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Der Israelit · 1931-05-07 · Heft 19 (7.5.1931) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 19 (7.5.1931)
Date
1931-05-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Sette- 4 Nr. 19 T TAPETEN LINOLEUM UND DEKORATIONSSTOFFE A. GUTHEIM ROSSMARKT 25 TEL 25141 Präsidenten Sorga kundgegebene Entschlossenheit antisemitische Manifestationen und Exzesse auf das strengste zu unterdrücken. Die Zeitung erin nert an das von Prof. N. Sorga am 16. Oktober v. S. einem Vertreter der STA. gegebene Snterview, in dessen Verlauf Prof. Sorga u. a. ansführte: „ . . . Man hatte erwarten dürfen, daß gerade die rumänische Intelligenz sich an die Spitze einer Bewegung gegen ölen Antisemitismus stellen und' für eine Politik weitgehender Toleranz und Humanität eintreten würde, die den verschiedenen Rationalitäten freie Entwicklung im Rahmen des rumänischen Staates und dem rumänischen Volke selbst Aufstieg und Wohlfahrt sichern könnte ... Sch selbst kann leider nicht die Führung bei der Bekämpfung des Antisemitismus übernehmen. Sede vonmir -ausgehende Initiative würde auf die geschlossene Front der Berufspolitiker stoßen, sie würde totgeschwiegen ode.' verleumdet werden." Die Zeitung knüpft hieran die folgende Bemerkung: „So sprach Prof. R. Sorga im Oktober v. S. Seiner Privatinitiative zur Bekämpfung des Antisemitismus war keine Möglichkeit zur Entfaltung gegeben und — wie er sagte — die geschlossene Front der Berufspolitiker war das Hindernis für ihn, die Führung zu übernehmen. Nunmehr hat Prof. N. Sorga diese geschlossene Front durchbrochen und sogar das Staatsruder gegen sie als Ministerpräsident übernommen. Daß die Süden sich menschlich benehmen, daran wird wohl niemand zweifeln. Sie sind rumänische Staatsbürger und haben ein Recht, von ihrem Vaterlande nicht bloß eine menschliche Behandlung, sondern eine gleiche Behandlung w-ie ihre Mitbürger zu verlangen. Prof. N. Sorga kann als Ministerpräsident die Führung bei der Bekämpfung des Antisemitismus nicht mehr ablehnen. Sn diesem Sinne begrüßen wir die Stellungnahme des neuen Ministerpräsidenten zum Sudenproblem in Rumänien." Vielfache Hoffnungen der rumänischen Süden wurden in den letzten Jahren schmerzlich getäuscht, mögen sich die neuesten erfüllen. Ein «euer Perek-Spruch. „Legte man all unsere Sünden in die eine und. di.e Sünd,e geg en die hebräische & p r a ch e in" die andere Wagschal-e, diese .würde all unsere anderen Sünden aufwiegen."/ Das Wort soll von Chajim Nachman B i a I i t stammen, dem genialen hebräischen Dichter unserer Zeit, und es dient jetzt als! Motto für eine Bialik - F estnuMmer der mied erauferstand enen „Hazefiroh" aus Anlaß des Dichterbesuches in Warschau. Die Festnummer ist voller Verzückungder Personenkult feiert wahre Orgien. Dr. Josua Thon begrüßt den Dichter als den „Genius der Nation" lnvirrn *w)' Warfchawski als den „Engel des Friedens". Ein sonst vernünftiger und ganz positiv eingestellter Schriftsteller sagt: „Wie jeder in Israel Anteil an der Thora hat, so hat er Anteil an der Poesie", — mithin an Bialik. Der Epitheton »P23 ist schon das wenigste, was man für den Gast hat. Diese maßlosen Ausbrüche, die vielleicht keinem so rmderlich sind wie Bialik selbst, erklären sich aus der Oede und Armut in der neuhebräischen Poesie von heute. Sn einer Zeit, da das Zeitungswesen noch in den Anfängen seiner Entwicklung war, gab es in Nußland zwei große hebräische Tageszeitungen mit literarischem und schöngeistigem Niveau, Monatsschriften und- Jahrbücher, die von Männern wie Achad Haam, Ben Avigdor, Klausner sind Sokolom geleitet oder geistig genährt rpurden. Herste, wo 'Zeitung und Zeitschrift das fägliche geistige Brot in jedem Haufe bis ins letzte Dorf bilden!! gibt es im gesamten Osten und auch in Amerika keine einzige hebräische Zeitung und Zeitschrift. Die .