Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1931-05-13 · Heft 20 (13.5.1931) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 20 (13.5.1931)
Date
1931-05-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2450652-2450672--77909-2535566
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Der I s r a c l i t Nr. 20 Seite 7 13. Mai 1931 die große nichts üdrsche Bevölkerung genötigt, dies entweder unberücksichtigt zu lassen oder jede Hoffnung aufzugeben, jemals die Segnungen eines international feststehenden Kalenders zu genießen. Das Sonntagsruhegejeh im Unterhaus. London, 10. Mai. Im Unterhaus fand die zweite Lesung des neuen Sonntagruhegesetzes statt. Der Berichterstatter E. F. W i s e von der Labour-Party begründete die vorgesehenen Ausnahmebestimmungen mit Hinweis darauf, daß es in gewissen Teilen des Eaftend schon herkömmlich sei, Sonntag die Geschäfte offen zu halten, dafür aber am Sonnabend zu schließen. Diesem Brauche trägt rZTT***™ bas (Beieü Rechnung mit Bestimmungen, bis unter ge- ""den. hierdurch blrellg,°,°n Glühte b-r >ub>- wissen Umständen die jüdischen Kaufleute von der Zwangsruhe am Sonntag befreie. Grundbedingung für das Offenhalten des Geschäftes am Sonntag ist dessen strenge Schließung am Samstag. Man hofft, daß das Gesetz auch in dritter Lesung glatt durchgeht und dann in Kraft tritt. Italien. Internationaler Tierfchuhkongretz. Florenz, 10. jungen eingepslanzt werden. Ministerpräsident Mussolini versprach, daß für die jüdischen Schulkinder besondere Ausgaben der Lesebücher geschaffen werden sollten, um die Gefahr katholischer Beeinflussung von den Kindern abzuwenden. In dem Gespräch mit dem Ministerpräsidenten Mussolini, das etwa dreiviertel Stunden währte, erörterte der Oberrabbiner auch die Frage der Kuppel der großen römischen Synagoge, deren Abtragung die Stadtregulierungskommission beantragt hat. Der Ministerpräsident versprach dem Oberrabbiner, daß die Kuppel nicht abgetragen, sondern nur zum Zweck einer Verschönerung der Stadtsilhouette abgeändert werden würde Bei der Abänderung werde darauf Rücksicht genommen fäen Bevölkerung nicht verletzt werden. Palästina. Zur Wirschaftslage in Palästina. T e l - A w i w , 1. Mai. Die Zeitschrift „Boustenai" behandelt ausführlich die gegenwärtige Wirtschaftslage und ihre voraussichtliche Entwicklung. Die Lage der Landwirtschaft sei im allgemeinen äußerst schlecht. Selbst die Orangen-Pflanzer, die in einer besseren Lage sind, haben schwere Sorgen. Mai. Die noch sehr der Entwicklung bedürftige Industrie kann Die Frllhlingssonne Italiens gab dem Kongreß sich der billigen syrischen Konkurrenz kaum erwehren und Stimmung und Impuls. Man konnte mit Recht sagend es steht wachsende Arbeitslosigkeit bevor. Der Verfasser daß der radikale Grundzug dieses Mal nicht in Erschei- ( des Artikels glaubt, daß es durchaus irrig sei, aus Hilfe nung trat. Man machte Konzessionen in der Frage der; von außen zu rechnen. Nur eine durchgehende E i n - Jagd und der Vivisektion. Auch hatte der Vertreter des Wiener Tierschutzvereins, Dr. Melkus, sonst der Rufer im Kampf, daraus verzichtet, einen Antrag in Bezug auf die Schechita zu stellen. Da er aber in einem Rese^ rat über die Erziehung zur Tierfreundschaft die Frage der Schechita gestreift hatte, nahm Avvocato Dr. Paci fici-Florenz das Wort, um die religiöse Seite der Sache zu beleuchten. Dr. Melkus teilte mit, daß im Wiener Terschutzverein 7 Vorstandsmitglieder Juden feien und diese (!!) alle hätten einstimmig erklärt, daß das Festhalten an der betäubungslosen Schechita nur ein „Eigensinn" sei. Da kam in zwölfter Stunde ein seltsames Quiproquo. Die Tierschutzvereine Rom und Lucca stellten am Sabbat Nachmittag eine Viertelstunde