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Der Israelit · 1931-04-30 · Heft 18 (30.4.1931) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 18 (30.4.1931)
Date
1931-04-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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30. April 1931 Der Israelit Nr. 16 Seite 7 Minsk, 26. April. In allen Flußgebieten Weißrußlands ist starkes Hochwasser eingetreten, das umfangreiche Ueberschwemmungen verursacht hat. Am stärksten betroffen ist die Hauptstadt Minsk, wo Wasser- und Lichtleitung seil Tagen unterbrochen ist und Verkehr und Arbeit stocken. Viele Fabriken stehen unter Wasser. Sämtliche Zeitungen, darunter auch die jüdische Tageszeitung „Oktiabr", mußtenmußten ihr Erscheinen einstellen. Die meist von Juden bewohnten tiefgelegenen Teile der Stadt wurden evakuiert und die Bevölkerung in den höher gelegenen Stadtteilen untergebracht. Auch andere vorwiegend von Juden bewohnte Städte Weißrußlands sind von der Hochwasserkatastrophe schwer betroffen und teilweise überschwemmt worden. In M o - hilew, Bobruisk, Mozir, Sluzk und anderen Städten stehen Hunderte von Häusern unter Wasser. * * * In Kowno und vielen litauischen Städten am Njemen stehen ganze Stadtviertel unter Wasser. Unzählige jüdische Familien sind obdachlos. * * * In Reschice, Lettland, haben Polizeibeamte unter eigener Lebensgefahr zehn jüdische Kinder vor dem sicheren Tode des Ertrinkens gerettet. Rumänien. Die neue rumänische Regierung und die Inden. B u k a r e st, 26. April. Senator Dr. Mayer Ebner befaßt sich im Leitartikel der „Ostjüdischen Zeitung" vom Sonntag mit der Persönlichkeit des neuen Premiers, Professor Iorga, und schreibt u. a.: Professor Iorga ist Historiker von hohem Rang, Gelehrter von anerkannt europäischem Ruf, Schriftsteller von Bedeutung und ein Meister der Rede. Wenn er im Parlamente spricht, schweigen alle. Er, der bisher Geschichte geschrieben hat, ist nun berufen, selbst Geschichte zu machen. An gutem Willen fehlt es ihm sicherlich nicht. Er ist unter den Patrioten einer der Besten, unter den Reinen einer der Reinsten, unter den Weifen einer der Weisesten. Er weiß, welch hohen Rang das Judentum von heute in der Welt einnimmt. Wir sind nicht so stark, wie es unsere Feinde wahrhaben wollen, und wir sind keineswegs so schwach, daß man mit uns nicht zu rechnen brauchte. Wir sind ein beachtenswerter Faktor in der Welt und im rumänischen Lande. Unser Schicksal mit dem des Landes ist innig verknüpft. Wir haben gleich den Rumänen von Geburt das höchste Interesse an dem Gedeihen des Landes . Unsere Bestrebungen nach Errichtung einer nationalen Heimstätte in Palästina tangieren nicht im geringsten die politische Integrität des Reiches, und nirgends in der Welt gibt es eine jüdische Jrredenta. Ministerpräsident Iorga will, den anarchischen Bestrebungen des antisemitischen Apostels Cuza und seiner Jünger entgegentreten. Er hat es gesagt und wir erwarten, daß seinen Worten auch die Tat folgen wird. England. Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen' englischer Regierung und Jennfh Agency. London, 19. April. Obwohl die offizielle Antwort der arabischen Exekutive auf die Einladung der englischen Negierung zur Teilnahme an den Beratungen über den Landentwicklungsplan bisher in London noch nicht eingetroffen ist, nimmt die Regierung auf Grund der von der arabischen Exekutive der Presse übergebenen Erklärung an, daß die Exekutive keine Delegation nach London entsenden will. Sie hat. daher die Jewish Agency zu einer Konferenz mit Vertretern der Regierung eingeladen. Der Jahresbericht der Anglo Jewish Association. London, 22. April. Die Anglo Jewish Association, deren diesjährige Hauptversammlung am Sonntag, den 3. Mai, unter dem Vorsitz ihres Präsidenten Leonard G. Montefiore stattfindet, hat soeben ihren 59.. Jahresbericht veröffentlicht. Der Bericht unterstreicht besonders die Auswirkung der Weltwirtschaftskrisis auf die Juden in allen Ländern. Durch die Krise wurden nicht nur die zahlreichen Juden, die in Handel und Industrie tätig sind, schwer betroffen, sondern