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Der Israelit · 1931-05-07 · Heft 19 (7.5.1931) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 19 (7.5.1931)
Date
1931-05-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 19 Der Israelit 7. Mai 1931 den gewesen. Die Heeresverwaltung habe vor dem Kriege nur geschachtetes Fleisch für die Konserven oerwandt, weil ausgeblutetes besser haltbar sei. Kontrolle durch Gendarmerie sei unnötig. Der Fleislyoeschauer sei Kontrolle genug. Die Sozialdemokraten lehnen den Antrag ab. Der Antrag des Ausschusses auf Ablehnung des nationalsozialistischen Antrags wurde schließlich angenommen, weil sich die große Mehrheit des Landtags auf den Standpunkt stellte, daß die Schächtfrage nur reichseinheitlich gelöst werden könne. Schweiz. 5üt den Schuh der Frauen und Mädchen. Genf, 23. April. Am Dienstag, den 2-. April, wurde in Genf die zehnte Tagung des „Komitees zur Bekämpfung des Frauen- und Kinderhandels" eröffnet. In der ersten Sitzung erstattete der Londoner Generalsekretär Cohen ein Referat, das den vom Völkerbund herausgegebenen und den Mitgliedern des Komitees zugestellten gedruckten Jahresbericht der Jüdischen Vereinigung für den Schutz der Mädchen und Frauen ergänzte. Generalsekretär Cohen hat im Jahre 193 eine Reise nach Südamerika unternommen und sich bei einem Besuch der Städte Rio de Janeiro, Sao Paulo und Santos in Brasilien, Buenos Aires und Rosario in Argentinien und der Hauptstadt von Uruguay, Montevideo, davon überzeugen können, daß sich die Verhältnisse bezüglich des Mädchenhandels seit dem Jahre 1913, in dem er zum letzten Mal in Südamerika weilte, bedeutend gebessert haben. Dies ist aus die fortschreitende Aufklärung der öffentlichen Meinung sowie auf die Einwanderungsbefchränkungen zurückzuführen. Eine weitere Besserung der Verhältnisse wäre nach der Meinung des Referenten zu erwarten, wenn die Oeffentlichkeit Südamerikas über die Tätigkeit des Völkerbundes auf dem Gebiete der Bekämpfung des Mädchenhandels besser informiert werden würde. Bei der Bekämpfung der argentinischen Mädchenhändlerorganisationen, die zur Auflösung dieser Vereinigungen führte, hat sich Richter Ocampo besondere Verdienste erworben. Seitdem ein großer Teil der Mitglieder dieser Gesellschaften sich durch Flucht aus Argentinien der ihnen drohenden Verhaftung entzogen hat, find auch die Fälle von Entführung jüdischer Mädchen aus Osteuropa seltener geworden. Die Londoner „Jüdische Vereinigung für den Schutz von Frauen und Mädchen" wird sich auch weiterhin an den Arbeiten der ständigen Internationalen Konferenz intensiv beteiligen. Das Londoner Zentralbüro hatte sich im Jahre 1930 mit 210 intrenationalen Fällen zu beschäftigen, die eine umfangreiche Korrespondenz mit europäischen Ländern, den Vereinigten Staaten, Zentral- und Südamerika erforderten. Insgesamt wurden in London 1673 Fälle, darunter 776 neue Fälle behandelt, von denen 77 vermißte Mädchen oder Fälle von Schändung > und Verleitung zu unsittlichem Lebenswandel, 22 Mädchen und Frauen unter polizeilicher Kontrolle und 12 Strafentlassene betrafen. Hierzu kamen 79 Kinderfälle. In 333 Fällen handelte es sich um Hilfeleistung in Eheangelegenheiten (darunter verlassene Frauen), bei den übrigen Fällen um allgemeine Anfragen und um Fragen betr. Durchwanderer und Mädchen, die den verschiedenen Heimen der Vereinigung übergeben wurden. Oesterreich. Die Finanzen der Wiener israelitischen Kultusgemeinde. Wien, 19. April. In der öffentlichen Plenarsitzung vom 16. April d. I., die unter dem Vorsitze des Präsidenten, Generaloberstabsarzt Prof. Dr. Alois Pick, stattfand, wurden die Beratungen über den Voranschlag der Einnahmen und Ausgaben für das Jahr 1931 abgeschlossen und der Rechnungsabschluß für das Verwaltungsjahr 1930 genehmigt. Die Gebarung des Jahres 1930 weist insgesamt Einnahmen von S 6,211.414.36 aus, welchen an Ausgaben in diesem Verwaltungsjahre S 6,348,479.60 gegenüberstehen. Der Fehlbetrag von S 137.065.24 erfährt eine Erhöhung um S 94.841.87 aus dem vom Vorjahre vorgetragenen Defizit. Eine Reihe von Investitionen, Ausgestaltungen