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Der Israelit · 1931-04-30 · Heft 18 (30.4.1931) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 18 (30.4.1931)
Date
1931-04-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 13 .Der Israelit 30. April 1930 die angebliche Zurücksetzung mit ökonomischen Schwierigkeiten und der Ueberproduktion an jüdischer Intelligenz. lieber die Lage der jüdischen Studenten in Oe st erreich kommen Vertreter der Juden sowie auch der völkischen Studenten zu Wort. Die Konferenz wird am 18. abends geschlossen, nachdem sie einige Richtlinien aufgestellt und den Wunsch ausgesprochen hatte, daß das Weltstudentenwerk in einigen Jahren eine dritte Konferenz einberufe, um die Arbeit der gegenseitigen Verständigung fortzusetzen. Der eingesetzte Ausschuß besteht aus je drei Juden und Nichtjuden. Die Konferenzleitung stellte mit Genugtuung fest, daß bei allen weltanschaulichen Gegensätzen sich eine Verständigungsbereitschaft bemerkbar machte. Auch die völkischen Vertreter wollten mit dem Radau-Antisemitismus nichts zu tun haben, sondern den Kampf mit rein geistigen Mitteln führen. Tagung des Exekutivkomitees der Internationalen Konferenz für Auswandererschutz. Gens, 22. April. Das Exekutivkomitee der Internationalen Konferenz für Auswandererschutz hat eine Sitzung abgehalten, in der im Hinblick darauf, daß infolge der zahlreichen bestehenden Einwanderungsbeschränkungen ein fast völliger Stillstand der Wanderbewegung eingetreten ist, beschlossen wurde, eine Untersuchung über neue Auswanderungsmöglichkeiten anzustellen. Einen breiten Raum in den Beratungen nahm auch die Frage der in ihre Heimatländer mittellos zurückkehrenden Auswanderer ein. Diese Frage gewinnt infolge der auf die Wirtschaftskrise bevorstehende Deportation oder Repatriierung zahlreicher Personen, darunter auch vieler Juden, aus Kanada, den Vereinigten Staaten und Südamerika besondere Bedeutung. Die Völkerbundsabte klung für Kinderwohlfahrt hat dem Exekutivkomitee einen Bericht über das Problem der Sicherstellung des Unterhaltes der von ihren Gatten resp. Vätern in den Auswanderungsländern zurückgelassenen Frauen und Kinder überreicht. Das hier behandelte Problem hat für die Juden besondere Bedeutung. Es wurden statistische Daten hierzu aus Osteuropa, Nord- und Südamerika gesammelt. Die Exekutive faßte wichtige Beschlüsse betr. die Reorganisation der Arbeit und einen engeren Kontakt mit dem Internationalen Arbeitsamt und dem Völkerbund. Zur Generalsekretärin wurde Frau Helene Hofmann ernannt. Die nächste Tagung der Konferenz beginnt am 2. September. Tschechoslowakei. Rabbinerwahlen in der Slovakei. Bratislava, 21. April. In verschiedenen großen Gemeinden des Landes sind in der letzten Zeit Entscheidungen hinsichtlich der Besetzung vakanter Rabbinate gefallen. Der um die Besetzung des Rabbinats in Uzhorod seti Jahren tobende Kampf ist durch einen Schiedsspruch des Munkacser Naw glücklicherweise beendet worden. In Uzhorod hatte man den Oberrabbiner von Deutsch-Kreuz, Rabbi Josef K o h n, zum Oberrabbiner gewählt und auch installiert. Gegen diese Wahl - protestierte die Partei des Minoritätskandidaten, die den ältesten Sohn des Heimgegangenen Oberrabbiners Josua G r ü n w a l d auf Grund der Chasoko in das Rabbinat einsetzen wollten. Die Chasoko-Anhänger erklärten ihren Austritt aus der Gemeinde und errichteten als Anfang einer Sondergemeinde eine eigene Schechito. Das verfassungsgemäße konfessionelle Schiedsgericht kam nicht zustande. Schließlich erkannten beide Teile das Munkacfer Rabbinat als Besdin an. Der Schiedsspruch geht dahin, daß der von der Mehrheit der Gemeinde gewählte Oberrabbiner Kohn, ohne jede Einschränkung als Rabbiner anerkannt wird, der Chasoko-Kandidat, Rabbiner Grünwald, .wird als Roschbesdin mit den Rechten eines Dajon der Uzhoroder Gemeinde eingesetzt. Den F i l i a I gemeinden in den umliegenden Orten wird das Recht zugebilligt, sich von der Muttergemeinde loszutrennen und deren Dajon, Rabbiner Grünwald, zu ihrem Rabbiner zu wählen. Im übrigen wird jede Absonderung von der Gemeinde den Dissentierenden strengstens untersagt. In B e r e g s a s hat der Heimgegangene Oberrabbiner Salomon Schreiber in seinem Testamente seinen