auch die Lebensbedingungen jener ", breiten jüdischen Schichten erheblich verschlechtert, die sich j schon vorher den ökonomischen Verhältnissen der Nach- ' kriegszeit nur schwer anpassen konnten Die Verschlechterung der Wirtschaftslage hat auch politische Unruhe und damit eine Verstärkung der judenseindlichen Propaganda bewirkt, die nicht bloß zu Beleidigungen und gesellschaftlichen Zurücksetzung der Juden, sondern in einigen Ländern auch zu gewalttätigen Exzessen führte. Schließlich hat die Ungewißheit, die das ganze Jahr hindurch bezüglich der Lage in Palästina bestand, das ihre dazu beigetragen, den Aspekt der jüdischen Gesamtlage zu verdüstern. Adatz Jisroel- Synagoge. London, 20. April. Die Jahresversammlung der A d a ß I i s r o e l - Synagoge fand am letzten Sonntag unter Vorsitz von Mr. H. A. Goodman statt. Der vom Schatzmeister, Herrn U. Sternbuch, vorgelegte Kassenbericht wies ein Defizit von Lst. 200.—, bei einer Gesamtausgabe von Lst. 3400.— auf. Der Vorsitzende sagte bei Erstattung des Jahresberichtes, daß die Adaß Jisroel die unabhängige orthodoxe Kehilla Englands darstelle. Im Besitze aller erforderlichen Institutionen einer jüdischen Gemeinde, haben wir im vergangenen Jahre aktive Schritte im Interesse der unabhängigen Orthodoxie bei der Kommission für die Prüfung der Schochtim unternommen. Nach vielen Verhandlungen sei ein freundschaftliches Uebereinkommen zustande gekommen, das vom Board of Deputies genehmigt und auch von den verschiedenen beteiligten Gemeinschaften ratifiziert worden sei. Es sei tief bedauerlich, daß die United Synagogue die an den Verhandlungen lebhaften Anteil genommen hat, im letzten Augenblick weitere Bedingungen stellte, die die Vertreter der Adaß Jisroel unmöglich annehmen konnten. Sie waren bereit, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um den Frieden in der Gemeinschaft zu erhalten, aber sie konnten keinen Bedingungen zustimmen, die die Interessen der unabhängigen Orthodoxie gefährdeten. Der Jahresbericht rühmte in warmen Worten die Tätigkeit des neugewählten Rabbiners der Gemeinde, Rabbi Dr. Eli Munk und bemerkte, daß auch der Verband orthodoxer Gemeinden Dr. Munk zu seinem Rabbiner gewählt habe. Der Präsident, Mr. Fleischman, beantragte eine Resolution, worin gegen die vorgeschlagene Kalenderreform wegen ihrer Gefahren für das religiöse und wirtschaftliche Leben der Judenheit Protest eingelegt wird. Herr Rabb. Dr. Munk wies auf den Ernst der Lage hin und gab der Hoffnung Ausdruck, daß sich die Judenheit der ganzen Welt vereinigen werde, um die Gefahr zu bekämpfen. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Die Wahl ergab, daß Dr. I. L e v i zum Präsidenten, Mr. U. Sternbuch zum Schatzmeister gewählt und ein Komitee von 8 Personen berufen wurde. Der Posten des Vizepräsidenten, der bisher von Mr. H. A. Goodman eingenommen wurde, ist noch nicht wieder besetzt worden. Ein Vorschlag auf Gemeinsamkeit des Friedhofs mit der Machsike Hadaß-Gemeinde wurde abgelehnt. Keine Verhandlungen mik den Arabern. London, 24. April. Der Versuch, Juden und Araber an einen Tisch zu bringen, der von Seiten des britischen Kabinetts zweifellos sehr ernst gemeint war, muß als gescheitert gelten. Die Araber haben für die Teilnahme an einer solchen Konferenz Bedingungen gestellt, die der Negierung unannehmbar waren. Aus diesem Grunde wohnt den internen Verhandlungen, die von Seiten einer kleinen Kommission des Ministeriums diese Woche mit der Agency über den Landentwicklungsplan begonnen worden sind, keine politische Bedeutung inne. Die Verhandlungen sollen, wenn möglich', ergänzt werden durch gleichartige Besprechungen des High Eommifsioners in Jerusalem mit den arabischen Führern. Amerika. Gestohlene Thorarollen. Newyork, 20. April. Das Judenviertel in Newyork ist in höchste Erregung versetzt durch eine Diebstahlaffäre, die im großen Maßstabe heilige Thorarollen zum Gegenstand hat. Eine Diebesbande hatte es sich unter der Führung eines gewissen Raschinski zur Aufgabe gemacht, in Polen, auch , in Newyork und in der Provinz, Sifre Thora zu stehlen und sie dann zu