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Der Israelit · 1931-04-23 · Heft 17 (23.4.1931) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 17 (23.4.1931)
Date
1931-04-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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23. April 1931 Nr. 17. Seite 7 kens hat er sich durch sein tiefes talmudifches Wissen, seinen Pflichteifer im Amte und seinen hohen menschlichen Tugenden das Vertrauen und die Liebe der ganzen Gemeinde erworben. Wir wünschen dem Jubilar weitere ungetrübte Jahre der Gesundheit und der Arbeit zum Besten seiner Kehilla und des thoratreuen Judentums. Berlin, 15. April. In Berlin verstarb im Alter von 75 Jahren der Professor für alte Geschichte an der Berliner Universität, Hermann. D essau, der älteste Sohn des bekannten langjährigen Direktors der Israelitischen Bürgerschule in Fürth, Dr. Dessau s. A. Prof. Hermann Dessau, einer der Mitbegründer der Akademie für die Wissenschaft des Judentums Und Vorsitzender des Forschungsinstituts der Akademie war ein Historiker von hohem Rang. Er arbeitete an Mommsens Corpus Jnscriptionum Latinarum mit und gab in der Jnfchriftensammlung der Berliner Akademie der Wissenschaften die Jnscriptiones Latinae selectae heraus. Von seinen Werken ist ferner eine „Prosopographia imperii Romani" zu erwähnen. Zuletzt arbeitete er an der Herausgabe einer umfassenden Geschichte der römischen Kaiserzeit. Im Jahre 1917 wurde ihm das juristische Ehrendoktorat der Universität Erlangen verliehen. London, 15. April. Montag den 9. Februar verschied Salomon Stern-Levy rm 87. Lebensjahrs. Die allgemeine Teilnahme in London, sowie auf dem Kontinent, legte Zeugnis ab, daß er kein Alltagsmensch war, daß sein Andenken von Hunderten in Ehren gehalten werden wird. Ausgestattet mit einem phänomalen Gedächtnis, klarer, durchdringender Urteilskraft, einer fast hypnotischen Willensstärke und einnehmender Liebenswürdigkeit, dazu von eiserner Konstitution, war es ihm möglich, ssinen Herzenswunsch zu betätigen, der darin bestand,.für die Aufrechterhaltung unserer Thora zu wirken und seinen Mitmenschen beizustehen, sei es mit eigenen Mitteln oder durch Beeinflussung Anderer. „The Frumm Levy" nannte man ihn im Eastend. Seine Gastfreundschaft kannte keine Grenzen. Seinen Jugendunterricht erteilte Rabbi Wolfsheimer bn, Schüler von Rabbi Wolf Hamburger bn Fürth. Salomon Levy war einer der ersten Gründer der „Ohel Jakauw"-Gemeinde in München und beschenkte diese mit der Menorah aus Glickshofen. Auf Veranlassung von Samson Raphael Hirsch bewirkte er, daß das „Porschen des Hinterviertels" in München unterblieb. Seit 47 Jahren in London ansässig, zählte er zu den ersten Mitgliedern des Ghettos, der Ez Chajim Jefchiboh, der Talmud Thora, Moschaw Sekeim, Gemilus Chafodim Chewroh, sowie North London Bes Hamidrosch, jetzt Adaß Jisroel. In der Dukes Place- Synagoge fungierte er 31 Jahre lang als „honorary Reader". Bis zuletzt war er stets einer der Ersten beim Morgeng'ttesdienst, den er mit „Tehillim" einleitete. Er kostete alle Phasen des Lebens, blieb stets in allen Lebenslagen seinen religiösen Pflichten treu, sein Herz, dem der Begriff „fremd" absolut fremd war, schlug bis zur letzten Sekunde den Hilfsbedürftigen entgegen. iL'v!UiN2«i>,bis zur letzten Sekunde blieb fein Auge klar rmV oj bis zum letzten Atemzuge war seine Energie ungelähmt. Er hatte in der Jugend den Chower von Rabb. Dr. Aub bn, später von Rabb. Dr. Schoenfeld b"v Ersterer pflegte bei derartigen Persönlichkeiten zu sagen: „Mit ihm begraben wir ein Stück Geschichte". Bei der waren der Chief-Rabbi und Dr. Elkan Adler anwesend, sowie eine große Anzahl Freunde aus allen Teilen Londons. Herr Rabb. Dr. Munk hielt eine ergreifende Ansprache. rrassn Thüngen, 20. April. Wegen Erreichung der gesetzlichen