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Der Israelit · 1931-04-30 · Heft 18 (30.4.1931) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 18 (30.4.1931)
Date
1931-04-30
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Bl)]] Ein Centralorgan tOr das orthodoxe Judentum Will Begründet von Dr. Lekmann in Mainr. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab Juli 1929: Deutschland 1.30 Marl monatlich; Ausländ: Viertel-' tährpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6.—; Amerika 1 Dollar; Englands sh.; ab 1 Juli Frankreich 25 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga 6.; Holland 2 fl.; Italien ab 1.1. 28.18 Lire; Jugoflavten B5 Din.; Litauen 750 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 27. 150 Lei; Polen 4 deutsche Toldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slowakei 25 Kronen; Ungarn Pengö 6 ab 1. Juli 1927; Dänemark 3.50 Krön.; Norwegen 8.50 Krön.; Schweden 3.50 Krön. Einzelnummer vierzig Goldpfennige.' Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 50 Göldpfl für me stevengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeiaen nur £0 Pf. Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte TextseitL 2.— Mk., vorletzte Textseite 260 Mk.; Thiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Jnserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jeder, Vorbehalt. Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. b. H.. Frankfurt a. M, Rechnetgrabenstratze 7, Tel. Hansa 21084 sow. durch sämtl. Annoncen-Exped. d. In» und Auslands. Alleinige Jnseratenann. für Franks. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Hölderltnftrabe 23 Tel. 45866. Platzvorschr. ohne Verbindlichk. ahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 19812. - Aatzrcvem an: Postsparkasse Gien Ne.798V. —Postsparkassenrmt Budapest Nr. 18424.—Postscheckkonto arschau Nr. 190757. - Postscheckamt Zürich Nr. VIII7254. — Inkasso-Bank Rotterdam — Postscheckamt Amsterdam Nr.24889 - Postscheckamt Prag Nr. 79.080 — Banca Mannarosch Blank & Co. ht rkarest — Filiale des Wiener Bankvereins in Agram- — Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Heiken und Möglichkeiten für seine gedeihliche Das arabisch-jüdische Problem. Bon Sch'lomi ben Ammitai. Der nachfolgende Ansatz geht uns von einer Persönlichkeit zu, die sich mit den in Betracht kommenden politischen Fragen seit Jahren eingehend befaßt. Wir können uns zwar Mit den Ausführungen des Verfassers durchaus nicht in allen Teilen einverf standen erklären, halten uns aber für verpflichtet, seine Vorschläge zur öffentlichen Diskussion zu stellen, nachdem . uns die Hauptgefahr^ der gegenwärtigen Lage in dem völligen Fehlen schöpferischer und anregender Gedanken zur Ueberwindung der politischen Palästinakrise zu liegen scheint. Seit August 1929 beschäftigt sich die jüdische Oeffentlichkert mit der arabisch-jüdischen Frage intensiver denn je. Nicht etwa als ob diese Frage erst in jener Zeit der Unruhen aktuell geworden wäre. Die arabisch-jüdische Frage ist in Wahrheit so alt wie die Balfour-Deklaration. Als die Balfour-Deklaration erlassen wurde, war aber die Begeisterung in der jüdischen Welt allzu stark, als daß diese Frage hät'? auftauchen können. Der politische.Akt von Sa Remo und' die Bestätigung des Palästina-Mandats durch den Völkerbund, die der Deklaration späterhin folgten', steigerten noch die Stimmung ins Unermeßliche. Durch die hingebungsvolle Arbeit für den Aufbau des Nationalheims, die damals mit aller Wucht einfetzte, wurde die arabisch-jüdische Frage nach und nach bis an die Peripherie unserer Politik verdrängt. Seitdem wurde diese Frage gänzlich vernachlässigt, obwohl unsere Führer doch wissen mußten, daß es für die Dauer nicht möglich fein werde, mit den Arabern, welche einstweilen die überwiegende Mehrheit im Lande bilden, auf Kriegsfuß zu leben. Die Pogrome im Mai 1921, sowie die späteren Ueberfälle der Araber auf Juden erinnerten allerdings die jüdische Oeffentlichkeit, daß so etwas wie eine arabisch-jüdische Frage existiert. Aber kurz darauf verschwand diese Frage wiederum unter den anderen Traktanden der Tagesordnung. Erst die blutigen Unruhen vor: August 1929, welche die jüdische Welt in Schrecken versetzten, rollten die arabisch-jüdische Frage mit aller Schauerlichkeit auf. Von dieser Zeit an erkennt die jüdische Oeffentl-lchkeit die Schwierigkeit dieses Problems und die Dringlichkeit seiner Lösung. Alle Sorgen der jüdischen Diaspora treten zurück hinter der großen Sorge des Mischen Jischuw in Erez Israel, die in der arabisch-jüdischen Frage besteht. Es sind bereits viele Schritte unternommen worden, dieses unheilvolle Problem einer Lösung entgegenzuführen durch eine Verständigung mit den Arabern und, im Zusammenhang damit, auch