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Der Israelit · 1931-05-21 · Heft 21 (21.5.1931) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 21 (21.5.1931)
Date
1931-05-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 21 .--21, Mai 1931 Spanien. Einbürgerung der Inden in Spanisch-Marokko. Madrid, 15. Mai. - Der spanische Finanzminister hat an den Sekretär der Jüdischen Gemeinde von Spanisch-Marokko ein Telegramm gesandt, in dem mitgeteilt wird, daß das spanische Kabinett grundsätzlich die Erlassung eines Dekrets beschlossen hat, durch das den in Spanisch-Marokko ansässigen Sephardim bedeutende Erleichterungen bei der Erlangung der spanischen Staatsbürgerschaft gewährt werden sollen. Mexiko. Weitere Verschärfung der Lage in Mexiko. M e x i c o City, 11. Mai. Die antisemitische Bewegung in Merico breitet sich zusehends aus und wird immer ungehemmter in der Wahl ihrer Methoden. Zahlreiche jüdische Kausleute haben Drohbriefe erhalten, in denen sie ausgesordert werden, das Land innerhalb 24 Stunden zu verlassen, sonst würden „ihre Leichen in ihre Heimatländer zurückbesördert werden". Die Erregung und Verzweiflung oer merikanischene Judenheit ist angesichts dieser zügellosen Agitation aufs Aeußerste gestiegen. Die Intervention des amerikanischen Botschafters hat sich bisher noch nicht fühlbar gemacht, und die Juden amerikanischer Staatszugehörigkeit sehen mit ungeduldiger Spannung der erwarteten Hilfsaktion der amerikanischen Juden entgegen. Eine jüdische Delegation, die beim Präsidenten von Merico Vorstellungen erheben wollte, wurde von diesem nicht empfangen. Daraufhin wurde ein schriftliches Memorandum ausHearbeitet und dem Präsidenten übersandt, in dem die in jüdischen Kreisen wegen der Vertreibung der jüdischen Händler von den Märkten und der allgemeinen judenfeindlichen Propaganda herrschende Verzweislung geschildert und dem Präsidenten die Bitte unterbreitet wird, darauf hinzuwirken, daß den jüdischen Händlern ihre Markstände wieder zugewiesen werden und dem antijüdischen Boykott Einhalt geboten wird. Berichten zufolge, die bei der amerikanisch-jüdischen Handelskammer aus Vera Cruz eingelaufen sind, wurden mehrere jüdische Händler verhaftet und, nachdem sie den Nachweis ihres rechtmäßigen Aufenthaltes erbracht hatten, zwar freigelassen, aber mit einer Steuer von 48 Pesos monatlich belastet, was im Hinblick darauf, daß das duchschnittliche Betriebskapital eines jüdischen Markthändlers etwa 200 Pesos beträgt, gleichbedeutend mit wirtschaftlicher Vernichtung ist. Argentinien. Hitlerismus in Argentinien. Buenos Aires, 6. Mai. In Buenos Aires wurde von deutschen Einwanderern eine nationalsozialistische Vereinigung gegründet. Auf der ersten Versammlung der Vereinigung erklärte ein Redner, die jüdische Presse Argentiniens arbeite im Interesse Englands, die gegenwärtige provisorische Regierung Argentiniens fei ein „Werkzeug in der Hand der jüdischen Vampyre" und stehe im Dienst des internationalen Weltkapitalismus; insbesondere der großen englischen Banken. Zum Schluß wurde ein Lied mit dem Refrain „Tod den Juden" gesungen. In den deutschen Kreisen in Buenos Aires wird die nationalfozialistifche Propaganda nicht ernst genommen. Das „Argentinische Tageblatt", eine fortschrittliche deutsche Zeitung, die von den argentinischen Hitleristen scharf angegriffen wurde, teilt mit, daß die antisemtische Vereinigung nur 13 ordentliche Mitglieder zähle, gibt aber zu, daß ihre