Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1931)
- Date
- 1931-04-30
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
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Hfäffer dev fandesovganifation der Agudas Jirvoel in Deuffcfiiand. 7. Jahrgang Hamburg, BO. April 1931 , 13. Jjar 5691 ^christleitung: Wolf S. Aacobfon in Kawvurg. Nummer 9 Klarheit. Seit einigen Jahren ertönt im Kreise der agudistischen Jugend der Ruf nach Aktivierung der Agudoharbeit. In heftigen Auseinandersetzungen wurde über die Form und den Inhalt der zu leistenden Arbeit gestritten. Wir glauben, daß die Ursache der bis ins Unerträgliche gestiegenen Stagnation in der grenzenlosen Unklarheit liegt, die weite Kreise der agudistischen Jugend beherrscht. Wir jungen Agudisten haben die Kämpfe, die um die Ideologie der A. I. gekämpft wurden, nicht bewußt miterlebt. Die Streitruse sind verhallt. Wir fragen uns, wer hat gesiegt? Der letzte Delegiertentag der A. I. I. O. Hai uns auf diese Frage keine Antwort gegeben. Kleine Ansätze zu einer ideologischen Auseinandersetzung wurden gemacht. Mit ängstlicher Schell hütete man sich jedoch, die Dinge beim rechten Namen zu nennen. So unterblieb jede klare Stellungnahme. Wir sind jedoch durchaus nicht der Meinung, daß wir uns auch weiterhin bescheiden sollen. Die. Jugend hier A. I., die später einmal das große Werk weiterführen soll, hat das Recht, von den Führern Klarheit über unsere Bewegung zu verlangen. Wir Jungen sind entschlossen, am Aufbau der Organisation mitzuwirken. Doch die Grundlage für diese Arbeit ist die Klarheit des Prinzips. Wir fordern daher: 1. Klarheit in der politischen Zielsetzung. 2. Klarheit in der Einstellung zur jüdischen Gemeinschaft, 3. Klarheit in der Einstellung zu E r e z I i sr o el, 4. Klarheit über den politischen Ausgabenkreis der agudistischen Jugend, 5. Klarheit in der politischen Führung. Wir sind überzeugt, daß mit der Klärung dieser Fragen die Grundlage für neue positive Arbeit gegeben ist. Frankfurt a. M. und Hamburg, im Nissan 5691. Hermann Auerbach . Ernst Blau N a t h a n Engel Albert L o e w >e n t h a l F r e d i L u st i g N a f t a l i N o t h m a n n Herbert Sonn Erich Weilt Der vorstehende Appell an die Führung der Agudas Jisroel ist feiner Tendenz und der Gesinnung nach, aus dem er fließt, gewiß aufs wärmste zu begrüßen. Wenn es zutreffen sollte, — wir wissen es nicht —, daß weite Kreise der agudistischen Jugend von „grenzenloser Unklarheit" über die Ziele des Agudismus beherrscht sind, so ist die Führung gewiß verpflichtet, diesem Uebelstande abzuhelfen. Indessen, sollten sich die um Klarheit Ringenden vor allem -über die elementare Tatsache klar sein, daß „Klarheit" über Lebensprobleme und über Fragen von weltanschaulichem Ernste immer nur der Preis gewissenhaften Lernens und Denkens sein kann. Klarheit muß erworben werden, geschenkt wird sie niemanden. Wir möchten nun glauben, daß denjenigen jungen Agudisten, die die Mühe des Lesens und Studierens nicht scheuen, in den vor kurzem erschienenen beiden Bänden 'bnrr 2ipw>' soweit die Ideologie der Agudas Jisroel m Betracht kommt, doch zweifellos ein sprudelnder Quell von Klarheit erschlossen worden ist. Wer diesen Quell durch Einzel'lektüre oder gemeinsames Studium ausschöpft, wird bei genügender geistiger Anstrengung gewiß nicht mehr über Unklarheit hinsichtlich der agudistischen Politik und der agudistischen Zielsetzung klagen. Wir beschränken uns für heute darauf, an Hand der e r st e n vier Punkte, über die der Appell Klarheit verlangt, die Stellen anzugeben, in denen die verlangten Aufschlüsse jedem, der davon Gebrauch machen will, gegeben sind. 1. Klarheit in der politischen Zielsetzung: mpy» •’bnNS Band II, Seite 227—235, 270—302. 