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Der Israelit · 1931-05-07 · Heft 19 (7.5.1931) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 19 (7.5.1931)
Date
1931-05-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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7. Mai 1931 Der Israelit Nr. 19 Seite 7 heben. Der Regierung wird der Rat erteilt, den Popen, Rabbinern usw., ohne daß ihr politischer Status irgendwie geändert werden soll, die Erlaubnis zur Verrichtung von Arbeiten rein technischer Natur wie Buchhaltung oder Traktorführung in den Kollektiven oder anderen staatlichen und öffentlichen Unternehmen zu geben. Eine solche Aenderung der bisher gegenüber dem Klerus angewandten Politik sei, so wird in dem Artikel weiter ausgeführt, im Hinblick darauf notwendig geworden, daß die allzu große Strenge, mit der die religiösen Elemente bisher behandelt wurden, bewirkt hat, daß diese ihre bisherigen Berufe nicht aufgeben konnten. Da die Kleriker zu den deklassierten Elementen gehören und politis sozial und wirtschaftlich keinerlei Kon takt mit der übrigen Bevölkerung haben, sind sie gezwungen, durch heimliche oder halb offene Fortführung ihrer bisherigen Berufsarbeit ein elendes Dasein zu fristen. Wenn ihnen aber die Möglichkeit geboten würde, andere, sei es auch schwerste körperliche, Arbeit zu tun, so würden viele von ihnen mit ihrer Vergangenheit und mit dem Glauben vollständig brechen. Die Kleriker müßten aber auch weiterhin von der Beschäftigung in Erziehungsanstalten ferngehalten werden. Auch die Aufnahme als Schüler in die technischen Schule nmüsse ihnen verwehrt bleiben. Ihre Arbeitskraft müsse in solchen Gebieten Verwertung finden, auf denen sie keine Gelegenheit haben, ihre Ideologie zu verbreiten und religiösen Einfluß irgendwelcher Art auszuüben. Tschechoslowakei. Budgelheralung der Prager Jüdischen Gemeinde. Prag, 19. April. In der letzten Sitzung der Repräsentanz der Prager Jüdischen Gemeinde wurde nach längerer Aussprache das Budget für das Jahr 1931 IN der Höhe von 2,356.000 Kc angenommen und der Beschluß gefaßt, in Prag ein jüdisches Spital zu errichten, das das erste jüdische Spital in der Hauptstadt der Tschechoslowakei sein wird. Das Budget weist u. a. folgende Posten auf: Erhaltung der Synagogen Kc 441.000, Oberrabbinat 50.000, Erziehung (religiöse) Kc 50.000, Bibliothek Kc 55.600. rituelle Institutionen Kc 66.000. An Subventionen wurden des jüdischen Lehrlingsheim Ke 10.000, bet Jüdischen Fürsorgezentrale Kc 17.000 und dem Keren Hajessod Kc 6.000 bewilligt. Dieses Budget ist durch Einnahmen in Höhe von Kc 839.000 gedeckt: die restlichen ll/z Millionen Kc werden durch Steuern eingehoben werden. Holland. Das holländische Kalenderreformkomitee für Beibehaltung des gregorianischen Kalenders. Amsterdam, 4. Mai. Das von der holländischen Regierung eingesetzte Studienkomitee für Kalenderreform hat sich einstimmig gegen die Kalenderreformprojekte, die die Einführung eines Blankotages und eines 13. Monates in Betracht ziehen, ausgesprochen. Das Komitee tritt für die Beibehaltung des gregorianischen Kalenders ein. England. Die Palästinafrage in London und Genf. London, 2. Mai. An der Sitzung der Mandatkommission des Völkerbundes, die am 9. Juni beginnen soll, wird Dr. S h i e l s und der Chefsekretär der Palästina-Regierung, P o u n g, die englische Regierung vertreten. Die