Versammlungen einen großen Zulauf haben. Amerika. Gegen den Blankotag. Newyork, 7. Mai. Die „Liga zum Schutze des festen Sabbats" (Tbe Lague for Safeguarding the Fixity of the Sabath) hat ein von Rabbiner Dr. Hyamson ausgearbeitetes ausführliches Memorandum dem technischen Komitee des Völkerbundes überreicht. Das Memorandum führt den Titel: „Der Blankotag in den vorgeschlagenen Plänen für die Kalenderreform" und stellt die bekannten schweren Bedenken zusammen, die vom jüdisch-religiösen Standpunkt aus gegen die Einführung des Blankotages mit ihrer Zerstörung der traditionellen Woche geltend zu machen sind. Es wird ferner darauf hingewiesen. _Der Israelit daß ohne Blankotag alle Vorteile, die man erstrebt, ebensogut erreichbar sind, und daß daher die Blankotag- Jdee lediglich eine durch nichts zu rechtfertigende schwere Gewissensbedrückung für die jüdische Religionsgemeinschaft, aber darüber hinaus auch einen Affront gegen alle in d er Bibel ihre religiöse Urkunde erblickenden Konfessionen darftellt. Im Anhänge ist eine ausführliche Antwort gegen die Flugschrift von Marvin und Cotsworth, die den Titel führt „Moses, der größte Kalenderreformer" und die von den lächerlichsten Mißverständnissen biblischer Texte wimmelt, beigefügt. Jüdische Einwanderung nach Cuba. Havanna, 14. Mai. Im Verlauf des Jahres 1930 sind 1374 Juden nach Cuba eingewandert. Die größte Zahl jüdischer Einwanderer stellte Polen, und zwar 560 Männer, 328 Frauen und 172 Kinder. An zweiter Stelle steht Rumänien, woher 84 jüdische Männer, 52 Frauen und 18 Kinder nach Cuba kamen. Aus Litauen kamen 29 Männer, 15 Frauen und 11 Kinder, aus Palästina 10 Männer, 8 Frauen und 10 Kinder. Allen jüdischen Einwanderern wurde seitens des vom Newyorker Hias erhaltenen jüdischen Zentrums von Havanna, dem auch eine Klinik, eine von 242 Schülern besuchte hebräische Schule und eine Bibliothek mit Lesesaal angegliedert sind, Hilfe geleistet. (ITA.) Die Woche. Der Soncino-Gesrllschaft zum Gruß. Vom 24. bis 26. Mai tagt die sechste Jahresversammlung der Soncino-Gesellschaft der Freunde des jüdischen Buches c. V. in unserer Stadt. Aus diesem Anlaß seien dem vorbildlichen und verdienstvollen Wirken dieser im wahrsten Sinne des Wortes unpolitischen und „neutralen" Organisation, in deren Reihen sich die Anhänger aller — sit venia verbo — „Richtungen" im Judentum zusammengeschlossen haben, einige Worte gewidmet. Die Tatsache, daß dem äußeren Gewände der meisten literarischen Erzeugnisse, der Satzanordnung, dem Druck und dem Einband nicht eine dem inneren Wert adaequate Liebe und Sorge zugewendet wurden, daß vielmehr sehr häufig, wenn nicht gerade eine barbarische, so doch geschmacklose Ausstattung das Auge deck Lesers und Sammlers verletzte, veranlaßte bereits im letzten Jahrzehnt' des 19. Jahrhunderts, den großen englischen Dichter, Uebersetzer, Drucker und Verleger William Morris zu grundlegenden Reformen. In ihm, der als erster wieder auf die bis heute unerreichte Schönheit der Frühdrucke hingewiesen hat und in den herrlichen Erzeugnissen seiner „Kelmsco'tt Preß" sich bewußt an die Inkunabeln anlehnte, verehren die Bücherfreunde aller Länder den Vater der modernen Bibliophilie. Die Bewegung zu Gunsten des „schönen Buches" hat seitdem einen ungeheuren Aufschwung genommen. In allen Ländern, ja in den meisten Städten haben sich besondere bibliophile Gesellschaften zur Pflege/des schönen Buches gebildet, die ihre vornehmste Aufgabe» darin