vor Schluß der ganzen Tagung den Antrag, der Kongreß möge die Forderung stellen, daß die in Italien bereits bestehenden Bestimmungen (Betäubungen durch Bolzenschuß) durchgeführt werden. Die in italienischer Sprache geführte Debatte — auch Pros. Dr. Bonaventura-Florenz versuchte die wissenschaftliche Seite darzustellen, es wurde jedoch eine meritorische Debatte über diesen vorher nicht bekannten Antrag nicht beliebt — kam in der deutschen Uebertragung zu der Umbiegung, daß natürlich der Kongreß nicht über eine interne italienische Frage zu befinden habe, sondern daß der Antrag nur den Sinn haben kann, daß der Kongreß die Delegierten auffordert, in ihren respektiven Ländern auf analoge Bestimmungen zu dringen. Daraus ein Zwischenruf: Gelten die italienischen Bestimmungen auch für das Schächten? Darauf die prompte Antwort: Ja. Tatsächlich aber statuieren die italienischen Bestimmungen eine Ausnahme zu Gunsten der Schechita. Mit knapper Majorität wurde der Antrag in einer hurry-uh-Stimmung angenommen. Natürlich wußten das die Votanten nicht. Katholische Beeinflussung der jüdischen Schuljugend in Italien. Rom, 13. April. Oberrabbiner Dr. Sacerdoti führte beim Ministerpräsidenten Mussolini Beschwerde darüber, daß in den in den italienischen Volksschulen eingeführten Lesebüchern Stücke enthalten sind, die sich mit den Lehren der katholischen Kirche befassen, was dazu führe, daß den jüdischen Schulkindern katholische Glaubensvorstelschränkung in den Lebensansprüchen könne die palästinensische Wirtschaft retten. Herabsetzung der Gehälter, der Arbeitslöhne, des Luxus, der kulturellen Ausgabe sei das Gebot der Stunde. Der Bau der Haifa—Bagdad-Bahn wird in Angriff genommen. Jerusalem, 29. April. Der Bau der Eisenbahn von Haifa nach Bagdad, des ersten Teils des allbritischen Landwegs vom Mittelmeer nach Indien, quer durch die etwa 1000 Kilometer lange syrische Wüste, wird nun in Angriff genommen; die Eisenbahn soll im Jahre 1935 bereits in Betrieb sein. Der große Hafen in Haifa wird Ende 1932 fertiggestellt sein. Die Vermessungsarbeiten für die neue Bahnstrecke werden von der englischen Firma Rendel-Palmer and Tritton von Haifa aus unter Leitung von A. L. Holt, einem Ingenieur der irakischen Staatsbahnen, unternommen. Die neue Eisenbahn wird von Haifa ausgehen, das Südende des Tiberiassees berühren, dann das ganze nördliche Transjordanien durchfchneiden und bei Kasr Asrak in den Korridor einbiegen, der Transjordanien mit Irak verbindet und und Syrien vom Nedschd trent. Von dort wird die Bahn über Ruthe, der bekannten Station für Automobil- und Luftfahrten in der syrischen Wüste (im Gebiete Iraks), nach Hit am Euphrat gehen und von dort nach Bagdad. Die Frage der Rückkehr der Inden nach Hebron vor dem stellvertretenden High Commiffioner. Jerusalem, 5. Mai. Anläßlich einer Besprechung des Präsidiums des Waad Leumi mit dem Cheffekretär der Palästina-Regierung, Poung, der in Abwesenheit Sir John Chancellors die Geschäfte des High Eommiffioners führt, wurde zum ersten Male der Möglichkeit einer Rückkehr der Juden nach Hebron, von wo sie nach dem Massakre im August 1929 geflüchtet waren, offiziell Erwähnung getan. Rabbi Ostrowsky brachte diese Frage zur Sprache, indem er die Forderung an die Regierung stellte, für die Sicherheit der Juden, die nach Hebron zurückzukehren wünschen, Sorge zu tragen. Rabbi Ostrowsky machte keine Angaben darüber, wie viele Juden nach Hebron zurückkehren wollen und wann die.Rückkehr erfolgen soll. Auch der Arbeiterführer Ben Zwi, der den Bestimmungen der neuen jüdischen Gemeindeordnung gemäß der Regierung das Budget der palästinensische!: jüdischen Gemeinden vorlegte, kam auf das Sicherheitsproblem in Palästina zu