englische Regierung, so verlautet, sei entschlossen, der Mandatkommission den Landentwicklungsplan in jedem Falle zu unterbreiten, ohne Rücksicht darauf, ob Juden und Araber dem Plane zustimmen oder nicht. Die Verhandlungen zwischen der englischen Regierung und der Agency über den Plan sind auf einem toten Punkt angelangt, weil die Negierung der zu bildenden Land-Kommission die freie Entscheidung über die Verwendung der Gelder überlassen will, während die Agency eine Festlegung verlangt, daß die Mittel zu gleichen Teilen zur Förderung der jüdischen und arabischen Interessen verwandt werden müssen. Die kanadische Einwanderungspolitik. London, 22. April. Der High Eommifsioner für Kanada, G. H. Ferguson, ehemaliger Ministerpräsident von Oktavio, hielt anläßlich der am 20. April stattgesundenen Eröffnung der kanadischen Ausstellung in den Reichshallen zu Birmingham eine Ansprache, in der er erklärte, Kanada werde künftig eine sorgfältige Auswahl der Einwanderer treffen und feine Tore nicht allen Nationalitäten öffnen, da es die Erhaltung der Vorherrschaft britischen Blutes und des britischen Stammes wünsche. Personen, die nicht im Besitze eines größeren Kapitals sind, sei von der Eiywanderung nach Kanada innerhalb der nächsten Jahre dringend abzuraten. Palästina. Vorläufig keine Verhandlungen zwischen High Eommifsioner und arabischer Exekutive sen verschafft. In seiner Gattin, mit der er eine harmonische und glückliche Ehe mehr als 4% Jahrzehnte geführt hatte, hatte er die rechte und verständnisvolle Lebensgefährtin gefunden, mit der er ein vorbildlich jüdisches Haus führte. Für die Lübecker Gemeinde bedeutet sein Hinscheiden eine unausfüllbare Lücke, die besonders in dieser Zeit, da mehr als früher die nimi? unk uns fehlen, schmerzlich fühlbar sein wird. Die n*>-»np ehrte das Wirken dieses seltenen Mannse dadurch, daß fein?nx zuerst nach Schul gebracht wurde, in der er Tag für Tag geweilt hatte. Von hier aus ging dann der Trauerzug nach dem eaVw rro in Moisling. Da seine Bestattung am n'i erfolgte, unterblieb jeder 7Bdtv lAber in der nyav -Woche hielt dem teuren Freunde Herr Rabbiner Dr. Winter einen 720,> in dem er nochmals die edle, unvergeßliche Persönlichkeit des Heimgegangenen tiefbewegt schilderte und die Grundlagen seines jüdischen Wesens und Lebens auszeigte. Herr Simson Carlebach widmete dem Führer der p"ih der seine Lebensarbeit gegolten hatte und dem treuen Mitarbeiter herzliche und tiefbewegte Worte des Gedenkens. .7272^ pnx Jerusalem, 27. April. Der Chefsekretär der Palästinaregierung, Poung, erklärte der ITA. auf eine Anfrage, er sei vorläufig noch nicht in der Lage, Mitteilungen über Verhandlungen der Regierung mit den arabischen Führern zu machen. Die palästinensisch-arabische Exekutive hat eine Erklärung veröffentlicht, in der sie es in Abrede stellt, daß die arabischen Führer der Abhaltung offizieller Besprechungen mit der Regierung zugestimmt hätten, und an dem Standpunkt festhält, daß keinerlei Beratungen stattsinden können, so lange nicht die Regierung die Bedingungen erfüllt habe, die in dem von der arabischen Exekutive dem High Commissioner vorgelegten Memorandum gestellt wurden. Zu dieser Erklärung schreibt das Organ der arabischen Exekutive „Felestin": Mit großer Majorität wurde der arabischen Exekutive der Auftrag erteilt, in Verhandlungen mit der Regierung zu dem Zwecke