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Der Israelit · 1931-05-13 · Heft 20 (13.5.1931) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 20 (13.5.1931)
Date
1931-05-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 20 Der Israelit 13. Mai 1931 strophe betroffen worden. Wohnungen und Werkstätten sind unter Wasser gesetzt, Häuser zerstört worden, Synagogen, Schulen, Spitäler haben gelitten. Tau sende jüdischer Familien mußten ihr Heim verlassen, unter Verlust ihrer Habe. Viele konnten nur ihr nacktes Leben retten und müssen, von allem Notwendigen entblößt, im Freien oder in Dachstuben zusammengedrängt kampieren. Zelte und Baracken fehlen. Es herrscht fürchterliche Not und Arbeitslosigkeit. Eine Typhusepidemie ist ausgebrochen. Man organisiert in Polen' selbst, so trostlos auch die wirtschaftliche Lage dort ist, eine Unterstützungsaktion. Gleichzeitig sind dringende Hilferufe an den Hilfsverein der Deutschen Juden ergangen. Wir hielten es für unsere Pflicht, diesem Appell sofort zu entsprechen. Trotz der schweren Zeiten wenden wir uns an die deutschen Juden mit der herzlichen Bitte: Versaget nicht Eure Teilnahme den vom Unglück Heimgesuchten! Helfet, damit zur Linderung der großen Not beigetragen werden kann." Spenden sind zu senden an: Deutsche Bank und Diskonto-Gesellschaft, Depositenkasse C. Berlin W 9. Potsdamer Straße 127/128, Konto Hilfsverein der Deutschen Juden, oder an das Postscheckamt Berlin, Konto Nr. 33126 für den Hilfsverein der Deutschen Juden. Eine Prüfungsordnung in jüdischer Religion für dos Lehramt an höheren Schulen. Halber st adt, 7. Mai. Aus dem Büro des Halberstädter Verbandes geht uns folgendes Schreiben mit der Bitte um Veröffentlichung zu: Im Zentralblatt für die gesamte Unterrichtsverwaltung in Preußen (vom 20. April 1930) wurde unter Nr. 152 vom Preußischen Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung eine Prüfungsordnung in jüdischer Religion für das Lehram^t an höheren Schulen in Preußen veröffentlicht. Ein Entwurf dafür war auf Verlangen des Ministeriums von einer Kommission, zusammengesetzt aus Vertretern der beiden Preußischen Landesverbände und der drei Rabbinerbildungsanstalten Deutschlands (Rabbinerseminar in Berlin, Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin und jüdisch-theologisches Seminar in Breslau) dem Minister eingereicht worden, der mit-gewissen Abänderungen in der oben angegebenen Nummer des Zentralblatts veröffentlicht wurde. Diese Prüfungsordnung ist in solcher Form abgefaßt, daß sie den Forderungen der in ihrer Weltanschauung und ihren Lehrzielen voneinander getrennten Bildungsanstalten entsprechen konnte. — Wir waren uns von vornherein bewußt, daß für g e - setzestreue Kandidaten des höheren Lehramts eine genauere Präzisierung der an sie zu stellenden Forderungen noch erfolgen müßte. Deshalb nahmen wir Veranlassung, uns mit den für die Prüfung vom Ministerium betrauten Dozenten des Rabbinerseminars Berlin wegen der für uns am wichtigsten erscheinenden Voraussetzungen und Forderungen für die Prüfung in Verbindung zu setzen. — Von den beiden Herren Examinatoren geht uns ein Schreiben zu, dessen Inhalt wir der jüdischen Oefsentlichkeit, insbesondere aber den Kandidaten des höheren Lehramts für die Prüfung in jüdischen Religionsfächern hiermit bekannt geben: 1. Die Prüfungskommission des Rabbinerseminars wird grundsätzlich nur Herren prüfen, die in Leben und Lehre dem gesetzestreuen Judentum angehören. 2. Bei der Prüfung in jüdischer Religion als Hauptf a ch wird für Talmud und Halacha gefordert: a) Die Fähigkeit, auch schwierige Talmudstellen mit Kommentatoren selbständig zu erklären, b) Genauere Kenntnis der für die religiöse Kenntnis in Betracht kommenden Vorschriften des Schulchan Aruch und Beschlagenheit in den Quellenschriften, sowie einen Ueberblick über den gesamten Halachastoff. 3. Bei der Prüfung für jüdische Religion als Nebenfach wird gefordert: a) Die Fähigkeit, leichte Talmudstellen mit dem Kommentar Raschi's zu erklären. b) Genauere Kenntnis der für die religiöse Praxis in Betracht kommenden Vorschriften des Schulchan Aruch, sowie einen Ueberblick über den gesamten Halachastoff zu geben. Die Woche. Berln. Wie der C. V.