sehen, zunächst nur für ihre Mitglieder bestimmte, sogenannte Musterbezm. Privatdrucke herzustellen, darüber hinaus aber auf die gesamte Bücherproduktion im Sinne einer materialechten, einwandfreien und ästhetischen Gesetzen entsprechenden Ausstattung befruchtend zu wirken. Es konnte nicht ausvleiben, daß diese Bewegung auch auf die jüdischen Bücherfreunde Übergriff. Traf ja das oben über die dem Buche gegenüber gezeigte,' Lieblosigkeit Gesagte aus hier nicht zu erörternden Gründen in ganz besonderem Maße auf das hebräische und jüdische Buch zu. Hier wollte und will die am 15. Mai 1924 in Berlin von Freunden des jüdischen Buches ins Leben gerufene „Soncino-Gesellschaft" Wandel schaffen. In der ersten Nummer der „Soncmo-Nachrichten" wird über Absichten, Ziele und Namen der Gesellschaft folgendes gesagt: „Die Gesellschaft will durch Herausgabe vorbildlicher Drucke von Werken jüdischen Geistes darauf hinwirken, daß die Form des jüdischen Buches seinem inneren Gehalt entspricht — auch in seiner äußeren Gestaltung soll das jüdische Buch das Niveau des geistigen Schaffens im Judentum repräsentieren. Nach diesen Gesichtspunkten werden in den Publikationen der Gesellschaft seltene Terte und wertvolle Drucke von Werken jüdischen Inhalts und jüdischen Geistes in den Sprachen aller Zei.ten und Kulturen zum Abdruck gelangen; charakteristische Werke zeitgenössischer Wissenschaft und Literatur sollen veröffentlicht, typographisch oder inhaltlich bemerkenswerte, schwer zugängliche alte Drucke in Neuausgaben geboten werden Die Publikationen der Soncino-Gesellschaft sind nicht durch den Buchhandel erhältlich, sondern werden ausschließlich für ihre Mitglieder als Privatdrucke hergestellt. , ' , Zunj Symbol ihres Strebens wählte sich die Gesellschaft den Namen der klassischen jüdischen Druckerfamilie des 15. und 16. Jahrhunderts, die in Soncino uyd später auch in anderen Städten Italiens ihre Offizinen errichtete. Mitglieder der Familie Soncino waren es, die 1484 den ersten Druck des Talmuds begannen und 1488 die erste vollständige hebräische Bibel druckten. Mit der Schönheit ihrer Typen und der kunstvollen Gestaltung des Satzbildes bilden die Soncino-Drucke Höhepunkte der Entwicklung, wie sie der hebräische Buchdruck kaum je wieder erreicht hat. .Geist und Leistung der Familie Soncino sollen für die Bestrebungen der Gesellschaft Vorbild und Ansporn sein." Man darf der Soncino-Geselschast das Zeugpis ausstellen, daß sie Wort gehalten - hat. Ihre Mitglieder wurden mährend ihres siebenjährigen Bestehens durch eine ganze Anzahl schönster Drucke erfreut. Darüber hinaus hat die Gesellschaft das Erscheinen wertvollen literarischen Gutes in ansprechenden! Gewände ermöglicht. Es. ist hier nicht der Ort, dies im einzelnen zu belegen. Doch fei wenigstens in aller Kürze auf die wichtigste Publikation der Gesellschaft, auf ihre Zeitschrift.- „Soncino-Mätter" hingewiesen, die eine Fülle hervorragender Aufsätze enthalten und von der bisher 3 starke Bände in Kleinfolio vvrliegen. Zur Zeit druckt die Gesellschaft für ihre Mitglieder eine, herrliche hebräische Bibel in fölio, für die Markus Behmer eigens eine neue hebräische Type geschnitten hat. Die Mitglieder wurden vor wenigen Tagen durch die Zusendung einer ersten Lieferung aufs angenehmste überrascht. Für die Frankfurter Tagung ist. ein reichhaltiges Programm vorgesehen. Am Sonntag, den 24. May findet ein ganztägiger Ausflug nach Mainz und Worms statt. In