„Hazefiroh" erlebte zum sö und sövielten Male vor wenigen Wochen in Warschau -eine Wiederauferstehung; sie ist noch ein Experiment. Hebräische Zeitungen, -in politischer Sachlichkeit für den Tag bestimmt, gibt es zurzeit nur noch in P a l ä st i p a, Sn einer solchen Zeit der Ebbe, da alle Musen perstummt sind, klammert sich das kleine Häuflern vom alten Stabe an seinen größten und letzten geistigen Heros, an Bialik, der, — wenn auch seine Leier seit zwei Jahrzehnten kaum noch einen Ton von sich gibt, — doch der Dichter des jüdischen Lebens und-der jüdischen Hoffnung ist. Uns ist Bialik, wir sagen es offen heraus, als Dichter wert und teuer, als Dichter der Sefchiwa, die er in seinem i'vnvn in ihrem unvergleichlichen Glanz und Glück und in ihren Ewigkeitstiesen zeigt; als Dichter des jüdischen Leides, der in seinem rrw» nach den Pogromen der jüdischen Tragödie Worte verliehen hat, wie seit den S!ichaus-Dichtern kein anderer mehr, als Lyriker, der die alte jüdische Harfe von Kastilien wieder zum Erklingen brachte. Er wird uns als Mensch und Sude immer sympathischer, seitdem -er im Herzen der jüdischen Stadt Palästinas jüdische Sagend um sich und um den Sab. batgedan - ken sammelt. Den Sabbat ge danken zunächst, mit Liedern und Lichtern; wie es mit dem Sabbat selbst in seinem Kreise steht, wissen wir nicht. Wir freuten uns aber -außerordentlich, jüngsthin eine Kundgebung von ihm an Palästinas Sagend veröffentlichen zu dürfen-, in der er für den Sabbat, für den ganzen Sabbat in feiner vollen Verpflichtungskraft ehrlich und wirksam wirbt. Bialik soll ein bescheidener Mann sein, an dem Weihrau-chwolken der Anbetung ohne Schaden für Geist und Seele vorüberrauschen. Wie wird er auf diesen Platzregen von abgöttischen Huldigungen in Warschau reagieren? Sollte er wirklich einmal, vielleicht vor Jahrzehnten, den obenangeführten Satz geäußert haben, so hat er im Zentrum des jüdischen Aufbaues in Palästina d-och längst gelernt, daß es die Sprache allein nicht mache, daß man in der heiligen Sprache recht viel UnheMges produzieren kann. Snfeinem7i2^33iv-Klub wird Wert auf tm’j? unb?nhjnn gelegt, also weiß er, daß jmb >22 IijaanT nur Mittel und Vorstufe für das rmx/sa vvipi ist. Also wird die große Sündenschale, wenn beispielsweise auf ihr unter anderen die Sünde gegen d e n Sabbat oder gegen die S p e i s e g >e s e tz e liegt, von der anderen mit der einzigen Sünde gegen die Sprache nicht ausgewogen werden können Daß Bialik gar nicht nach Warschau kam, erfahren wir nicht aus einer späteren Nummer der „Hazefiroh", sondern aus dem orthodoxen „Jüdischen Togblatt". Man munkelt allerlei. Er wäre in Wien erkrankt. Andere haben, ihn aber in den Straßen T e -l - A w i w s in blühendier Gesundheit gesehen, die wi-t ihm von Herzen gönnen. Eine Festnuv mier zu seinem Empfange ist aber da. Und von dieser könnte man frei nach dem obenan geführten Motto sagen: „Lägen alle Geschmacklosigkeiten der Warschauer Tarbuth-Kreise in der einen und die dieser Festsalve in der anderen Wagschale, diese würde alle anderen a u f w i e g e n-! . ." Ist der Vlankokag für uns Juden diskutabel? Von Dr. Adolf Iacobus in Berlin. Seitdem im Sahre 1925 das Kalenderreform- Sonderkomitee des Völkerbundes an die Oberrabbiner S. Fürst- Wien, S. H. Hertz- London, S. Levy - Paris, T. Lew e n st e i n - Zürich, und an den inzwischen verstorbenen Lucien Wolf- London die Einladung ergehen ließ, den jüdischen Standpunkt zur Kalenderreform in Genf mündlich auseinanderzusetzen, ist diese Frage nicht mehr aus dem Blickfeld d-ex verantwortlichen Führer des Sudentums geschwunden. Es ist allgemein bekannt, daß sich außer der Agudas Sisro-el, die