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Der Israelit · 1931-05-07 · Heft 19 (7.5.1931) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 19 (7.5.1931)
Date
1931-05-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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»et I s r a e I t t Nr. 19 Seite 5 7, Mai 1931_fetzung des Blankotages und damit die Erzwingung der Feier des Sabbats inmitten der allgemeinen Arbeitswoche nicht nur für uns Juden, sondern auch für unsere Umgehung die Ursache der größten Verwirrung fein würde. Korrespondenzen « Nacbricdie«. Deutsches Reich. Schmittoh 5881. Frankfurt a. M., 4. Mal. Die Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel hat an die jüdischen Kultusgemeinden mit Rücksicht auf das lausende Schmittoh-Jahr und die dadurch bedingten wirtschaftlichen Schwierigkeiten derjenigen Kolonisten, welche das Schmittoh-Jahr halten, das Ersuchen gerichtet, den Erlös aus Mizwotverkauf- und Thora- Spenden am kommenden Sabbat, den 2 2. I j a r, d e f s e n S i d r a -m? d u r ch das Sch m i t - toh-G eb et eingel eitet wird, dem Schmittoh- Fond zu bestimmen. Abgesehen von dem materiellen Erfolg, wird! aus diese Weise auch der Schmittoh- Gedanke in seier tiefen Bedeutung, auch in der Diaspora wieder lebendig, daß G'tt der Eigentümer des Landes ist, und jüdische Menschen nur dann in diesem Lande leben können, wenn sie sich diese Tatsache zum Bewußtsein bringen. Eine Reihe von Gemeinden, u. a. auch die Israelitische Religionsgesellschaft Frankfurt a. M., haben bereits die Anregung der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel akzeptiert. Es ist zu hoffen, daß auch weitere Spenden dem Schmittoh-Fond anläßlich dieser Aktion überreichen werden. In diesem Zusammenhang dürfte folgende Reminiszenz für weitere Kreise Interesse haben, kurz vor dem Heimgange Rabbiner Samson Raphael Hirfchs ^xt wurde im Hinblick auf die damals gegründeten Kolonien im heiligen Lande die Frage angeregt, ob die Kolonisten verpflichtet seien, im Schmittoh-Jahr, das damals zum ersten Male feit ihrem Bestände an sie herantrat, den Boden brach liegen zu lassen, oder ob sie berechtigt seien, durch einen zeitweiligen Verkauf, dieses schwere Opfer, das für sie eine Existenzfrage war, zu umgehen. Große rabbinische Autoritäten sprachen sich in erleichternden! Sinne aus, Hirsch trat mit aller Entschiedenheit für die strikte Erfüllung der Schmittoh-Gesetze auch unter diesen schwierigen Verhältnissen ein. Aber nachdem er seinen ausgesprochen hatte, trat er sofort mit einem Aufruf an die Oeffentlichkeit, indem er zu Sammlungen für die Kolonisten aufforderte, die durch diese gewissenhafte Erfüllung des G'ttesgesetzes ihre ganze Existenz erschwert sahen. Dieser Aufruf war die. letzte schriftliche Kundgebung, mit der er vor die Öffentlichkeit trat. Spenden für den Schmittoh-Fond werden auf das Postscheckkonto , der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel Nr. 53 900 Frankfurt a.M. erbeten. Eine Bezirkslcrgung der freien Vereinigung in Heppsetd. Frankfurt a. M., 4. Mai. Am Sonntag, den 17. Mai (1. Siwän 5691), nachmittags 1.30 Uhr, findet die erste diesjährige Bezirkstagung der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums in Hersfeld Hotel Stern statt. Das reichhaltige Programm umfaßt u. a.: Referate von: Sr. Ehrw. Herrn Rabb. Dr. Cahn-Fulda: „Persönlichkeit und Gemeinde"; Herr Redakteur Schachno w'i tz -Frankfurt a. M.: „I üd i s ch e Landgemeinden in Vergangenheit und Gegenwart". Herr Gustav Kaufmann-Frankfurt a. M.: „Jüdische Wirtschastspröbleme"' Herr David Ullmann-Kassel: '„Die Jüdische Jugend i n D e u ts ch l a n d"; Herr Jakob E s ch w e g e - Fulda: „Der. gegenwärtige Stand der 'Schächtangelegenheit" u. ä. m. Unter Leitung von Herrn Lehrer Emanuel jpsrs feld und Herrn Lehrer!Berlinger, Burghaun, werden deklamatoirisc§e und theatralische Aufführungen dürch .'Jugendliche, der Bezirkstagung auch eine gemütliche ^ote verleihen. Eine große Reihe von Gemeinden aus der Umgebung haben bereits ihr Erscheinen bei der Bezirkstagung angemeldet. Alle Interessenten (auch Damen und Jugendliche) sind willkommen. Gelegenheit zum Mittag- und Abendessen ist gegeben, doch empfiehlt es sich, infolge des starken Andranges diesbezügl. Anmeldungen bis spätestens 14. Mai an Herrn Lehrer Emanuel, Hersfeld, zu richtjen. .Teilnehmer aus Frankfurt a. M. wollen sich betr. Ermäßigung der Reifespesech mit dem Büro der Freien ^Vereinigung, Rechneigrabenstr. 