mit England, so daß die Frage berechtigt erscheint: Wie steht es nun mit der Lösung dieser schmerzvollen Frage? Sind irgend welche Aussichten vorhanden, baß es zu einer Verständigung mit dem arabischen Volk in absehbarer Zeit kommen wird, von der doch das Los unseres Aufbauwerkes und seine Entwicklungsmöglichkeit abhängig ist? Auf diese Frage gibt es nur eine Antwort, die, so grausam es ist, doch einmal ausgesprochen werden muß: Es bestehen keine Aussichten auf eine baldige Verständigung mit dem arabischen Volk, im Gegenteil war die Situation noch nie so kritisch wie heute. Die Araber wollen von einem Frieden nichts hören, sie fühlen sich von Tag zu Tag in ihrer politischen Macht sicherer. Viele Faktoren spielen allerdings dabei mit. Erstens dos nationale Erwachen der arabischen Völker im Orient, wie sie vom bekannten Orientkenner, Dr. Hans Kohn, in feinem letzten umfassenden Buch so trefflich geschildert wird. Zweitens die Konsolidierung im arabischen Lager und der fortschreitende Ausgleich unter den streitenden Parteien im Arabertum. Drittens der feste Glaube der arabischen Führer, daß die Palästina- Verwaltung den Arabern freundlicher gesinnt sei als den Juden, was übrigens auch durch die jüdischen Organe im Lande bestätigt wird. Wir wollen uns nicht in Prophezeihungen einlassen über die Zukunft des jüdischen Jischuw in Erez Israel, falls die jetzige verworrene Situation sich nicht bald von Grund auf ändern würde. Man muß nicht erst Prophet sein, um die Gefahren einer solchen politischen Entwicklung für das jüdische Ausbauwerk vorauszuschauen. Die letzten Erfahrungen sprechen bereits eine eindeutige klare Sprache. Wenn aber unsere Politiker schweigen oder in unklaren Wendungen reden, müssen unsere Publizisten um so mehr mit klarer Sprache hervortreten und versuchen, den ganzen Fragenkomplex auf einen anderen Weg abzuleiten, wo das arabische Volk sich eher mit dem jüdischen treffen könnte. Jegliche Sentimentalität muß bei Betrachtung dieser rein real-politischen Frage verschwinden und mit ihr auch jegliche Phrase unverantwortlicher Führer in unserem Lager. Wir müssen den Mut aufbringen, den politischen Realitäten endlich ins Auge zu schauen, um unser Aufbauwerk in Erez Israel vor der Gefahr des Vegetierens zu schützen, ihm die politischen Sicher- Fortentwicklung zu verschaffen. Bevor wir unseren Vorschlag hinsichtlich dieser Frage präzisieren, müssen wir die Rolle betrachten, welche England, die Mandatarmacht, in dieser Angelegenheit spielt. Auch hier wollen wir uns von jeglicher Phrase fernhalten und uns hauptsächlich auf Fakta stützen, die jedem Kenner der englischen Politik im Orient genügend bekannt sind. Man braucht nur die Weltpresse zu lesen und die letzten Veröffentlichungen verschiedener Politiker auf diesem Gebiet zu verfolgen, um zu der Erkenntnis zu gelangen, daß wir von England heute nichts zu erwarten haben. England befindet sich in einem Dilemma zwischen dem jüdischen und dem arabischen Volk, das ist ein Faktum, das sich nicht mehr abstreiten läßt. England muh, um in diesem Zwiespalt die starke Hand zu behalten, beide Völker gegen einander ausspielen, will es nicht seine Machtposition im Orient gefährden. Zu diesem Zweck bedarf das heutige England der Balfour-Deklaration als eines politischen Mittels für feine Taktik. Die ehrliche Absicht der Schöpfer der Balfour-Deklaration, sowie der führenden Persönlichkeiten der englischen Regierung wie Lloyd George, Macdonald, Henderson u. a. ist über jeden Zweifel erhaben. Allein die Politik Englands wird vorwiegend von der öffentlichen Meinung diktiert und die öffentliche Meinung des heutigen England, das sein Imperium von allen Seiten bedroht steht, hat nur das Interesse Englands im Auge. Für das Interesse Englands ist die Balfour-Deklaration in ihrer völligen Unklarheit von großem politischen Vorteil, um sie nach Bedarf deuten zu können, einmal zu Gunsten der Juden und' einmal zu Gunsten der Araber. Aus diesem Grunde glauben wir, daß England sich stets zur Wehr setzen würde gegen jeden Versuch, die Valfour-Deklaration außer Kraft zu setzen, vermittelst deren es am besten zwischen dem jüdischen und dem arabischen Volk lavieren kann, mit dem Endzweck, seine eigenen Positionen in Palästina zu befestigen. Die Leidtragenden dieser Politik werden sowohl die Juden, als auch die Araber sein. Zur Befriedigung ihrer Ansprüche werden beide Teile von Zeit zu Zeit Zusicherungen bekommen, die aber nie in Erfüllung gehen werden. Zusicherungen bedeuten zwar Verpflichtungen, aber in diesam Falle hebt eine Verpflichtung die andere auf. Sollte eine Partei etwa entschiedener ihre Forderungen stellen, so genügt es, die andere Partei zu größerer Energie anzueifern, und die Welt--

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