Altersgrenze wurde Oberlehrer Freudenberger von der unterfränkischen Kreisregierung unter Anerkennung feiner Dienstleistungen den dauernden Ruhestand versetzt. Mit ihm verläßt ein Schulmann, der 46 Jahre als Volksschullehrer und Kultusbeamter seine ganze Arbeitskraft, sein reiches Können und seinen aufopfernden Fleiß in den Dienst einer Reihe unterfränkischer Gemeinden; gestellt hatte, seinen Wirkungskreis. Ueber ein Jahrzehnt betreute Oberlehrer Freudenberger die altehrwürdige mnp in Thüngen, die größte unterfränkische Landgemeinde, die in der jüdischen Welt noch einen guten Klang besitzt. Unermüdlich arbeitete er in seiner Schule, tatkräftig als Leiter der verschiedenen Vereine. Der Gemeinde war er stets ein treuer Berater und dem einzelnen gegenüber immer hilfsbereit und entgegenkommend. Wenn in anderen Gemeinden gerade in den letzten Jahren vom alten jüdischen Lebensbaume gar manches abbröckelte,, so hat es Freudenberger verstanden, dank seiner vortrefflichen Führereigenschaften und durch sein leuchtendes Vorbild an tiefinnerer Jüdifchkeit und Selbstlosigkeit, den alten Geist und die althergebrachten Traditionen zu erhalten. Kultusverwaltung, Schule und Jugendverein beresteten dem Scheidenden, der nach Würzburg übersiedelte und den die Gesamtbevölkerung nur ungern ziehest ließ, erhebende Abschiedsfeiern. Möge Herrn Oberlehrer Freudenberger und seiner Gemahlin noch ein sonniger Lebensabend in Gesundheit und Wohlergehen beschicken sein. Vermischtes. Vurgpreppach, 20. April. Die Talmud Thora-Schule, die vor 83 Jahren von Rabbiner A. Hirsch t-?~x gegründet worden ist und seitdem als Präparandie eine große Anzahl jüdischer Lehrer; vorgebildet hat, ist den Der Israelit Zeitverhaltnissen gemäß zu einer Bürgerschule umgebildet worden/ Sie soll jüdischen Kindern und Jünglingen eine weitgehendere Ausbildung in den verschiedenen Religionsfächern und auch in den Handelswissenschaften vermitteln. Die Leitung liegt in den Händen des Bezirksrabbiners Dr. M. Ephraim, der auch einen Teil des talmudifchen Unterrichtes erteilt. Für die Sprach- und Handelsfächer ist jetzt ein Handelslehrer angestellt worden. Volksschulpflichtige Kinder besuchen die Israelitische Volksschule und erhalten in der Talmud- Thora i^och einen besonderen Ergänzungsunt^rrichü Für billige und gute Pension sorgt der Anstaltsleiter durch Unterbringung der Schüler bei guten Familien. Eltern, die ihre Kinder durch religiöse und profane Unterweisung für das Leben vorbereiten lassen wollen, werden es gewiß begrüßen, daß die Talmud Thora- Schule ihnen hierzu Gelegenheit bietet. Die Schülerzahl ist denn auch im Ansteigen Degriffen. Die Kinderecke mußte diesmal aus technischen Gründen für nächste Woche zurückgestellt werden. Briefkasten. N. N. V- Mk. 20.— eingegangen. Die Verhältnisse sind selbstverständlich geprüft. Lehrer K. in A. Der 11. Juli 1872 entspricht dem 5. Tamus 5632. Gruß! Erholungsbedürftige Knaben finden im an bester waldreicher Höhenlage gelegenen Hause von Lehrer Wetzl er in Königstein liebevolle Ausnahme und fürsorgliche Pflege. Realschule und Lyzeum am Platze. (Näheres stehe Inserat.) Die lvoche. Doppelsijum im Wekor Chajim. Vom Mekor Chajim wird uns geschrieben: Nach einem Studium von über 10 Jahren unter bewährter Leitung des Herrn Rabbinatsassessors G. Pose n wurde in diesen Tagen die 'on mm ausgelernt. Außerdem wurde unter Leitung des Herrn Herz H a l p e r n die pm, 'oa mm ausgelernt. Wir wissen uns eins mit unseren Mitgliedern, wenn wir den Abschluß dieser Lerntätigkeit, von der gewiß manche Anregung und Förderung der Tauroh ausgeganaen ist, in einer Doppelsijumseier festlich begehen. Zu diesem Doppelsijum, der, s. G. w., Rausch C h a udesch Siwan (17. Mai) stattfinden wird, laden wir unsere Mitglieder und Freunde herzlichst ein. Den Zeitumständen entsprechend