-Archiv-Dienst mitieilt, hat der Braunschweigische Landtag mit den Stimmen der Nationalsozialisten und der Bürgerlichen Einheitsliste einen Antrag auf Vorlegung eines Anti-Schächt-Gefetzes angenommen. — Aus Anlaß des 10jährigen Bestehens der Jüdischen Telegraphen- Agentur wurde zu Ehren des in Berlin weilenden Direktors der ITA. Jakob Landau ein Bankett vom Auswärtigen Amte gegeben. — Hannover. In Dransfeld bei Hannover wurde der jahrhundertealte jüdische Friedhof geschändet. Zwölf Grabsteine wurden umgeworfen. Seit 1924 ist es zum zweiten Male, daß der alte Friedhof so heimgesucht wird. Eine weitere Friedhofsschändung fand dieser Tage in F r e i st e t t in Baden statt. Dort wurde die Tannenhecke, die den Friedhof umzäunt, in Brand gesteckt. Mit diesen zwei Fällen hat die Zahl der Friedhofsschändungen in Deutschland 13 0 erreicht. Plauen. Ein Antrag der nationalsozialistischen Stadtverordneten-Fraktion im Stadtrat, das Schächten zu verbieten und das von Juden als „nichtkoscher" erklärte Fleisch vom geschächteten Tiere als minderwertig auf der Freibank zu verkaufen, wurde zurückgewiesen. Der Vorstoß der Nationalsozialisten hatte nur agitatorische Bedeutung. München. Die hiesige Chewra Kadischa hielt aus Anlaß ihres 125jährigen Jubiläums am Lagbeomer eine Geenkfeier ab. Mlna. Die hiesige Stadt liegt noch immer in Finsternis, da das Elektrizitätswerk überschwemmt ist. Aus der Synagoge von D r u e wurden mehr als 300 Sfvrim von den Fluten fortgetragen. 170 Thorarollen wurden von der Einwohnerschaft unter Lebensgefahr gerettet. Warschau. Für die hiesige Gemeindewahl sind 30 Kandidatenlisten eingereicht worden. Bukarest. Zwischen dem I o r g a - block und der Union rumänischer Juden ist ein Wahlbündnis zustande gekommen, wonach der Union acht Parlamentssitze und fünf Sitze m Senat zugesichert sind. Damit gehen die von jüdischer Seite aus Jorgan gesetzten Hoffnungen allmählich in Erfüllung. London. Auf einem C e c i l - B a n - k e t t des Anglo Palestine-Klubs in London bekannten sich neben Lord Cecil auch andere bedeutende englische Staatsmänner zum jüdischen Nationalheim und wünschten die Förderung einer jüdisch-arabischen Verständigung. Budapest. Der ungarische Ministerpräsident Graf Bethlen, hat angeordnet, daß dem Führer der Revisionsten, Wladimir Jabotinsky, dem das ungarische Außenministerium ein Visum verweigert hatte, ein Durchreisevisum ausgestellt werde. Sonstankinopel. In der Stadt Tauris in Persien befinden sich 16 aus Sowjetrußland geflüchtete Juden im tiefsten Elend und vom Hungertode bedroht. Sie bemühen sich um ein Einreisevisum nach einem überseeischen Lande. Riga. Durch die Ueberschweminung im Städtchen Kreslawska wurden etwa 200 jüdische Familien vollkommen zugrunde gerichtet. Die durch die Ueberschwemmungskatastrophe betroffenen Familien haben all ihr Hab und Gut verloren und sind zum Teil bei Freunden. zum Teil in öffentlichen Gebäuden, die von den Ortsbehörden zu diesem Zweck requiriert wurden, untergebracht. Das lettländifche Rote Krellz verabfolgt warme Mahlzeiten an die Bedürftigen. Die Hilfsmaßnahmen sind jedoch m Hnblick daraus, daß ein Drittel aller Gebäude der Stadt unter Wasser steht, unzureichend. Jerusalem. Entgegen dem Beschluß des Polizeirichters hat der Hochkommissar, Israel E s r a, der wegen Ueberschreitung der Aufenthaltszeit mit seiner Familie aus Palästina ausgewiesen würde, die Erlaubnis zur dauernden Niederlassung in Palästina erhalten. Der Fall hatte seinerzeit viel Aufsehen erregt, weil die Ausweisung und die harte Bestrafung für die Nichtbesolgung derselben von einem jüdischen Richter ergangen war. — An der Mai-Kundgebung in Haifa nahmen 3000 Personen, unter ihnen 300 Araber, teil. Einer der arabischen Redner erklärte, die arabischen Arbeiter seien im Jahre 1929 durch unverantwortliche Elemente zu den Angriffen auf die Juden verleitet worden. Rewyork. Felix M. W a r b u r g hat für den Joint 50.000 Dollar gezeichnet, und