von Anfang an die Größe der Gefahr erkannte und die Entwicklung der Dinge bis zum 'heutigen Tage mit wachsamem Auge verfolgt hat, drei jüdische Organisationen entweder -ausschließlich -oder vornehmlich mit der Abwehr dieser uns drohenden'Gefahr be=l fpsien: das sog. Züricher „Komitee betreffs der Kalenderreform", die -amerikanische (',,League for Safeguarding the Fixity of the Sabbat against possible encroachment by Calendar Reform“ und der Weltverband Schomre Schabbos. Alle genannten Organisationen haben keinerlei Snteresse daran, gegen die Durchsetzung einer Revision des geltenden Kalenders als solche anzukämpfen. Shr Kampf richtet sich einzig und allein gegen die Möglichkeit, daß der von den aussichtsreichsten Kalenderreformprojekten empfohlene B l a n k o t a g Weltgeltung erhält. Die Einführung des Blankotages würde bedeuten, daß das Wochenende und damit der Sabbat in jedem Jahre, im Schaltjahr sogar zweimal, „wandert", d. h. auf einen anderen Wochentag fällt. Für wie bedrohlich in den verantwortlichsten Kreisen des Sudentums idle Situation, angesehen wird, lehrt nichts deutlicher als die Tatsache, daß innerhalb des Zürichs Komitees ein Konflikt über die Frage ausgebrochen ist, welchen Weg man zur Abwendung der uns drohenden Katastrophe einschlagen solle. Sn einem solchen Augenblick hält es der Verfasser eines Artikels über „Schein und Wirklichkeit", in Nr. 16 der „Südischen Presse", Wien, für richtig, zu erwägen, ob nicht aus der Einführung des Blankotages geradezu ein Kid dusch Hafchem entstehen könnte. Obwohl der Verfasser einsteht, daß angesichts der Gefahr des Blankotages erklärt werden könne, daß „das Sudentum eine ähnliche Erschütterung in feiner bisherigen Geschichte wohl nicht einmal in dem Augenblick erlebt habe, als die erstarkte Tochterrelrgion den Saböat offiziell auf den Sonntag verlegte", kann er den „Hoffnungsstrahl" nicht übersehen, der ihm in den Konsequenzen der geplanten Reform vorzuliegen scheint. Also wir sollen eine selbstmörderische Politik treiben? Also die heutigen Schwierigkeiten der Sabbatheiligung sind noch nicht groß genug? Die Beobachtung des Sabbats unter den heutigen Verhältnissen ohne Vlankotag ist noch kein genügend großes Opfer, kein Kiddusch Haschem? Hat der Verfasser daran gedacht, daß, falls die Wochenendbew-egung sich durchsetzen sollte, in ben Sahren, in denen der Sabbat nicht mit dem Wochenende zusammenfällt, in einer Kalenderaera mit Mankotag die fabbattreuen Juden sogar gezwungen sein würden, d r e i Ruhetage in der Woche zu halten? Daß sieunter den heutigen Verhältnissen-, trotz schwersten wirtschaftlichen ’ Druckes, zwei Ruhetage in der Woche halten, sollte ihnen den Mut geben, mit dem ganzen Gewicht religiösen Ernstes vor die., entscheidenden Instanzen hinzutreten und gegen eine Pseudoreform Einspruch zu erheben, die uns den Rest von Freiheit nehmen will, den die moderne Gesetzgebung uns hinsichtlich der Beobachtung des Sabbats gelassen hat. . , ,, Was ist das für eine Politik, die den Gegnern Waffen in die Hände gibt! Man ist nicht -erstaunt, wenn man eine Argumentation wie die des Herrn Verfassers in irgend einer Broschüre etwa der amerikanischen Ka-lenderreformer findet, denen jedes Mittel recht ist, um ihren Kalenderreformideen in der Welt zum Siege zu verhelfen. Eine solche Argumentation' aber in einem religiös-jüdischen Blatte zu ftnde,n befremdet und schmerzt. Di e Fr age des Blanköt-ages .ist fürllnsIu d e n n icht bistutabe l. Selbst theoretische' Betrachtungen darüber anzustellen, wie die Einführung des Blankotages sich innerhalb der jüdischen Gemeinschaft auswirken würde, ist von Uebel. Wir Juden sind so mit dem Wiirtschaftsleben der Welt verbunden, daß die Durch-

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