Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1931)
- Date
- 1931-05-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Nr. 19 Der Jsrae l i t 7. Mai 1931 Sprechsaal. Jüdische Geschichte. An die Redaktion des „Israelit" Hier Rechneigrabenstraße Sehr geehrte Herren! Zu der Notiz des Herrn S. Geis „Jüdische Geschichte" im Sprechsaal der Nr. 18 des „Israelit" bemerken wir Folgenges: Dozent Dr. Moses Auerbach in Berlin ist seit Jahren mit einer Neubearbeitung der Kotteck'schen »Geschichte der Juden" beschäftigt. Der erste Teil, vom babylonischen Exil bis zum Abschluß des Talmuds, ist fast druckfertig. Die weiteren Perioden bis zur französischen Revolution sind teils fertig bearbeitet, teils skizziert. Die Zeit von der französischen Revolution ois zum Weltkrieg ist viel ausführlicher behandelt, so daß dieser letzte Teil, der fast fertig, voraussichtlich gesondert erscheinen wird. Mit vorzüglicher Hochachtung Jüd.-Literar. Gesellschaft i. A.: Strauß. An die verehrliche Schriftleitung des „Israelit" Frankfurt a. M. In Nr. 10 des „Israelitischen Familienblattes" erschien ein „Klagebrief von der Riviera" von Herrn Dr. Kirsch, Berlin (5. 3. 1931), in dem der Unterzeichnete Verein durch fauche Behauptungen angegriffen wurde. Wir sandten unmittelbar nach dem Erscheinen des erwähnten Klagebriefes eine Erwiderung an das Israelitische Familienblatt, die aber wider Erwarten nicht in der nächsten Nummer Platz fand. Auf unsere mündliche und schriftliche Reklamation teilte uns das I. F. unter dem 27. 3. 31 mit, oaß es wegen Ueberlastung mit aktuellem Stoff für „ausführliche Eingesandts" nicht gleich in der laufenden Woche, in der diese eingehen, Platz schaffen könne, daß es aber nicht verfehlen werde, unsere Erwiderung, zum mindesten im Auszug, zu veröffent- Am 1. 4. 31 haben wir das Israelitische Familienblatt dringend gebeten, unsere Erwiderung vollinhaltlich aufzunehmen, wenn dieses aber nicht möglich -sei, den auszunehmenden Auszug deutlich als solchen zu kennzeichnen. Auf dieses letzte Schreiben haben wir vom I. F. überhaupt keine Antwort bekommen. Wir bitten Sie daher, die oben erwähnte Erwiderung wie folgt in Ihr gefch. Blatt aufzunehmen: Herr Dr. Kirsch, Berlin, veröffentlichte in Nr. 10 des Israelitischen Familienblattes vom 5. 3. 31 einen „Klagebrief von der Riviera". Abgesehen von den lyrischen Ergüssen, die den Artikel einleiten, sowie weiter abgesehen von der Aufzählung der Orte, an denen sich Restaurationen unter Aufsicht unseres Vertrauensrabbiners befinden, enthält der Klagebrief wohl kaum einen wesentlichen Satz, der nicht den Tatsachen direkt widerspricht. Das ist auch weiter nicht verwunderlich, denn der Schreiber gibt ja eigentlich nur die „eine Meinung" der „jüdisch einwandfreien und maßgebenden" Gastwirte wieder. Verwunderlich ist nur, daß Herr Dr. Kirsch es nicht für nötig befunden hat, die angegriffene Seite um ihre Meinung zu befragen, bevor er die „eine Meinung" der Herren Wirte, die doch unzweifelhaft parteiisch eingestellt sein müssen, veröffentlichte. Da Herr Dr. K. die Namen seiner Gewährsmännre nicht angibt, fehlt es uns an der Möglichkeit, uns über die von Herrn Dr. K. attestierte' Zuverlässigkeit der betr. Wirte zu äußern. Was das von Herrn Dr. Kirsch geschilderte „System, das der Hamburger Verein befolgt", anbetrifft, so ist dazu eigentlich nur kurz zu: «bemerken) daß 'es nicht unser System ist, sondern höchstens eip Zerrbild desselben. Es ist keineswegs so', daß wir den Gastwirten an der Riviera oder sonstwo einen bestimmten'-Schauchet aufdrängen, der „nicht nur seine Frau, sondern seine gewöhnlich vielköpfige Familie" mitbringt. Es wäre interessant, von Herrn Dr. Kirsch zu erfahren, wo