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Der Israelit · 1931-05-21 · Heft 21 (21.5.1931) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 21 (21.5.1931)
Date
1931-05-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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oeite 4 Nr. 21 21. Mai 1931 D e r Isroelit hinführt zu dem jährlichen (allein in Deutschland!) fünfhunderttausendfachen Mord an Kindern, die nie geboren wurden?! Sichst du dort jenes Mädchen aus frommem Haufe? Sie macht die Mode mit. Sie führt sich, jagt sie, noch ganz fromm und meint, was ist dabei? Wenn man nur die Grenzen zu wahren weiß. Grenzen? Wer zieht sie? Wer schützt sie? Seit langem ist der Badeanzug gesellschaftsfähig, heuer vielleicht schon salonfähig, und morgen — wer weiß — synagogenfähig. Nicht lachen! Wir Juden haben eine alte Geschichte, eine lange Erfahrung. Man hat es schon zu den Zeiten des Tempels erlebt, daß Schamlosigkeit den Weg ins G'tteshaus fand. Soll man es noch erst beweisen müssen, daß es nicht jüdische Art ist, zu entblößen oder entblößend zu verhüllen? Als die ersten Menschen „aufgeklärt" wurden nmw ■»rj? ninpsriv da begannen sie — mir Verhüllung. Und das einzige Geschenk, das G'tt ihnen auf den langen Golusweg der Menschheitsgeschichte mitgab, war dauerhafte Verhüllung -ny mir» Bileam benscht Israel mit der Zierde des Znius^das selbst in den vier Wänden des eigenen Heimes nicht die jüdische Würde verletzt pnx 13Ü n»->- und heute tummeln sich Groß und Klein vor aller Welt in Schlafzimmermanieren. Nicht ohne Grund sagen unsere Weisen, daß es eben die Art von »■»nw' in niedriger Jrdifchkeit sich tummelnden Geschöpfen istz zu entblößen und nicht zu verhüllen. Nun lackst du nicht, mein Bruder, aber du meinst, Aufregung macht's auch nicht bester; man kann ja warten, ob sich das Uebel nicht allmählich gibt. Gewiß, man muß nicht gleich ängstlich sein, und wenn das Thermometer auch etwas steigt, läuft man nicht gleich zum Arzt. Doch die Ruhe rechtfertigt sich nur, wenn der Zustand im Normalen liegt.. Ob 36 oder 37 Grad, verschlägt nicht viel. Steht aber das Fieber, G'tt behüte, bei 42, dann läßt man dem Arzt keine Ruhe und nicht dem lieben G'tt. Und steigt's auch nur um einen Strich, ein zehntel Grad, treibt man die Menschen von den Straßen und Geschäften zum Thillim-Sagen und macht owii’w und schüttet tüchtig Z'doko aus. Nun, das Fieberthermometer der Unmoral steht heute auf 42! Wir brauchen dringend nw •’irW' müssen anders werden. Wir sollen es uns kosten lasten, für Badegelegenheiten zu sorgen, die auch moralisch sauber sind. An koscheren Bädern hängt viel Glück der Generationen. nvv 'ii2.iv M1V12V — da gibt's genug Gelegenheit zum Seelengedächtnis. Allein, was hilft es uns, der Seelen der Toten zu gedenken, wenn wir an die Seelen der Lebenden, an unsere eigenen vergessen. Von jenen, den »'Wip-heißt es ergreifend: •emibi v'ipa^ D’jna v'»i.ii v'Zfii' pinn pn „Deine Kinder, o G'tt, sind dir als wohlbewährt vertraut, ihr Blut ist dessen Zeuge jeden Tag und Augenblick". Jene haben richtig ihr Blut vergossen für die Heiligung des g'ttlichen Namens, — heute ergießt sich nicht mal mehr das Blut der Schamröte ins Gesicht, iw»’X1? w» a> es gibt kein Erröten mehr. G'tt aber spricht: rix x^i •>iznp dw „Entweiht nicht Meinen heiligen Namen!" Es ist wahrhaftig Chillul Hafchem genug, daß unsere jüdische Oeffentlichkeit keine merkliche Stimme gegen die herrschenden Vadeunsttten zu