lobte G'tt Tag für Tag; in der Nacht hing eine Harfe über seinem Bett und um Mitternacht kam ein Nordwind und ließ die Saiten tönen. Da erhob sich David und lernte und sang G'tt zu Ehren. Als die siebzig Jahre fast verstrichen waren, fühlte David, daß sein Ende nahe und er bat E'tt: „Laß mich doch wissen, wann ich sterben werde!" „Das darfst du nicht erfahren", antwortete G'tt, „es ist ein ewiges Gesetz, daß kein Mensch die Zeit seines Todes wissen soll." „Sv sag mir nur, o Herr der Welt, an welchem Tag ich sterben werde!" „An einem Schabbos", erwiderte G'tt. Von nun an beschäftigte sich David den ganzen Schabbos mit der Thora, ohne aufzuhören, dann konnte ihm der Todesengel nichts anhaben. So geschah es auch an jenem Schabbos, an dem er sterben sollte; er unterbrach sich nicht im Lernen, und der Todesengel hatte keine Macht über ihn. Da ging der Engel in den Garten hinter dem Paläste und schüttelte die Bäume, daß sie rauschten. König David sah auf von seinem Buche, trat auf die Treppe, um zu sehen, wer da wäre — da stürzte die Treppe plötzlich ein und David.starb. Am Schewuosfeste, an seinem siebzigsten Geburtstag starb David, der König und noch heute wandern viele Juden Jerusalems an Schewuaus zu Davids Grab. Alle Juden aber feiern die Erinnerung an den Eeburts- und Todestag des Königs David im Lesen des Buches Ruth, dessen letzter Satz von der Geburt Davids berichtet. Das Darbrlngen der Erstlingsfrüchte. Heiß brennt die Sommersonne im Monat Jjar aus die Erde Israels. Die Regenzeit hat den Boden fruchtbar gemacht, der Frühling hat Blüten in Fülle hervorgebracht und nun beginnen die ersten Früchte zu reifen. Mit großer Freude begrüßt man im ganzen Lande die ersten Früchte, aber in alten Zeiten hatte dieses Ereignis Noch eine ganz andere Bedeutung. Jeder merkte sich die erste Feige und den ersten Granatapfel, der ihm reifte, mit einem Zeichen, mit einem Bastfaden, um ihn wiederzuerkennen. Und kamen dann die ersten Tage des- Siwan heran, so füllte ein jeder die Erstlingsfrüchte in einen 'Korb und machte sich zur Wallfahrt nach 'Jerusalem bereit. Die Bewohner der beieinanderliegenden Dörfer versammelten sich an einem Platz in ihrer Mitte, um zusammen zur heiligen Stadt zu pilgern. Früh am Morgen gab der Anführer das Zeichen zum Aufbruch und sprach: „Aus, ziehen wir nach Zion, zum Hause unseres G'ttes!" Morgens zogen sie aus und blieben auch des Nachts unter freiem Himmel, denn sie wollten unter keinem anderen Dache ruhen, bis sie den Tempel erreicht hatten. Der Flötenspieler zog an der Spitze und vor dem Zuge her wurde der Stier zum Opfer geführt, der festlich geschmückt worden war. Die nahe Wohnenden trugen die Trauben und Feigen frisch, wie sie sie gepflückt hatten; die von weither kamen, hatten sie getrocknet, damit sie in der Hitze nicht verdarben. In Jerusalems Nähe machten sie Halt, ordneten und schmückten ihre Früchte und sandten Botschaft von ihrem Kommen in die Stadt. Es zogen ihnen einige Priester und die Vornehmsten Jerusalems zur Begrüßung entgegen und wer ihnen begegnete, bot ihnen den Friedensgruß. Jeder Arbeiter in den Straßen, durch die sie zogen, hielt inne, um sie zu bewillkommnen. So kamen sie bis zum Tempel. Dort nahm jeder Einzelne seinen Korb aus die Schulter und trat mit seinen Erstlingen vor den Priester. um die Früchte am Altar niederzulegen. Und er sprach: „Ich bekenne es heute vor dem Ewigen, deinem G'tte, daß ich in das Land gekommen bin, das der Ewige unsren Vätern zugeschworen hat, es uns zu geben." Und er erinnerte sich vor G'tt der wunderbaren Schicksalsioege-, die der Ewige sein Volk geführt, bis es ins Land gekommen. „Und nun schaue herab von deiner heiligen Wohnung, vom Himmel und segne dein Volk Jisroel und den Boden, den du uns gabst, wie du es unseren Vätern zugeschworen hast: ein Land, das fließt von Milch und Honig!" Schewuaus! Warum