und Neueinrichtungen muhte ungeachtet ihrer Dringlichkeit zurückgestellt werden, um eine Vergrößerung dieses Defizits, für dessen Abdeckung keinerlei Fonds bestehen, zu vermeiden. Von den Gesamtausgaben entfielen auf die Kapitel „Kultus", „Unterricht" und „Beerdigungswesen" insgesamt S 2,579,952.72, auf das Kapitel „Fürsorgewesen" S 2,149,829.36. Die Einnahmen setzen sich aus dem Eingang an Kultussteuern von insgesamt S 2,540,521.76 und im übrigen aus den statutenmäßig eingehobenen Taxen und Gebühren, sowie aus Spenden zusammen. Der Vor- Die Woche. Breslau. Am 14. Mai wird hier die Hauptversammlung des Verbandes der Synagogengemeinden Niederschlesiens tagen. In dem für die Versammlung vorbereiteten Berichte wird über den Verfall des Gemeindewesens in Niederschlesien geklagt. Weimar. . Das Thüringische Staatsministerium beschloß, den Vertrag mit einem Generalmusikdirektor zu erneuern, den Dr. Frick wegen seiner Beziehungen zu Juden gemaßregelt hatte. Es kann darin ein erfreulicher Anfang erblickt werden. Posen. In Krotoschin überfiel ein Trupp Huligans während des Jahrmarkts die jüdischen Händler, mißhandelte sie und begann, ihre Warenauslagen auszurauben. Die angerufene Polizei verhielt sich passiv. Zum Glück brach ein Platzregen aus, der die Rowdies vertrieb und den jüdischen Händlern so viel Zeit lieh, ihre Ware in Sicherheit zu bringen. Eine Abordnung des Kleinhändlerverbands in Posen sprach beim Innenministerium vor. konmo. Ein Kongreß litauischer Kausleute fordert den Ausschluß der Juden aus. Handel, Industrie und Handwerk. Die „Jüdische Stimme" warnt die Führer des Verbandes vor den Methoden des Antisemitismus und des Wirtschaftsboykotts. Riga. Im lettischen Städtchen Kreslawke wurde neben 150 jüdischen Häusern auch der jüdische F r i e d h o f durch die Wasserfluten verwüstet, so daß zur Zeit Beerdigungen dort nicht vorgenommen werden können. Amsterdam. Bei den Wahlen zum Provinzialrat von Nord-Holland, der insgesamt 77 Mitglieder umfaßt, wurden 10 Juden gewählt, unter ihnen der Präsident der aschkenasischen Geneinde in Amsterdam, A. A s ch e r, als Spitzenkandidat der Liberalen Liste. In Utrecht wurde ein jüdischer Kandidat gewählt. Budapest. Wladimir Jabotinski, der auf Einladung der Revisionisten Vorträge in Ungarn halten sollte, wurde von der ungarischen Regierung die Einreiseerlaubnis verweigert. Warschau. Die Hochwasserkatastrophe in Polen hat ganze jüdische Städte und Städtchen vernichtet. Tausende jüdische Familien sind brot- und obdachlos. Los Angelas. Dem bekannten Newyorker jüdischen Bankier und Philanthropen, Paul M. Marburg, wurde das juridische Ehrendoktorat der Universität von Los Angelas verliehen. Newyork. Aba E a h a n, der Herausgeber der jiddischen Tageszeitung „Vorwärts", hat eine großzügige Hilfsaktion für die Opfer der Ueberschwemmung in der Wilnaer Gegend unter der Wilnaer Landsmannschaft in Amerika eingeleitet. Die Zeitungen richten Appelle an die amerikanische Judenheit, sich geschlossen an der Hilfsaktion zu beteiligen. — Morton Meinhardt, Chef einer großen Newyorker Textilfirma, der am 15. April auf einer Fahrt nach Japan verstorben ist, hat für jüdische Wohlfahrtszwecke eine Million Dollar hinterlassen. — Das American Joint Distribution Committee hat 3000 Dollar für sofortige Hilfe an die durch die Hochwasserkatastrophe in Wilna und Umgebung geschädigten jüdischen Familien bewilligt. Moskau. Die Charkower Universität für kommunistische Volksbildung hat für das Sommersemester eigene Kurse zur Ausbildung antireligiöser Propagandisten eingerichtet. Die Universitäten Sowjetrußlands wollen Lehrstühle für Atheismus und dialektischen Materialismus errichten. Zugelassen zu diesen Kursen sind aber nur Kommunisten, die mindestens 35 Jahre alt sind. Man hat, wie man zugibt, mit den jugendlichen Himmelstürmern keine guten Erfahrungen gemacht. anschlag pro 1931, welcher dem Kultusvorstande zur Beschlutzsassung Vorgelegen hat, weist für das Jahr 1931 an Einnahmen insgesamt S 5,904.933.—, an Ausgaben S 6,383.389.