10, ins Benehmen zu setzen. Watwn Goebbels von der Anklage der Beschimpfung der jüdischen Religionsgemeinschast freige. sprachen wurde. '1 Berlin, 1. Mai. Das Schöffengericht Berlin-Charlottenburg hat : bekanntlich den Berliner Gauführer der Nationalsozialisten, Dr. Goebbels, wegen Beleidigung von Ministern und' hohen Beamten zu einem Monat Gefängnis und einerhöheren Geldstrafe verurteilt, ihn aber von der Anklage des Vergehens gegen § 166 durch Beschimpfung der jüdischen Religionsgemeinschaft freigesprochen. In der Urteilsbegründung führte Landgerichtsdirektor Rambke aus, daß der Angeklagte von der Anklage nach § 166 freigesprochen worden fei, weil nach Ansicht des Gerichtes in dem inkriminierten Artikel des „Angriff" nicht erkennbar war, daß die Beschimpfung sich gegen die jüdischen Religionsgemeinschaft als solche richtete, sondern weil offenbar der Artikel lediglich deren Mitglieder bezw. Vertreter treffen sollte, die in dem Artikel als Fanatiker bezeichnet worden waren. Außerdem sei der Hinweis darauf, daß es Ritualmorde gegeben habe, keine Beschimpfung, sondern eine Feststellung historischer Tatsachen. (sic!) Es fei nur darauf hingewiesen, daß es in Deutschland und in Oesterreich mehrere Kirchen gebe, die Heiligen geweiht seien, welche durch Religionsgegner ermordet und deshalb heilig gesprochen worden seien. Es ist nicht bekannt, ob der Staatsanwalt gegen diesen Freispruch, insbesondere auch im Hinblick auf dessen eigenartige Begründung durch das Gericht, Berufung eingelegt hat. Die Verwirklichung der jüdischen Friedensidee. Berlin, 21. April. Der Jüdische Friedensbund veranstaltete am Montag, den 20. April, im Brüdervereinshaus zu Berlin eine außerordentlich gut besuchte Kundgebung, in der eine Reihe von Rednern die innige Verknüpfung des Judentums mit der Friedensidee hervorhoben. Durch eine während der Versammlung eingeleitete Aktion wurden die Grundlagen zu einem großzügigen organisatorischen Ausbau des jüdischen Friedensbundes geschaffen. Den Vorsitz führte R.-A. Heinrich Stern, der in seiner .Eröffnungsansprache die Bedeutung des Jüdischen Friedensbundes kennzeichnete. Rabbiner Dr. Felix G o l d - mann-Lerpzig führte in feinem Referat „Die Verwirklichung der jüdischen Friedensidee" aus, daß das Judentum — von einem modernen Denker die Religioü der Verwirklichung genannt — sich niemals mit der bloßen Proklamierung von Ideen begnügt, sondern ihre Gestaltung im täglichen Leben auf Grund der gegebenen Möglichkeiten gesucht habe. Dieser Wirklichkeitssinn komme auch im Friedensideal der jüdischen Propheten zum Ausdruck, die nicht einen verschwommenen Kosmopolitismus predigten, wie er etwa von den Denkern des 18. Jahrhunderts verkündet wurde, sondern die praktisch mögliche friedliche. Einigung der ihre Eigenart wahrenden Völker forderten. Die Umsetzung der Idee in die Arbeit des Tages beginne da, wo wir, unter vollem Verständnis für die Tendenz nach Wahrung der notwendigen persönlichen und kollektiven Eigenart, der Gefahr einer leicht in Chauvinismus und Egoismus ausartenden Ueberbetoiiüng dieser Eigenart durch den Hinweis auf die Notwendigkeit übernationaler Bindungen und der Achtung vor fremder Individualität begegnen. Die Arbeit für den Frieden, der nicht von Diplomaten und Vereinigungen von oben her dekretiert, sondern nur von unten her gebaut werden könne, sei im wesentlichen eine Erziehungsarbeit. Wenn es gelinge, die Mutter im Heim, den Vater im Beruf, den Lehrer in der Schule zum Bewußtsein ihrer Verantwortlichkeit für die Friedenserziehung zu führen, werde der Friedensgedanke ebenso im Leben verwirklicht werden, wie schon ein anderer großer Gedanke, der