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Der Israelit · 1931-04-30 · Heft 18 (30.4.1931) · page 32

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 18 (30.4.1931)
Date
1931-04-30
Page
– (sequence 32)
Language
German
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Seite 2 Nr. 9 *?$&»£*?*%* j i Der I s r a e l i t Blätter Idee?! Wer hat tun Mut, heute nach einemJahrkeine Gefahr, sondern einen ©rfofg; das ist nicht zehnt, da die Problemstellung Aguda-Esra Me Gemüter in immer stärkerem Maße bewegtezu sagen, dies geschah und geschehe „vielfach aus gar keinen Gründen"?! Wex ehrlich sich selbst gegenüber ist — und sei er selbst Esräer — wird zugeben müssen, daß die Erziehungsarbeit des Esra heute keineswegs mehr die jungen- Menschen zur „agudistischen" Idee, zum Agudismus bringe?', will und bringt. Wir verstehen. Cohn aber überhaupt nicht mehr, wenn er behauptet, „eine Erziehung zur Mitgliedschaft in der Agudas Jisroel (lies: zum Agudismus) gehörte nicht zu der jüdischen Erziehung, die Zu vermitteln Aufgabe des Esra ist und Aufgabe agudistischer Schülergruppen wäre" (wir fügen hinzu: auch bereits ist), nachdem er zuvor die „agudistische" Idee der jüdischen Idee schlechthin gleichgesetzt hat! Wir verlangen Offenheit und Ehrlichkeit und fordern gerade, weil wir es für bie A. I. 3.0. heute für lebensnotwendig erachten, die orthodoxe jüdische Jugend zum Agudismus zu erziehen, die Einrichtung agudistischer Schülergruppen. Es ist erstaunlich und zugleich bedauerlich, daß gerade' der Aguda fernstehende Esräer für unseren Standpunkt mehr Verständnis aufbringen, als agudiftische Esräer. lieber die Berechtigung agudistischer SchGergruppen heute noch Worte zu verlieren, erscheint uns müßig, nachdem der D. T. sich einmütig hierzu bekannt hat und die O. Xi. auch auf diesem Standpunkt steht. Wenn wir uns heute zu der Einrichtung derartiger Schülergruppen gezwungen sehen, so geschieht dies nicht aus gar keinen Gründen, sondern aus dem prinzipiellen Gegensatz zwischen dem Endziel der agm distischen Erziehungsarbeit: dem Agudismus schlechthin, und dem des Esra. Wenn der.heutige Esra, wie es auf Grund der hiesigen Lage der Fall zu fein scheint, außerordentlich zurückgegangen ist, so erfüllt uns dies aus zwei Gründen mit Bedauern. Einmal erkennen wir durchaus den großen Erfolg der dort geleisteten Arbeit sowohl als auch den „Esrageist" im eigentlichen Sinne an, zum anderen ist es uns, wie auch nicht anders erwartet, noch nicht gelungen, etwas völlig Gleichwertiges an dessen Stelle zu setzen. Bei Wahrung und Klarstellung des beiderseitigen grundsätzlichen Standpunktes erwarten wir in Zukunft eine friedliche Nebeneinanderarbeit beider Organisationen. I« ihren Satzungen wandelt nicht! Von Rabbiner Dr. Bamberger in Hamburg. Die Unmoral hat die ganze Welt ergriffen, die Scheu zwischen Mann und Weib, vom Schöpfer als Schutzwehr um. die menschliche Seele errichtet, ist medergerissen, die Lüge und die Schamlosigkeit sind vielfach die Voraussetzungen beim Ringen nach irdischen Gütern geworden, und hätten wir nicht Reste, zersprengte Reste von Reinen, so wäre die Menschheit für eine Sintflut reif. — Was wir feit fast zwei ^Jahrzehnten an Katastrophen erlebt haben und die Aussichten auf eine bessere Zeit immer trüber und geringer werden läßt, was immer neue und noch furchtbarere, menschlichem Wahn entspringende Katastrophen in absehbare Nähe rückt, hat noch nicht den Erfolg gehabt, den alles Weltgeschehen schließlich doch hat, die . Auflehnung gegen G'tt zu brechen und die Seelen zu Ihm zurückzuführen, der sie für die Reinheit erschaffen hat. Daß wir noch existieren, verdanken wir der Langmut unseres G'ttes; wollen wir noch länger warten, uns dies einzugestehen und gründlich Teschuwo zu tun? Die Rede ist leider auch von uns, dem Kreis derer, die sich gesetzestreu oder orthodox nennen, die sich für die Elite des auserwählten Volkes halten und sie-auch fein müßten; leider treffen auch uns die Vorwürfe und uns umso schwerer. Bei den Völkern