beiden Städten sollen die jüdischen Altertümer besichtigt werden. Montag, den 25. Mai. spricht vormittags 10.30 Uhr Herr Dr. Julius Cahn im Saal der Israelitischen Männerkrankenkasse, Nechneigrabenstraße 18, über die Geschichte der Frankfurter Judengasse. Im Anschluß, daran, findet eine Führung durch das alte Judenviertel, eine Besichtigung des alten Friedhofes, des Rothschildhauses usw. statt. Abends um 7 Uhr versammeln sich die Frankfurter Mitglieder mit ihren auswärtigen Gästen, zu einem Festessen im großen Saale der Frankfurt-Loge.. Am Dienstag, den 26, Mai findet zunächst von 10 bis 11 Uhr die geschlossene Mitgliederversammlung im Lesesaal der ^-tadtbibliothek statt. Um 11 Uhr folgt ein Referat des Professors Dr. Heinrich Löwe, Berlin über: „Die Juden als Volk des Buches", im Anschlüsse daran ein Vortrag des Herrn Prof. Dr. A. Freimann über „Die Illustration im hebräischen Buch der Frühzeit". Dieser Vortrag dient der Einführung in die Ausstellung: „Das illustrierte hebräische Buch bis zum Ende des 17. Jahrhunderts". Diese Ausstellung, zu der nicht allein die Stadtbibliothek ihre reichen Bestände zur Verfügung gestellt hat,, die vielmehr auch kostbare Beiträge aus Privatbesitz bringt, wird unmittelbar nach Beendigung des Freimamllschen Referates eröffnet. Die Leser dieser Zeilen dürste es interessieren, daß die Ausstellung vom 1. bis zum 6. Juni jedermann zugängig sein wird. Vereine und Schulen seien ganz besonders darauf hingewiesen. Nachmittags um 4 Uhr findet zum Abschluß eine Besichtigung der Sammlungen und des Parks des Herrn Baron Mar von Goldschmidt-Rothschild statt. Wir zweifeln nicht daran, daß die Tagung in unserer Stadt der. verdienstvollen Gesellschaft viele neue Freunde und Mitglieder zuführen wird. H. E. 1 . Lösung des Preisrätsels des Keren Hqtsrah. 1. Die Mütter der Stammväter hießen: Mutter von Awrohom Amasloi bas Karnewo (Baba Bathrä91); Mutter von Jizchok ^oroh; Mutter von Jaakauw Rivtoh. 2. Die Mutter von Schimschon hieß: Zelelpaunis (Baba . Bathra 91); in Diwre ' Hajomim l, Käp. 4 ,,Hazelelpauni" genannt 3. Die Sintflut wurde wegen der Schiwoh um Me- 'uschelach noch 7 Tage zurückgehalten. 4. Der Gatte von Mirjam hieß „Kolew". (Der bekannte „Kolew ben Jephune", oder „Kolew ben Chezraun", wie er im Diwre Hajomim genannt wird.); 5. Beim Turmbau zu Babel waren zugegen u. a. Nauach, Schem, Awrohom. (Von diesen 3 bringt Seder hadauraus, daß sie beim Turmbau.mithalfen.) 6. An Purim wird , kein, Halle! gesagt: Weil es ein „Neß bechuzo loorez" war; weil das Lesen der Megilloh selbst als Halle! gilt; weil nach dem „Neß PurinL Jisroel weiter Untertanen von Achaschwerosch blieben im Gegensatz von Geulas Mizrajim, wo sie ausschließlich „Awde haschem" wurden. 7. Wüsserschöpfen für Mazzosbacken kann weder Bet Tag noch bei Nacht geschehen, sondern, muß „bein haschmoschaus" vorgenommen werden. (Merkwürdigerweise nannten viele Einsender solche Mizwaus, die sowohl bei Tag als auch bei Nacht vorgenommen werden können; das war aber nicht Gegenstand der Frage.) 8. Die mittlere Mazzoh, wovon die Hälfte für Afikaumon zurückgelegt wird. 9. Der Vers Bamidbor 28,3, „weomarto aleihem 'eh hoischeh usw.", der an Rausch Ehaudesch jeweils wiederholt wird, wird ungefähr 30 Mal 4m Jahre gesagt. (Der mehrfach genannte Posu? „wafedabeir H' el Mcruscheh leimaur" wird nicht 30 Mal gesagt, denn da ist es immer ein anderer Posuk.)

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