erheben vermag. Doppelt Chillul Haschem, daß vielmehr von selbstbewußter n ichtjüdische r . Seite, deren Morallehre doch im Grunde im Gutjüdischen wurzelt, man wohl den Mut hat, sich dem Gelächter von Millionen auszusetzen und mit eiserner Stirn den trotzig-stolzen Ruf zur Umkehr laut und rücksichtslos einer ganzen Welt entgegen zu schleudern. Ist prrs' kein jüdisches Kind mehr? — — Ob Zufall oder nicht — der gegenwärtige Monat mündet mit win in» in den nächsten, in» pW» ips'» riipsii win „Morgen ist Erneuerung, da wirst du an deinem Platz vermiisii'!werden!" Das ist und iKleibt das Zeichen Unserer'Erneuerung morgeck wie heute: vermißt zu werden am Tummelplatz der Arideren. Werden wir es ertragen, nicht dabei zu fein? Werden wir uns erneuern? unr iia 7n — werden wir es wieder lieben lernen, mit G'tt allein zu sein? sipn fnix— in Reinheit wollen wir baden! Interessantere Gestaltung des riivi2V-Lernens. ~ Von A. Mannheimer in Dektelbach. Wenn in milder Frühlingsnacht die Natur draußen in duftigen Blüten und Blumen schwelgt und in verschwenderischer Fülle ihre Reize allenthalben entfaltet, pflegen jüdische Männer sich an festlich beleuchteter Tafel zusammen zu scharen zum — „Lernen". Es ist die erste nivia®-Nacht. Morgen soll im G'tteshause feierlich der Dekalog verlesen werden, und wie wenn man das kaum erwarten könnte, sucht man am Abend zuvor sich schon einen Vorgeschmack zu verschaffen: man „lernt". Wir gleichen dem Bergsteiger, der sich vor Tagesanbruch schon auf den Alpengipsel begibt, um das prachtvolle Schauspiel des Sonnenaufgangs, nicht zu versäumen. Es ist erfreulich, daß der .altgeheiligte Minhag des Lernens in der Schowuaus-Nächt immer noch weit verbreitet ist. um min 'in®’ am». An diesem Abend „lernt" auch einmal der Laie, der Am-Haarez, wie ihn der Volksmund etwas drastisch nennt. Es ist wohl der einzige Abend, vielleicht der einzige Tag im Jahre, wo er dem eigentlichen „Lernen" — wir meinen hier die mündliche Lehre — nähertritt. Da heißt es, die Gelegenheit beim Schopfe fassen. Der Schiur ist dementsprechend zu gestalten, was in Folgendem gezeigt werden soll. Stellen wir uns auf den Boden nackter Tatsachen: beim „Lernen" herrscht der Ton der . Ungezwungenheit, es fehlt nicht an Unterhaltung. Man plaudert. Wenn dies den einen guten Zweck erreicht, . den Schlaf, die Erschlaffung hintanzuhallen, so wollen wir weitherzig genug sein, eme Parallele zu ziehen mit dem Sedeabend, wo man manche Maßnahme gestattete mit dem Ziele, d-rl-v mpu’nn.u®» die Kinder nicht einschlafen zu lassen. Manches Auffällige nahm man gerade in talmudifcher Zeit vor, damit die Kleinen nrn®a n» fragen und munter bleiben. Und wenn wir unseren lieben Zungens und Mädels das „Mazzoganefen" als aufmunternden Scherz gestatten, so.wgllen wir auch nicht allzuscharf das Urteil fällen, wenn man sich ein wenig „unterhält". Es muß nur Maß gehalten werden und mit Recht weisen unsere großen Führer warnend darauf hin, durch pin um® nicht die Würde und Weihe des Schiur zu beeinträchtigen oder gar den Abend auf das Niveau eines mul» 3»i» hinabzudrücken. (Sine Art Gelage darf nicht daraus werden, nie und nimmermehr. Sonst würde der Nachteil den Gewinn aufwiegen, invsna 112® xsv>- Der Leiter des Schiur muß es nur verstehen, die Zügel in der Hand zu behalten und dafür zu sorgen, daß wirtlich „gute Reden" die Arbeit begleiten, damit sie „munter fortflietzt". Er gestalte das „Lernen" interessanter, damit sich nicht — wie