ein solcher Fall sich ereignet haben soll. Richtig ist, daß unser Vertrauensrabbiner, wie jeder Sachkundige zugeben muß, genötigt ist, die Anerkennung der von den, Gastwirten anzustellenden Schochtim usw. von einer eingehenden Prüfung der Zuverlässigkeit abhängig zu machen, denn der Vertrauensrabbiner, und somit unser Verein, kann und muß sich ja in den betr. Fällen lediglich auf die Gewissenhaftigkeit des Schauchets und des übrigen AufsichtsPersonals verlassen. In solchen Fällen, wo der Gastwirt selber im Sinne des Religionsgesetzes zuverlässig ist, bedarf es selbstverständlich nicht so umständlicher und kostspieliger Maßnahmen. Herr Dr. Kirsch hält es ferner für verfehlt, daß der Gastwirt nicht nur den „Schauchet mit vielköpfiger Familie" versorgen, sondern auch das Reisegeld vergüten muß. Wir wären Herrn Dr. Kirsch zu Dank verpflichtet, wenn er uns angeben würde, bei wem sonst wir auf eine Vergütung der genannten Unkosten rechnen dürften. Ferner wäre es interessant, von Herrn Dr. Kirsch zu erfahren, wann die mehrmaligen Reisen des Vertrauensrabbiners stattgefunden haben. Schließlich sei hinsichtlich des an unsern Verein zu leistenden Beitrages bemerkt, daß auch inländische Wirte einen solchen — nach dem Umsang der Unternehmen abgestuft — zahlen und die, Berechtigung dieser Zahlung auch durchweg einsehest imll. zugeben, ferner, daß dieser Beitrag kaum ausreicht, um^die direkten Spesen unseres Vereins zu decken, die ihm aus der Regelung der Aufsicht enfttehen. Der-Beitrag ist übrigens verhältnismäßig fo gering, daß - er für die Rentabilität eines Unterstehmens überhaupt nicht in Frage ,kommen, geschweige denn den Zusammenbruch einer Gaststätte zur Folge haben kann. Wir sprechen natürlich hier von den Beiträgen, die von uns gefordert werden, nicht etwa von denen, die tatsächlich eingehen. (!) Wenn Herr Dr. Kirsch am Schlüsse seiner Ausführungen an hsn Preußischen Landesverbands jüdischer Gemeinden sowie an die Großgemeinden Deutschlands appelliert, so können wir es eigentlich den Genannten überlassen, ob sie sich zu der Aufforderung des Herrn Dr. Kirsch äußern wollen. Wir möchten aber nicht unerwähnt lassen, daß der Preußische Landesverband seit einigen Jahren und auch einige Großgemeinden uns noch in den letzten Jahren Beiträge zugewendet haben. Diese Geldgeber würden es aber sicherlich nicht gutheißen, wenn wir ihre Subventionen zu gunsten der Gastwirte an der Riviera verausgaben würden. Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser e. V. Hamburg 11. Die lVoche. Elternabend. Am Montag, den 11. Mai, pünktlich 8.45 Uhr, findet in der Israelitischen Volksschule ein Elternabend statt über das Thema „Die Angst in der Kindesseele". Referent: Nervenarzt Dr. Arnold Merzbach. Verein Mekor Lhajim s. V. Wie bereits mehrfach mitgeteilt, findet die Doppel sijum-Beranstaltung der Herren R.-A. Gerson Posen und Herz Holpern s. G. w., am Sonntag, 17. Mai (1. Siwan) in unserem Vereinslokal, Langestr. 18, nachm. 5.30 Uhr statt. Bis Mittwoch, den 13. Mai sind noch Karten a Mk. 2.50 bei den Herren Fritz Stern und Jos. Rosenthal zu haben. Mit Rücksicht auf das zur Verabreichung gelangende warme Menu, bitten wir um frühzeitige Besorgung der Karten, da an der Kasse ein Kartenverkauf ausgeschlossen ist. Ostendskraße 18. o"iy *oan Die im Jahre 1916 gegründete tnan fjatte bis 1919 den hervorragenden Gelehrten mm nv» ", 21,1 Ratzker zum Dozenten für den gemeinschaftlichen -wir Seit 12 Jahren wirkte 'i am Weber '"r als Dozent. Am Jahrzeitstage des ersten Dozenten Sonntag, 16. i”K verband der Lernkreis mit dem auf inj naov im engeren Kreise die Abschiedsfeier für ihren Dozenten, der im Begriffe ist, nach Vair> ps überzusiedeln und