f’y.oef dek Sijum in einfachem Rahmen in unsere Vereinslokal, Langestrahe 18, statt und (st der Teilnehmerpreis dementsprechend auf nur Mk. 2.50 festgesetzt, um allen Freunden die Teilnahme zu ermöglichen. Wir bitten Interessenten, sich recht bald bei unseren Verwaltungsmitgliedern anzumelden, da der beschränkte Raum nur eine gewisse Anzahl von Teilnehmern zuläßt. Erez Jisroel-Arbeiksgemeinschaft der Agudas Iisroel- Iugendgruppe. Die Agudas Jisroel-Jugendgruppe veranstaltet unter Leitung des Herrn Rechtsanwalt Dr. Jfaac Breuer im Sommersemester eine Erez Jisroel-Arbeitsgemeinfchaft. Zeit: Mauzoe Schabbvs % Stunde nach Nacht. Ort: Schwanenstraße 12 pt. Beginn dieser Arbeitsgemeinschaft: Mauzoe Schabbos, den 35. April, 31 Uhr. Gäste — Damen und Herren — willkommen. Schiur für Jugendliche (Bowo Kamo) unter Leitung des Herrn Gemeinderabbiners Josef I. H o r o w i tz jeweils Montag und Mittwoch, 20.30 Uhr im Heim. Sommerprogramm der Agudas Jisroel-INädchengruppe. Die Agudas Jisroel-Mädchengruppe beabsichtigt, englische, französische und Stenographiekurse für Damen und Herren einzurichten. Die Leitung der englischen Arbeitsgemeinschaft wird Frl. Studienrätin R. L a b e n s k y, die Leitung der französischen Kurse Herr Studienrat S. Kaufmann übernehmen. Der Stenographiekursus wird ron Hernr Lehrer S. Adler geleitet werden. Anmeldungen bitten wir an den Vorstand zu richten. (Bürosiunde Sonntag Vormittag im Vereinslokal Schwanenstraße 12). Csra-Ferienheim. Der Frankfurter Esra beabsichtigt, in den diesjährigen Sommerferien, wie in den vergangenen Jahren, Ferienheime für Knaben und Mädchen von 14 Jahren ab zu eröffnen. Der Pensionspreis beträgt pro Tag höchstens Mk. 3.—. Bei entsprechender Beteiligung kann sich der Preis ermäßigen. Auch Richtesräer- und Esräerinnen finden Aufnahme. Anmeldungen nimmt, möglichst umgehend, Michael Posen, Sandweg 44, Tel. 46 921, entgegen. Dieser ist auch zu jeder Auskunft bereit. Gemeindevertretung der Israelitischen Gemeinde am 22. April. Weltbewegend Neues brachte die halbstündige Sitzung nicht, aber immerhin, einige charakteristische Zeichen der Zeit, teils bedauerlicher, teils erfreulicher Art. Zunächst das Bedauerliche — wenn matt bas, Wunschbild der Konservativen nach einer jüdischen Gestaltung der Schule als Tatsachenbild nehmen könnte —: auch die Existenz des Philanthrop in scheint nicht mehr auf Granit gegründet. Vorstand, Schulrat, Fraktionsführer haben sich sehr ernsthaft und eingehend mit seiner Zukunft in materieller und auch in geistig-jüdischer Hinsicht beschäftigt. Einschneidende Sparmaßnahmen, wohl auch Abbaumaßnahmen werden unausbleiblich sein. Die Erörterungen sind noch nicht zu Ende geführt, der Gegenstand wird daher zurückgestellt. — Dann das erfreulchie Symptom. Das hochgesteigerte Verpflichtungsgefühl von Juden gegen Juden, augenblicklich doppelt notwendig, hat die Ritualkommission zu einer Umfrage bei den ihrer Aufsicht unterstellten Geschäften veranlaßt, wieviele jüdische und wieviele nichtjüöische Angestellte sie beschäftigen. Resultat: 2 2 jüdische und 39 nichtjüdische. Die Firmeninhaber wurden eingeladen und man hat ihnen sehr nachdrücklich zu verstehen gegeben, daß es ihre moralische und jüdische Pflicht sei, das Verhältnis anders zu gestalten. Der zionistisch-revisionistische Neuling des Jahrgangs 1931 in der Gemeindevertretung unterstrich das noch recht kräftig und meinte, auch die Wirtschaftskommission solle sich weit über den Kreis der beaufsichtigten Geschäfte hinaus mit der Frage der Unterbringung jüdischer Angestellten befassen. Im Uebrigen haben manche Firmeninhaber ihre Bereitwilligkeit erklärt, dem Wunsche nach stärkerer Einstärkung von jüdischem Personal bei Wechsel Rechnung zu tragen, was eigentlich ein Gebot der sozialen und jüdischen Gerechtigkeit ist und überall gehandhabt