Herbart so schön meint — die größte Sünde des Unterrichts einstelle, die Langeweile. Gerade beim msrc®-Serncii ist reichlich Gelegenheit geboten, durch geschickt angebrachte Belehrung und Aufklärung Interesse zu wecken, Herz Und Gemüt anzuregen, und so jede Langeweile zu bannen. Man sei dabei nur so volkstümlich . als möglich, 'gebe vor den einzelnen Kompendien des nwu® V’V ppn kurze Inhaltsangaben, Uebersichten, damit die Teilnehmer wenigstens ein Bild des Ganzen gewinnen, soweit es die Zeit und die obwaltenden Verhältnisse gestatten. Wir nehmen es vorweg, daß wir im Ganzen eine Zeit von 20—25 Minuten für die an den einzelnen Stationen abzugebend,en. Erläuterungen im Auge haben. Gewiß keine allzulange „Störung". Es genügt aber, das Interesse wachzurufen durch Darbietung des Sinnes und Verständnisses den -ny® zu beleben. Man halte sich mehr an die Oberfläche, ein 21 ivy, ein tieferes Eindringen kann nicht erwartet, nicht geboten werden. Nur Ueberficht und Wefenhaftes. Hier einige Stichproben. I. i"in-Bibel. 24 Bücher; zusammengestellt von den •S"r»2 ’®2». Im Abschnitt mm Anfang und Ende jeder Sidra. Ausführlicher natürlich 1. und 2. Dskalog. Auch m’®> die sv® Abschnitte. (Kaddisch). v’N'2^. Einteilung der Propheten. Erste, letzte. Diese in 3 und 12. . Ausführlicher die Vision Jecheskels. (Kaddisch). maina- Letzter Bibelteil. Am bekanntesten uns a’*»nn- Außer Anfang und Ende noch Pf. 19, 68, 119 gelesen;: Bezug auf Gesetzgebung und min Rut ganz. Die „5 Rollen". Früher aus Pergament. Jetzt nur invrv In D’aun Geschichtliches. bis babylonisches Exil. Ausbau des 2. Tempels. . / II. ni’a®v Mündliche Lehre für uns wesentlich; darum am Ofenbarungsfeste diese Mischnakompendien. Rabbi Jehuda Hanasi. Gegen 200 vollendet. 6 Bände. Ausführlicher die Gemara. Einteilung in o’->nv und Traktate oder rninvo»- a) rnnsn-Sämereien. Das Land vornehmlich Agrar- , jtaat. Bodenabgaben an Priester, Leviten. d’tdi .nrnnn n®sn Feld ecke stehen lassen, nm®' Der „zweite" »«??»• Erörterung über pflichtige Fruchtsorten, Reifestadiüm, Maß 'der Abgabe. Mischgattungen verboten. Kenntnis der Arten. Pfropfen. Teighebe, ni-n- Orlo'frucht. .Traktat i rro*n Quelle nuferer Gebete, deren Formulierung, Zeit, Arten etc. b) nyiv^-Festtage, Purim, Halbfeiertage, ra® 24 Abschnitte. 39 man!-»- Vom „Tragen" mehr als ein! ' Drittel des Traktats'. Auchpiiy vom Tragen und Gehen in die Ferne, rwi’ die peniblen Opfervorfchriften. Mussaf —ntn» von 2"’. In m®n ®rn Kalenderberechnung näch Mond. Schofütvorschristen. Beschaffenheit und Signale, rnnov Pessachopfer, Magzobereitung, Seder, Chomezarten ,deren Verbot. — In ähnlicher Form Inhaltandeuten von N2iv n!>’av m’ayn ,nratv c) m®a-Ehegesetze. > Ehervertrag, persönliche und veü mögensrechtliche Seite Op®np rniainv), Verwandschaftsgrade in ihrer Auswirkung, Ehescheidung (p»a) Ehebruch mviv) Auch das Nafiräergelübdr wie die Gelübden überhaupt in diesem Traktat. Wir brechen hier ab. Es waren nur Stichproben, Stichpunkte. Sie sollen zeigen, daß man die Teilnehmer am um® nicht vollständig im Dunkeln tappen lassen darf. Sie sollen sich was dabei denken, vorstellen können. Das wird manche Frage auslösen und die Unterhaltung in Fluß bringen. So ist's recht. Eine Art m-raimn btsbB- Es _ wird nicht nur keine LangeweAe entstehen, unter Umständen müßte man den Fragestrom sogar etwas eindämmen in Anbetracht der zur Verfügung stehenden Zeit. Es ist nur darauf zu achten, Fäden nach der lebendigen