soziale Gedanke, im Leben des Judentums verwirklicht wurde. Nach weiteren Reden und Anfragen betonte noch Dr. Alfred N o s s i g die Notwendigkeit, eine große Bewegung als Träger in der Friedensidee zu schaffen. Damit wurde die von musikalischen Vorträgen wirkungsvoll umrahmte Versammlung, in der hunderte von Anmeldungen zur Leistung der freiwilligen jüdischen Friedenssteuer erfolgt waren, geschlossen.; Was hat sich in den Mittagsstunden des 2. Mai an der Berliner Universität abgespielt? Berlin, 4. Mai. Aus jüdischen Studentenkreisen gehen der ITA. Mitteilungen über schwere antisemitische Ausschreitungen zu, die sich in den Mittagsstunden des Sonnabend, 2. Mai, an der Berliner Universität abgespielt Haben, und über welche in der Presse nur andeutungsweise berichtet wurde, ohne daß der wahre Charakter der Exzesse aus diesen spärlichen Mitteilungen erkennbar wird. Die Vorgänge haben sich nach den uns aus den Kreisen der Betroffenen zugegangenen Mitteilungen wie folgt abgespielt: Am 1. Mai wehte auf der Universität für einige Augenblicke eine Sowjetfahne. Wer den Streich verübt hat, ist noch nicht festgestellt worden. Der Zwischenfall führte zu lebhaften Auseinandersetzungen zwischen rechts- und linksgerichteten Studenten. Es kam zu Zusammenstößen. bei welchen .die nationalsozialistischen Studenten schlecht abgeschnitten haben. Sie kündigten an, daß sie am nächsten Tage „an den Juden Rache nehmen" werden. Diese Ankündigung verwirklichten sie in der folgenden Weise: Am Sonnabend, den 2. Mai, gegen 10 Uhr vormittags^-besetzten Trupps nationalsozialistischer Studenten die Ergänze der Universität und faßten alle Kommenden und Gehenden scharf ins Auge. Studenten und Studentinnen, die als Juden erkannt wurden, wurden unter den Rufen „Juda verrecke!" beschimpft und verprügelt. Dabei wurden einige ausländische jüdische Studenten nicht unerheblich verletzt, ein niedergeschlagener jüdischer Student mußte mit der Bahre ins Krankenhaus befördert werden. Die Universitätsbehörden wurden auf die skandalösen Vorgänge aufmerksam gemacht, allein sie unternahmen nichts, um die Ordnung wieder herzustellen und die Mißhandelten und Bedrohten zu schützen. Die Polizei wurde nicht verständigt. Die Exzesse dauerten bis 2 Uhr nachmittags. Baden lehnt das Schächtverbot ab. Karlsruhe, 1. Mai. In der letzten Sitzung des badichen Landtags berichtete der Zentrumsabgeordnete Kuhn über den nationalsozialistischen Antrag aus Erlaß, eines -Schächtverbotes. Der Ausschuß hatte die Ablehnung des Antrags beschlossen und damit ein Gesuch des Oberrates der Israeliten Badens für erledigt erklärt. Abg. Kraft (Katsoz) begründete seinen Antrag mit der Behauptung, die badische Sozialdemokratie sei deshalb Gegner des Schächtverbotsantrags, weil sie Angst vor den Juden und dem Zentrum habe (große Heiterkeit). Die förmliche Anfrage wird von Ministerialrat Jung beantwortet. Abg. Ewald (Eo. V.) wendet sich gegen das Schächten und verlangt zum mindesten eine scharfe Kotnrolle. Abg. Dr. Mattes (D. V.) setzte sich für ein allgemeines Schächtverbot ein. Abg. Dr. Wolfhard (Dem.) spricht gegen den nationalsozialistischen Antrag. Der sozialdemokratische Abgeordnete Kurz meint, die Schächtfrage müsse vom Reichstage geklärt werden. Die Frage des Schächtens sei schon vor 20 Jahren hier behandelt worden, als es noch keine Nationalsozialisten gab. Sie sei eben keine Parteiangelegenheit. Wenn sich die Nationalsozialisten mit dieser Frage beschäftigen, so beherrsche sie nur ihr Haß gegen die Juden oder ihre Angst vor den Juden. Ein einzelner Landtag sollte sich überhaupt mit dieser Frage nicht beschäftigen. Wenn die Nationalsozialisten von Humanität reden, so könne man ihnen nicht glauben, denn sie seien die unbedingtesten Anhänger des Krieges. Im Grunde sei jede Tötung unhuman. Wenn die orthodoxen Juden auf dem Schächten beständen, so solle man sich nicht dagegen wenden. Nürnberg habe durch das Schächtverbot großen o^yaden gehabt. Orthodoxe Juden seien die bayerischen Kun-

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