der Welt hat es angefangen, die Schranken zwischen Mann und Weib niederzureißen, die materialistische, antireligiöse Cinstel- Folge der Gleichstellung von Mann und Weib sieht in der Zerstörung der Sittlichkeit als Folge der Gleichstellung von Mann und Weib m. allen Ländern gleich und so ungeschminkt der Fall, aber das Prinzip ist überall dasselbe. - Das Judentum hat für den Mann sein Gebiet, das ihre, für die Frau bestimmt; wie? sie physiologisch und psychologisch verschieden sind und sich ergänzen sollen, daß das Weib die Hilfe des Mannes werde, so sind' ihre Aufgaben verschieden. Kann das Geschöpf sich gegen seinen Schöpfer empören und sprechen: Warum hast Du mich so erschaffen und nicht anders; warum fehlt mir, was Du meinem Nachbar gegeben? Im Gebetbuch dankt die Frau, daß Er sie nach Seinem Willen erschaffen. — Der G'ttesdienst findet m der Männerschul statt, wie einst in Jerufcholaj im; und ein Anhängsel, völlig von jener getrennt, ist die Frauenschul; so verlangt es die jüdische Sitte; wie kamen unsere Kreise dazu, Versammlungen einzuführen, in denen Männer und Frauen zwanglos in einem Saale zusammen sind, zu ernsten und zu freudigen und meist zu zwecklosen Veranlassungen, und die orthodoxen Redner galant mit „Meine Damen und Herren" beginnen. (Ich kenne den Komment nicht', ob die orthodoxen Rednerinnen umgekehrt anfangen.) Mit den unzüchtigen Bekleidungen, wie sie die Mode verlangt, müssen sich die eventuell noch vorhandenen dürftigen Haarverhüllungen jüdischer Mütter und Großmütter zu vertragen suchen. — Das Frauenwahlrecht, das die Völker der Welt ernführten, wurde auch in den jüdischen Gemeinden des Westens ein Gegenstand des Neides und der Politik, die Gesetzestreuen protestierten; selbstverständlich, es gehört zweifellos zu 'lan nipinkonnten wir aber ehrlich protestieren, nachdem wir selbst auf .demselben Gebiet so viel sündigten? — Unsere Bürgen sind unsere Kinder. Wie sieht es mit der Koedukation aus? Es sei jetzt nicht die Rede von den Zwergschulen in ländlichen Zwerg emeinden (leider!), wo noch ein geräumiges Schulhaus und' eine schöne Synagoge von vergangener Blüte zeugen, aber kein Minjan Kinder mehr vorhanden ist; die Rede fei von orthodoxen höheren Knaben- und Mädchenschulen unter demselben Dach, wo ein nicht unbeträchtlicher Teil des Unterrichts gemeinsam erteilt wird und auch bei Feiern und Abenden auf den ppn der jüdischen Sitte keinerlei Rücksicht genommen wird. — Die Jugendbewegung, das tönende, skrupellose Schlagwort der modernen Zivilisation! Vater und Mutter zu ehren, Demut vor seinen Lehrern wird nicht mehr verlangt, ist verpönt, und das Gegenteil ist die Forderung des Tages. Frei und ohne jede Schranke wird der Jugend beiderlei Geschlechtes das Feld überlassen; was Privatsache Einzelner, illegaler, Verirrter einst war, ist heute organisiert und von den „alten Herren und alten Damen" anerkannt. Und. die Gesetzestreuen? Auch wir haben die Jugendbewegung, auch; bei uns spricht oder schweigt man beredt von der sittlichen Not und — G'tt fei's geklagt — der sittlichen Schwäche der Jugend und konzessioniert gemeinsame Schiurim, Ausflüge, Wanderungen und tage- und wochenlange Niederlassungen in Jugendheimen von Jungen- und Mädchengruppen, die man zur Festigung der Orthodoxie aus mehreren Städten zusammenruft. Die Jungen übertreffen richtige Arier bedeutend an der Länge ihres Vorderfchopfes, so daß das Legen der Tefillin zumindest sehr erschwert wird, oder tragen eine abgerundete Haarplatte, wie sie Lev. 19, 27 verboten wird, der Mode brian mpin entsprechend.' Während die kochenden Mädchen nichtjiidischen Wandervögeln in Habitus und Boheme sicherlich nicht nachstehen. So darf es nicht weitergehen! Die Geula wird kommen, ob noi V?i3 oder i>i2r ihr gehr die Rückkehr zum G'ttesgesetz voran, auf jeden. Fall, die freiwillige Rückkehr aus Liebe ’KDt iVid, welche die Erlösung beschleunigt, oder die unfreiwillige durch einen nrr>j? Folgen wir den Worten des Rambam (Teschuwo 7, Z), und wenn wir es ehrlich meinen, wird. G'tt uns Helen, und wir sind erlöst. 