Montag Abend von hier abreisen wird, "> Weber hielt einen sehr schönen, geistreichen pm und dankte dem Lernkreise und dem Vorstande mit dem Wunsche, daß die immer größer werde. Den Dank für die 12jährige hingebungsvolle Tätigkeit sprach Herr Emanuel Kaufmann im Namen des Vorstandes aus mit dem Bedauern, für die Folge auf die klare, glatte Lehrmethode Rabbi Salman Webers verzichten zu müssen, zugleich auf die Bedeutung der 71212 von rri air.n hinweisend. Im Namen des Lernkrsifes dankte Herr Josef Diamant, der Herr Rabb. Weber im Vorlernen vertritt, mit schönen niin '121. Die o'iiS'v, jetzt rwiv nav», finden täglich Ostendstr...18, abends 7—8.45 Uhr statt. Weitere Teilnehmer sind jeosrzeit willkommen. Eröffnung des Sommersemesters an der Hoffmann'fchen Rabbmischen Lehranstalt „Jeschiwa" in Frankfurt a. Tft. Zur Eröffnung des Sommersemesters der Rabbinischen Lehranstalt „Jeschiwa", die am 2. Jjar (19. April) stattfand, hatten sich im' großen Hehrsaal der Anstalt die gesamte Hörerschaft, das Dozentenkollegium sowie zahlreiche Herren des Kuratoriums versammelt. Der Leiter der Anstalt, Herr Gemeinderabbiner Dr. Jakob Hofsmann wies in seiner Eröffnungsrede einleitend darauf hin, daß der Lehranstalt wiederum unerwartet viele neue Hörer zugeströmt sind. Besonders groß sei die Zahl der Hörer, -die aus den verschiedenen Gegneden Deutschlands stammen und vor dem Eintritt ins Berufsleben einige Semester an der Lehranstalt ausschließlich dem Thorastudium widmen wollen. Ein erfreuliches Anzeichen dafür, daß die Erkenntnis von dem unvergleichlichen und durch nichts anderes zu ersetzenden Wert gründlichen Thorastudiums immer weitere Kreise erfaßt. Redner zeichnet die Zwecke, die eine Jeschiwa verfolgen muh: den Hörern den Weg zu zeigen, der sie zum tiefeindringenden Studium der Geistesschätze des Judentums führt und sie zu glaubensstarken und überzeugungstreuen Persönlichkeiten heranzubilden. Im Sommersemester studieren an der Rabbinischen Lehranstalt 60 ordentliche Hörer, die sich ausschließlich dem Thorastudium widmen und eine größere Anzahl außerordentlicher Hörer, die bereits im Berufsleben stehen und bloß einige auf die Abendstunden gelegten Vorlesungen mitnehmen. Einige ordentliche und außerordentliche Hörer besuchen neben der Lehranstaltauch noch die Universität. Der Unterricht, der sich auf sämtliche Disziplinen des biblisch-rabbinischen Schrifttumserstreckt (Hebr. Grammatik, Pentateuch mit Kommentaren, Bibel, Mischna, Talmud mit Kommentaren, Dezisoren). findet vorwiegend in den Vormittagsstunden statt, während der Nachmittag für die Wiederholung des dürchgenommenen Pensums unter Leitung eines Dozenten bestimmt ist. Für einige besonders begabte und eifrige Schüler sind Unterrichtskurse eingerichtet, in denen unter Leitung von Studienräten für das Abitur! entenexarnen vorbereitet wird. Ein Achtzigjähriger. In voller geistiger Frische beging am vierunddreißigsten Omertage Herr Jacob Strauß, hier, die Vollendung seines 80. Lebensjahres. Jacob Strauß, ist anerkanntermaßen einer der nicht allzu zahlreichen wahrhaften Talmide Chachomim alten Schlages im Kreise der.Balebatim, deren sich die Frankfurter jüdische Gemeinschaft erfreut. Sein reiches Thorawissen, das er sich in früher Jugend in seiner Heimat Burgpreppach und später in Fürth, durch fleißiges Studium, unterstützt durch ein glänzendes Gedächtnis und hohes geistiges Ausfaffungs vermögen erwarb, hat ihn seit Jahrzehnten befähigt, im öffentlichen Leben für nun und n«u mehr als viele seiner Zeitgenossen zu leisten. Er gehörte zu den Gründern der Agudas Jisroel und hat in den ersten kampfreichen Jahren in der obersten Leitung der Organisation mit Hingabe und Erfolg gewirkt. Höher