Schwiegersohn, Rabbiner Salomon Hirsch, der seit Jahren vertretungsweise als Rabbiner fungierte, zu seinem Amtsnachfolger bestimmt. In der Gemeinde ist Die Woche. Berlin. Wie der ITA. mitgeteilt wird, lagen zu Beginn des Sommerhalbjahres für die Sexta des Realgymnasiums der Israelitischen Synagogengemeinde Adaß Jisroel zu Berlin 74 geeignete Anmeldungen vor. Aus Mangel an Mitteln konnte eine Parallelklasse nicht gebildet werden; es mußten daher 23 Bewerber, die nicht die Grundschule der Adaß Jisroel besucht hatten, zurückgewiesen werden. Bei den Anmeldungen zur Quinta mußten 12 von außen kommende Bewerber abgewiesen werden. — Auf Verfügung des Polizeipräsidenten tritt der Wahlprüfungsausschuß für die Repräsentantenwahlen, bestehend aus den Vorsitzenden der Wahlvorstände, nochmals zusammen, um abermals eine Nachprüfung der ungültigen Stimmzettel vorzunehmen und alsdann das Gesamtergebnis der Wahl vom 30. November 1930 noch einmal festzustellen. — Dr. Eleasar L u b r a n y wird aus Einladung der Funkstunde Berlin am Sonntag, den 3. Mai, nachmittags 3—3.30 Uhr im Berliner Rundfunk einen Vortrag über „Palästina vor und nach dem Kriege" halten. Dresden. Im Frühling und Sommer ds. Js. findet in Dresden eine Internationale Hygiene-Ausstellung statt, die von fast allen Ländern der Welt beschickt sein wird. Die Arbeit der Juden auf dem Gebiete der Hygiene und der Volksgesundheit wird in einer besonderen Abteilung dargestellt werden, die von dem „Verbände der Gesellschaften für jüdischen Gesundheitsschutz" Ose und deren Tochtergesellschaft T o z in Polen organisiert wird. Die Eröffnung der Ausstellung erfolgt Anfang Mai. Würzburg. Im Würzburger Vorort Frauenland ist ein Neubau der I s r a e l i t i s ch e n Lehrerbildungsanstalt entstanden. Der Gründer dieser Anstalt war bekanntlich Distriktsrabbiner Seligmann Bär Bamberg e r im Jahre 1864. Das bisherige Haus in der Bibrastraße 6 wurde am 20. November 1884 eingeweiht. Nürnberg. Die nationalsozialistische Wochenschrift „Der Stürmer" wurde wegen eines veröffentlichten Bildes arst Grund der Notverordnung vom 28. März bis einfchl. 13. Mai verboten. Wien. Laut amtlicher Statistik studierten im Jahre 1930 an der Wiener Universität 2287 jüdische Studenten bei einer Gesamtstudentenzahl von 12 006 Studierenden. Von den Juden haben sich bloß 958, also kaum die Hälfte, zur jüdischen Nationalität bekannt. Riga. Die Mehrheit des lettländischen Sejm stimmte zu, daß in das diesjährige Staatsbudget eine Summe von 50.000 Dollar für das jüdische Schulwesen eingesetzt werde. Bukarest. Der Verband der Rabbiner Altrumäniens und das Bukarester Rabbinat unter Vorsitz von Senator Dr. I. Niemirower haben eine scharfe Protestkundgebung gegen jeden Plan einer Kalenderreform veröffentlicht, die irgendwie die Sabbathaltung erschweren könnte. Wilna. Eine der bedeutendsten Persönlichkeiten, Schneur Salman S e l i g s o h n, ist gestorben. Ein Nachkomme des Rabbi aus Ladl, war er früher eine der festesten Stützen des orthodoxen Judentums in Charkow und, nachdem ihm das bolschewistische Rußland sein großes Vermögen abgenommen hatte, in Wilna. Seligsohn erreichte ein Alter von 62 Jahren. Brünn Der Rektor der deutschen Technischen Hochschule in Brünn, hat den Anschlag einer Ankündigung eines Vortrages des Prager Philosophen Dr. Felix Weltsch am Schwarzen Brett in der Hochschule verboten, weil der Vortragstitel „Antisemitismus als Völkerhysterie" geeignet sei, „die völkischen Gefühle eines großen Teiles der Studentenschaft zu verletzen". Warschau. Eine Verordnung des Ministers für Post- und Telegrammwesen weist die Postämter an, in Zukunft Telegramme in hebräischer Sprache lür das Inland wie für das Ausland, Telegramme in jiddischer Sprache für das Inland, aber nicht für das Ausland zur Weiterbeförderung entgegenzunehmen. Jerusalem. Der jüdische Sekretär der Stadtgemeinde Jerusalem, Abraham Franco, begibt sich demnächst nach London, um mit den Direktoren des palästinensischen Emergency Fund über den Wiederaufbau von Hebron zu verhandeln. Sekretär Franco ist selbst aus Hebron gebürtig. — Im Osten Transjordaniens ließen sich Schwärme von Heuschrecken nieder, und es besteht die Gefahr, daß sie den Weg auch nach Palästina finden. Von der