werden sollte. Die chronologische Reihenfolge umstürzend, berichten wir, daß der stellvertretende Vorsitzende zu Beginn der Sitzung des verstorbenen Julius Carleb ach gedachte, der von 1902—1904 im früheren Ausschuß der Gemeinde amtierte und späterhin in noch jugendlicher Begeisterung und echtjüdischer Hingabe für die Religionsschule als ihr Vorsitzender wirkte. - Wir hätten einen anderen Nekrolog an erster Stelle erwartet, der ganz ausblieb: den auf Jfaac Mainz b"ish dieses kostbare Prototyp vollendetster, bewußt und unbewußt bis ins Kleinste gemeißelter, mit jedem Zoll seines gesegnet langen und doch zu früh abgebrochenen Daseins heilige Glut, heilige Treue, heilige Demut und sieghafte Lebensüberwindung ausströmender Jüdischkeit. Rühmend erwähnt wurde dann Dr. Alfted Günzbürg, der jüngst sein 70. Lebensjahr vollendete. Er war 17 Jahre als Chefarzt am Krankenhaus Gagernstraße tätig und hat maßgebend beim Neubau und seinen Einrichtungen mitgewirkt. — Kanzleidirektor Meyer blickt auf eine 25jährige Tätigkeit zurück. Er ist ein Muster redlichster Pflichterfüllung, strengster Gewissenhaftigkeit und liebenswürdig-humanen Wesens gegen jedermann — Reich und Arm. Schule der Jugend. In der „Schule der Jugend" (Hochstraße 42) und „Gesellschaft der jüdischen Volksbildung" findet am Samstag, den 25. April, 20.45 Uhr, im großen Saal der Frankfurt-Loge die Vorführung einer fiktiven Gerichtsverhandlung statt, betitelt: „Die jüdischen Angestellten". Es kommen zu Wort: Parteivertreter, Vertreter der Gewerkschaft, Sachverständige, Richter, Zeugen. — Folgende Herren haben ihre Mitwirkung zugesagt: Ernst Kahn, Leopold Merzbach, Lothar Bauer, Kurt Löwenstein, Dr. Moser, Syndikus Dr. Mayer, Rechtsanwalt Dr. Nawratzki, Dr. Millner, Dr. Pomsranz, Studienreferendar Winter, Gerichtsreferendar Guthmann, Max Fedelein, Frau Äernfeld-Jacoby. Man hat die Form der Gerichtsverhandlung gewählt, weil sie eine eingehende und durchgreifende Behandlung dieses Themas ermöglicht und man erwartet als Gäste alle jüdischen Menschen, die für diese wichtige Zeitfrage Interesse haben. Eintritt Mk. 3, 2, 1.28, 0.75 und 0.50. Die russische Sphynx. Das russische Problem beschäftigt heute alle. Für die einen der Himmel der Verheißungen, ist Rußland für die anderen die Hölle aller Pein. Kein Wunder darum, daß sich am Dienstag abend ein nach Tausenden zählendes Publikum im großen Saalbau einfand, um einen Eingeweihten, den deutsch-russischen Schriftsteller Gustav Adolf, über die Dinge in Rußland, seine eigenen Beobachtungen und Erlebnisse sprechen zu hören. Veranstaltet war der Vortrag von der Evangelischen Volksvereinigung, dem Katholiken-Komitee und dem Eentraloerein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Das Publikum setzte sich dementsprechend aus allen Konse^ sionen und Schichten der hiesigen Bevölkerung zusammen. Auch eine große Anzahl von Kommunisten war geschlossen da, um in Zwischenrufen, allerlei Störungen und mit der Internationale Bekenntnis für den Sowjetstern abzulegen. Der Redner, ein temperamentvoller Herr mit baltischem Akzent, aber von gewandter, oft hinreißender Rhetorik, hielt sich an keine straffe Disposition. Er sprach, wie es gerade kam, von der Vergangenheit und Gegenwart in Rußland, von Zarismus, Stolypin, Kerenski, Rafputin, der Zarin und dann den neuen Männern der bolschewistischen Despotie. Die russische Volksseele sei rein und gut und vollkommen unschuldig an den Pogromen sowohl, am Weltkrieg, wie an den Schandtaten der Bolschewiken. Immer ist es die asiatische Knute, die über den russischen Koloß geschwungen wird; ob die kleine adelige. Oberschicht um Nikolaus, oder die heutigen Beherrscher, des Kreml, es sind lauter Mongolen und Fremdstämmige. Rasputin stellt er besser hin, als man

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