sprechen. Herr Elmaleh legte der Regierung nahe, auf eine Ordnung der Verhältnisse im Gemeinderat in Jerusalem hinzuwirken, in dem die Jude derzeit unvertreten sind. Die jüdischen Mitglieder des Gemeinderates von Jerusalem haben bekanntlich seinerzeit zum Protest dagegen, daß der Gemeinderat, als Bürgermeister Ragheb Bey Rashashibi mit der arabischen Delegation nach London reiste, unter Uebergehung des jüdischen ersten Vizebürgermeisters Ehaim Solomon den christlichen zweiten Vizebürgermeister mit der Vertretung Nashashibis betraute, ihre Mandate niedergelegt. Spanien. Das neue Spanien und die Iudenfrage. Madrid, 5. Mai. Den Standpunkt der neuen spanischen Regierung bezüglich der staatsbürgerlichen Stellung der Juden und der Möglichkeit einer jüdischen Einwanderung nach Spanien, kam in einem Interview zum Ausdruck, das die Minister für Justiz, Finanzen und Inneres einem Sonderberichterstatter der ITA. gewährten. Die Mitglieder der neuen spanischen Regierung erklärten, es würde binnen kurzem eine Verordnung erscheinen, durch die die nunmehr verkündete Gleichberechtigung aller spanischen Bürger festgelegt werden soll. Die Minister ersuchten den JTA-Vertreter, die einmütige Entschlossenheit der spanischen Regierung, den Juden die gleichen Rechte wie allen anderen Bürgern ohne jeden Unterschied zuzuerkennen, sobald als möglich der Oeffentlichkeit zur Kenntnis zu bringen. Der Verlaus des Gesprächs zeigte deutlich, daß es der lebhafte Wunsch der Minister ist, die jüdische Welt von den freundschaftlichen Gefühlen, die das neue Spanien der Judenheit gegenüber hegt, zu überzeugen. Einer jüdischen Einwanderung nach Spanien, erklärte der Innenminister, werde innerhalb der Grenzen der wirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes kein Hindernis in den Weg gelegt werden. Der Unterstaatssekretär für Arbeitswesen, mit dem der Sonderberichterstatter der ITA. sodann eine Unterredung hatte, erklärte, er würde eine Einwanderung von Juden nach Spanien lebhaft begrüßen. Mextto. Die ankisemilische Bewegung in Bicxiko. Mexiko City, 7. Mai. Die antisemitische Bewegung in Mexiko greift immer weiter um sich. Die in den jüdischen Kreisen infolge der Vertreibung der jüdischen Händler von den Märkten in Mexiko City herrschende Erregung wurde durch ein neues Ereignis gesteigert. In einer Schule der Stadt Mexiko City wurde der aus Rußland stammende 12jährige jüdische Waisenknabe Boris Rabinowitz von einem mexikanischen Mitschüler niedergeschosseri. Von mexikanischer Seite wird behauptet, daß es sich um einen unglücklichen Zufall handle. Die Lage der von den Märkten vertriebenen jüdischen Händler hat eine neue Verschärfung erfahren. Es wird ihnen nicht nur der Zutritt zu den öffentlichen Märkten, sondern auch die Errichtung von Ständen in gemieteten Hallen verweigert. Auch in anderen mexikanischen Städten wurden die jüdischen Händler von den Märkten ausgeschlossen. Die Handelskammern des ganzen Landes haben die Registrierung der jüdischen Händler angeordnet. Ein Verzeichnis dieser Händler, die als unerwünschte Einwanderer bezeichnet werden, soll den, Einwanderungsamt übergeben werden. Von jüdischer Seite wurde dem Staatssekretär S t i m s o n ein scharfer Protest überreicht und die amerikanische Regierung aufgefordert, bei der mexikanischen Regierung in dieser Angelegenheit zu intervenieren. ©art<ei»j»iSl»el ösirteiißMraie ElslfclirÄiils.e preiswert bei LOREY SchUlerllraße 16 KAFFEE TEE KAKAO SEGRI892 h.haldenwang Telefon 31421 KAI SERSTRASSE 34 M 4^ 0/ n , .. I Damenu. Kinderschuhe in meinem nur10»a"e /o Rabatt l Engros-Geschäft, ZE I L 3 9 Zeil 45 gegenüber Brenninkweyer Goldsteinslf. 33 r i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.