einzutreten, den arabischen Standpunkt darzulegen und die arabischen Interessen bei der Durchführung des von der Regierung angeregten Landentwicklungsplans zu wahren, vorausgesetzt, daß die Teilnahme an solchen Verhandlungen in keiner Weise die Anerkennung der Politik des Jüdischen Nationalheims in sich schließe. Auch wurde festgelegt, daß der Macdönaldbrief oder ein anderes diese Politik bekräftigendes Dokument nicht die Basis der Verhandlungen bilden dürfe. Ferner wurde beschlossen, daß die Beratungen in Palästina stattfinden und daß die arabischen Delegierten bei den Beratungen nicht mit den jüdischen Delegierten zusammenkommen sollen. Die Araber, erklärt „Felestin" zum Schluß, haben ihr Wort gesprochen, es ist nun an der Regierung, das ihre zu sprechen. Im Zusammenhang mit dem während der Pessachtage auf eine jüdische Arbeitergruppe verübten Anschlag, bei dem drei Mitglieder der jüdischen Arbeitersiedlung Padjour den Tod fanden, wurde eine weitere Verhaftung vorgenommen. Es handelt sich abermals um einen Araber aus dem bei Safed gelegenen Dorf Aassasi, der dringend verdächtig erscheint, an dem heimtückischen Ueberfall terlgenommen zu haben. Sein Name ist Saleh Schub ani. Personalien. Frankfurt a. 2lt.f 3. Mai. Herr Elieser T a r s i s ist an die Talmud Thora in Stettin berufen worden. Von Herrn Tarsis wird erwartet, daß er über die Schule hinaus für die gesetzestreuen Kreise in Stettin einen geistigen Sammelpunkt schassen wird. Seine ganze Persönlichkeit und reichen Fähigkeiten lassen erhoffen, daß es ihm gelingen wird, dieses Ziel zu erreichen. Herr Tarsis hat, nachdem er litauische Jeschiwoth besucht hatte, seine rabbinische Ausbildung und Autorisation auf der Vreuer'schen Jeschiwa empfangen. Lübeck, 1. Mai. Am Vorabend des letzten Nissantages verschied einer der Besten aus unserer Gemeinde, Herr Jakob Schermann. Mit ihm ist ein Mann des stillen Wirkens dahingegangen, der sein ganzes Leben auf 07 2v ,mm und onon ni*m aufgebaut hatte. Als '-«22 der rr^'7j? X72n versah er mit aufopfernder Hingabe diesen heiligen Dienst und stellte seine ganze Persönlichkeit dieser altehrwürdigen Institution zur Verfügung. In ihm fand die ni".7p einen stets bereiten i-ya der ehrenamtlich diesev7pnniiay ausübte und als Erster immre an den a'tm mm seine nVsn für die Gemeinde zu G'tt emporsandte. Für ihn war es eine Selbstverständlichkeit, in der Frühe des Morgens wie am späten Abend zu den o’jienn mwy des nown ma zu gehören. Sein bescheidenes schlichtes Wesen, das mit einer seltenen, gewinnenden Freundlichkeit gegen jedermann gepaart war, hatte ihm nur Freunde in unseren und andersgläubigen Kreivermischtes. Darmskadi, 1. Mai. Am Sonntag, 26. April, hatten die o'X7-> in der hessischen Landeshauptstadt Gelegenheit, ein schönes Fest zu Ehren der mm zu feiern. Und sie machten von dieser Gelegenheit reichen Gebrauch. Etwa 120 Herren hatten sich im Saale der „Stadt Frankfurt" zum ans über " vn mo nvv zusammengefunden. War doch dieses mm-Fest zugleich das Abschiedsfest für den einem ehrenvollen Rufe nach Breslau folgenden Herrn Rabbiner Wassermann '"2- In lcMjähriger Arbeit war es gelungen, die ■>no nvv zü Ende zu lernen. Bereits von Herrn Rabb. Dr. M. Marx begonnen, von Rabb. Dr. Nathan Kahn fortgesetzt, kamen täglich 1—2 unter Leitung von Herrn Rabb. Wassermann zum Mischnajoslernen zusammen. Die onv -Feier begann mit dem Vortrag