Palästina- Regierung sind für die bedrohten Gebiete alle Gegenmaßregeln getroffen worden. . jedoch ein heftiger Kamps entbrannt, so daß die staatliche Aufsichtsbehörde die Vornahme einer Wahl nunmehr angeordnet hat. Die Regierung soll zwei offizielle Kandidaten benannt haben, außer Rabbiner Hirsch den Oberrabbiner Unsdorser aus Hucenec. In Nitra ist am zweiten Cholhamoedtag unter > größter Begeisterung fast einstimmig Oberrabbiner S. j D. Ungar aus T y r n a u zum Oberrabbiner gewählt worden. Es steht jedoch vorerst in keiner Weise fest, ob der Gewählte diese Wahl annehmen wird. Die Sonntagsruhe. Bratislava, 24. April. Die Verordnung über die Einführung der Sonntagsruhe ist amtlich noch nicht erschienen. Die befürchteten Wirkungen in religiöser Hinsicht zeigen sich indessen schon jetzt. In Bratislava haben schon am ersten Tag Pessach fünf Geschäfte, die am Sabbat und Feiertag geschlossen waren, ihre Läden geöffnet. In einem Falle hat es ein Trödler sogar gewagt, in der Judengasse, unter einem Haustor, feinen armseligen Kram feilzubieten, was ihm von der erregten Menge so energisch verwehrt wurde, daß ein Polizeiaufgebot zu seinem Schutze einschreiten muhte. Es wird schmerzlich vermißt, daß die Gemeinde bisher keine Aktion unternommen hat, um den sabbathaltenden kleinen Kausleuten und Gewerbetreibenden mittesl zinsfreier Darlehen über die schwere Zeit der Versuchung und Krise hinwegzuhelfen. Die Schomre Schabbos-Landeszentrale der „ A g u - das Jisroel-Jugendorganifation" hat dagegen einen Aufruf veröffentlicht, der zwar vorläufig nur Verständnis und guten Willen zeigt, der aber auch gewiß nicht ohne praktische Wirkungen bleiben wird. Der Aufruf lautet: „Die wirtschaftliche Krise und im besonderen der momentane Stand der Sonntagsruhe bringen sämtliche sabbathaltenden Kaufleute und Gewerbetreibenden in eine neue, furchtbar schwere Situation und alle nicht gedankenlos dahinlebenden Juden in Preßburg und im ganzen Lande vor neue große Aufgaben und Pflichten. Die Schomre Schabbos-Zentrale der Agudas Jisroel-Jugendorganifation in der Slowakei will auch jetzt, und jetzt mit gesteigerter Kraft, ohne Scheu vor der Größe der Aufgabe ihre Pflicht erfüllen, wie sie seit Jahren alles getan hat, was in ihrer Macht stand, um die Lage der sabbathaltenden kaufmännischen und handwerkübenden Angestellten und ihrer Arbeitgeber möglichst zu erleichtern. Sie hält die Wacht und wird nicht aufhören, das Gewissen der gesamten jüdischen Bevölkerung wachzurütteln, daß es alte und neue Pflichten gegen die wirtschaftlich schwachen und täglich mehr geschwächten Brüder gibt, deren Erfüllung sich über manche Rücksichten normaler Zeiten hinwegsetzen muß. Der sabbathaltende und unter allen Umständen dem Sabbat treubleibende kleine Kaufmann und Handwerker muß gestützt werden. Das ist eine unleugbare und von jedem Kenner der Sachlage klar erkannte Tatsache. Wer soll diesen Wankenden Beistand leisten? Das ist die dringendste Frage der Stunde. Die Schomre- Schabbos-Zentrale gibt darauf eine klare und eindeutige Antwort: Wir alle! Jüdische Kaufleute und Gewerbetreibende! Es soll ein möglichst vollständiges Verzeichnis der sabbathaltenden kaufmännischen und handwerklichen Betriebe angelegt und der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werden. — Gebet eure genauen Adressen, nebst Bezeichnung der Branchen sofort an uns aus! Dieses Verzeichnis soll ein Mahner sein und den Konsumentenkreis, der guten Willens ist, an seine Pflicht gegen euch erinnern." poSen. Ueberschwemmung im ganzen Osten. Warschau, 26. April. Die katastrophalen Ueberschwemmungen, von denen Ostpolen mit Wilna betroffen worden ist, haben die Not unter der jüdischen Bevölkerung dieses Gebietes ins Ungeheure gesteigert. In Wilna und in mehreren meist von Juden bewohnten Städten und Städtchen der Umgebung wurden mehrere hundert von jüdischen Familien bewohnte Häuser und zahlreiche von Juden betriebene Gewerbe- und Industrieanlagen, darunter große Gerbereien, die zahlreiche jüdische Arbeiter beschäftigen, überschwemmt und zum großen Teil vernichtet. Die meisten der betroffenen Familien konnten nur das nackte Leben, retten. Die Not ist unbeschreiblich groß.

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