2. Klarheit in der Einstellung zur jüdischen Gemeinschaft: Band U, Seite 290—296, Bd. I, Seite 319—333. 3. Klarheit in der Einstellung zu Erez Jisroel: Band II, Seite 209—216 und die große Reihe der Aufsätze Seite 321—421. 4. Klarheit über den politischen Aufgabenkreis der agudistischen Jugend: 'bnrr Band II, Seite 232—235 und 297—302. Etwas anders geartet als die vier ersten Punkte ist der fünfte, her „Klarheit in der politischen Führung" verlangt. Man weiß nicht recht, ob darunter der Wunsch verstanden ist, die letzten Motive der politischen Maßnahmen der Agudas Jisroel in der Tagesarbeit k e n n e n z ulernen, oder ob der Leitung ein Wink gegeben werden soll, eine klarere Politik zu führen. Was auch darunter verstanden sei — in jedem Falle wird niemand unbefriedigt fein können, der die zahlreichen Aufsätze offiziellen und offiziösen Charakters eingehend studiert, die unausgesetzt sowohl im „Israelit", als in den „Blättern" der Landesorganisation erscheinen, und die, mehr odler minder, wie jedermann weiß, von der Agudo-Leitung inspiriert sind. Es ist dabei selbstverständlich, daß eine Weltorganisation, deren Ziel und Größe ja darin besteht, daß sie die vielfach differenzierten Gruppen der Orthodoxie aller Länder zu gemeinsamer Arbeit zusammenfassen will, ein großes Maß von Duldsamkeit und Anpassungsfähigkeit besitzen muß, wie sie der Berschiedenartigkeit der Verhältnisse und der Verschiedenartigkeit der Anschauungen, von denen die i einzelnen lokalen rabbinischen Führer in den oerj schiedenen Ländern beseelt sind, entspricht. Durch! diese fundamentale Tatsache, die geradezu diel Voraussetzung jeder weitschauenden Agudo-Arbeit bildet, entsteht natürlich für den Unerfahrenen, I insbesondere für die immer zum Radikalismus! neigende Jugend, leicht der falsche Eindruck, daß es der politischen Führung an „Klarheit" gebräche. Das ist aber nicht zu ändern, und es muß gerade von der Jugend verlangt werden, daß sie in diesem Punkte sich der milderen und! tieferblickenden Weisheit des Rabbinischen Rates und der obersten Leitung der Agudo beugt. Damit kommen wir zu dem letzten in den Rahmen des Appells etwas unklar eingehüllten Kernpunkt der ganzen Anfrage, der in den Worten durchbricht: „Wir fragen uns, w e r hat gesiegt?" Diese Frage kann sich offenbar nur auf die Kämpfe um den berühmten 8 4 beziehen!, die bei der letzten K. G. durch einen' Machtspruch des Großen Rabbinischen Rates entschieden worden sind. Auf die Frage: „Wer hat gesiegt?" möchten wir die einfache und wahre Antwort geben: niemand. Es war gerade die offensichtliche Absicht des Rabbinischen Rates, die Streitfrage, um die es sich hier handelte, derart zu lösen, daß es keine Sieger' und keine Besiegte gäbe. Agudas Jisroel kann sich nicht den Luxus gestatten, irgend eine Gruppe von wertvollen gesinnungstreuen jüdischen Menschen, die in ihrem