Gegenwart hinzuziehen, nach dem Erfahrungskreis der Teilnehmer. Man verfahre nach dem pädagogischen Grundsatz der .Apperzeption, d. h. Anknüpfung an bereits vorhandene Vorstellungen. Warum sollen die Teilnehmer nicht bei rny’3® in Seder o-sni es mit Interesse vernehmen, daß die soziale Frage durch das Zobel im heiligen Lande in idealer Form gelöst war? Ins Ethnographische geht's, wenn man zu 0^2, wenn auch nur dürftig, die Bemerkung einfliehen läßt, daß hier Hunderte von Ackerbau-, Handwerks- und Hausgeräten aufigezählt werden, oder wenn man zu mm» mitteilt, daß man Itreterfet Qualitäten von Olivenöl kannte, jede wieder mit zwei Untersorten, daß Orte genannt werden, wo das feinste Mehl herbezogen wurde. Da unsere mündliche Lehre es in reichster Fülle mit konkreten Handlungen zu tun hat, so ist es ein Leichtes, auch dem Laien etwas zu bieten, was ihn fesselt, was ihn interessiert. Wenn man überhaupt das ni®2® W ppn nach seiner ganzen Anlage methodisch betrachtet, so ist es klar, daß es nach dem Grundsätze des mrnpa geordnet wurde, weil dies den breiten Massen mehr entspricht und gerechter wird als rnumn- Das ist nicht jedermanns Sache, nicht ®si M m®n nur- Im Tikkun ist das kursorische Prinzip vom Anfang bis zun: Ende durchgeführt. Man führt uns in raschem Gang durch das große, herrliche Gebäude, um den Totaleindruck zu vermitteln. Folgen wir diesem methodischen Winke. Denken wir in der nivia®-Nacht an diejenigen, denen ein tieferes Eindringen in die Geistes--, schätze unseres heiligen Schrifttums versagt geblieben, die aber doch einmal zum „Lernen" sich mit uns niedersetzen. Wenn der Hausherr, die freundliche Gastwirtin, darum bemüht find, ihren lieben Gästen das Beste zu bieten, so sollte der Leiter des Schiur erst recht darauf bedacht sein, den Teilnehmern auch auf geistigem Gebietedie Tafel zu decken. Au Leckerbissen fehlt es da nicht, na s*»ai na ism na ism Das Lernen sei ein „Lernen". Zum Schlüsse sei uns noch ein Wörtlein an die freundliche Hausfrau gestattet. Um es kurz zu, sagen: sie möge ihre diverse Backwerke alle „minnich" (parve) bereiten. Die Gäste kommen von der Fleischmahlzeit und fragen wohl in den seltensten'Fällen, welcher -Art das Backwerk ist. Es kommt auch vor, daß die,'.Hausstau antwortet, sie habe alles minnich bereitet, nur sei es auf milchigem Blech gebacken. Wo solches geschieht, ist selbstredend das Produkt nicht als minnich zu bezeichnen. Ueber Sonstiges, d,. h. Qualität und Quantität des Gebotenen, wollen wir der Hausfrau gewiß nicht hineinreden. Aber den Teilnehmern noch ein Wörtchen. Beim Weggehen drückt ihr dem Gastgeber dankend" die Aänd für alle Aufmerksamkeiten. 'Wo bleibt der Dank an den Geber alles Guten, den himmlichen Vater? Wo bleibt die große und kleine Nach-naia? Das ganze Jahr sollte man vom Tische des Vaters nichts nehmen, ohne gefragt zu haben, d. h. ohne Brocho. Am Lernabend erst recht nicht. „Lerne auch das"! (Nachbemerkung der Redaktion: Wenn auch ^der Aufsatz dem auswärtigen Leser etwas zu spät für dieses Jahr in die Hand kommt, so werden diese beachtenswerten Anregungen für nächstes Jahr und ähnliche religiöse Familienanlässe Vielen sehr willkommen sein.) Dochenkalender. v. 23. - 30. Mai 1831 I v. 7. - 14. Siwan 8891 Samstag 23 7 r-111 'a dt» msna® Sonntag 24 |1’0 8 an iiDR Montag 25 9 Dienstag Mai 26 10 Mittwoch 27 11 Donnerstag 28 12 Freitag 29 13 Samstag 30 14 '3 '« pns itvi

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