noch sind seine organisatorischen und praktischen Leistungen zu. werten bei der Reorganisation und dem Ausbau der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums," deren Geschäfte er als Schriftführer zwei Jahrzehnte hindurch leitete und innerhalb deren er namentlich die ungeheuren Lasten der Durchführung des Kriegshilfswerks der Freien Vereinigung auf sich nahm. Möge dem seelisch und geistig jugendfrischen Greise das rror zuteil werden, noch viele Jahre sich dem ganzen Glücke seines Lebens, dem Limud Häthauro, in Gesundheit und Kraft zu widmen.!u» b»ibwi .1«» iy- Ein Jubiläum. Am 121122 v2v begeht Herr Salomon Wolpert, Gwinnerstr. 22, sein 50jähriges Jubiläum als Religionslehrer, und außerdem wirkt der Jubilar seit 20 Jahren in segensreicher Weise als Hauslamden im Gumpertz'schen Siechenhaus. Wie sehr Herr Wolpert früher in den verschiedenen Landgemeinden sich als Lehrer betätigt hat, ist bekannt: darüber hinaus jedoch hat er sich durch seine hingebungsvolle Wirksamkeit für die „Kehilloh Gumpertz" besondere Verdienste erworben. Ein dankbarer Kreis von Patienten und Besuchern lauscht seinen Vorträgen und nimmt mit Interesse teil an seinen Schiurim, die er in der Anstalts-Synagoge abhält. Möge es Herrn Wolpert vergönnt sein, noch viele Jahre in voller Gesundheit sein heiliges Amt ausüben zu können. Das Lag-Boaumer-Tsitchen. Die Vögel pfiffen viel schöner wie die Tage vorher,, als ich heute Vormittag durch die Anlagen wanderte — kein Wunder — es ist lag bo-aumer, oas mußte man merken. Ich ging neben ein paar kleinen Schulmädchen,;ang frisch gebackenen AVC-Schützen und sah zu, wie ie eifrig aus einem kleinen Tütchen Vonbons naschten. Eines der Kseinen sagte: „Mei Dutt is leer, fchaaad" — dabei sah es sich die „Dutt" an und deutete die ihm bekannten Buchstaben, die darauf standen. „Se (wahrscheinlich die Lehrerin) hat gesagt, wege der Auguste- Nosenheim wärs." „Nei, wege der Jahrzeit," sagte das ändere Kind. Da nahm ich mir drei Minuten Zeit und sagte zu den Kleinen: . „Die Bonbons sind aber fein; Ihr habt auch beide recht, die hat man Euch'gegeben, weil heute Jahrzeit für Auguste Dösenheimist. Als Ihr noch gar nicht ^geboren wart,, an einem lag bo-aumer, ist dieses junges Mädchen gestorben. ' Weil es kleine Kinder sehr lieb hatte und so gut zu ihnen war, wollen die Eltern der Auguste, daß an ihrem Jahrzeitstage viele Kinder an ihr Kind denken sollen und deshalb bekommt-Ihr diese vielen guten. Bonbons." v . „Jahrzeit ist was sehr Trauriges, mein Papst hat als manchmal (!) für die Oma" sagte ein Kleines. „Ich habb mei Dutt noch voll, da freut sich die Ilse daheim," sagte ein anderes. Ich ging sinnend von dannen und dachte daran, mit wie viel Tränen die Tütchen vollendet werden — damit Helle Kinderfreude' sie lachend leeren sollen — •:nn»»V-pa?a Th. H. Das Schwstrzwaldh 0 tel in Herrenalb (Inhaber: L. Weill-Stern) hat seine Pforten wieder geöffnet und erwartet, daß der doch nun endlich herangekommene Frühling mit seiner lockenden Sonne zahlreiche Großstädter in die dunklen Wälder und aus die ragenden Höhen des Schwarzwaldes hinausführen wird. In dem lieblichen Herrenälb findet der auf rituelle Kost angewiesene Tourist und Kurgast behaglichen Aufenthalt und erstklassige Verpflegung in dem bewährten Hause, das. in bester Lage gegenüber dem Kurhaus und den Anlägen gelegen ist und sich in der jüdischen Wett seit vielen ^Jahren des besten Rufes erfreut. 'Man darf wohl darauf rechnen, Läß gerade jetzt, da die jüdischen Hotels unter der wirtschaftlichen Depression schwer zu leiden haben, sich jeder.gesetzestreue Kurgast zum Prinzip machen wird, in dem jüdischen Hotel nicht nur Zuspeisen, sondern auch zu wohnen.