billigen Preisen weiter zu verkaufen. Raschinski beschuldigt seinen bald 80jährigen Sofer, mit Namen Elchonon, als Spiritus rector des ganzen Diebesgeschäftes. Es ist aber anzunehmen, daß der alte Sofer das Opfer eines Schwindels und schlimmer Verleumdung ist. Er selbst stellt die Sache folgendermaßen dar: Raschinski gab sich als ein sehr frommer Mann, gab an, ein russischer Emigrant zu sein, dem es gelungen sei, eine große Anzahl von heiligen Rollen und Sforim aus Sowjetrußland, wo sie der Schändung ausgesetzt wären, herauszuholen. Er bat den alten Thoraschreiber, diese zu kaufen oder in Kommission zu nehmen. Der Alte wollte daraus nicht eingehen, doch lieh sich dessen Frau aus Mitleid mit dem armen Emigranten dazu bewegen, die Sforim anzunehmen. Diese russischen Thorarollen waren aber nichts anderes als gestohlenes Heiligengut, das man auf diese Weise unter guter Deckung jahrelang weiter vertrieb. Raschinski tritt dieser Darstellung entgegen und behauptet, er und seine Komplizen hätten die Diebstähle im Aufträge des alten Sofer ausgeführt. Die Untersuchung wird die Wahrheit an den Tag bringen. Inzwischen melden sich tagtäglich neue Bethäuser, die um ihre Sforim bestohlen wurden. Zum großen Teil stammen die Sforim aus Polen, besonders aus Warschau. Ein Absatzgebiet für die Diebe war auch London, die meisten kamen aber nach Amerika. Aber auch in Amerika selbst hörten in den letzten Jahren die Ssorim-Diebstähle nicht auf. Man hofft nun, den Sumpf gründlich austrocknen zu können. Hat der High Lommiffioner jüdisch-arabische Besprechungen vereitelt? Jerusalem, 24. April. Jttamar Ben Avi veröffentlicht im „Doar Hayom" unter dem Titel „J'accuse" eine Serie von Artikeln, in deren erstem er der Palästina-Regierung den Vorwurf macht, Dr. Weizmann genötigt zu haben, von seiner geplanten Zusammenkunft mit Emir Abdullah in Amman Abstand zu nehmen. Ben Avi zitiert in diesem Zusammenhang einen an Dr. Weizmann gerichteten Brief des Chefsekretärs der Palästina-Regierung, Poung, in dem erklärt wird, der Zeitpunkt für einen Besuch in Amman sei ungeeignet. Die Regierung könne auch weder jetzt noch später eine Verantwortung für Weizmanns persönliche Sicherheit in Transjordanien übernehmen. Weiter wird in dem Artikel ausgeführt, auch aus anderen Tatsachen sei zu ersehen, daß der High Eommissioner Sir John Chancellor den Weg zu jüdisch-arabischen Besprechungen verrammelt habe. Offener Brief von Oberrabbiner kuck. Jerusalem, 24. April. Die jüdischen Zeitungen in Palästina und in Polen veröffentlichen ein Offenes Schreiben des Oberrabbiners K u ck an die Judenheit Palästinas und an die Männer des Aufbaues. Es wird im Schreiben auf die fürchterliche Not hingewiesen, unter der heute die Judenheit der ganzen Welt, und nicht zuletzt in Palästina, so schwer zu leiden hat. Sodann folgt eine Anklage gegen gewisse Teile des neuen Jischuw, die durch krasse Religionsverletzung auch unsere letzten geistigen Stützen im heiligen Lande untergraben, und eine flammende Mahnung zur Einkehr und Rückkehr. Würde der Ausbau auf den Grundlagen der Thora geleitet, würden Tausende und Zehntausende ins Land strömen, das eine wahre Wiederauferstehung erleben und seinen Kindern in der unsäglichen Not des Golus eine wahre Heimat fein könnte. Oberrabbiner Kuck spricht in ergreifenden Worten seinen tiefen Schmerz darüber aus, daß junge Elemente, nicht ohne Schuld ihrer Führer, ganz und gar vergessen und übersehen, daß nur der Glaube an G'tt und die Treue zu seiner Thora unser Anrecht auf das Land G'ttes und der Thora verbürgen und daß sie mit der Aufgabe dieser Bindungen auch alle inneren Beziehungen zum heiligen Boden verlieren. Es werden zuletzt im Schreiben drei konkrete Forderungen aufgestellt: 1. Die Entweihung des Sabbat und der Festtage muß mindestens im öffentlichen Leben aufhören. 2. Die unrituellen Küchen, mindestens diejenigen für das Volk und bestimmte Arbeitergruppen, müssen geschlossen und auf ritueller Grundlage umgestaltet werden. 3. Es darf keine Chomezverpflegung mehr am Pesiach geben.

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