30.April,1930 Vekh-Zakob-Lehrerinnenkurs. Von Eva Landstzerg in Wien. Am jo’j m schloß der -Wiener B.-J.-Lehrerinnenkurs das erste Wintersemester.; Die Schülerinnen, die sich aus den verschiedensten Ländern zusammengefunden hatten, kehrten in ihre Heimat zurück, nach der Slowakei, nach Rumänien,. Ungarn, Jugoslavien, und schon jetzt wartet ihrer eine große Aufgabe. An ihnen liegt es nun, zu beweisen, was B. I. ihnen, gegeben, sie sollen den B.-J.-Gedcmken weiterverbreiten und ihm neue Freunde und Anhänger schaffen. Der letzte Tag vor ihrer Abreife brachte ihnen einen besonders schönen Abschluß ihrer Wmterarbeit, B. I. lud einige unserer hervorragendsten jüdischen Führer Wiens zu einer Prüfung ein, um Zeugnis von unserer Tätigkeit im ersten Semester abzulegen. Zu Beginn wurde aus nwn geprüft, das die Schülerinnen kurz zuvor ganz beendet hatten. Sie zeigten in ihren Antworten, daß sie den Stoff gut beherrschten, einzelne v'pivs wußten sie auswendig zu zitieren, andere Kapitel übersetzten sie an Hand' des Textes, konnten die passenden Erklärungen geben und die grammatikalischen Formen bestimmen. In der weiteren Prüfung konnten die Schülerinnen ihre Kenntnisse in der biblischen Geschichte, in. »n^a» ö’ri 'plB ebenso in Psychologie und Pädagogik zeigen. Am Schluß dankte Herr Rabbiner Dr. Kohn den Schülerinnen in herzlichsten Worten und gab ihnen die besten Wünsche mit für ihre weitere Arbeit. Dann ergriff Herr Oberrabbiner Fürst das Wort. Im Anschluß an die nana beim Anblick blühender Bäume im»Monat verglich er die Schülerinnen mit frischen,, sprossenden Blüten und gab dem Wunsche Ausdruck, daß sie sich in ihrer Arbeit fruchtbar zu Freude und Nutzen für sich und buiV'entwickeln mögen. Die aus tiefem Herzen kommenden Worte machten auf die Schülerinnen einen starken Eindruck, sie fühlten in dieser Stunde so ganz die Bedeutung ihrer zukünftigen Arbeit,, und es gab keine, die in diesem Augenblick nicht den Vorsatz faßte, sich mit ihrer ganzen Kraft dem V.-J.-Werk zu weihen. — So durften wir alle mit Befriedigung auf den Erfolg des ersten Semesters zurückblicken. Doch nun liegt vor uns der Sommer und bringt uns neue Aufgaben und Pläne. Die Wiener Neugründung des B.-J-- Seminars hat das Ziel, V.-J.-Lehrerinnen für die Länder der Grenzstaaten, Slovakei, Ungarn, Bukowina, Siebenbürgen ufw., heranzubilden. Doch es dauert noch 1A Jahre, bis wir unsere Schülerinnen als Lehrerinnen für unser jungem “)V7 hinausschicken können. Bis dahin liegt viel kostbare Zeit vor uns, die wir nicht nutzlos verstreichen lassen dürfen. Cs ist heute wohl be kannst wie sehr die B.-J.-Bewegung in Polen sich immer weiter ausdehnt, wie sich alljährlich in Rabka | (poln. Tatra) Scharen jüdischer Mädchen sam- I mein, die ihre Erhotungszeit im Sommer dazu 9 verwenden, nicht nur für die Stärkuüg des - : | sondern auch der nnm zu sorgen. So haben wir I seit Jahren besondere Kurse eingerichtet, wo wir 9 unseren jungen Mädchen Gelegenheit geben, einen I Einblick zu gewinnen in unsere n&npi mm wo 1 sie lernen, unsere täglichen rnxa mit Liebe zu 9 erfüllen, da man sie mit der tiefen Bedeutung 8 der a’H'H bekanntmacht. Diese Sommerkurse — 1 es waren alljährlich unvergeßliche Stunden für 8 die Lernenden und die Lehrenden. Nun wollen 8 wir in diesem Jahre unsere Arbeit ausdehnen 8 und die Teilnahme an solchen Ferienkursen auch 8 Mädchen der -Slovakei, Ungarns ufw. ermögli- 8 chen. Zu diesem Zwecke, wollen wir in diesem 8 Jahre in der Slovakei Kurse einrichten, wo un- 8 sere jungen Mädchen gemeinsam ihre Sommer- 8 ferien verleben können, wo sie in gemeinsamer Arbeit ihre Liebe und Treue zum Judentum stärken werden. Jüdische Eltern werde?? es erleben^ wie ihre Töchter, von neuem« Wissen erfüllt, heimkommen werden — von neuem Wissen, bas doch ein uraltes ist, das uns begleitet hat durch Jahrtausende und uns die Kraft gegeben hat, Jahre der Morgen -und des Leides mit zu ertra-

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