Leben und in ihrer Gesinnung -die Autorität des Thoragesetzes anerkennen, leichten Herzens von sich zu stoßen. Der Rabbinische Rat hat es ebenso entschieden abgelehnt, diejenigen Gememdeorthodoxen, die auf Grund der Entscheidungen ihrer Lehrer ihrer Zibburpflicht durch die Erhaltung von orthodoxen Institutionen in religiös neutralen Gemeinden genügen zu dürfen glauben, ihrer Rechte innerhalb der Agudas Jisroel zu berauben, wie er andererseits die Zugehörigkeit zu einem ausgesprochen orthodoxen Zibbur, dort, wo es besteht, als eine heilige Pflicht, beruhend auf dem 12N ^n^">wn^2'?''2rr.bezeichnete. Die Nichterfüllung dieser sittlichen Pflicht darf jedoch keine Rechtsnachteile innerhalb der Agudo zur Folge haben. Daß diese Entscheidung die Parteikämpfer auf keiner Seite befriedigen würde, war zu erwarten; es mag auch manche jugendlichen guten Agudisten geben, die gefühlsmäßig von solcher einsichtigen und gar-nicht kämpferischen Wahrhaftigkeit unbefriedigt sind und den frisch-fröhlichen Kampf innerhalb der Orthodoxie vorziehen. Aber die Agudas Jisroel wird sich doch sagen dürfen, daß sie den rechten Weg geht, wenn sie sich der Entscheidung ihrer rabbinischen Führer unterordnet, ohne zu fragen: Wer hat gesiegt? Zusammenfassend möchten wir dem Wunsche Ausdruck geben, daß die Jugend sich nicht von rüstiger Arbeit dadurch abhalten läßt, daß sie selber sich fälschlicherweise einredet, es gebräche an der notwendigen klaren prinzipiellen Grundlage für diese Arbeit. Wer nicht klar i st, möge sich diese Klarheit durch gewissenhaftes Studium der jedem geöffneten agudistischen Literatur verschasfen. W. S. I. Ist das «agudistische" Jugendbewegung? Eine Erwiderung. Von A. £. in Frankfurt a. Al. In Nr. 7 der „Blätter" entwickelt Hermann Cohn-Hamburg seine Anschauungen zur Frage einer agudistischen Jugendbewegung. Wenn wir es uns auch im Hinblick auf die Beschlüsse des Delegiertentages der A. I. I. O. und die hierm i t i m E i n k l a n g stehende Einstellung b‘ e r Hamburger Organifationsleitung versagen könnten, heute noch einmal prinzipiell uns diesen Fragenkomplex einzugehen, so wollen wir doch im Interesse einer einheitlichen Stellungnahme der A. I. I. O. der Oeffentlichkeit gegenüber einige der grundlegendsten Jrrtümer Cohns hier berichtigen. Auszugehen ist von der zweifellos zutreffenden Feststellung Cohns, daß bei der Wahl der O. L. „deren Jugendlichkeit im Mittelpunkt der Erörterung steht". Wenn aber der Delegiertentag unter Jugendlichkeit "Ehrlichkeit und Klarheit des Standpunktes neben Offenheit und Ueberzeugungsmut sich selbst gegenüber verstand, so scheinen uns die Ausführungen Cohns in ihrem ersten Teil von dieser Jugendlichkeit weit entfernt. Glaubt denn Cohn wirklich, daß wir nur aus „vielfach ganz unzureichenden, vielfach aus gar keinen Gründen — jedes Zusammenarbeiten, jede Verständigung, jedes Verantwortlichkeitsgefühl für einander, unterbinden" und nur um der lieben — mpiVn» willen, unsere schwere Arbeit im Dienste der Organisation begonnen haben? Wohl haben die „im Esra organisierten jungen Menschen genau das gleiche Ziel, wie wir: sie erziehen zur Erfüllung der Gesamtaufgaben des Judentums." Aber stellt nicht Cohn bereits im nächsten Satz das — zutreffende — Postulat auf: die „ agudistifche " Idee ist die j ü d> t s ch e