ist denn der Vater fortgegangen? Er geht doch niemals sonst am Feiertag! Und sieh, es ist doch auch schon gar so spät! Sag mir doch, Mutter, wohin ging er wohl? — Hör zu, mein Kind, ich will es dir erzählen. Du weißt ja, heute ist die Schewuausnacht, und jeder Jude lernt in dieser Nacht in tiefer Andacht bis der Morgen graut. — Was lernen denn die Männer heute, Mutter? Warum des Nachts, warum denn nicht am Tage? — Sie lernen Thora, Kind, und man erzählt den Grund, warum den Schlaf sie meiden und Thora lernen diese ganze Nacht. Es heißt, daß sich für wenige Sekunden der Himmel öffnet in der Schewuausnacht, und wer von G'tt begnadet, kann es schauen. Und er erschaut dann einen Augenblick des Himmels Glanz, durchglüht von der Schechinah, ahnt tief erschauernd G'ttes Herrlichkeit. Und jeder hofft, daß ihn die Gnade treffe- Wer möchte diesen Augenblick verschlafen? — O Mutter, liebe Mutter, laß mich wachen! Vielleicht läßt G'tt mich in den Himmel sehn! — Nein, Kind, noch bist du jung, noch mußt du schlafen, noch kannst du solche Gnade nicht verdienen. Kannst du erst Mizwaus tun und Thora lernen und wandelst rein vor G'tt mit ganzer Kraft, dann darfst auch du die Schewuausnacht durchwachen, dann darfst du gläubig auf das Wunder hoffen! — So sprechend, brachte sie das Kind zur Nuhe und saß dann sinnend noch an seinem Lager. Der Knabe schlummert ein; um seine Lippen * spielt ihm ein Lächeln' sel'gen Kindertraumes. — Und plötzlich ruft er: Mutter, liebe Mutter! — und öffnet groß und klar und froh die Augen. — Den Himmel sah ich offen, liebe Mutter, und Hab geschauet Glanz und Herrlichkeit! — Die Mutter nimmt den Knaben in die Arme und blickt ihm liebend in die frohen Augen. — Mein Kind, sagt sie mit glückbeschwerter Stimme, — in deinen Augen seh ich auch den Himmel, da ahne ich den Glanz, von dem du träumtest. — O G'tt, laß diesen Himmel ungetrübt! Frieda Zadik. Die Thora. Schon vor dem Enstehen der Welt ward die Thora geschaffen; sie wohnte im Himmel beim Ewigen und G'tt selbst hegte sie und erzog sie mit großer Liebe! und bestimmte sie als Geschenk für die Menschen. Ms nun Adam geschaffen war, im Ebenbilde G'ttes und G'tt ihm Weisheit und Verstand gegeben hatte, sollte er auch die Thora erhalten. Aber, siehe da — er übertrat schon das erste Gebot, das ihm G'tt besohlen hatte! Wie sollte er da die vielen Gebote von G'ttes Lehre befolgen können? Nein, er durfte die Thora nicht empfangen und sie blieb weiter verschlossen in den Gemächern des Himmels. Zehn Menschengeschlechter gingen dahin und niemand fand sich unter ihnen, der würdig gewesen wäre, die Thora zu erhalten. Erst Noah wandelte mit G'tt und seine Werke waren dem Ewigen wohlgefällig. Znm Lohne wollte ihm G'tt die herrliche Lehre schenken. Doch Noah war unbedacht und berauschte sich am Weine, sodaß er in den Augen seines Sohnes Cham verächtlich wurde. Nun war auch er nicht mehr würdig, die Krone der Thora zu empfangen. Wieder vergingen zehn Geschlechter und endlich kam Abraham, unser Vater. Doch gewiß ein Gerechter und wert der heiligen Lehre! Schon freute sich die Thora, diesem frommen Manne geoffenbart zu werden, aber wieder wurde sie enttäuscht. Ein Zeichen forderte Abraham, wo er hätte glauben sollen. „Woran soll ich erkennen"? fragte er, als G'tt ihm das Land Kanaan verheißen hatte und dieser Zweifel machte auch ihn unwürdig der heiligen Thora. An seiner Stelle sollte sein Sohn Isaak gewürdigt werden, dies kostbare Geschenk zu empfangen. Er schien auch wert, mit dieser Gabe belohnt zu werden, da er sich doch nicht geweigert hatte, G'tt zu Liebe sich opfern zu lassen. Allein auch ihm durfte die Thora nicht zuteil werden, denn er liebte Esau, den Feind G'ttes und bevorzugte ihn — so konnte auch er die Thora nicht empfangen. Nun war unser Vater Jakob ausersehen, sie zu erhalten. Aber ruhelos verstrich