der. drei letzten ni’jra von vspvf durch Rabb. Wassermann. Das Wort des '•& '3 NMN' '7 in der letzten Mischna mnpn irns mnbiy m^yi rrn» vbv r>->ixi pnx l>a> gab dem Vortragenden Anlaß, sich über das Wese» des F>'7x in jüdischer Auffassung, sowie der Ausspruch des btnff’V .7272 pnn» '^2 map 7 KXH ab »rmyn '2 py»V '7 sich über den als das geeignetste Gefäß für ^7>rr7v' in eingehenden Ausführungen auszulassen. Es war eine herrliche nsm» mit der Herr Rabb. Wassermann sein 6^ jähriges Wirken in Darmstadt zum Abschlüsse brachte. Herr Eisenheimer, der Vorsitzende der Darmstädter .“nin 7iaVn man ergriff hieraus das Wort zur Begrüßung der Anwesenden. Unter Zugrundelegung des Verses ornonn mwp dankt er Herrn Rabb. Wassermann für sein unermüdliches Wirken im Dienste der min und für die mm. Wenn auch Herr Rabb. W. in einer andern Stadt seine Arbeit als Lehrer und Künder der ,77m fortsetzen wird, so werden doch in Darmstadt unvergessen bleiben die herrlichen Freitagabende, an denen »»in mit 'v7 gelernt wurde, die 'pis nrnx-Vorträge, der tägliche 7iyv - rnvr vor inv.i rnii-y- Der rnn-Verein legt das Gelöbnis ab, den Intentionen seiner Lehrer stets treu zu bleiben und fpricyt Herrn Rabb. Wassermann beste Wünsche aus für seine Arbeit »n seiner neuen Wirkungsstätte. Herr Rabb. Dr. M e r z b a ch '"2 folgt mit einer groß angelegten Rede, in der er unter Zugrundelegung eines tressenden Midraschwortes zu eifrigem Lernen aufsorderte. Es ist uns unmöglich, innerhalb eines gedrängten Berichtes die Gedanken wiederzugeben, die der Redner in seinen Ausführungen entwickelten. „Im 7va»^> rnrnn werden Menschen geschaffen, Charaktere gebildet." „Der p'7x schafft Welten". Der Redner spricht Worte der Erinnerung an den verstorbenen 27 der Darmstädter Herrn Dr. M. Marx '7-xr, der den -nnyn -ny’p begründet und begonnen. Hieraus wendet sich Herr Rabb. Dr. Merzbach zu seinem scheidenden Kollegen und richtet an ihn im Namen der nbnp und in eigenem Namen Worte des Abschieds. Er dankt ihm, mit dem er in vollster Harmonie Schulter an Schulter gearbeitet, für sein für die .77m geleistetes Wirken. Herr Freitag überreicht Herrn Rabb. Wassermann eine von der Gemeinde gewidmete silberne Sederschale als Zeichen der Erinnerung an seine Darmstädter Tätigkeit, ebenso dankt der Vorsitzende der swap Herr Bär, für die von Herrn Rabb. Wassermann für die Mitglieder der man eingerichteten camy»!?. Es folgt Herr Diamant mit einer Rede, die manches gute rnrn-Wort enthielt. Herr Kaufmann, Sprendlingen, dankt Herrn Rabb. Wassermann für die den Lehrern des Bezirks erteilten omiyv, wie auch im Namen der Landgemeinden, denen der Herr Rabbiner seine Fürsorge zugewandt. Herr Ehren seid spricht in wohlgesetzter Rede über den allerorts auch in den deutschen Gemeinden erstarkenden mm-Geist und den Willen, min zu lernen. Herr Lehrer Wahrhastig- Darmstadt fordert diejenigen auf, deren berufliche Inanspruchnahme es ihnen unmöglich macht, selbst zu lernen, durch Stärkung und Unterstützung der rnrn-Jnstitutionen mmn p-mv zu sein und richtet seinerseits herzliche Abschiedsworte an den scheidenden Rabbiner. Hier ist der Berichterstatter leider genötigt, seinen Bericht zu schließen, denn er gehörte zu den auswärtigen Gästen und er mußte eilen, um noch den letzten Zug zu erreichen, der ihn dem heimischen Gestade zuführte.

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