zwar als Beitrag für die 2% Millionen-Sammlung. — In St. Francisco starb am Samstag Prof. Dr. Albert Abraham M i ch e l s o h n, einer der größten Physiker der Welt und Träger des Nobelpreises, im Alter von 78 Jahren. Bedtm der Genfer Kalenderreformberatungen am 8. Juni. Genf, 5. Mai. Am 8. Juni beginnen in Genf die Beratungen einer Vorbereitungskommission, die zum Zweck des Studiums der Frage der Kalenderreform eingesetzt wurde. Die Kalenderreform bildet bekanntlich einen Punkt der Tagesordnung der vierten allgemeinen Konferenz für Verkehr und Transit, die am 26. Oktober in Genf eröffnet wird. Die Hauptaufgabe der Kommission besteht darin, auf Grund der Memoranden, die die auf Beschluß des Völkerbundes von den Negierungen der einzelnen Länder eingesetzten Studienkomitees abgefaht haben, einen Bericht an die Konferenz auszuarbeiten, in dem die Stellungnahme der einzelnen Landeskomitees zu dem Problem dargelegt werden soll. In Völkerbundskreisen ist man der Ansicht, daß die Kommission Vertretern von Gruppen, die am Kalenderresormproblem interessiert sind, auf deren Verlangen Gelegenheit geben wird, ihren Standpunkt mündlich darzulegen, so daß auch die Vertreter der jüdischen religiösen Interessen Gelegenheit haben werden, ihren Standpunkt bezüglich der Einführung eines Vlankotages zu präzisieren. Aufruf an die Staatenlosen. Genf, 5. Mai. Die Internationale Frauenliga erläßt den folgenden Aufruf: Die Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit (Ligue Internationale des Femmes pour la Paix et la Liberte, 12 rue du Vieux College, Geneve), in dem Bestreben, die durch die Kriegs? und Nachkriegszeit verschuldeten Leiden zu Mildern, macht es sich zur Ausgabe, auch denjenigen beizustehen, die durch die Gebietsveränderungen der Friedensverträge in Schwierigkeiten in betreff ihrer Staatsangehörigkeit geraten sind. Nur wechselseitiges Entgegenkommen der in Frage stehenden Staaten kann hier Abhilfe schaffen. Damit hierüber mit Hilfe des Völkerbundes eine Einigkeit erzielt werden könne, findet es die Liga vor allem nötig, über die Art und den Umfang der entstandenen Komplikationen Klarheit zu' gewinnen, und sie hat die im Dienste dieser Sache konstituierte Kommission für Staatenlose damit betraut, in all den betreffenden Staaten die nötigen Daten zu sammeln. Die Liga ersucht daher alle diejenigen, die in Fragen ihrer Staatsangehörigkeit Schwierigkeiten haben, insbesondere die Staatenlosen, ihr ihre Angelegenheit zur Kenntnis zu bringen. Polen. Der Lubliner Raw. Lublin, 29. April. Obwohl seit einem Jahre gewählt und faktisch als Lubliner Raw betrachtet, hatte doch Rabbi Meiir Schap i r o bis jetzt auch noch die Rabbinatsfunktionen in seiner früheren Gemeinde P i o t r k o w ausgeübt. Am Donnerstag verabschiedete sich der Rabbiner offiziell vor seiner Gemeinde, die aus diesem Anlaß eine große Abfchiedsfeier veranstaltete. In Lublin wurde Rabbi Meiir Schapiro von einer Delegation empfangen, der der gesamte Vorstand, alle Schüler der Jeschiwoh und eine große Anzahl von Gemeindemitgliedern sich anschlossen. Weitere Feierlichkeiten verbat sich der Herr Rabbiner mit Rücksicht aus die kritische wirtschaftliche Lage. Es fand nur in den Jeschiwaräumen ein kleines Festessen statt. Die Arage der Kalenderreform. — Der Stand' punkk des amerikanischen Studienkomitees. London, 5. Mai. „Manchester Guardian" veröffentlicht einen Brief des Sekretärs des amerikanischen Landeskomitees für die Vereinfachung des Kalenders O. N. Solbert, in dem zu den von jüdischer Seite gegen die Kalenderreform erhobenen Einwänden Stellung genommen wird. Nach dem neuen Kalender, heißt es in dem Brief, würde der jüdische Sabbat in jedem Jahre aus einen anderen Wochentag fallen. Es wäre für die sabbathaltenden orthodoxen Juden natürlich viel schwerer, den Sabbat etwa an einem Donnerstag oder einem Freitag als wie jetzt am Sonnabend zu feiern. Wenn die orthodox-rabbinifche Einstellung als notwendig für den Bestand der jüdischen Religion aufrecht erhalten werden sollte, wäre

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