sein Leben, nie hätte er Zeit gefunden, sich der Lehre zu widmen. Im Älter reiste er gar nach Aegypten — wie hätte ihm dort die Thora verliehen werden können! Wieder muhte die Thora warten im himmlichen Reich; bis Jakobs Kinder wieder auszogen aus Mizrajim, mußte sie sich gedulden. Aber nun endlich nahte die, Zeit der Offenbarung. Mosche, G'ttes treuester Knecht, war würdig, für sein Volk die Thora in Empfang zu nehmen. Aus dem Himmel holte Mosche das herrliche Geschenk und unter Schofartönen ward es endlich den Menschen verliehen. Endlich: Die Preisaufgabe! Für das Preisrätsel gingen so viele gute Lösungen ein, daß wir sehr bedauern, sie nicht alle auszeichnen zu können. Viele unsrer lieben Einsender fyatten ni$t bedacht, daß bei derartigen Aufgaben nur die Grundform eines Wortes gilt, aber auch diese Löser gaben sich solche Mühe, daß sie beinahe auch einen Preis verdient hätten! Den 1. Preis erhielt für die beste Lösung mit 124 richtigen Wörtern: Ruth Katzmann, Brückenau; den 2. Preis: Hanna Neubauer, Würzburg (122 richtige Wörter); den 3. Preis: Jakob Künstlinger, Essen (118 richtige 'Wörter). Besonders viele und seltene Wörter fanden außerdem: t Hermann Erlebacher, Würzburg; T. Hirschowitz, Virbalis (Litauen); Esragruppe Breuer, Frankfurt a. M.; Berthold Bravmann, Merchingen (Baden); L. Bollag, Baden (Schweiz); I. Engelberg, Düsseldorf; S. Kraus, Baden; 4. Knabengruppe des Esra, Berlin-Zentrum; Julius Bodenheimer, Darmstadt; E. Hofmann, Frankfurt a. M.; Bella Löwy, München; Knöpfelmacherj Kopenhagen; E. Winkler. Kopenhagen: Hanna Wolf, Köln. (Der von Dr. Sukenik entdeckte Sarkophag eine Fälschung?) Der berühmte Archäologe des biblisch-archäologischen Instituts der Dominikaner in Jerusalem, Pater Vincent, Autor einer Reihe bedeutsamer Monographien aus dem Gebiete der Palästina-Archäologie beschäftigte sich in einem Vortrag mit den archäologischen Entdeckungen des Professors an der Hebräischen Universität Dr. Sukenik, über die dieser vor einigen Monaten in einem Berliner Vortrag gesprochen hatte. Dr. Sukenik hatte damals u. a. von einem von ihm entdeckten Sarkophag berichtet, der die hebräischen Namen des Stifters in den damals üblichen Schriftzeichen trägt. In der Presse waren damals Berichte erschienen, denen zufolge Dr. Sukenik erklärt haben sollte, das Grab gefunden zu haben, eine Behauptung, der indessen Dr. Sukenik und die Hebräische Universität offiziell entgegentraten. Pater Vincent führte in seinem Vortrag aus, die Offuarien stammten im allgemeinen aus einer um mehrere Jahrhunderte späteren Epoche und die in Dr. Sukeniks Vortrag erwähnte Inschrift sei eine Fälschung aus der Türkenzeit. Pater Vinzent machte bei dieser Gelegenheit die Bemerkung, „die Heimkehrer aus dem Eril würden wohl daran tun, darauf zu achten, daß ihre jungen Archäologen bei ihren Feststellungen größere Vorsicht walten lassen und den der Christenheit heiligen Dingen mehr Respekt entgegenbringen." JlN Hinblick darauf, daß der Vortrag Pater Vincents in Jerusalem großes Aufsehen erregt hat und als Angriff auf Dr. Sukenik gedeutet wurde, hat Pater Vincent die Erklärung abgegeben, er habe nicht die Absicht gehabt, Dr. Sukenik, der sein Schüler sei und den er feit 18 Jahren als ernsten Arbeiter und gründlichen Wissenschaftler kenne, zu treffen. Doch sei dessen Ansicht bezüglich der Inschrift an dem Ossuarium irrig. Wer die Wahl hat, hat die Oual, doch ohne Qual nach freier Wahl bevorzugt die Hausfrau die koschere Pflanzenbutter „Ruth" unter Aufsicht der Ritual-Kommission der Jsr. Gemeinde Frankfurt a. M., weil sie den niedrigsten Feuchtigkeitsgrad und höchsten Fettgehalt. hat, und dabei haltbar und wundervoll im Geschmack ist. Lager und Vertrieb hierfür (siehe Inserat) hat die Firma H. & A. Ettinger, Frankfurt a. Main. Langestraße 31.

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