—, somit einen Fehlbetrag von S 478.456 auf, welcher sich durch das vorgetragene Defizit der Vorjahre auf S 710.363.11 erhöht. Hierzu kommen aber noch „außerordentliche Erfordernisse", die in der Zeit des Budget-Provisoriums, d. i. seit 1. Januar 1931, zugewachsen sind und sich aus ca. S 50.000 belaufen. In den sehr eingehenden Debatten über das vom Finanzreferenten, Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim, erstattete Referat und die von den Kommissionsobmännern vorgetragenen Berichte über die einzelnen Anstalten, Institutionen und Verwaltungszweige wurde die triste finanzielle Lage der Kultusgemeinde beleuchtet. Entgegen allen Erwartungen sind die seit mehreren Jahren bei der Regierung anhängigen Ansuchen, daß aus dem Titel der Gleichberechtigung der Konfessionen auch für die Israelitische Religionsgesellschaft ein Beitrag aus Bundesmitteln geleistet werde» obwohl die Berechtigung und die. Billigkeit dieses Begehrens immer wieder von allen Regierungsstellen anerkannt wird, bisher nicht einer aufrechten Erledigung zugeführt worden, so daß die Israelitische Kultusgemeinde Wien auch derzeit noch nicht den geringsten Beitrag au Bundesmitteln erhält, obwohl die Gemeinde mehr als 200 000 Seelen umfaßt und durch ihre Wirksamkeit vielfach Bund, Land und Gemeinde entlastet. Die Plenarversammlung hat die Budgetvorlage mit dem einschränkenden Beschlüsse genehmigt, daß gegenüber den einzelnen Posten der Einnahmen- und Ausgabenseite Ersparnisse, bezw. Zuflüsse in einem derartigen Ausmaße erzielt werden sollen, daß eine Erhöhung der Defizite des Vorjahres nicht eintritt. Zur Durchführung dieser Ausgabe wurde, unter dem Vorsitze des Finanzreferenten Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim, eine Crsparungskommission eingesetzt. Polen. Der Tod eines Chafsidim-Rabbi. Warschau, 27. April. Der plötzliche Heimgang desNaderschinerRebb e n, eines Enkels des alten Worker Rabbi, hat die polnische Judenheit in tiefe Trauer versetzt. Tausende Teilnehmer waren bei der Bestattung anwesend, unter ihnen angesehene Rabbiner und Rebbes aus Rußland und Polen. Es wurden viele Hespedim gehalten. •n-3S3n Die Ueberfchwemmungskalaflrophe in Polen. — Ein Todesopfer. Wilna, 29. April. Infolge der Hochwasserkatastrophe ist in Wilna eine Typhusepidemie ausgebrochen. Zur Bekämpfung der weiteren Ausbreitung der Epidemie haben die Behörden die Schließung und Siegelung der Brunnen in den äußeren Stadtbezirken angeordnet. Die Bevölkerung wurde vor dem Genuß ungekochten Wassers gewarnt. Die Hochwassergefahr im Bezirk Grodno ist fortdauernd ernst. Der Djemen ist um 6 Meter gestiegen. In der Stadt Grodno selbst sind viele Straßen überschwemmt. Wie „Nasz Przeglad" meldet, wurde in Wilna unter dem Vorsitz des Wojwoden ein Hilfskomitee gegründet, unter dessen 70 Mitgliedern sich bloß 2 Juden befinden. In den jüdischen Kreisen Wilnas herrscht tiefe Verstimmung darüber, daß die jüdischen Organisationen und die jüdische Gemeinde nicht eingeladen wurden, Vertreter in dieses Hilfskomitee zu entsenden, obwohl die jüdische Bevölkerung von der Hochwasserkatastrophe am stärksten betroffen wurde. Aus dem Städtchen Danilowicz wird das erste Todesopfer der Katastrophe gemeldet. Frau Rifka Rifkowska wurde bei dem Versuch, einevon den Fluten überschwemmte Straße zu überschreiten, sortgespült und ist ertrunken. Angarn. Ungarn gegen die Kalenderreform. Budapest, 1. Mai. Das ungarische Nationalkomitee hat erklärt, daß der königl. ungarischen Regierung nur eine solche Kalenderresorm zur Annahme empfohlen werden kann, die die religiösen Anschauungen keiner Glaubensgemeinschaft verletzt. Die radikale Modifizierung sei keineswegs aktuell, höchstens die Fixierung des Osterfestes und der üblichen sonstigen Feiertage. Rutzland. „Besboschnik" forderl Arbeilsrechk für Popen und Rabbiner in Sowjekrußland. Moskau, 30. April. Das Organ der Freidenkerbewegung in der Sowjetunion „Besboschnik" (Der Gottlose) veröffentlicht in seiner letzten Nummer einen Artikel, in dem der Negierung nahegelegt wird, eine Reihe der dem Klerus in der Sowjetunion auferlegten Beschränkungen aufzu-

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